Verlagsblog

Lesebericht: Brigitte Kronauer, Favoriten.
Aufsätze zur Literatur

Sonntag, 25. Juli 2010

Wie gut, dass es dieses Blog gibt und dass letzte Woche das Paket von > Klett-Cotta angekommen ist. Ansonsten hätte ich in diesem Monat aller Wahrscheinlichkeit nach dieses wunderbare Buch
> Favoriten. Aufsätze zur Literatur nicht in die Hand bekommen. Und ich habe auch nicht vor, dieses Buch wieder herzugeben, denn viele der hier versammelten Beiträge möchte ich bald wieder noch einmal lesen.

Manche Bücher liest man an einem Tag. Besonders wenn sie dem Leser nur knapp 200 Seiten anbieten. Dieses hier schaffen Sie aber auch mit seinen 200 Seiten nicht an einem Tag. Zu vielfältig sind die Autoren und deren Werke, die Brigitte Kronauer hier vorstellt. Kaum ist ein Aufsatz zu Ende, möchte man am liebsten gleich in die nächste Buchhandlung oder in die nächste Bibliothek eilen und Kronauers Lesebericht am Original überprüfen. Sie regt zum Lesen und zum Vergleichen an. Das ist das Ergebnis dieser Aufsätze.

Und in mehreren ihrer Beiträge zu diesem Band erinnert sie an die Aufgaben der Literatur. So in ihrer Büchner-Preis-Rede: „…und wenn die Literatur auch oft Gegner der Gesellschaft und ihrer zeitgeistlichen Zumutungen sein muß, so stellt sie andererseits, halbparadox, den treuesten und streng fordernden Freund des Individuums dar. „(S. 85) Und in ihrer Laudatio auf Marie-Luise Scherer sagt sie über den Künstler: „Das Zerstören allgemeiner Vereinbarungen ist eine Art Notwehr des Künstlers, eine Schuldigkeit gegenüber der eigenen, als zutreffender empfundenen Weltwahrnehmung, bei Schriftstellern zugleich entscheidender Impetus für die Jagd nach dem berühmten mot juste.“ (S. 136) Und im Aufsatz über Mrs Dalloway von Virginia Woolf schreibt Brigitte Kronauer „…es gibt ja noch einen weiteren, geradezu biologischen Grund, sich mit Büchern zu befassen. Literatur durch dringt die starren Grenzen zwischen dem Ich und anderen Individuen. Sie berichtet uns, was in den Zeitgenossen eventuell geschieht, zeigt uns ein Innenleben, an das wir dem Anschein der Oberflächen nach oft nicht glauben können.“

Favoriten, Brigitte Kronauers Aufsätze zur Literatur enthalten viele Einladungen zu vielfältigen, spannenden und lehrreichen Reisen in die Literaturwelt. Außer den bereits genannten Autoren stellt Kronauer viele weitere Autoren vor: Joseph Conrad, William Faulkner, Hubert Fichte, Grimmelshausen, Knut Hamsun, Helmut Heißenbüttel, Eckhard Henscheid, Gerard Manley Hopkins, Victor Hugo, Herman Melville, Eduard Mörike, Hans Erich Nossack, Jean Paul, Wilhelm Raabe, Adalbert Stifter, Robert Walser, William Carlos Williams und Ror Wolf. Kronauers persönliche Vorlieben haben sicher bei der Auswahl eine große Rolle gespielt. Es sind meist keine ausführlichen Besprechungen. Oft werden mehrere Werke eines Autors mit anderen in eine Beziehung gebracht oder miteinander verglichen. Auch Gemeinsamkeiten der Autoren untereinander werden erwähnt und bieten Ansätze zu einer Literaturgeschichte, weil hier Entwicklungen, Gegensätze und Parallelen erkennbar werden. Was ein Architekt über Bauwerke sagt, man sieht nur, was man weiß, das gilt auch für die Literatur. Es genügt ein kleiner Stupfer, ein kleiner Lesehinweis, hier eine Seite über Wilhelm Raabes Die Akten des Vogelsangs, dort zwei, drei über Knut Hamsuns Hunger, dann die Seiten über Joseph Conrads Lord Jim lassen jede Bibliothek in einem anderen Licht erscheinen. Oder vielleicht steht ja doch der ein oder andere Roman vergessen im heimatlichen Bücherregal. Kronauers Leseberichte sind mehr als bloße Anregungen. Sie fordert uns auf, die von ihr erwähnten Werke zu lesen oder wieder zur Hand zu nehmen. Sie erwähnt getreu der eingangs von ihr zitierten Äußerung Johan Nagels aus Knut Hamsuns zweiten Roman Mysterien nur ganz kurz die Biographie der Autoren, gerade genug, um ihn nach seinen Lebensdaten und seiner Herkunft einordnen zu können. Gerade so viele Angaben, um wieder daran zu erinnern, dass literarische Werke nur schwer alleine mit der Biographie ihres Autors erklärt werden können.

Hand aufs Herz! Kennen Sie Herman Melvilles Versepos Clarel? Nach der Lektüre des Aufsatzes über Carel kennen Sie es noch nicht, aber Sie wissen, warum sie es lesen sollen: „… es steckt ja ein Stachel in dem Ganzen.“ (S. 46) So würde ich gerne hier jetzt nacheinander alle vorgestellten Werke erwähnen und den Schlüsselsatz aus jedem Aufsatz zitieren, der Sie zur Entscheidung bringen soll, das Buch zu lesen. Diese Sätze gibt es. In der Laudatio auf Helmut Heißenbüttel steht: „Daß Ungesagtes dann in schriftlich niedergelegten Bildern beschworen und eingeflüstert wird, gehört zu den Paradoxa des Schriftstellermetiers.“ Brigitte Kronauer schildert präzise und eindrucksvoll ihre Leseeindrücke und Leseerinnerungen. Sie reicht uns ihre Lesefrüchte. Und dann immer dieser wichtige Satz: „… seine Neugier und Leidenschaften gälten der Geburt von Babys und neuen Versen,“ der hier als Zitat von William Carlos William einen Hinweis auf seine Poetik enthält, der es nachzugehen lohnt. Robert Walsers Roman Jacob von der Gunten bekommt auch nur etwas mehr als eine Seite einschließlich des Satzes von Jacob: „Nichts ist mir angenehmer, als Menschen, die ich in mein Herz geschlossen habe, ein ganz falsches Bild von mir zu geben.“ (S. 102) Noch ein Kronauer-Satz mit Aufforderungscharakter zum Lesen? Über Hugos Die Arbeiter des Meeres schreibt sie: „Und doch ist Victor Hugo der letzte, der uns daran hindern würde, jemals zu vergessen, daß es sich um Literatur handelt, die uns hier packt und durchrüttelt mit Haut und Haar, Seele und Verstand.“ – Wenn ich ihr Lektor wäre, ich hätte eine sehr lange Liste mit vielen weiteren Autoren für sie, die sie zu unseren Favoriten machen müsste.

> Brigitte Kronauer
> Favoriten. Aufsätze zur Literatur
1. Aufl. 2010
200 Seiten
ISBN: 978-3-608-93899-9

Leseberichte und Gespräche auf diesem Blog:

> Festakt zum 350. Cotta-Jubiläum
> Nachgefragt: Brigitte Kronauer, Zwei schwarze Jäger
> Kann man Literatur photographieren? Brigitte Kronauer im Stuttgarter Literaturhaus
> Vorgelesen: Zwei schwarze Jäger
> Brigitte Kronauer auf dem Stand von Klett-Cotta
> Brigitte Kronauer: Errötende Mörder

Einige Blicke ins > Fotoarchiv des Stuttgarter Literaturhauses:

> Das gelobte Land der Dichter
Peter Kaeding, Montag, 23.11.09, 19.00 Uhr

> Zwei schwarze Jäger
Brigitte Kronauer, Donnerstag, 17.09.09, 20.00 Uhr

> Brotschrift – 25 Jahre Verlag Ulrich Keicher
Ulrich Keicher, Montag, 08.12.08, 20.00 Uhr

> Dri Chinisin – Comics & Literatur?
Brigitte Kronauer, Donnerstag, 03.04.08, 20.00 Uhr

> Amy Clampitt – Eisvogel
Amy Clampitt, Montag, 16.01.06, 20.00 Uhr

> Betrifft: Buchpremiere
Tankred Dorst, Freitag, 17.12.04, 20.00 Uhr

> Verlangen nach Musik und Gebirge
Brigitte Kronauer, Mittwoch, 08.12.04, 20.00 Uhr

> Vom Abklatsch in der Kunst
Brigitte Kronauer, Mittwoch, 22.09.04, 20.00 Uhr

Nachgefragt: Brigitte Kronauer, Zwei schwarze Jäger

Sonntag, 18. Oktober 2009

Zwei schwarze RitterNachdem ich das Buch von Brigitte Kronauer > Zwei schwarze Jäger zu Hause vorgelesen habe, gab es gestern auf dem Stand von Klett-Cotta bei der Frankfurter Buchmesse, eine Gelegenheit Brigitte Kronauer zu fragen, ob meine Anmerkungen stimmen und sie um BrigitteErgänzungen zu bitten: Nachgefragt.

Wir haben über die Struktur des Romans gesprochen und sie bittet ihre Leser ausdrücklich, das Buch von Anfang bis zum Ende zu lesen und nicht etwa auf die Idee zu kommen, das ein oder andere Kapitel vorzuziehen. Sie besteht darauf, weil der Aufbau und so auch die Wirkung des Romans von diesem linearen Lesen abhängt.

Heute hat sie bei DeutschlandRadio Kultur zu Gast bei 3Sat auf der Buchmesse aus ihrem Roman gelesen:

Brigitte Kronauer

In ihrem Roman folgt die Schriftstellerin Rita Palka einer Einladung zu einer Lesung. Und die entgleitet ihr. Vielleicht um nach dem ein oder anderen autobiographischen Detail zu fragen, habe ich Brigitte Kronauer nach ihren Leseerlebnissen bei Veranstaltungen gefragt, und wir haben gleich zusammen einen kleinen Exkurs mit Beobachtungen und Erlebnissen aus Literaturhaus-Lesungen unternommen. Denn dort fällt doch , wie z. B. im > Stuttgarter Literaturhaus bei den Lesungen immer wieder auf, wie und ob die Lesung des Autors den Funken zum Publikum überspringen lässt. Danach haben wir wieder den Faden aufgenommen, und sie hat einige Fragen zu dem Personal ihres Buches beantwortet. An einer Stelle habe ich „Frau Kronauer!“ gesagt und das Mikro nicht richtig geführt, das ging nicht schnell genug, und es klingt dann leider nicht angemessen höflich, weil „Frau…“ nicht zu hören ist. Aber hören Sie selbst:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

ca. 17 Minuten

Brigitte KronauerBrigitte Kronauer

> Kann man Literatur photographieren? – Brigitte Kronauer im Stuttgarter Literaturhaus

> Brigitte Kronauer
> Zwei schwarze Jäger
286 Seiten
ISBN: 978-3-608-93885-2

> Leseprobe.

Kann man Literatur photographieren?
Brigitte Kronauer im Stuttgarter Literaturhaus

Freitag, 18. September 2009

Ja und ob, das geht ganz einfach. Mit > Photos von einer Lesung kann man zeigen, wie die Autorin und ihr Buch die Zuschauer in ihren Bann zogen. Und das erst recht, wenn Brigitte Kronauer auf Fragen von Thomas Steinfeld den Aufbau und das Personal ihres neuen Buches en détail erklärt. Gestern abend hat sie im > Stuttgarter Literaturhaus ihr Buch vorgestellt. Eine Premiere.

Brigitte Kronauer

Thomas SteinfeldBrigitte Kronauer

Thomas Steinfeld


Zwei schwarze Ritter
> Vorgelesen: Zwei schwarze Jäger

Brigitte Kronauer
> Zwei schwarze Jäger
286 Seiten
ISBN: 978-3-608-93885-2

Brigitte Kronauer im Stuttgarter Literaturhaus

Dienstag, 15. September 2009


Zwei schwarze Ritter
Brigitte Kronauer präsentiert ihren neuen Roman > Zwei schwarze Jäger im Literaturhaus Stuttgart, Breitscheidstr. 4, 70174 Stuttgart. Moderation: Dr. Thomas Steinfeld.

Bin gespannt, welche Geschichte oder welchen Ausschntt aus ihrer Geschichte sie vorlesen wird. Und ob sie den Zuhörern einen Schlüssel zum Verständnis ihrer Geschichte geben wird ? Das > Vorlesen war ein unglaubliches Lesevergnügen. Die erste Geschichte, in der die Geschichte langsam in die Realität der Lesestunde oder -atmosphäre übergeht und allmählich von den Schrullen der Zuhörer erzählt, ist wunderbar zu lesen, Man kann richtig beobachten, wie die Zuhörer immer aufmerksamer werden. Genug. Man sieht sich im Stuttgarter Literaturhaus.

> www.literaturhaus-stuttgart.de 17.09. 2009 20:00 Uhr

Das > Fotoalbum des Stuttgarter Literaturhauses

> Vorgelesen: Zwei schwarze Jäger

Brigitte Kronauer
> Zwei schwarze Jäger
286 Seiten
ISBN: 978-3-608-93885-2

Vorgelesen: Zwei schwarze Jäger

Montag, 31. August 2009

Hier erscheinen eigentlich nur Beiträge über Bücher, die ich gelesen habe. Dieses Buch habe ich zu Hause ganz vorgelesen. Das laute Lesen der ersten Seiten ist eine Art Stilprüfung. Im
> Stuttgarter Literaturhaus fällt bei den Lesungen immer wieder auf, wie und ob die Lesung des Autors den Funken zum Publikum überspringen lässt. Dabei geht es nicht so sehr darum, wie er liest, sondern es geht um den Stil des Textes, den er liest. Man kann sehen (und als Foto festhalten), wie die Geschichte und und die Eigenheiten des Stils die Zuhörer immer aufmerksamer werden lassen. Das kann man beobachten. > Flaubert machte auch eine „épreuve du gueuloir“, eine Maulprobe, um seine Texte seinen Freunden vorzulesen, sie mochten sie oder auch nicht.


Zwei schwarze Ritter
Das Probevorlesen des neuen Buches von Brigitte Kronauer > Zwei schwarze Jäger endete erst nach der letzten Seite. Zwar mit einigen tagesbedingten Unterbrechungen, aber dann war das Buch auf einmal zu Ende. Mehr muss eigentlich hier gar nicht gesagt werden.

Es sind ganz unterschiedliche Geschichten, Erzählungen, kleine Novellen, Berichte, Nachrichten, manche total skurril, andere erstaunlich, keine schleppt sich dahin, und dann kommt immer mal wieder eine bekannte Person vor, die jenseits der Zeitsprünge locker Verbindungen herstellt. Als ob Brigtte Kronauer 600 Seiten geschrieben und 315 Seiten weggelassen hätte. Und Rita Palka ist die allwissende Erzählerin, die die Fäden in der Hand hält oder auch nicht, sie taucht hier und da wieder auf, so als ob die Autorin die Entwicklung ihres Personals vor Ort prüfen möchte. Die Beschreibungen der Personen sind so lebendig, mit kurzen Sätzen wird alles über sie gesagt: „Er dampfte vor Jovialität…“, und die Autorin liest nicht einfach, sie zwingt „sich zu einem zuversichtlichen Trompeten…“. Lesungen sind immer ein Zusammentreffen mit dem Publikum, und Rita Palka zieht alle Register, die die Zuhörer gar nicht richtig mitbekommen. Und dann ist da auch Wally, deren Schicksal sich in diesem Buch in verschiedenen Geschichten entwickelt. Und Heiner Krapp, der Lektor, der manchmal Fiktion und Realität miteinander verwechselt. Und Herr Schöffel, der mit dem vollgelaufenen Keller kämpft und bei Wally eine Rolle spielt. Ihre Nachbarin Helen Pilz und Leo Graubube, der sich in Wally verliebt hat, sind auch mit dabei. Die Personalliste am Anfang des Buches hilft dessen Konstruktion zu verstehen, ein Schlüssel für das Verständnis des wunderbaren Stils der Autorin ist sie nicht. Ihr Stil ist auch von den manchmal sehr merkwürdigen Einfällen geprägt, die beim näheren Hinschauen sich als normale Lebensumstände entpuppen, die jetzt nur noch kommentiert werden. Und immer wieder Oom Henk, eine wichtige Person, die auch eine Rolle spielt, wenn sie gar anwesend ist.

Das Buch nochmal vorlesen! Das wärs.

> Leseprobe.

Brigitte Kronauer mit Ihrem Roman „Zwei schwarze Jäger“ steht auf der > Longlist des Deutschen Buchpreises 2009.

> Brigitte Kronauer
> Zwei schwarze Jäger
286 Seiten
ISBN: 978-3-608-93885-2

Brigitte Kronauer im Stuttgarter Literaturhaus:

Ein Blick ins > Fotoarchiv des Stuttgarter Literaturhauses:

> Das gelobte Land der Dichter
Peter Kaeding, Montag, 23.11.09, 19.00 Uhr

> Zwei schwarze Jäger
Brigitte Kronauer, Donnerstag, 17.09.09, 20.00 Uhr

> Brotschrift – 25 Jahre Verlag Ulrich Keicher
Ulrich Keicher, Montag, 08.12.08, 20.00 Uhr

> Dri Chinisin – Comics & Literatur?
Brigitte Kronauer, Donnerstag, 03.04.08, 20.00 Uhr

> Amy Clampitt – Eisvogel
Amy Clampitt, Montag, 16.01.06, 20.00 Uhr

> Betrifft: Buchpremiere
Tankred Dorst, Freitag, 17.12.04, 20.00 Uhr

> Verlangen nach Musik und Gebirge
Brigitte Kronauer, Mittwoch, 08.12.04, 20.00 Uhr

> Vom Abklatsch in der Kunst
Brigitte Kronauer, Mittwoch, 22.09.04, 20.00 Uhr

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