Verlagsblog

Lesebericht: John Gottman, Die Vermessung der Liebe

Freitag, 27. Juni 2014

Vorbeugen ist besser als Heilen. Dieses Buch wendet sich an alle, denen eine gute Beziehung wichtig ist: an Therapeuten, an Betroffene, Paare die miteinander wirklich ernste Probleme haben, aber auch an Paare, die wie so viele andere irgendwann doch einmal in einer Alltagsroutine ankommen, in der der ursprüngliche Respekt gegenüber dem geliebten Partner Schaden nimmt. Die neuesten Erkenntnisse aus dem berühmten Love Lab von John Gottman liegen jetzt bei Klett-Cotta in der Übersetzung von Cathrine Hornung in dem Band Die Vermessung der Liebe. Vertrauen und Betrug in Partnerbeziehungen vor. Es geht um Kommunikation, Vertrauen, Abstimmung, Sex, um alles was eine Paardynamik, deren Grundlagen Gottman hier vorstellen will, ausmacht.

Das Kernproblem ist immer wieder mangelnde Kommunikation, ja unzureichender Respekt voreinander, was manche Situationen so eskalieren lässt. Ist das Vertrauen angekratzt, ist der Stress in der Beziehung vorprogrammiert. Hinzu kommen die neuen Kommunikationsformen, die in sich alle Chancen missglückter Kommunikation bergen: „Mit unseren E-Mails, Smartphones und den zahlreichen Verpflichtungen, denen wir nachkommen und müssen, leben wir permanent am Rande einer katastrophalen Stressreaktion.“ (S 15 f) Man kann mit 140 Zeichen einen Streit nie beilegen, aber ihn gefährlich anheizen.

In seinem Forschungslabor hat er Paare beobachtet und kann seine Überlegungen auf die Biographie von 3000 untersuchten Paaren stützen. As schleichendes Gift bezeichnet er die Untreue jeder Art. Nicht der Seitensprung sondern jede Art von Treulosigkeit versteht Gottman als „heimliche“ Beziehungskiller. (S. 14) Untreue in jeder Form setzt Gottman das Vertrauen entgegen, das dessen Niveau die Partner selber bestimmen können (Kapitel 1). Das 2. Kapitel stellt die Situationen vor, die eine gute Paarbeziehung beeinträchtigen. Es gibt eine Mausefalle auch für Liebende (S. 54), eine Art feindliche Zone, die Gottman mit der Summe aller körperlichen Reaktionen definiert, die bei Stress mit dem Partner entstehen: Flooding nennt er diese Form des Streits. Empathie, so Gotman, ist der völlig falsche Rat in dieser Situation, weil bereits eine Art Mauern eingesetzt hat, die jeden Versuch einer Reparaturmaßnahme zum Scheitern verurteilt. Aufgrund seiner Beobachtungen beschreibt Gottman eine Abfolge von mehreren Schritten, die zu dieser Mausefalle führen, (S. 58-66) deren Kennzeichen Kritik, Verachtung, Rechtfertigung und Mauern sind = die vier apokalyptischen Reiter. (S. 66-69)

Außer Ehebruch nennt Gottmann „Zehn weitere Arten, den Partner zu brtrügen“ (S. 103 ff): U.a. Mangelndes Commitment, nichtsexuelle Affären, Lügen wie auch den Entzug von sexuellem Interesse. Ihnen stellt er in den folgenden Kapiteln Strategien entgegen, wie Partner Vertrauen und Abstimmung neu aufbauen können. Dabei verbirgt er nicht sein Erstauen darüber, wie wenig Partner oft nicht in der Lage sind; Emotionen oder Gefühle mitzuteilen: S. 138-156 sind eine Hilfe, diese Hürden der fehlenden Worte zu überwinden. S. 157-197: Das Gottmann-Rapoport-Modell soll für eine konstruktive Konfliktlösung dienen, bei der die richtige Dosierung von Sprechen und Zuhören im Mittelpunkt steht. Extra anberaumte Gespräche zur Lage der Nation sollten dem Paar die Möglichkeit geben, Kränkungen und verletzte Gefühle zu reparieren. Dafür stellt Gottman einen Werkzeugkasten – S. 198-205 – bereit. Keine Frage, das Buch richtet sich auch an Paare, deren Beziehung ok ist.

Wenn im ersten Teil dieses Buches das Vertrauen oder die Strategien zu seiner Wiederherstellung im Vordergrund stehen, ist der zweite Teil eindeutig dem Sex, Liebe und Leidenschaft in der Beziehung gewidmet. Wieder bietet Gottman einen Test an (S. 260 ff.), der dem Paar als Gesprächsanregung über dieses Themen dienen soll: S. 266-281. Siehe auch Anhang I: Formulierungsvorschläge für das intime Gespräch.

Die Vielfalt der Strategien, die Gottman beschriebt, wie Paare verlorenes Vertrauen wiederzurückgewinnen können ist beeindruckend. Man erkennt dabei leicht seine Überzeugung, dass viele bis in ihren Kern beschädigte Beziehungen neu belebt werden können. Ein „Verfallsdatum“ für Beziehungen (S. 284) hält er für paradox. Allerdings gibt es Situationen, in denen eine Beziehung keine Zukunft mehr hat: Kapitel 12. In solchen Situationen versucht Gottman die Partner an ihre Liebesgeschichte, -biographie zu erinnern. Die Art und Weise, wie die Paare sich diesen Erinnerungsinterviews stellen, vermittelt dem Therapeuten Aufschlüsse darüber, was zu retten ist.

Auch der Titel deutet an, dass Gottman Beziehungsprobleme mit Messwerten analysiert. Man muss aber ein „zunächst“ hinzufügen. Die Analysen Love Lab sind keine Grundlage für die Steuerung einer therapeutischen Behandlung, sondern sie dienen erst einmal dazu, die Probleme zu identifizieren und dann die richtigen Fragen zu stellen. Das Interview zu Sex und Liebe (S, 260 ff) folgt diesem Muster. Es ist in erster Linie ein Inventar aller Themen, über die as Paar miteinander sprechen sollten. Das Ergebnis des Tests ist ihnen ohnehin schon vor dem Ausfüllen bekannt und bewusst.

John Gottman, Nan Silver
Die Vermessung der Liebe
2. Aufl. 2014, 381 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, aus dem Amerikanischen von Cathrine Hornung (Orig.: What Makes Love Last; How to Build Trust and Avoid Betrayal)
ISBN: 978-3-608-94810-3

Liebe und Sex: Das Rüstzeug für alle Fälle

Montag, 3. Januar 2011

Jetzt gibt es auch einen richtig guten Trailer für das Buch von Daid Schnarch. Grund genug, diesen Artikel zum Jahresbeginn nochmal nach oben zu stellen:


Immer weniger sexuelles Interesse kommt immer wieder in einer Langzeitbeziehung vor und ist (leider) völlig normal. In seinem neuen Buch > Intimität und Verlangen. Sexuelle Leidenschaft wieder wecken – Erscheint im Frühjahr 2011 – hat sich
David Schnarch eine neue Erklärung ausgedacht, wie Erotik und Sexualität wiederkehren vorausgetzt beide Partner wachsen in ihrer Beziehung.

Müssen sich Paare, die eine langjährige Beziehung führen, mit der Langeweile im Bett und dem schwindenden Verlangen nach dem Partner abfinden? Kann es sein, dass das der Preis für eine verlässliche und monogame Bindung ist? David Schnarch verneint diese Frage mit Nachdruck. In seinem Buch erläutert er seine in zahllosen Paartherapien beobachteten neuen Erkenntnisse: Sexuelles Verlangen entsteht im Kopf und hängt mit allen Verhaltensmustern in einer Beziehung zusammen. Man muss einfach mehr über Sexualität wissen, sie besser verstehen, ja sie richtig gehend lernen, dann wird man die Dinge ändern können: So lautet das Résumé seines Buches: Mehr Nähe, tieferes Empfinden und eine erfüllende Sexualität sind möglich.

»Schnarch will im Leser Potentiale wecken, damit dieser ein Leben lang leidenschaftlich lieben kann.« Emotion

»Einer der richtungweisenden Sexualtherapeuten der Gegenwart« Ulrich Clement

Beim Blättern im Katalog von Klett-Cotta fällt auf, dass der Verlag eine ganze Reihe von praktischen Lebenshilfen anbietet. Für Anfänger und Fortgeschrittene, eigentlich für alle passt dieses Buch: > Frisch verliebt. Und was jetzt? hieß der der Lesebericht auf diesem Blog der den Band Erste Hilfe von Michael Eichhammer vorstellt. Ist die Liebe bei Fortgeschrittenen zur Gewohnheit und zum Alltag geworden, hilft bestimmt der Band von David Schnarch, einem der führenden Sexualtherapeuten in den USA: > Die Psychologie sexueller Leidenschaft. Er hat Pionierarbeit in der Behandlung von Problemen der menschlichen Sexualität geleistet und will langjährige Paare zu neuem erotischen Wachstum ermuntern. Was die Partner kaum mehr zu hoffen wagen, tritt ein: Sie finden zu neuer körperlicher und emotionaler Intimität zurück. Schnarch will weniger sexuellen Dysfunktionen untersuchen, sondern es geht ihm um die emotionale Erfüllung in jeder Partnerschaft. Alles vom Kuß bis zu gewagten sexuellen Stellungen ist ein Ausdruck, wie wir unseren Partner wahrnehmen und empfinden. > Jürg Willi schriebt in seinem Vorwort zu diesem Buch: „Durch David Schnarch kommt es nun zu einer Wiederbelebung der Sexualtherapie. Er geht von einer grundlegend anderen Haltung aus. Sein Schwerpunkt liegt nicht in der Wiederherstellung der sexuellen Funktionsfähigkeit, sondern darin, sexuelle Intimität und Erotik zu ermöglichen – ein Gesichtspunkt, der bisher vernachlässigt wurde. Sexuelle Intimität setzt nach seiner Meinung die Fähigkeit voraus, sich dem Partner so zu zeigen (und sich dem Partner so zuzumuten), wie man wirklich ist. Es braucht Mut und Reife, sich dem Partner mit all seinen Gefühlen und Ausdrucksmöglichkeiten anzuvertrauen und sich dabei mit sich selbst zu konfrontieren. Wenn man sich dem Partner offenbart, geht man das Risiko ein, daß er darauf nicht mit Entzücken und Empathie reagiert. Aber man hat keine andere Wahl, man muß das ertragen.“ Das erinnert mich an den Beitrag > Sex im Buchladen auf diesem Blog.

Eine richtig gute Beziehung ist echte Arbeit: > “Die Liebe ist kein Ruhekisssen” Die geheimen Mechanismen der Liebe. Dirk Revenstorf legt hier eine Anleitung vor, wie man den tieferen Sinn hinter den wiederkehrenden Konflikten erkennt. einen ganz anderen Ansatz verfolgt Sven Hillenkamp: Ihm geht es um die Einsicht in die Unmöglichkeit einer grenzenlosen Liebe und um die Angst, die aus allen Versuchungen der Freiheit resultieren: > Nachgefragt: Die unendliche Freiheit und das Ende der Liebe. Polemisch, radikal und nachhaltig gehen Rainer Sachse und Claudia Sachse vor: > Wie ruiniere ich meine Beziehung – aber endgültig. Hanne Seemann, hat wohltuend an die Männer und ihre Rollen erinnert. > Artenschutz für Männer. Manchmal kommt es aber doch zu unlösbaren Konflikten, und dann kann man Roland Weber um Rat fragen: Gehen oder bleiben? Der Untertitel lautet Entscheidungshilfe für Paare.
Noch eins von vielen Fachbüchern bei Klett-Cotta: Ulrich Clement: > Systemische Sexualtherapie.

Französisch lernt am besten in Frankreich selber. Und damit man nicht sprachlos bleibt und über je t’aime hinauskommt, haben sich unsere Kollegen von > PONS ein kleines Wörterbuch mit den > 1000 wichtigsten Wörter für Französisch Lust und Liebe ausgedacht, in dem man schnell noch, bevor man rot wird, was nachschlagen kann und nie um eine Antwort verlegen sein wird. Gibt es auch für Italienisch: > PONS Die 1000 wichtigsten Wörter Italienisch Lust und Liebe.

Michael Eichhammer > www.hilfe-verliebt.de
> Erste Hilfe für Frischverliebte
1. Aufl. 2010 – 233 Seiten – ISBN: 978-3-608-94563-8

Sven Hillenkamp
> Das Ende der Liebe Gefühle im Zeitalter unendlicher Freiheit
1. Aufl. 2009 – 311 Seiten – ISBN: 978-3-608-94608-6

David Schnarch
> Die Psychologie sexueller Leidenschaft
Mit einem Vorwort von Jürg Willi
Aus dem Amerik. von Maja Ueberle-Pfaff und Christoph Trunk
(Orig.: Passionate Marriage. Love, Sex, and Intimacy in Emotionally Committed Relationships. Henry Holt and Company, New York)
6. Aufl. 2008 – 511 Seiten – ISBN: 978-3-608-94161-6

David Schnarch
> Intimität und Verlangen. Sexuelle Leidenschaft wieder wecken
Erscheint im Frühjahr 2011

Hanne Seemann
> Artenschutz für Männer. Die Wiederentdeckung des Männlichen.
230 Seiten – ISBN: 978-3-608-94554-6

Roland Weber
> Gehen oder bleiben? Entscheidungshilfe für Paare
1. Aufl. 2010 – ISBN: 978-3-608-86026-9

Rainer Sachse / Claudia Sachse
> Wie ruiniere ich meine Beziehung – aber endgültig
4. Aufl. 2009 – 191 Seiten – ISBN: 978-3-608-94405-1

Ulrich Clement
> Systemische Sexualtherapie
4. Aufl. 2008 – 240 Seiten – ISBN: 978-3-608-94398-6

Frisch verliebt. Und was jetzt?

Freitag, 10. September 2010

Gestern oder heute sind Sie ihm oder ihr begegnet. Kennen Sie (noch) das Gefühl? Oder erinnern Sie sich noch daran? Oder ist das gerade akut? Oder mal wieder aktuell? Frisch verliebt. O je. Nicht so ganz zurechnungsfähig? Die oder der! Das wär’s! Und alle/s andere(n) verblass(en)t davor. Ruft er/sie an? Der ganze Terminkalender kommt durcheinander, tritt völlig in den Hintergrund, weil gerade wieder seine/ihre SMS gekommen ist. Das Handy hat gerüttelt, man kann jetzt nicht draufgucken, es geht jetzt wirklich nicht, weil man gerade in einer Besprechung sitzt, aber gleich wird doch der Blick aufs Display riskiert, schreibt sie/er? Und man kann seine eigenen Gefühle oder seine Gefühlswelt doch so wenig oder gar nicht verbergen, man schwebt auf Wolke 7. Alle anderen fragen besorgt-neugierig, geht es Dir gut? Sie haben ohnehin schon längst gemerkt, dass sich da was anbahnt, und würden doch so gerne mehr drüber wissen.

Man möchte ja eigentlich auch gar nichts anderes mehr erzählen. Aber man kann ja auch nicht über alles gleich reden. Man muss ja erstmal gucken, wie sich die Dinge entwickeln. Ruft sie/er wieder an? Oder die Sache nimmt erst noch ihren Lauf. Sehen wir uns bald/überhaupt wieder? Kann man / frau jetzt was dafür tun, oder hießt es abwarten. Handydisplay, Mail, Telefon, SMS werden immer wichtiger, wenn nichts kommt, ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Noch ein SMS auf den Weg shicken? Oder nach den drei von heute mittag, noch warten. Da kommen gleich 3 hintereinander. Oder man hatte schon zwei drei Dates und jetzt kommt das nächste. Man fühlt den Kopf total verdreht. Man vergisst alles mögliche, manche Dinge sind überhaupt nicht mehr wichtig. „Dass Liebe ein wenig doof macht, ist wissenschaftlich erwiesen,“ weiß Michael Eichhammer, der diesem so altbekannten Gefühl systematisch nachgegangen ist.

Verliebt. Erste HilfeAm 22. September erscheint seine Erste Hilfe für Frischverliebte sei Klett-Cotta und hilft bei der Beantwortung einer der ersten dringenden Fragen: „Wer ruft wen zuerst an?“ Eichhammer verspricht „Seriöse Tipps für »Jedermann« und »Jede Frau«“. Und was eine(n) wohl erwartet? Der Traumpartner/ die Traumpartnerin? Geht das gut? Kann das gutgehen? Ist sie/er es wirklich? Steht das erste Date noch aus? Und macht man jetzt auch alles richtig? Und genügt Luft und Liebe wirklich zum Leben? Was muss jetzt unbedingt vermieden werden?

Wird es ein Treffen mit den Eltern geben? Wie geht das mit dem Online-Dating. Der Geisteszustand Frischverliebter benötigt ganz bestimmt eine Form der (Selbst-)Behandlung, damit man oder frau trotz allem einen halbwegs klaren Kopf bewahren kann. Mit diesem Buch versteht man/frau, wie die Antwort auf die Frage „Wer ruft wen zuerst an?“ lautet. Michael Eichhammerr schreibt: “ Dieses Buch will keineswegs in den Chor der Unkenrufer gegen das private Glück einstimmen. Enttäuschte Liebesdeserteure sind nicht die Zielgruppe von Erste Hilfe für Frischverliebte. Im Gegenteil sollen alle angesprochen werden, die das Wagnis eingehen, ihr Herz so weit zu öffnen, dass es zur Eintrittspforte für das Schönste wird, was das Leben zu bieten hat, sich damit gleichzeitig aber auch verwundbar machen.

(Der Internet Explorer 7 mag > das Buch zum Blättern nicht anzeigen?)Dieses Buch will dabei helfen, das Verletzungsrisiko zu reduzieren und soll als Erste-Hilfe-Kasten für akute Fälle dienen. Zum Beispiel als Brillenputztuch, wenn die rosarote Brille beschlägt. Oder als Krisenmanagement bei vergeblicher Liebesmüh und anderen Worst-Case-Szenarios.“ – Der Lesebericht folgt auf diesem Blog.

Website zum Thema Frisch verliebt und jetzt?

Michael Eichhammer hat mit viele Zitaten, Infos, Film- und Buchtipps eine Website zum Frischverliebstsein erstellt, wo die Betroffenen sich Rat holen können: > www.hilfe-verliebt.de Mit einer großen Online-Datenbank der Liebe! Liebesbeweise, Liebesforschung, Hobbypsychologie… Fakten, Fakten, Fakten zum irrationalsten aller Forschungsgebiete. Und Tipps für Frischverliebte , schwere Fälle, Sonderfälle – das ist immer ein Sonderfall – und sonstige Liebesunfälle…

Michael Eichhammer
> Erste Hilfe für Frischverliebte
1. Aufl. 2010
233 Seiten
ISBN: 978-3-608-94563-8

> Der Autor empfiehlt:

ANWENDUNGSBEREICH
Hilft sofort gegen gebrochene Herzen, zitternde Knie, drohende Ohnmacht, Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Suchtverhalten, Stimmungsschwankungen, Wahnvorstellungen und alle anderen Symptome von Liebe.

DOSIERUNG
In schweren Fällen zwei mal täglich lesen!

Ausserdem auf diesem Blog zum Thema Liebe:

> “Die Liebe ist kein Ruhekisssen” Die geheimen Mechanismen der Liebe
> Die unendliche Freiheit und das Ende der Liebe
> Sex im Buchladen

WDR west.art: Das Ende der Liebe – Es lebe die Vernunftehe

Mittwoch, 4. November 2009

Das Ende der LiebeSven Hillenkamp, mit dem ich auf der Buchmesse ausführlich über sein Buch > Das Ende der Liebe Gefühle im Zeitalter unendlicher Freiheit, gesprochen habe: > Nachgefragt, ist am kommenden Sonntag, 9. November, bei > west.art im WDR Fernsehen von 11.00 – 12.25 Uhr zusammen mit anderen Autoren als Gast eingeladen. Hillenkamps These: Er meint, dass im Zeitalter der unbegrenzten Möglichkeiten die Liebe auf der Strecke geblieben ist.

> Leseprobe

Sven Hillenkamp im > Literatur-Film

Sven Hillenkamp
Das Ende der Liebe
Gefühle im Zeitalter unendlicher Freiheit
1. Aufl. 2009
311 Seiten
ISBN: 978-3-608-94608-6

Nachgefragt:
Die unendliche Freiheit und das Ende der Liebe

Samstag, 17. Oktober 2009

Das Ende der LiebeAm ersten Tag der Buchmesse gab es zwischen vielen Terminen beim Fernsehen und Rundfunk ein Treffen mit Sven Hillenkamp auf dem Stand von Klett-Cotta. Über sein Buch > Das Ende der Liebe Gefühle im Zeitalter unendlicher Freiheit habe ich hier auf dem Blog schon berichtet. Jetzt ging es darum, einmal nachzufragen.

Der Leser gewinnt den Eindruck, dass der Autor hier möglicherweise auch autobiographische Erlebnisse für dieses Buch verwendet hat. Ganz konkret wollte er sich dazu nicht äußern, insistiert habe ich nicht, denn darum geht es in diesem Buch auch gar nicht. Vielmehr geht es um die Einsicht in die Unmöglichkeit einer grenzenlosen Liebe und um die Angst, die aus allen Versuchungen der Freiheit resultieren. Das Ende der Liebe Da dieses Blog kein Lobforum ist, auch keine Werbetexte enthält, aber auch genausowenig > Rezensionen anbietet, sondern eine Textsorte erfindet, die ich habe das Buch gelesen heißt, weil mir eine bessere Bezeichnung noch nicht eingefallen ist, habe ich doch mal nach seiner Definition der Freiheit gefragt, weil mir die Konzentration nur auf ihre Folgen nicht ganz geheuer ist. Sven Hillenkamps Buch enthält einen Feststellung, die möglicherweise von vielen geteilt wird: „Die Geschwindigkeit der Menschen in der Freiheit ist die Geschwindigkeit des freien Falls.“ (S. 35)Das Ende der Liebe Kann man mit einer solchen Erkenntnis wirklich zur der Schlussfolgerung gelangen, dass die Menschen unfrei sind? (vgl. S. 253) Damit kann ich mich nicht so recht zufriedengeben, weil ich über die Art und Weise, wie der Autor die Freiheit des Menschen interpretiert, nicht so recht teile und gerne länger mit ihm darüber gesprochen hätte. Aber die Art und Weise, wie Liebe und Freiheit in unserer Gesellschaft nicht zusammenpassen, da ist doch was dran. Leider habe ich keine Zeit mehr gehabt, meine letzte Frage loszuwerden, bei der es um die Lösung der Fragen geht, die er mit seinem Buch aufwirft. Das ist gar nicht schlimm, in unserem Gespräch ging es ja auch erstmal nur um den theoretischen Ansatz seines Buches.

Das Gespräch mit Sven Hillenkamp:

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ca. 10 min

> Leseprobe

Sven Hillenkamp im > Literatur-Film

Sven Hillenkamp
Das Ende der Liebe
Gefühle im Zeitalter unendlicher Freiheit
1. Aufl. 2009
311 Seiten
ISBN: 978-3-608-94608-6

Alan Pauls, Die Vergangenheit

Sonntag, 4. Oktober 2009

Pauls, Die VergangenheitGestern abend kam das nächste Buch > Die Vergangenheit von Alan Pauls dran, das ganz oben auf dem > Bücherstapel der Neuerscheinungen liegt, dran. Bisher habe ich schon öfters die ersten drei, vier Seiten eines neuen Buches laut gelesen, sozusagen, um den Stil zu prüfen, in Erinnerung an Flauberts > épreuves de gueuloir. Bei den ersten fünf Seiten blieb es diesmal nicht. Das war mir auch bei > Zwei schwarzen Jäger von Brigitte Kronauer passiert. Aber hier ist das ein ganz anderer Stil. Beim Vorlesen wurden es gestern abend 50 Seiten, die ersten sieben Kapitel, die den Leser mit Rímini und Sofía bekanntmachen. Die wunderbare Schilderung der Ablieferung oder Aushändigung eines Briefes auf den ersten Seiten, geht über in das 2. Kapitel, in dem von Sofías Nachrichten erzählt wird, die sie in jeder Form und überall hinterlegt; viel schöner und aufregender als die heutigen elektronischen SMS. Dann reisen sie nach Europa, nach Wien, wo Sofía eine Grippe überstehen muss. Im Museum suchen sie das Bild von Jeremy Riltse und begegnen Pierre-Gilles.

Die Vergangenheit ist ein wunderbarer Roman über die Aufregungen der Liebe: „Die Risse waren nie groß genug, oder die Membran, die sie schützte, war zu widerstandsfähig, oder – unerhörter Skandal – die Zeit, der klassische Feind aller Dauer in der Liebe, meinte es außergewöhnlich gut mit ihnen, so sehr, dass ihre berühmten Gifte – Erosion, Routine, einschläfernde Vertrautheit ohne Doppelbödigkeit – in Kontakt mit ihnen das Vorzeichen änderten und zu Elixieren wurden, zu seltsamen Zaubergetränken, die, indem sie sich mit der Liebe mischten, sie beharrlich, beständig, unverletzlich machten. Sie hatten die Dauer auf ihrer Seite. Das war das Geheimnis.“ (S. 50 f.) – Christian Hansen hat das Buch übersetzt und beim Vorlesen kann man genau hören, wie gut ihm das gelungen ist. „Mit der Zeit verfügte Rímini über eine beachtliche Sammlung solcher Nachrichten. Er hütete sie an geheimen, regelmäßig wechselnden Orten, aus Furcht, Sofía könne sie entdecken. Nie las er sie zweimal: Ihm genügte es, sie zu besitzen; aber kaum etwas machte ihm größeres Vergnügen, insbesondere wenn er spürte, dass Sofía sich näherte, als in einem alten Schuhkarton, einem Buch oder der Tasche eines selten getragenen Sakkos zu stöbern, um seiner Sammlung ein weiteres Exemplar hinzuzufügen.“ (S. 20) Bis hierhin werden keine intimen Geschichten erzählt, die Schilderung der Gewohnheiten zwischen beiden genügen, um die Intensität ihrer Liebe zu beschreiben. Die Nachrichten von Sofía haben für Rímini eine zentrale Bedeutung: „(Rímini, der Fremdgehen nicht verurteilte, darin jedoch den Gipfel des Abwegigen sah, etwas so Aberwitziges und Abseitiges wie Levitation, Astrologie oder Drogensucht, hatte indes einen einzigartigen Weg gefunden, es zu tun: Er betrog seine Geliebte mit den Liebesbeweisen, die sie selbst ihm verehrt hatte.)“ (ib.) Rímini versucht die Erinnerungen zu behalten und sie nicht einer verlorenen Zeit zu überlassen: „Er bewahrte sie auf > wie andere Leute Fotos, Haarsträhnen, Bierdeckel, Theaterkarten, Bordkarten oder Postkarten aus fernen Ländern, Reliquien, in die Liebende sich von Zeit zu Zeit vergraben, um sich die historische Dimension einer alltäglichen Leidenschaft in Erinnerung zu rufen oder sie wiederzubeleben, ihr Feuer anzufachen, wenn sie in stiller Stagnation erlahmte und mit dem Horizont bloßer Wiederholungen zu verschmelzen drohte.“ (ib.)

Die nächsten Kapitel werden zeigen, wieso der Roman > Die Vergangenheit heißt. Eigentlich ist es schade, dass Verlagstexte oder Klappentexte schon oft so viel über ein Buch verraten. Durch das Schreiben über > Bücher auch anderer Verlage merkt man, dass zur Orientierung die Werbetexte nicht ausreichen. Anfangen zu lesen, das ist es, was zu interessanten Büchern führt. Auf den Ständen der > nächsten Buchmesse kann man wieder beobachten, wie die Leser die Bücher prüfen.

> Gespräch mit Michael Zöllner über Alan Pauls, Die Vergangenheit

Hier können Sie in > Die Vergangenheit blättern.

Alan Pauls
> Die Vergangenheit
Roman
Aus dem Spanischen von Christian Hansen (Orig.: El Pasado)
Auflage: 1. Aufl. 2009
Ausstattung: gebunden mit Schutzumschlag
559 Seiten
ISBN: 978-3-608-93705-3

Die unendliche Freiheit und das Ende der Liebe

Sonntag, 13. September 2009

Das Ende der LiebeGestern abend im ICE von Köln nach Stuttgart fragte mich ein junge Frau, ob ich Kritiker sei? Ich würde so konzentriert lesen. Und für wen ich schreiben würde. Jetzt hat unser Blog bestimmt wieder eine neue Leserin. Auf dem Tisch lag Sven Hillenkamps Buch Das Ende der Liebe. Gefühle im Zeitalter unendlicher Freiheit. Ich bin keinesfalls mit allem, was er schreibt, einverstanden. Auch gibt es einige Wiederholungen, die in andere Betrachtungsweisen münden, also die doch zu der Form des Essays, die uns hier angeboten wird, dazugehören. Ich habe auch nicht auf die Seite von Sven Hillenkamp bei Klett-Cotta geguckt, um mir den Blick auf das Buch nicht verstellen zu lassen.

Es geht um die Liebe im Zeitalter der unendlichen Freiheit, und was die Liebe dabei aus uns macht, oder was wir aus ihr zu machen versuchen. Es geht um die Unmöglichkeit einer grenzenlosen Liebe, um all die unerfüllten Wünsche, um das ständige Weitersuchen, um Sex und um das Nachdenken darüber, wie man trotz vieler Erfahrungen und Sehnsüchte da ein wenig Ordnung, Kontinuität hineinbringen kann, soll oder muss, und ob das überhaupt noch möglich ist. Wie bei einem Krimi ist hier die Lösung nicht zu präsentieren und folglich auch nicht zu bewerten. Mit ihr bin ich nebenbei nicht einverstanden, ich hätte dem Buch einen anderen Schluss gewünscht. Aber man muss anerkennen, dass Hillenkamp das Thema von mehreren Seiten, eben wie das einem Essay angemessen ist, einkreist. Und das ist ihm gut gelungen. Und jetzt kommen wir zum zweiten Ansatz der Erklärung, um was es hier geht.

Es ist vielleicht gar ein autobiographisches Buch, da der Autor von einer oder seiner großen Liebe einmal wahnsinnig enttäuscht worden ist, oder das ist noch wahrscheinlicher und würde mit den Thesen in seinem Buch gut zusammenpassen, er ist von mindesten zwei großen Lieben sehr enttäuscht worden. Nr. 1 – pardon ich will sie nicht nummerieren, aber ich weiß nicht wie sie heißt – schien perfekt zu ihm zu passen: „die absolute Gleichheit des Partner“ ist „die größte Bedrohung“ (S. 236) warnt er. Nr. 2. war die totale Herausforderung, und der Autor nahm „Reißaus“ (ebd.) Also drückt das Buch eine Dauerklage über die Verflossenen und zugleich auch den Ärger des Autors über sich selbst aus, der künftig alles anders machen will, sich das alles aber erst ordnend von der Seele schreiben muss. Liebe wird auch unmöglich, so lautet die nächste These, weil man sich über den Anderen und seine Gefühle so schnell wie möglich klar werden will (vgl. S. 242), worin sich die Angst vor jeder Ungewissheit, die als Unfreiheit empfunden wird, ausdrückt. Und Hillenkamp spricht fast nur von den freien Menschen, die so hat er sie definiert, diejenigen sind, die an die Unendlichkeit glauben. „Sie leiden,weil sie hinter den unendlichen Möglichkeiten zurückbleiben.“ (S. 47) Sie sind von ihrer Arbeit „enttäuscht“ (S. 48). Diese Bewertung von > Freiheit muss man nicht verstehen, obwohl mir schon klar ist, dass Sartre die unbedingte Freiheit des Menschen auch als den Ausgangspunkt seiner Unaufrichtigkeit (mauvaise foi), (L’être et le néant, 1943)man könnte sagen als Quell allen Übels versteht oder gar beklagt.

Es gibt viele Sätze, die eine Aphorismenform haben, nicht weil sie nicht in den Zusammenhang passen, sondern weil sie sich für Zitate eignen, aber doch als Thesen explizit für den Fortgang des Essays formuliert wurden: „Auch die Menschen, die nicht in Wirklichkeit mehrere Partner haben, haben im Bewusstsein mehrere Partner gleichzeitig.“ (S. 32) – „Die Geschwindigkeit der Menschen in der Freiheit ist die Geschwindigkeit des freien Falls.“ (S. 35) Sehe ich auch anders. Der Satz über die Menschen ohne Eigenschaften, aus denen einen Welt ohne Eigenschaften geworden sei, (S. 45) klingt doch sehr nach Ulrich und Robert Musil und illustriert möglicherweise den eigenen Ärger oder das Empfinden des Autors über sich und Nr. 1 oder 2. Und dies spricht für meine zweite These hinsichtlich des Inhalts dieses Buches: „Jede Abbruchshoffnung ist begleitet von furchtbarer Abbruchsangst.“ (S. 86)

Hillenkamps Bemerkungen über Öffentlichkeit und Privatheit erinnern an Richard Sennetts Buch Der Tod der der Öffentlichkeit und der Terror der Intimität, das in der Originalausgabe viel besser The Fall of Public Man heißt.

Das Ende der LiebeGucken sie mal unter den Umschlag. =>

Stimmt es, dass die freien Menschen immer weiter suchen? Und was ist mit dem Satz „Sex ist heute der Wartesaal der Liebe“? (S. 190) Und dann kommt Hillenkamp auf die Sache mit den Matchingpunkten, mit der die Onlinebörsen das perfekte und glückliche Zusammenpassen versprechen. Früher wollte man gemeinsam eine Existenz aufbauen, heute vergleicht man Existenzen miteinander , lautet Hillenkamps Schlussfolgerung und kommt zur Gleichheitsenttäuschung (S. 211) und erwähnt die Angewohnheit „alles als eine Eigenschaft des Selbst wahrzunehmen“ (S. 216).

Seine Beispiele aus der Literatur (Nachweise, S. 310 f.), aus > Madame Bovary, aus Goethes Werther begleiten seine Überlegungen in dem Kapitel Die Suche nach dem Passenden. „De l’amour“ (1822) von Stendhal und seine Erklärung des „point de cristallisation“ hätte ich auch zitiert, und vielleicht auch Senancours De l’amour selon les lois primordiales et selon les convenances des sociétés modernes, Paris 3/1829: „Pour que l’union soit bonne, il faut que les êtres soient semblables, et différens.“ (S.11)

Einen Teil der Lösung deute ich mal: Die Menschen, so Hillenkamp, entdecken erst, dass sie unfrei sind. (vgl. S. 253) Stehen sie sich wirklich selbst im Weg? Dann passt ja wieder das, was Roquentin am Ende von „Der Ekel“ (1938) sagt, sein neues Buch müsste so hart wie Stahl sein, dass es den Lesern wegen ihrer Existenz die Schamröte ins Gesicht treibt.“ Sie sollen an ihre verpassten und noch nicht wahrgenommenen Möglichkeiten denken.

Und Hillenkamp sagt auch „Lieben könnten sie dagegen nur das lieben, was sie nicht gesucht haben…“ (S. 258) Und dann ist da noch die Zeit, die unaufhörlich an der Freiheit des Menschen kratzt. (S. 282).

Genug. Ich freue mich auf ein Gespräch mit Sven Hillenkamp, um nachzufragen, vielleicht verrät er mir, welche der ersten beiden Interpretationen, die hier eingangs versucht wurden, die richtige ist. Ich werde ich auch fragen, wieso er gegen Ende seines Buches plötzlich zur Ich-Form kommt.

Als Essay finde ich sein Buch echt spannend, weil es ganz anders als Partnerbücher, wichtige Fragen stellt, die auch ein sich als total harmonisch empfindendes Paar vielleicht doch ganz unterschiedlich beantwortet. Denn die Übereinstimmung, die Hillenkamp nennt, ist ein Modell, die gibt es gar nicht.

> Leseprobe

Sven Hillenkamp
Das Ende der Liebe
Gefühle im Zeitalter unendlicher Freiheit
1. Aufl. 2009
311 Seiten
ISBN: 978-3-608-94608-6

„Die Liebe ist kein Ruhekisssen“
Die geheimen Mechanismen der Liebe

Mittwoch, 3. September 2008

Dirk RevenstorfDer Untertitel „Sieben Regeln für eine glückliche Beziehung“ deutet auf einen Ratgeber hin, der für die Beziehungspflege Tips vermittelt und überhaupt erstmal erklärt, wieso die stete Pflege wichtig ist. Im Interview, das Heinz Beyer und Katharina Wilts von Klett-Cotta mit > Dirk Revenstorf zu seinem neuen Buch führten, erklärt der Autor, was das Neue an seinem Buch ist. Er erinnert daran, „dass die Liebe kein Ruhekissen ist“, und stellt sein Buch als einen „Ratgeber“ vor „mit einer Anleitung, wie man den tieferen Sinn hinter den wiederkehrenden Konflikten erkennt“. Ein Ratgeber im klassischen Sinn, wo man hier und da mal nachschlagen kann und sich Rat holen kann, ist dieses Buch aber nicht. Seine beiden Teile – I. Fundamente und II. Praxis der Liebe – sind genau aufeinander abgestimmt. Zwar erklärt der Autor in seinem Vorwort, dass sein Buch ähnlich wie ein Kursbuch aufgebaut ist, man könne den ersten Teil überspringen, wenn man „mehr an den praktischen Einsichten interessiert“ sei. Aber gerade durch den ersten Teil wird Revenstorfs Buch richtig spannend, weil es so viele Anregungen enthält über das Phänomen der Liebe nachzudenken. Einen richtigen Ratgeber kann man auch deshalb nicht schreiben, weil sich die Liebe kontrollierter Regelung entzieht: „Der Liebe kann man zwar Gelegenheit geben, aber ob Cupido seinen ersehnten Pfeil abschießt und ob danach nicht durch widrige Umstände das ersehnte Glück ‚vom Winde verweht wird‘, liegt oft jenseits des persönlichen Einflusses.“ (S. 24) Aber er stellt viele Fragen und vermittelt so die Grundlage für die dann später folgenden 7 Regeln.

„Fortpflanzung ist daher womöglich gar nicht das Hauptziel der Sexualität, sondern eher ein Nebenprodukt,“ (S. 28) heißt es bei ihm im Abschnitt über die Sexualität und Erotik. Sie sind für eine Liebesbeziehung „eine unerschöpfliche Ressource“. Die folgenden Kapitel „Verliebtheit und Liebe“ Und „Was die Liebe begrenzt“ versuchen, die Bindungen durch Liebe zu beschreiben. Revenstorf geht dabei von Fällen aus, deren individuelle Entwicklung in den späteren Kapiteln immer mal wieder aufgegriffen wird (Cf. Liste der Fallbeispiele, S. 194). Er nennt insgesamt nur 8 Fälle, und zeigt damit schon, dass es sich um Schematisierungen handelt, an denen er bestimmte Gedankengänge erläutern will. Schematisch erscheint zunächst auch sein Abschnitt über „Partnerwahl und Biografie“, der durch eine Tabelle „Beziehungsmerkmale, ihre Schwächen und ihre Stärken“ (S. 58) illustriert wird. Dem Autor geht es aber um mehr: Er will „die gegenseitige Attraktion und das Konfliktpotential“ in Beziehungsmustern verdeutlichen. Auch wenn wir die biologischen Unterschiede von Mann und Frau, historische und gesellschaftliche Gegebenheiten berücksichtigen, so ist noch nicht das Wesentliche erkannt, was eine dauerhafte Liebesbeziehung ausmacht. Revenstorf macht dies zur These seines Buches: Es geht ihm um „das persönliche Wachstum, das eine Liebesbeziehung beiden Partnern ermöglicht und zum eigentlichen Glück in der Liebesbeziehung hinführt.“ Und mit der Erläuterung der Entwicklung beginnt der II. Teil „Praxis der Liebe“: „Die Liebe wird erst möglich, wenn die neurotischen Schleier, die sie verdecken, beseitigt sind,“ erklärt der Autor und meint damit „biografische Altlasten“ die aufzugreifen sind. Hier geht es um Differenzierung, gegenseitige Anerkennung, Wiedergewinnung der Autonomie und eben nicht um das Einfrieren „heilen Familienlebens“ (S. 112), in der „Zwangsprozesse“ (G. Patterson) vermieden werden.

Für die folgenden 7 Regeln verlangt Revenstorf vom Leser ein Verständnis für deren Kombination, jede isolierte Beachtung eine dieser Regeln führt für ihn in eine Sackgasse. Deshalb ist dieses Buch eigentlich kein Ratgeber, sondern ein Anstoß zusammen mit dem Partner über die Liebe („Sie bringt unsere Philosophie des Habens durcheinander.“ S. 139) zu sprechen. Es geht um Bewilligungen, Delegationen, Groll, Wunden, Raum für die Liebe und Leidenschaft und ganz praktische Ratschläge. Seine Beziehung sei eintönig klagte ein Paar: Revenstorf machte ihm klar, „dass es es eine Sünde sei, Gottes großzügige Gabe der permanenten sexuellen Bereitschaft und Variationsbreite zu vernachlässigen.“ (S. 176) Die 7 Regeln enthalten viele nützliche Anregungen, sie sind aber auch so konzentriert dargelegt, dass man mit ihnen immer wieder von neuem eine Beziehung prüfen und diese weiterentwickeln kann.

Dirk Revenstorf
> Die geheimen Mechanismen der Liebe 7 Regeln für eine glückliche Beziehung
Auflage: 1. Aufl. 2008
202 Seiten
ISBN: 978-3-608-94547-8

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