Verlagsblog

Ausstellungseröffnung am 7. November 2010
»Ernst Jünger. Arbeiter am Abgrund«

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Ausstellungseröffnung mit Staatsminister Bernd Neumann und Frank Schirrmacher

Am Sonntag, 7. November 2010, um 14.30 Uhr wird die große Ernst Jünger-Retrospektive »Ernst Jünger. Arbeiter am Abgrund« im Literaturmuseum der Moderne eröffnet. Es sprechen Staatsminister Bernd Neumann, Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien, und Dr. Frank Schirrmacher, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Anlässlich der Ausstellungseröffnung findet am Donnerstag, 4. November, um 11 Uhr eine Pressekonferenz statt. Die Leiterin des Museums, Heike Gfrereis, hat gemeinsam mit Ellen Strittmatter und Stephan Schlak (Berlin) die Ausstellung erarbeitet. Das Büro space4 (Stuttgart) und die Grafikkooperation Diethard Keppler und Marcus Wichmann (Marbach/Stuttgart) haben die Gestaltung entworfen. Zur Ausstellung wird ein umfangreicher Katalog erscheinen, für den Stephan Schlak verantwortlich zeichnet.

Ein Großteil der über 400 Exponate war bislang weder ausgestellt noch publiziert. Kernstück der Ausstellung bilden über 280 Tagebücher und Manuskripte, die der Schriftsteller und Philosoph im Laufe seines Lebens verfasst hat. Die Ausstellung ist eine Einführung in Ernst Jüngers langes Leben und umfangreiches Werk für den Jünger-unkundigen Besucher. Sie ist aber auch ein Essay, ein Versuch, die in einem Nachlass erhaltenen Zeugnisse zu unterschiedlichen, doch gleichberechtigten Indizienketten anzuordnen, die sehr verschiedene Arten der monografisch-historischen Lektüre erlauben. Das Bild des Autors Jünger, das sich aus dieser umfassenden Ausstellung ergibt, ist das eines Mannes, der unermüdlich, ein Jahrhundert lang produziert: Arbeiter am Abgrund der Zeit.

Einen Tag nach Ende der Ausstellung, zu Jüngers 116. Geburtstag am 29. März 2011, wird dann das Jüngerhaus in Wilflingen feierlich wieder eröffnet.

Ein Gespräch mit Michael Klett:
> Nachgefragt: Ernst Jünger, Kriegstagebuch 1914-1918
> Bibliographie zu Ernst Jünger
> Ausstellungen im Literaturarchiv in Marbach

Podiumsdiskussion: Ernst Jünger, Kriegstagebuch 1914-1918

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Am 25. Oktober 2010 findet um 20 Uhr im Stuttgarter Literaturhaus eine Podiumsdiskussion anläßlich des Erscheinen von Ernst Jüngers Kriegstagebuch 1914-1918 statt.

Auf dem Podium: Michael Klett (Verleger), Helmuth Kiesel (Herausgeber), Julia Encke (FAS)

Moderation: Heike Gfrereis (Literaturarchiv Marbach).

> Literaturhaus Stuttgart, Breitscheidstraße 4, 70174 Stuttgart

Ernst Jünger, > Kriegstagebuch 1914-1918

Gespräch mit Michael Klett über Jüngers Kriegstagebuch:
> Nachgefragt: Ernst Jünger, Kriegstagebuch 1914-1918

Jünger-Ausstellung in Deutschen Literaturarchiv in Marbach

Aus der Ankündigung:
„Ernst Jünger. Arbeiter am Abgrund | 7. November 2010 bis 27. März 2011
An Ernst Jünger scheiden sich immer noch die Geister. Die Ausstellung zeigt das, was er, der mehr als ein Jahrhundert lebte und in letzter Ehe mit einer Marbacher Bibliothekarin verheiratet war, als literarisches Werk ins Deutsche Literaturarchiv gegeben hat. Jüngers Papiere schichten sich auf zu einer Landschaft von riesenhaftem Ausmaß, merkwürdigen Kratern und überreicher Vegetation. Eingeschlossen sind darin die Magneten, die den einen anziehen und den anderen abstoßen, eine gelassen angehäufte Stil- und Ideengeschichte der Moderne. „

Nachgefragt: Ernst Jünger, Kriegstagebuch 1914-1918

Dienstag, 5. Oktober 2010

Bei Klett-Cotta sind gerade die Kriegstagebücher von Ernst Jünger, zum ersten Mal erschienen. Helmuth Kiesel hat den Band mit präzisen Anmerkungen versehen und herausgegeben.

Bei Ausbruch des Krieges meldet sich der 19-jährige Ernst Jünger als Kriegsfreiwilliger und wird Soldat des Hannoverschen Füsilier oder Infanterie-Regiment Nr. 73. Er wird die großen Schlachten in Flandern, an der Somme und bei Cambrai mitmachen und beginnt sogleich ein Tagebuch. Am 4. Januar 1915 schreibt er: „Ich bin sehr neugierig, wie sich ein Shrapnellbeschießung ausmacht. Im allgemeinen ist mir der Krieg schrecklicher vorgekommen als er ist.“

Jünger protokolliert sachlich das Töten und Sterben um ihn herum. Entschlossenheit ist sein bester Schutz. Dann aber lässt er doch auch offenkundige Betroffenheit erkennen: Am 24. April entdeckt er kurz vor dem eigenen Graben drei tote Franzosen: „Im übrigen ertrugen meine Nerven den Anblick ohne Erregung; aber der Gedanke, dass in diesen Köpfen auch Gedanken, Wünsche und Hoffnungen lebendig gewesen waren, erweckte in mir dieselbe Rührung, die man beim Anblick alter Burgruinen empfindet.“ Trotz der genauen, bisweilen nüchternen Beschreibungen der Gefechte, bleibt auch Jünger von dem Grauen nicht unberührt. Dann ändert er den Ton, und das Tagebuch wird ihm eine Hilfe, den Wahnsinn zu ertragen: Manchmal drückt er sein Bedauern aus, wenn eine Gelegenheit zu einem Gefecht verstreicht: „Leider konnten wir keinen von ihnen erlegen.“ (6.Okt. 15)

Manchmal macht ihm die militärische Hierarchie zu schaffen, der er durch seine Beförderung zum Leutnant etwas entkommen kann: Hin und wieder kriegt er einen Rüffel und verspricht dann zu seinem eigenen Schutz seinem Tagebuch, seine „Heldenbrust gegen künftige Angriffe von Vorgesetzten mit einer dreifachen Schicht Gleichgültigkeit zu Panzern.“ (26. Okt. 15).

Er ist ein genauer Beobachter, notiert viele Einzelheiten analysiert präzise die Geräuscharten der herumfliegenden Projektile. (10.1.61) Er sammelt trotz Beschießung in Monchy Käfer (3.11.16) und freut sich an den ersten Faltern (12.III. 16). Natur und Krieg. Manchen Fidelitäten fällt schon mal die Einrichtung eines Kasinos zum Opfer das sind Gelage, bei denen viel Alkohol fließt.

Ernst Jünger Dann kommen die ersten Einsätze mit Gas (Juni 1916) und am 29. Juni 1916 notiert er „Wenn die Schweinerei, wie wahrscheinlich, noch viel länger dauert, wird zuletzt überhaupt niemand mehr am Leben sein.“ Langsam deuten sich auf diese Weise hin und wieder mal kritische Töne an. Dann aber am 3. August schreibt er wieder: „So fremd es klingt, hier lernt man wieder Ideale kennen, die volle Hingabe bis zum grausamen Schlachtentode.“ Wenn er als Kompanieführer seine Truppe führt, notiert er: „Welche Lust eine Truppe durch solches Gelände zu führen.

Da zeigt sich der wahre Soldat.“ (28.4.17), und er freut sich, wenn seine Leute sich in verzweifelten Lagen an ihn klammern. (19.6.17).
Am Ende des Krieges läßt Jünger Enttäuschungen erkennen und ärgert sich, wenn seine Leute nicht erwähnt werden: „Die Füsiliere der 7/73 und die Leute, die die Sache geführt (nicht geleitet) haben, zu erwähnen, lohnt sich nicht der Mühe. Die Lorbeeren ernten andere Leute. Das bin ich seit 3 1/2 Jahren gewöhnt.“ (23.8.18)

Heute hat Michael Klett mir die Gelegenheit gegeben, ihm, von meinem „Leseerlebnis“ zu berichten und einige Fragen zu Jüngers Kriegstagebuch zu stellen.

Gespräch mit Michael Klett über die Kriegstagebücher 1914-1918 von Ernst Jünger:

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ca. 22 Minuten

> Ernst Jünger
> Kriegstagebuch 1914-1918
Herausgegeben von Helmuth Kiesel
Auflage: 1. Aufl. 2010
655 Seiten
ISBN: 978-3-608-93843-2

> Ernst Jünger

Zur Buchmesse 2010 erscheint als vollständig überarbeitete Neuausgabe mit bisher unveröffentlichten Dokumenten und Fotos der Band von von Heimo Schwilk (Hrsg.), Ernst Jünger, Leben und Werk in Bildern und Texten.

Auflage: 1. Aufl. 2010
336 Seiten
ISBN: 978-3-608-93842-5

Veranstaltungshinweis:
> Große Jünger-> Ausstellung in Marbach (November 2010 bis Februar 2011

Die Vielfalt bei Klett-Cotta im Bild

Sonntag, 19. Oktober 2008

Zülfü Livanelli, Ekkehard Eickhoff

Ernst Jünger, AnnäherungenZülfü Livaneli, GlückseligkeitVenedig, Wien und die OsmanenMassimo Carlotto

Ein Gespräch mit Michael Klett über
Ernst Jüngers Annäherungen

Freitag, 26. September 2008

Michael KlettErnst Jünger, AnnäherungenBei Klett-Cotta wurde in diesem Herbst, das Buch > Annäherungen. Drogen und Rausch von Ernst Jünger neu aeufgelegt. Heute hat Michael Klett mit mir ein Gespräch über dieses Buch geführt. Ich habe ihn gefragt, warum dieser Band jetzt neu aufgelegt wurde, und um was es Jünger bei seiner Beschäftigung mit Drogen tatsächlich ging? Wir haben auch über Jüngers eigene Drogenexperimente mit LSD und Mescalin gesprochen.

Jünger schreibt in den Annäherungen: „Der Rausch enthüllt, als ob ein Vorhang aufgezogen würde oder als ob er die Tür zu tiefen Krypten aufstieße. Er ist ein Schlüssel unter anderen.“ (S. 111) Man kann Drogen nicht abschaffen, so Michael Klett, es sei eine Aufgabe der Zivilisation und auch der Politik, die richtigen Grenzlinien zu finden. Es geht dabei auch um Aspekte der Freiheit aber auch die Risikoaspekte, die es zu beachten gelte.

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44,1Khz.

> Ernst Jünger
Annäherungen. Drogen und Rausch
Stuttgart 2008
456 Seiten
ISBN: 978-3-608-93841-8

Photo: H. Wittmann

Ernst Jünger, Annäherungen Drogen und Rausch

Sonntag, 21. September 2008

Ernst Jünger, AnnäherungenIn 315 Abschnitten, die durch einige Kapitel („Parerga“) ergänzt werden, berichtet Ernst Jünger in > Annäherungen über seine Erlebnisse, „Fahrten“ und Erfahrungen mit Drogen und Rausch. Dieser Band erschien zum ersten Mal 1970, er ist in diesem Herbst bei Klett-Cotta neu aufgelegt worden.

Annäherungen sind eine Umschreibung für den essayhaften Ansatz dieses Buches. Das Thema wird nicht erschöpft („Annäherung hat kein greifbares, kein nennbares Ziel…“ S. 67) , es wird von vielen Seiten eingekreist und dabei entsteht eine Art Autobiographie, die Erlebnisse rund um Drogen nennt, beschreibt und analysiert, doch stehen dabei Drogen nicht beherrschend im Mittelpunkt. Gleichzeitig vermittelt Jünger aber auch doch Ansätze zu einer Kulturgeschichte des Tabaks, alkoholischer Getränke wie Wien und Bier und verbindet mit ihnen Erlebnisse aus Jugendtagen. Die Literatur (Beaumarchais, Dostojewski, Baudelaire, Rimbaud, S. 190 f., Maupassant, S. 175 ff., – wird er nicht überschätzt? – Poe, de Quincey u. v. a.) gibt immer wieder neue Stichworte (siehe auch „Bücher und Leser“, S. 444 f.: „Ich fuhr nicht von Leipzig nach Halle, sondern von einem Kapitel zum anderen.“)

„Im Grunde ist jeder Genuß geistig…,“ (S. 19) schreibt Jünger und erinnert an den „Typus des geistigen Abenteurers“, (S. 20) den er in Gestalt des Antonio Peri, eines parsischen Buchbinders, der jahrelang seine Drogenexperimente dokumentiert, In Heliopolis. Rückblick auf eine Stadt (1949) dargestellt hatte. Peri glaubte jede Droge enthalte eine Formel, die gewissen Welträstel deuten könne.

Es folgen wesentliche Begriffsbestimmugen, zum Einfluß der Drogen (Morphium, Äther, Kokain, Opium. Sie wirkt auf die Aktion und auf die Komtemplation. (S. 28) Das deutet u.a. auf die Kunst. Jünger vergisst darüber die Gefahren nicht. „Jede Konzentration, aber auch jede Entspannung muss bezahlt werden,“ heißt es bei ihm und er warnt vor einem Risiko, das je höher sei, je weniger kalkuliert werde. Später weist er auch mehrmals daraufhin, daß unterschiedliche Charaktere ganz verschieden auf die Drogen reagieren: „… bis eines Tages der Waagbalken bricht.“ (S. 40) Übergänge sind fließend und trennen kaum das Trinken vom Zechen, (S. 91) und manchmal ist „der Rausch eine der letzte Ressourcen, die geblieben sind.“ (S. 117).

In subtiler Weise untersucht er mehrmals die Verstärkung des Rauschs durch höhere Dosierungen, es ist ein Vortasten, das sich der Grenzen bewusst bleibt, nach dem ersten Drogen-Schock damals in Halle. Rausch und Sucht liegen nah beieinander, (S. 143, auch S. 154). Das Cannabis-Erlebnis konnte er nur verheimlichen, indem der Mittagskarpfen die Schuld bekam (S. 268) Neben Meskalin-Fahrten hat er eine seiner LSD-Fahrten, nicht Trip, 1970 unternommen und protokolliert. (S. 396 ff)

Die Einteiltung in 315 Kapitel könnte auf Jüngers Erinnerungen einzelner Gespräche und bestimmter Erlebnisse zurückzuführen sein, die er meist unabhängig voneinader notiert hat und für diesen Band thematisch geordnet hat. Damit könnten diverse Zeitsprünge erklärt werden. Andererseits wird ein Erlebnis oder eine bestimmte Droge von verschiedenen Seiten als Vorgang und im Sinne einer Bewertung in aufeinanderfolgenden Abschnitte untersucht.

Es sind vor allem die vielen Anmerkungen zu Kunst, (S. 164 f., S. 190, S. 303 f., S. 307 f., S. 331 ff) die einen Einblick in Jüngers Denken geben und über seine Versuche mit und das Nachdenken über Drogen hinausweisen. Von der Fotografie verspricht er sich Neues, „wenn sie aus der veralteten Anithese von Kunst und Technik befreit ist.“ (S. 252)

Das Nachdenken über den Rausch und die Erklärungen über Drogen können helfen manche der literarischen Werke, die Jünger zitiert, besser zu verstehen. Er legt keine Anleitung zum Drogenverzehr vor, das wäre als Verständnis in törichter Weise zu kurz gegriffen, aber er will die Beziehung von Genuß und Geist untersuchen. Und er weiß, dass jedes Abenteuer durch die Nähe des Todes [lebt], den es umkreist.“ (S. 21)

Siehe auch: Frank Schirrmacher, > Mein Lieblingsbuch: „Annäherungen – Drogen und Rausch“, FAZ, 30. August 2004

> Ernst Jünger
Annäherungen. Drogen und Rausch
Stuttgart 2008
456 Seiten
ISBN: 978-3-608-93841-8

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