Verlagsblog

Merkur – April 2009

Freitag, 17. April 2009

Merkur 2009Das Heft beginnt in diesem Monat mit dem 2007 verstorbenen Soziologen Karl Otto Hondrich, der in seiner > Abschiedsvorlesung 2005 über Gestern und Heute sein persönliches Leben mit der Geschichte seines Faches verknüpfte. Er erzählt bewegende Erinnerungen an die Arbeitswelt und an die Neugründung der deutschen Demokratie, wobei er auch gleich ihr Verhältnis zum Begriff der Nation untersucht. Die ganze Erfahrung eines langen Forscherlebens wird hier ausgebreitet mit dem Nachdenken über die Frage, wie können wir, was sollen wir aus der Geschichte lernen: (S. 290 ff). Der Philosoph Otfried Höffe erläutert, wieso aus gutem Grund das alte Prinzip „Furcht“ des Staates durch die Subsidiarität („Eine neue Antwort des Staates auf die Zeiten der > Globalisierung„) abgelöst wird. Volker Gerhardt glaubt, das Zeitalter des Humanismus habe erst jetzt richtig begonnen: „Über die Unabdingbarkeit der Humanität“. Einmal mehr stehen ästhetische Fragen im Vordergrund: Barry Schwabsky berichtet über ein neues Buch, das die Geheimnisse der modernen Kunstwelt aufdeckt. Richard Klein schreibt über Marianne Faithfull in der Musikkolumne und Jochen Hörisch über musikalische Themen. Hans Vaget hat sich die vierzehn amerikanischen Jahre von Thomas Mann angesehen. Hans-Martin Gauger denkt an Golo Manns hundertsten Geburtstag.

Ein bemerkenswerter Artikel kommt aus der Feder von Franz Kromka. Warum hat der Neid Hochkonjunktur, will er wissen, und warum sind Neid und Wut nicht stärker verbreitet, möchte man fragen, wenn man den Bericht von Franz Hertl aus unserer Arbeitswelt gelesen hat. Ein neues Raumbewusstsein erkennt Beate Meierfrankenfeld in der Literatur der Gegenwart. Und da ist tatsächlich was dran. Sie hat da wirklich eine interessante Beobachtung gemacht und auf die Notwendigkeit, Parallelen zwischen der > Stadtarchitektur, der Raumplanung, der Architektur und der Literatur hingewiesen. So wie zum Beispiel Victor Hugo mit seinem Roman Notre Dame de Paris den neu entstehenden Denkmalschutz in Frankreich beeinflusste und beförderte, so kann auch heute ein Roman die Missstände in unseren Städten aufdecken. Dann versteht man auch, wie schwer es Stadtplanern fallen muss, neue Viertel am Reißbrett oder auf dem Bildschirm zu planen und hinterher mit Kultur anzureichern – oder man baut zuerst > eine Bibliothek… Bodo Mrozek ist einfach losgewandert und hat sich im Bücherregal zum Thema Wandern umgesehen und so viel gefunden, dass man glauben mag, die ganze Nation sei ständig unterwegs.

> Merkur

Nachgefragt: Gefährdet die Globalisierung unsere Seele?

Sonntag, 15. März 2009

Unternehmen BabylonAuf der Leipziger Buchmesse gab es auf dem Stand von Klett-Cotta eine Gelegenheit, mit > Peter Winterhoff-Spurk über sein Buch > Unternehmen Babylon. Wie die Globalisierung die Seele gefährdet zu sprechen und ihn zu fragen, wieso das Bild von Bruegel Der Turmbau zu Babel auf dem Umschlag erscheint und was er in Bezug auf die Globalisierung seinen Studenten rät:

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ca. 10 Min.

Hier auf diesem Blog > Was macht die Globalisierung mit uns? oder Oder was machen wir aus der Globalisierung?

Winterhoff-Spurk, Peter
> Unternehmen Babylon. Wie die Globalisierung die Seele gefährdet
1. Aufl. 2008, gebunden mit Schutzumschlag, 12 sw-Abbildungen, farbig bedruckte Vorsätze, 280 Seiten,
ISBN: 978-3-608-94436-5

Was macht die Globalisierung mit uns? oder
Oder was machen wir aus der Globalisierung?

Sonntag, 22. Februar 2009

Unternehmen BabylonNach dem Ausbruch der Finanzkrise habe ich dieses Buch erstmal – zu Unrecht – unter die anderen zu lesenden Bücher gelegt. Ich dachte mir zunächst, wenn das Buch vor der Krise erscheinen ist, werden wichtige Bewertungen ohnehin darin fehlen. Jetzt habe ich das Buch doch wieder vorgekramt – die Besprechungen der neuen Bücher müssen ohnehin noch bis zum 10. März warten – und es gleich gelesen. Zunächst ergibt sich der Eindruck, dass der Peter Winterhoff-Spurk hier einen historisch-komparatistischen Ansatz verfolgt hat. Er vergleicht die Epoche Bruegels (um 1528-1569) mit unserer Epoche, die das Zeitalter der Globalisierung genannt wurde. 1563 malt er in Antwerpen den „Turmbau zu Babel“. Die Beschreibung und die Interpretation dieses Bildes nutzt der Autor dieses Buches, um in jedem Kapitel seines Buches Parallelen zwischen der Zeit Bruegels und unserer Epoche herzustellen. Mit diesem Vergleich wird deutlich, in welchem Maße die Zeitgenossen eigentlich jeder Epoche tiefgreifende Veränderungen immer zunächst als eine Bedrohung gewohnter Lebensverhältnisse und dann erst als eine Chance zur Veränderung wahrnehmen. Nebenbei vermittelt der Autor die Bedeutung historischen Wissens auch für Ökonomen, das heute nicht unbedingt das BWL-Studium begleitet.

Die Systematik, mit der der Autor die einzelnen Aspekte der Globalisierung untersucht, ihre theoretischen Grundlagen, das Verhalten der Arbeitnehmer, der Manager, die Nachrichten über die Wirtschaft in den Medien, soziale Folgen der Globalisierung wie seine Betrachtungen hinsichtlich der gesellschaftlichen Veränderungen, läßt kaum einen Aspekt aus und vermittelt so die Tragweite dieses Prozesses, dem sich niemand, auch nicht die Staaten und die Volkswirtschaften entziehen können. Historiker wissen nur zu gut, dass der Wandel ein natürlicher Bestandteil historischer Prozesse ist. In diesem Sinne ist dieses Buch kein Protest gegen die Globalisierung, denn sie ist ja auch nicht das Werk einzelner ein Ergebnis weltweiter Handelsströme, des globalen Datenaustauschs, die die Finanzmärkte steuern, und der Medien, die sofort über jedes Ereignis an jedem Punkt der Erde berichten können. Genauso wie der Stimmungswandel im 16. Jahrhundert bewirkt auch die Globalisierung unserer Zeit Verunsicherungen und Ängste. Winterhoff-Spurk spricht hier von „Bindungsunsicherheit“ (s. 171 ff) und erwähnt in diesem Zusammenhang die Stellung des Fernsehens als eine (nach Luckmann) „Disseitigkeitsreligion“ (S. 174) und weist auf die Verantwortung des Fernsehens für die „Genese des Sozialcharakters“ (S. 182) hin, die nicht unterschätzt werden darf. Sinkendes Interesse für die Politik, Zukunftsangst und Misstrauen in die Leistungsfähigkeit der Demokratie sind Folgen. die nicht übersehen werden dürfen.

Der Vergleich zwischen dem Bild Bruegels und unserer Zeit zeigt auch, dass es heute noch kaum einem Künstler gelungen ist, in ähnlich markanter Form so detailliert die Sorgen und Ängste einer ganzen Epoche mit einem Kunstwerk auszudrücken. Man darf die Vergleich aber auch nicht überspannen, es gibt heute weltweit auch namhafte Künstler, die den Epochenwandel mit ihren Werken untersuchen > Ausstellung: Die Globalisierung erfasst ihre Künstler – Dayanita Singh,Anish Kapoor, Riyas Komu, um hier nur beispielhaft eine Ausstellung zu nennen. Es ist nie besonders schwer, aber manchmal dem Autor gegenüber ungerecht, aufzuzählen, was alles in seinem Buch fehlt. Aber die Betrachtung des Bildes von Bruegel bringt einen schon auf die Idee, mal genauer hinzusehen, die Sinne dafür zu schärfen, wie heute Künstler den weltweiten Protest gegen die Globalisierung mit ihren Werken vermitteln.

Winterhoff-Spurk setzt übrigens hinsichtlich der Globalisierung auf das verstärkte gesellschaftliche Engagement jedes Einzelnen auf der Grundlage des Verstehens sozioökonomischer Veränderungsprozesse. (S. 259)

Am 14.3. wird Peter Winterhoff-Spurk auf der Leipziger Buchmesse am Stand von Klett-Cotta sein: Halle 4, Stand A 201. Ich freue mich schon auf den nächsten Beitrag für die Reihe > Nachgefragt auf diesem Blog, denn ich habe noch einige Fragen an den Autor.

Winterhoff-Spurk, Peter
> Unternehmen Babylon. Wie die Globalisierung die Seele gefährdet
1. Aufl. 2008, gebunden mit Schutzumschlag, 12 sw-Abbildungen, farbig bedruckte Vorsätze, 280 Seiten, ISBN: 978-3-608-94436-5

Ausstellung > Globalisierung 2.0 im Museum für Kommunikation Hamburg
Noch bis 1. März 2009

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