Verlagsblog

Nachgefragt: Keith Lowe, Der wilde Kontinent

Mittwoch, 19. November 2014

Man muss nicht immer seinen eingefahrenen Gewohnheiten folgen. Auf diesem Blog erscheinen zuerst der Lesebericht- Beispiel > Lesebericht: Ulrich Raulff, Wiedersehen mit den Siebzigern und dann der Beitrag mit dem Vdeo zum Buch > Nachgefragt: Ulrich Raulff, Wiedersehen mit den Siebzigern. Ausnahmen sind erlaubt, also diesmal zuerst das Video mit dem Gespräch mit Keith Loew über sein Buch Der wilde Kontinent. Europa in den Jahren der Anarchie 1934-1950, das am 22.11.2014 in der Übersetzung von Stephan Gebauer und Thorsten Schmidt bei Klett-Cotta erscheinen wird. Unser > 161. Video

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Wir haben Keith Lowe auf der Frankfurter Buchmesse getroffen. Er ist einer der herausragenden britischen Historiker der jüngeren Generation. Für »Der wilde Kontinent« erhielt er 2013 den angesehenen Sachbuchpreis des englischen PEN: den »Hessell-Tiltman Prize for History«. Das Buch war einer der Sunday Times Top Ten Bestseller. Zahlreiche Fernseh- und Radiobeiträge in England und den USA. Mit seinem Buch Der wilde Kontinent will er sich von Tony Judts Die Geschichte Europas von 1945 bis zur Gegenwart, München/Wien: Hanser 2006, Orig. Postwar. A History of Europe Since 1945, New York: Penguin 2005 deutlich absetzen. Im Mai 1945 gab es einen Waffenstillstand, aber das Chaos wurde erst sor richtig offensichtlich. Wir haben Keith Lowe gefragt, inwieweit die unmittelbaren Nachkriegsjahre den Kalten Krieg beeinflußt haben? Jedes Land machte im unmittelbaren Anschluss an das Kriegsende ganz andere Erfahrungen? UNd Deutschland brauchte bis zur Gründung der Bundesrepublik 4 Jahre.

Keith Lowe
Der wilde Kontinent
Europa in den Jahren der Anarchie 1943–195
Aus dem Englischen von Stephan Gebauer und Thorsten Schmidt (Orig.: Savage Continent)
1. Aufl. 2014, 526 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, Tafelteil mit zahlreichen s/w-Abbildungen,
ISBN: 978-3-608-94858-5

Lesebericht: Per Leo, Flut und Boden

Mittwoch, 5. März 2014

| Merkur 778 – März 2014 ist erschienen | Lesebericht: Adam Hochschild, Der Große Krieg | Unser ambulantes TV-Studio

Per Leo hat eine Familiengeschichte und zugleich eine Betrachtung der Geschichte des 20. Jahrhunderts verfasst. Die Erzählung beginnt mit den Besuchen bei der Großmutter in der Weserstraße 84 in Bremen Vegesack. Und der Beschreibung der alten Familienvilla, Leos Beschreibung der Etagen und der Lage des Hauses geht in seine Erzählungen über, sie werden Bestandteil der Handlung. Fast ist es so, als könne man sich nach der Lektüre in diesem Haus bewegen und dort ihre schon vertrauten Bewohner kennenlernen. Es geht um die Erinnerung an den Großvater, dessen SS-Existenz als Abteilungsleiter im Rasse- und Siedlungshauptamt der SS er nach dessen Tod entdeckt und die ihn zum Historiker macht, ganz stimmt das nicht, er studiert schon Geschichte, aber die Erkenntnisse über den Großvater, die er eigentlich schon ahnte, verdoppeln seine historische Passion. Er geht allen Spuren nach, erzählt aber nur, was er aufdeckt, nicht was sein Großvater Friedrich alles gemacht hat. Und da ist noch sein Großonkel Martin, eher ein Schöngeist, der sich ganz anders entwickelt hat. Er wohnte in der Dedeär (S. 206) und Per hat ihn einmal, als er fünf Jahre alt war gesehen.

Die Erinnerung an die Familie besteht aus vielen Erinnerungen und Schicksalen, die Per Leo zu verschiedenen Erzählsträngen ordnet- mit deren Lektüre der Leser seine Nachforschungen miterlebt. Bedenkt man, dass das Porzellanservice seiner Ururgroßmutter 48 Gedecke gehabt hat, die an Festtagen aufgefahren wurde, kann man sich vorstellen, welche Bedeutung die Familie schon damals gehabt haben muss, als die Honoratioren in das Haus eintraten. Und dann gab es die beiden untersten Fächer des Bücherregals, dessen Vorhang man wohl aus guten Gründen jahrelang nicht angehoben hat. Als die Großmutter dessen Inhalt freigab, sicherte sich Per den Inhalt dessen, was sich als Giftschrank herausstellte. Das Haus, die Familie, Familienwappen, Bücher… „Da komme ich her,“ schreibt Leo am Ende des ersten Kapitels.

„Nazienkel“ (S. 37) wurde er und beschreibt, wie er nach Informationen über seinen Großvater forschte: Document Center und Bundesarchiv in Berlin, Zentrel Stelle der Landesjustizverwaltungen in Ludwigsburg, ein Stück kam zu andern, Namen wie > Werner Best tauchen auf und Leos Wunsch, Historiker zu werden ohne ein wirklich klares Ziel verfestigt sich. Die Geschichte prägt die Menschen und Per Leo wollte herausfinden, inwieweit die Menschen, und gerade im Fall seines Großvaters, bei der Gestaltung der Geschichte mithelfen. Es ist nicht alles nur Fatalität. Warum hat Martin sich so anders als sein Bruder Friedrich entwickelt, der sich mit seinem fehlerhaften Lebenslauf bei der SS beworben hatte?

1909, Friedrich war sechs, bezogen seine Eltern die „Villa mit der Hausnummer 84“. (S. 90) Aber es sind nicht Spuren, inwieweit hier tatsächlich die wahre Geschichte einer Familie erzählt wird, es sind die so gelungenen Bezüge zwischen der Familiengeschichte und der Zeitgeschichte, die den Leser in ihren Bann ziehen. Fast ein Staunen darüber, wie sich das alles ereignen konnte. Die Passion des Historikers, Funde zu machen und das Puzzle zusammenzusetzen wird mitgeliefert.

„Gewöhnlich ist der Mensch verwachsen mit dem, was nah ist: den zuhandenen Dingen auf dem Tisch, im Garten oder auf der Straße.“ (S. 107) Die Dinge, das Haus, die Örtlichkeiten sind die Vektoren für die Erinnerung. Als der Vater von Martin und Friedrich 1915 fällt, verändert sich das Haus und seine Bewohner. 1932 ohne Berufsabschluss kommt Friedrich immer mehr mit der Nazi-Ideologie in Kontakt. Wieder fallen Namen. Heinrich Himmler und > Walter Darré („zwei Stadtflüchtlinge mit Sympathien für die Hitler-Bewegung“ (S. 159) Als Neubauer tritt Friedrich 1934 in die SS ein.

Kurz nach Kriegsende erhält seine Familie seine moralischen und pädagogischen „Richtsätze“, die Friedrich in der Gefangenschaft verfasst und an die Familie adressiert hat: „Wie ist dieser Moralexzess der Moralbrecher zu verstehen?“ fragt Per Leo und „Möglicherweise hatten sie auch nicht mehr alle Tassen im Schrank.“

Nehmen Sie sich ein wenig Zeit, gehen Sie in > die nächste Buchhandlung und rechnen Sie damit, dass Sie dieses Buch in einem Zug in einem Zug durchlesen werden. Das ist hier nur ein Lesebericht, eine Rezension über Bücher aus dem eigenen Haus werden hier nicht verfasst, aber dieses Buch ist eine Einladung, die Verbindung von persönlicher Geschichten mit der Zeitgeschichte genauer zu untersuchen. Einerseits erzählt Per Leo, und andererseits hat er ein Protokoll seiner Recherchen angefertigt.

Per Leo
> Flut und Boden.
Roman einer Familie

2. Aufl. 2014, 352 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-98017-2

Nachgefragt: Ernst Jünger, Kriegstagebuch 1914-1918

Dienstag, 5. Oktober 2010

Bei Klett-Cotta sind gerade die Kriegstagebücher von Ernst Jünger, zum ersten Mal erschienen. Helmuth Kiesel hat den Band mit präzisen Anmerkungen versehen und herausgegeben.

Bei Ausbruch des Krieges meldet sich der 19-jährige Ernst Jünger als Kriegsfreiwilliger und wird Soldat des Hannoverschen Füsilier oder Infanterie-Regiment Nr. 73. Er wird die großen Schlachten in Flandern, an der Somme und bei Cambrai mitmachen und beginnt sogleich ein Tagebuch. Am 4. Januar 1915 schreibt er: „Ich bin sehr neugierig, wie sich ein Shrapnellbeschießung ausmacht. Im allgemeinen ist mir der Krieg schrecklicher vorgekommen als er ist.“

Jünger protokolliert sachlich das Töten und Sterben um ihn herum. Entschlossenheit ist sein bester Schutz. Dann aber lässt er doch auch offenkundige Betroffenheit erkennen: Am 24. April entdeckt er kurz vor dem eigenen Graben drei tote Franzosen: „Im übrigen ertrugen meine Nerven den Anblick ohne Erregung; aber der Gedanke, dass in diesen Köpfen auch Gedanken, Wünsche und Hoffnungen lebendig gewesen waren, erweckte in mir dieselbe Rührung, die man beim Anblick alter Burgruinen empfindet.“ Trotz der genauen, bisweilen nüchternen Beschreibungen der Gefechte, bleibt auch Jünger von dem Grauen nicht unberührt. Dann ändert er den Ton, und das Tagebuch wird ihm eine Hilfe, den Wahnsinn zu ertragen: Manchmal drückt er sein Bedauern aus, wenn eine Gelegenheit zu einem Gefecht verstreicht: „Leider konnten wir keinen von ihnen erlegen.“ (6.Okt. 15)

Manchmal macht ihm die militärische Hierarchie zu schaffen, der er durch seine Beförderung zum Leutnant etwas entkommen kann: Hin und wieder kriegt er einen Rüffel und verspricht dann zu seinem eigenen Schutz seinem Tagebuch, seine „Heldenbrust gegen künftige Angriffe von Vorgesetzten mit einer dreifachen Schicht Gleichgültigkeit zu Panzern.“ (26. Okt. 15).

Er ist ein genauer Beobachter, notiert viele Einzelheiten analysiert präzise die Geräuscharten der herumfliegenden Projektile. (10.1.61) Er sammelt trotz Beschießung in Monchy Käfer (3.11.16) und freut sich an den ersten Faltern (12.III. 16). Natur und Krieg. Manchen Fidelitäten fällt schon mal die Einrichtung eines Kasinos zum Opfer das sind Gelage, bei denen viel Alkohol fließt.

Ernst Jünger Dann kommen die ersten Einsätze mit Gas (Juni 1916) und am 29. Juni 1916 notiert er „Wenn die Schweinerei, wie wahrscheinlich, noch viel länger dauert, wird zuletzt überhaupt niemand mehr am Leben sein.“ Langsam deuten sich auf diese Weise hin und wieder mal kritische Töne an. Dann aber am 3. August schreibt er wieder: „So fremd es klingt, hier lernt man wieder Ideale kennen, die volle Hingabe bis zum grausamen Schlachtentode.“ Wenn er als Kompanieführer seine Truppe führt, notiert er: „Welche Lust eine Truppe durch solches Gelände zu führen.

Da zeigt sich der wahre Soldat.“ (28.4.17), und er freut sich, wenn seine Leute sich in verzweifelten Lagen an ihn klammern. (19.6.17).
Am Ende des Krieges läßt Jünger Enttäuschungen erkennen und ärgert sich, wenn seine Leute nicht erwähnt werden: „Die Füsiliere der 7/73 und die Leute, die die Sache geführt (nicht geleitet) haben, zu erwähnen, lohnt sich nicht der Mühe. Die Lorbeeren ernten andere Leute. Das bin ich seit 3 1/2 Jahren gewöhnt.“ (23.8.18)

Heute hat Michael Klett mir die Gelegenheit gegeben, ihm, von meinem „Leseerlebnis“ zu berichten und einige Fragen zu Jüngers Kriegstagebuch zu stellen.

Gespräch mit Michael Klett über die Kriegstagebücher 1914-1918 von Ernst Jünger:

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ca. 22 Minuten

> Ernst Jünger
> Kriegstagebuch 1914-1918
Herausgegeben von Helmuth Kiesel
Auflage: 1. Aufl. 2010
655 Seiten
ISBN: 978-3-608-93843-2

> Ernst Jünger

Zur Buchmesse 2010 erscheint als vollständig überarbeitete Neuausgabe mit bisher unveröffentlichten Dokumenten und Fotos der Band von von Heimo Schwilk (Hrsg.), Ernst Jünger, Leben und Werk in Bildern und Texten.

Auflage: 1. Aufl. 2010
336 Seiten
ISBN: 978-3-608-93842-5

Veranstaltungshinweis:
> Große Jünger-> Ausstellung in Marbach (November 2010 bis Februar 2011

Koffer packen: Urlaubszeit ist Lesezeit (I)
Geschichte bei Klett-Cotta

Donnerstag, 5. August 2010

Haben Sie Ihre Koffer schon gepackt? Das Reiseziel fest im Blick? Ein Abstecher nach Paris, vielleicht nur > ein Wochenende in Paris: am besten > kann man hier lesen. Vielleicht reisen Sie auch nach Burgund oder gar mal kurz nach > Venedig? Dann wäre der Band von Ekkehard Eickhoff, > Venedig. Spätes Feuerwerk für Sie eine notwendige Lektüre. Hotel oder Campingplatz gebucht? Vorher noch mit einer > Bücherliste (*.pdf) in der Hand in der nächsten Buchhandlung gewesen? Freuen Sie sich auf ruhige Tage am Pool? > Ohne E-Mail? Die Route im Autobordcomputer einprogrammiert > In vier Tagen von Stuttgart nach Biarritz?. Haben Sie genügend Bücher mitgenommen? Nun, die Gelegenheit ist günstig, Rückschau zu halten. Gucken wir mal ins Geschichtsregal. Ein Blick in unsere Vergangenheit und auch ein Blick in die letzten Besprechungen auf diesem Blog. Mit einem Klick auf den Buchrücken kommen Sie zum Lesebericht oder gleich auf die Website von Klett-Cotta.

Das ist nicht alles. Zur Geschichte kommt morgen noch die andere Regalhälfte dran und dann noch einen Blick auf die Krimis bei Tropen und einige Romane bei Klett-Cotta. Damit Ihnen im Urlaub nicht langweilig wird.

Nachgefragt: Robin Lane Fox,
Die klassische Welt. Eine Weltgeschichte von Homer bis Hadrian

Freitag, 26. März 2010

Noch habe ich nicht angefangen mit der Lektüre von Robin Lane Fox, > Die klassische Welt. Eine Weltgeschichte von Homer bis Hadrian. Aber ich freue mich auf die Lektüre dieses Buches. Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis: Hier geht es um die großen Zusammenhänge, Studenten können Ihr Faktenwissen aufpolieren und Schülern werden wichtige Verbindungen zwischen den Ereignissen und den Jahrhunderten erklärt. Liege ich richtig? Herr Kraushaar, für welche Zielgruppe wurde dieses Buch verfasst?

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mp3: fox-kraushaar.mp3

> Wollen Sie schon mal in > Die klassische Welt. Eine Weltgeschichte von Homer bis Hadrian blättern?

Robin Lane Fox
> Die klassische Welt
Eine Weltgeschichte von Homer bis Hadrian
Aus dem Englischen von Ute Spengler (The Classical World. An Epic History from Homer to Hadrian)
1. Aufl. 2010
Ausstattung: gebunden mit Schutzumschlag, 32 Seiten Tafelteil (s/w und farbig), 11 Karten, Lesebändchen
750 Seiten
ISBN: 978-3-608-94467-9

Millenium: Die Jahrtausendwende und das 11. Jahrhundert

Sonntag, 1. November 2009

Pauls, Die VergangenheitWas geschah um das Jahr 1000 in Europa, in Konstantinopel und in Bagdad? Wie hingen diese Ereignisse miteinander zusammen? Welche Ängste löste das Warten auf den Antichrist aus? Wie entwickelte sich das Verhältnis von weltlicher und geistiger Herrschaft in Europa? Studenten brauchen einen Überblick, in den sie die Erkenntnisse aus den Seminaren und Vorlesungen verankern können. > Millenium hätte ich gerne auch schon im Studium gehabt.

Der Leser lernt hier vor allem, dass es einen abgegrenzten Blick nur auf die europäische Geschichte im Mittelalter gar nicht geben kann. Nein, es ist noch keine Globalisierung, aber er wird sich darüber im klaren werden, dass die Ansprüche aller anderen Reiche ganz ohne Zweifel an der Geburt der europäischen Geschichte der Neuzeit ganz besonders eng beteiligt sind. Und je aufmerksamer man dieses Buch lest, so genauer wird man merken, dass heute eine Beurteilung des Islams ohne die historischen Kenntnisse, die in diesem Buch vermittelt werden, also der Jahrhunderte vor und nach dem Jahr 1000 nicht möglich ist. In dieser Zeit entstehen die die politischen und die geistigen Begriffe, die heute noch die Auseinandersetzung zwischen dem Christentum und dem Islam prägen. Auf diese Wiese führt dieses Buch auch die besondere Bedeutung der Geschichte und ihrer Kenntnisse für die heutige Politik in sehr lebendiger Form vor.

Manchmal gibt es die ein oder andere Länge zugunsten einiger Detailschilderungen, die zum Gesamteindruck der Ängste vor dem Jahr 1000 gehören. Sehr eindrucksvoll hat Holland im ersten Teil die Versuche von Papst und Kaiser beschrieben, jeweils mehr Macht als der andere zu beanspruchen. Die Trennung zwischen weltlicher Politik und geistigen Ansprüchen sind im Westen weit vor dem Jahr 1000 entstanden. Holland übersieht auch nicht die Macht einzelner Gelehrte und die herausragende Rolle der Klöster wie Cluny. Und er lässt das eigene Engagement der Herrscher, der Könige ud Kaiser lebendig werden.

Lässt man sich auf dieses Leseerlebnis ein, bekommt man als Lohn ein historisches Gerüst für die Zeit vor und nach dem Jahr 1000, das für ein Weiterlesen und eine Vertiefen einzelner Themen motiviert. Europäische Geschichte wird meist immer in einem eng begrenzten Rahmen betrieben, Selten wird zugleich auch Konstantinopel oder gar Bagdad mit berücksichtigt. Aber auch wer angeben, kann, mit der europäischen Geschichte des Mittelalters vertraut zu sein, kann einiges zur englischen Geschichte dieser Jahrhunderte lernen. Holland bietet dafür Grundlagenwissen. Im Studium haben wir immer regional und zeitlich begrenzte Themen behandelt. Hier wird eine Gesamtschau der europäischen Geschichte um 1000 geboten.

Was für ein > Lesewochenende! An einigen wenigen Stellen stehen einige zu saloppe Übersetzungen, das schadet aber dem Gesamteindruck nicht. Noch besser wird dieses Leseerlebnis mit einem > Atlas zur Weltgeschichte, ist der gerade nicht zur Hand, ist das nicht tragisch, der Band von Holland enthält auch einige Karten, die bei der Lektüre aber doch mal mit einem Geschichtsatlas ergänzt werden könnten.

Überblickswissen ist Wissen, das auch die Zusammenhänge erläutert, und das bietet Tom Holland.

Tom Holland
> Millennium. Die Geburt Europas aus dem Mittelalter
Aus dem Englischen von Susanne Held (Orig.: Millennium. The End of the World and the Forging of Christendom)
Auflage: 1. Aufl. 2009
Ausstattung: gebunden mit Schutzumschlag, 14 Karten, 32 Abb., Lesebändchen
518 Seiten
ISBN: 978-3-608-94379-5

Nachgefragt: Li Er, Koloratur

Samstag, 17. Oktober 2009

Li Er, KoloraturIris Radisch hat in der Literaturbeilage der ZEIT am 8.10.2009 geschrieben: „Der Roman ist ein großes Dokument literarischer chinesischer Geschichtsaufarbeitung, … er zählt zu den interessantesten Büchern, die uns in diesem Herbst aus China erreichen.“ Anlässlich der Frankfurter Buchmesse habe ich Gelegenheit gehabt, Li Er nach seinem Buch > Koloratur zu befragen. Auf dem Stand von Klett-Cotta war er zunächst umringt von Journalisten und Dolmetschern. Mittags fand dann eine Lesung in der Universität statt.

Li ErLi Er

Im > Konfuzius Institut Frankfurt an der Goethe Universität hat Li Er aus seinem Buch gelesen. Joachim Ziebe hat aus der deutschen Übersetzung gelesen. Anschließend hat Li Er viele Fragen der Zuhörer beantwortet:

Li Er - Lesung

Li ErNach seiner Lesung konnte ich Li Er nach seinem Buch fragen. Er hat geschildert, worum es in seinem Buch geht und vor allem die Bedeutung der Suche nach der Wahrheit aus den unterschiedlichen Perspektiven der Erzähler in seinem Roman betont. Die engagierte Art, seine Verbundenheit mit der und seien Passion für die Literatur wird in unserem leider viel zu kurzem Gespräch deutlich. Die Geschäftsführerin des Konfuzius-Institut, Frau Anja Warnecke-Bi M.A, hat unser Gespräch freundlicherweise gedolmetscht:

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ca. 9 Minuten

Li Er„Die heutigen Schriftsteller haben eher ausländische Vorbilder, ich zum Beispiel Albert Camus und Vaclav Havel,“ sagte Li Er in einem Gespäch mit Bernard Bartsch.

Nichts lag also näher, als Li Er mit meinem > Buch für das Gespräch zu danken, und er hat sein Exemplar Huaqiang mit einem Danke mir gewidmet und es mir überreicht.

Li ErLi Er, Koloratur

Li Er
> Koloratur. Roman
Aus dem Chinesischen von Thekla Chabbi (Orig.: Huaqiang)
380 Seiten
ISBN: 978-3-608-93794-7

Fotos des Interviews und der Buchübergabe: (c) Rudolf von Laun.

Dorothea Dieckmann: Termini

Montag, 31. August 2009

TerminiDer Journalist Ansgar Weber reist für vier Tage nach Rom, um dort das Prozeßende um den Kriegsverbrecher Egon Priebke zu beobachten. Woanders wird man kaum eine so intensive Beschreibung der Ankunft in einer Stadt lesen können. Ansgar verschwindet im Gewirr der U-Bahngänge, -fluren, -passagen, -treppen und taucht schließlich etwas verspätet vor Ellinor auf. Dann beginnt eine zweite Geschichte, die von einer kleinen deutschen Gemeinschaft erzählt, die sich in Rom zusammengefunden hat, deren Mitglieder Ansgar nacheinander kennenlernen wird. Ellinor bringt ihn zu Beate, wo er übernachten kann, unterwegs begegnen sie einem Wahrsager. Über Umwege hat Ansgar einen Interviewtermin mit einer deutschen Schriftstellerin bekommen, die offiziell schon vor einigen Jahren gestorben ist, tatsächlich aber in Rom lebt.

Es geht um die Beziehungen zwischen Literatur und Geschichte. Dorothea Dieckmann zeigt hier in einfühlsamer und beeindruckender Weise, wie die historischen Ereignisse und die persönliche Geschichte die literarische Arbeit einer Schriftstellerin fesseln. Sie schriebt, „um endlich in ihrem Nachleben anzukommen“ heißt es an einer Stelle. Das Gespräch mit der Autorin und dann die Nachbearbeitung des Interviews sind sehr gelungene Passagen. Ansgar gerät aber dann doch in einen Strudel von Ereignissen, denen er sich nicht entziehen kann und die nach vier Tagen das bekannte Gefühl, hier bin ich, schon drei Wochen hinterlassen. Ansgar weiß, dass seine journalistische Arbeit auch Glück und Wagemut verlangt: „Jedes Mal wurde die Zielgerade zum Fluchtweg.“ Richtig dramatisch wird es, als Ansgar auf seinen weiteren Nachforschungen von den Ereignissen um ihn herum überwältigt wird und sich nur mit Mühe ihnen entkommen kann.

Dorothea Dieckmann
Termini
1. Aufl. 2009
317 Seiten
ISBN: 978-3-608-93660-5

Literatur – Sachbuch – Blog – Klett-Cotta
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