Verlagsblog

Die Macht der Geschichten.
Lesung: Christian von Aster, Das eherne Buch

Mittwoch, 26. August 2015

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das neue Buch Christian von Aster > Das Eherne Buch ist gerade erschienen. Untertitel: Eine Geschichte vom Ende allen Krieges.

Wie kann das dem Untergang geweihte Reich doch noch gerettet werden? Eine fast vergessene Legende und ein junger Bibliothekar! Das klingt nach Literatur. Die Bücherwarte in den Bibliotheken sind die eigentlichen Verwalter der Kultur.

Nach dem Tod des Sohns des alten Fürsten, der hinterrücks ermordet wurde delingt es dem totgeglaubten Clan sich noch einmal zu erheben. Ein Kampf um Überleben oder Vernichtung beginnt. Jaarn, der letzte Nachkomme des Hauses von Stahl, erhält von seinem Vater ein sagenumwobenes Schwert. Friede soll er dem Reich bringen. Es trägt den Namen > Das Eherne Buch, nicht aus Stahl, sondern aus Geschichten ist es geschmiedet. Alle, die Guten und die Bösen, Fürsten und Räuber wollen das legendäre Stück besitzen. Jeder Meuchelmörder macht sich auf die Jagd nach Jaarn, jeder will ihn und das Schwert haben. Aber Jaarn gelingt es, sich zu behaupten. Es ist wohl doch die Literatur, die Bücher die Geschichten, die immer die Oberhand behalten. Ein besonderes Lesevergügen wartet auf Sie!

Dillingen | Lesung 27.8.2015, 20 h – Eintritt 5€
> drachenwinkel.shop-asp.de
Drachenwinkel, Beckinger Str.1, 66763 Dillingen

> Weitere Termine:
und am 2.9.2015 in Leipzig und am 11.9.2015 in Berlin

aster-eherne-buchChristian von Aster
> Das Eherne Buch
Eine Geschichte vom Ende allen Krieges
1. Aufl. 2015, 347 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-93934-7

A propos der Macht der Geschichten! Die Gefährlichkeit der Literatur darf nie unterschätzt werden. Zum Glück hat die > Stuttgarter Stadtbibliothek klug vorgesorgt:

Christian von Aster, der Schattenschnitzer: „Jetzt erscheint bei Klett-Cotta sein neuestes Buch. Es ist die Geschichte des Zauberers Jonas Mandelbrodt, die jemand berichtet, der ihn vielleicht als eine Art Mentor sehr geschätzt hat. Der Erzähler ist aber kein Magier, dennoch kennt er ihr Leben sehr gut und hat vieles gesehen hat, was andere niemals sehen werden. Der Prolog in Der Schattenschnitzer ist viel mehr als nur ein Vorwort. „Ehrt Eure Magier,“ so fängt der Prolog an. Das sagt jemand, der uns Menschen etwas beibringen will? Er ist kein Magier, kein Gelehrter. Eines Tages hört Jonas die Stimme seines Schattens. …“ >
Bitte weiterlesen.

Lesebericht: David Whitehouse, Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek

Montag, 23. Februar 2015
Montag, 9. März 2015, 20 Uhr
Stuttgart | Lesung – Moderation: Thomas Klingenmaier
Lesung im roten Doppeldeckerbus
Buchhandlung Wittwer
Königstr. 30 – 70173 Stuttgart

Blogschau:

„Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek“ ist ein Feuerwerk der Gefühle, die durch die Kuriosität seiner Protagonisten zu einer liebenswerten Lektüre wird, die man gar nicht weglegen möchte,“ schreit Oliver Steinhäuser unter dem Titel > Lesebericht zu “Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek” von David Whitehouse auf seinem Blog: > buchundmedienblog.com.

David Whitehouse, hat mit dem jüngst bei Tropen erschienenem Buch > Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek ein erstaunliches Buch geschrieben. Hauptperson ist Bobby Nusku mit einer unglücklichen Kindheit und schlechten Familienverhältnissen zu Hause. Er nutzt die erstbeste Gelegenheit zu einem „Ausflug“, dessen Dauer nie ein Thema ist.

Sein Freund Sunny macht mit allerlei dummen Aktionen auf sich aufmerksam und gibt vor, Bobby beschützen zu wollen. In der Nachbarschaft macht Bobby derweil Bekanntschaft mit Rosa Reed und ihrer Mutter Val(erie) Reed. Sie putzt in einem Bücherbus, den sie kurzerhand mit einer chaotischen Abfahrt entwendet, als Bobby wieder einmal dem Wüten seines Vaters gerade entkommen ist.

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Bei ihrer stürmischen Abfahrt geht wegen der mangelnden Übung der Fahrerin so einiges zu Bruch. – „Man kann nie von etwas weglaufen, was man nie gehabt hat“, erklärt Sunny später der Polizei, die nach Bobby sucht. Es beginnt eine Bücherbusoddyssee durch England bis Schottland und wieder zurück. Unterwegs nehmen sie Joe mit auf, der die Gefahren nur noch verschärft. Das Ende der Geschichte steht schon am Anfang und wird am Ende präzisiert.

Um es gleich zu sagen. Bobby hat, auch wenn ihm eventuell mildernde Umstände zuzubilligen sind, einen doch miesen Charakter; die Sache mit dem Brennspiritus, das geht gar nicht. Aber er hat durchaus auch die Fähigkeit, Systematik in sein Leben zu bringen. Seine Mutter ist bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Bobby kann das nicht so recht glauben und bereitet sich auf Ihre Rückkehr vor. Akribisch sammelt er selbst kleinste Erinnerungen in seinem Archiv, dem er eine perfekt Ordnung verpasst.

Bobby pflegt nicht nur das Archiv mit den Dingen seiner Mutter, er hat auch die Angewohnheit, sich seine Umgebung mit Zahlen zu merken, wieviele Stufen, wieviele Meter von hier nach dort, zu Hause konnte er sich so perfekt im Dunkeln bewegen. Das Lesen der Romane war für Bobby immer wieder ein Anlass, sich eine neue (Land-)Karte vorzustellen, wie sollte er auch sonst z.B. John Steinbecks Roman Von Menschen und Mäusen bewältigen können? (vgl. S. 175) Ganz ähnlich geht es ihm auch bei der Lektüre von Antoine de Saint-Exupérys Der kleine Prinz, von dem er glaubte, er sei nur für ihn geschrieben, aber das glauben ja sowieso alle Leser dieser Geschichte: „Male mir einen Elefanten.“

Diese Geschichte mit dem Diebstahl des Bücherbusses enthält eine kurzgefasste Ästhetik der Literatur, auch wenn Bobby sie theoretisch nicht so recht versteht, so war ihm die praktische Auswirkung der Literatur umso klarer. Roald Dahls Matilda hatte er gelesen und glaubt nun, auch er verfüge über besonderen Gaben. Vielleicht würde es wirklich nur reichen, bloß all die Geschichten zu lesen, damit sich die Wirklichkeit ändern würde. Ganz sicher war er sich nicht, wie und was sich ändern würde, aber das Prinzip schien ihm unerschütterlich.

Im Vordergrund dieses Romans steht die Frage nach der Wirkung der Literatur. Es sind die Geschichten, die die Bücherbusleser in ihren Bann ziehen: „Lies uns was vor,“ (S. 137) sagte Bobby und reichte Val die große Ausgabe von Moby Dick. „Bücher sind das Leben“ fügt Val hinzu: „So etwas wie ein Ende gibt es nicht,“ (S. 138) und „In jedem Buch gibt es irgendeinen Hinweis auf dein eigenes Leben,“ erklärt sie Bobby, der die Reise im Bücherbus zu extensivem Lesen nutzt. „…die Geschichten sind miteinander verbunden. Du erweckst sie zum Leben, wenn du sie liest, und dann wirst du das, was darin passiert, such selbst erleben,“ (S. 73) lehrt sie Bobby ihre Vision der Literatur.

Bobby vernachlässigt sein Archiv und liest und liest: „Er wollte Teil eines Buches sein, ein Abenteuer erleben.“ (S. 74) Engagierte Literatur vermittelt nichts anderes, denn ein Autor, der über etwas schreibt, nimmt den Dingen die Unschuld, erklärte Raymond Aron einem Café seinem Freund > Jean-Paul Sartre. Benenne etwas, oder schreibe über etwas, und es hat für Dich und den Leser eine Bedeutung, es weist auf etwas hin, es obliegt dem Leser, daraus etwas zu machen. Das ist die Appelfunktion der Literatur, die Roquentin in Sartres La nausée in einem Satz zusammenfasst: Auf dem Heimweg von Bouville nach Paris stellt er sich vor, ein neues Buch zu schreiben, das so hart wie Stahl sei, und den Leuten wegen ihrer Existenz die Schamröte ins Gesicht treibt. – Literatur verändert die Wirklichkeit nicht, sie schärft unseren Blick für die Wirklichkeit, sie rückt Dinge in einen neuen Kontext, öffnet neue Perspektiven, stellt Autor und Leser ständig vor ihre eigene Verantwortung.

So ist es auch mit den Die Geschichten um und in dem Bücherbus. Sie gehen mit den in seinen Büchern aufbewahrten Geschichten ineinander über. Whitehouse zeigt ganz nebenbei, dass die, die lesen das Leben leichter meistern, er lässt Fiktion, Geschichten und Erzählungen nebeneinander- und ineinanderlaufen, so wie Sunny auch Der Eisenmann von Ted Hughes sein könnte, das Buch, das Bobby ihm zum Wiedersehen mitbringt. Beide sind die Fortsetzuung von Tom Sawyer von Mark Twain, findet Val, und Bobby flitzt in den Bücherbus und kommt mit der alten gebundenen Ausgabe zurück. Tom und Huck sind völlig frei… weil alle Leute glauben, sie seien im Fluss ertrunken…, weiß Bobby mit Bestimmheit zu sagen. Val dachte an ihren Bus und die Bücher: „Die Bibliothek hatte ihre Geschenke in sie hineingepflanzt. Die Wörter.“ (S. 301) Und lesen Sie auf S. 301 weiter, dort wird die Literaturtheorie in diesem Buch vervollständigt.

David Whitehouse,
> Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek
Roman, Aus dem Englischen von Dorothee Merkel (Orig.: Mobile Library)
1. Aufl. 2015, 315 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-50148-3

Nachgefragt: Brigitte Kronauer, Zwei schwarze Jäger

Sonntag, 18. Oktober 2009

Zwei schwarze RitterNachdem ich das Buch von Brigitte Kronauer > Zwei schwarze Jäger zu Hause vorgelesen habe, gab es gestern auf dem Stand von Klett-Cotta bei der Frankfurter Buchmesse, eine Gelegenheit Brigitte Kronauer zu fragen, ob meine Anmerkungen stimmen und sie um BrigitteErgänzungen zu bitten: Nachgefragt.

Wir haben über die Struktur des Romans gesprochen und sie bittet ihre Leser ausdrücklich, das Buch von Anfang bis zum Ende zu lesen und nicht etwa auf die Idee zu kommen, das ein oder andere Kapitel vorzuziehen. Sie besteht darauf, weil der Aufbau und so auch die Wirkung des Romans von diesem linearen Lesen abhängt.

Heute hat sie bei DeutschlandRadio Kultur zu Gast bei 3Sat auf der Buchmesse aus ihrem Roman gelesen:

Brigitte Kronauer

In ihrem Roman folgt die Schriftstellerin Rita Palka einer Einladung zu einer Lesung. Und die entgleitet ihr. Vielleicht um nach dem ein oder anderen autobiographischen Detail zu fragen, habe ich Brigitte Kronauer nach ihren Leseerlebnissen bei Veranstaltungen gefragt, und wir haben gleich zusammen einen kleinen Exkurs mit Beobachtungen und Erlebnissen aus Literaturhaus-Lesungen unternommen. Denn dort fällt doch , wie z. B. im > Stuttgarter Literaturhaus bei den Lesungen immer wieder auf, wie und ob die Lesung des Autors den Funken zum Publikum überspringen lässt. Danach haben wir wieder den Faden aufgenommen, und sie hat einige Fragen zu dem Personal ihres Buches beantwortet. An einer Stelle habe ich „Frau Kronauer!“ gesagt und das Mikro nicht richtig geführt, das ging nicht schnell genug, und es klingt dann leider nicht angemessen höflich, weil „Frau…“ nicht zu hören ist. Aber hören Sie selbst:

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ca. 17 Minuten

Brigitte KronauerBrigitte Kronauer

> Kann man Literatur photographieren? – Brigitte Kronauer im Stuttgarter Literaturhaus

> Brigitte Kronauer
> Zwei schwarze Jäger
286 Seiten
ISBN: 978-3-608-93885-2

> Leseprobe.

Das Doppelheft des MERKUR.
Gibt es heute noch Helden?

Montag, 12. Oktober 2009

MERKURDas neue Sonderheft des > MERKUR beschäftigt sich mit Helden: Heldengedenken. Über das heorische Phantasma lautet sein Titel.

In Ihrer Einleitung bestätigen die Herausgeber, dass das Heroische nicht gerade aktuell ist. Aber es werden zunehmend die „Helden des Alltags“ genannt, die die etwas Gutes tun, aber ncht immer Helden im strengeren Sinn sein müssen. Das Unalltägliche macht den Helden aus. „Es ist eher die Abweichung, die das Heroische kennzeichnet, nicht die Erfüllung einer vorgegebenen moralischen Norm. Und es ist auch nicht nur die Tat als solche, sondern der Gestus, die Kühnheit des Tuns, die uns das Heroische erkennen lässt.“

Die erste Abteilung des Heftes stellt die Vielfalt des Temas vor: Helden im Alltag, Helden in der englischen und deutschen Geschichte (Giles MacDonogh) und Helden in der „postheroischen“ Epoche (Niels Weber). Oder wie sehen Jugendliche heute Helden? Sven Tetzlaff schreibt über den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten. Josef H. Reichholf widmet sich grundsätzlichen Fragen: „Zur Soziobiologie des Heroischen“.

Im zweiten Teil werden die unterschiedlichen Typen der Helden betrachtet: Achill (Arbogast Schmitt) und Don Quijote (Hans-Ulrich Gumbrecht), Satan (Peter-André Alt) und der Dandy als Held (Karin Westerwelle). Und Siegfried Kohlhammer untersucht Dichter und Denker als Helden: „Der Hammer redet“, obwohl Heinz Schlaffer ihn daran erinnert: „Die Vorstellung, ein Schriftsteller sei ein Held entbehrt nicht der Komik.“ Heinrich Detering untersucht Brechts Helden.

Im dritten Teil geht es um – die Kriegshelden sind verschwunden – den Helden im Western: Ritus und Geste (Karl heinz Bohrer): „Lakonie ist die Kennmarke des Verhaltens des Westernhelden.“ Martin Seel hat sich den Film The Searchers von John Ford noch einmal angesehen: Ethan Edwards und einige seiner Verwandten und Josef Früchtl denkt über die Selbstreflexion der Heldenfigur im Film nach: Und diesen Unsinn glauben wir. schließlich hat der Comiczeichner Andy Bleck aus Köln „den verwundeten Sokrates“ nach einer Geschichte von Bertold Brecht illustriert.

Held sein liegt einem nicht so recht. Mit den Durchblättern habe ich auch etwas gezögert und es nicht gelich oben auf meinen Bücherstapel gelegt. Das Heft scheint auch nicht so recht zu den gegenwärtigen Themen zu passen. Aber die Art und Weise, wie das Thema aufgefächert, von verschiedenen Seiten diskutiert wird, und dann auf den Punkt gebracht wird, macht es zu einer interessanten Lektüre für alle, die über den Tellerrand des politisch Gewöhnlichen und über das Alltagsgeschehen gerne mal hinausschauen, um sich Anregungen zu holen, sich inspirieren zu lassen oder ganz einfach um mal nachzusehen, wie die Herausgeber und die Autoren sich der Helden angenommen haben. Die Vielfalt der Themen in diesem Heft passen vorzüglich zusammen und sind von den Herausgebern einleuchtend geordnet worden.

> MERKUR

Ein Hoch auf die Melancholie

Dienstag, 4. August 2009

Eric G. WilsonEric G. Wilson, Jahrgang 1967, ist Professor für Englische Literatur an der Wake Forest University in Winston-Salem, North Carolina. Er hat mit seinem Buch > Unglücklich glücklich ein Loblied auf die („europäische“ – das kommt vom Verlag: der Originaltitel lautet klar und präzise: „Against Happiness. In Praise of Melancholy“) Melancholie und eine scharfe Kritik der American Happiness geschrieben. Wieder ein Ratgeberbüchlein, jedenfalls lag der Band auf meinem Stapel nicht gerade obenauf. Beim Durchblättern hat mich aber die ausführliche kommentierte Bibliographie, mit der Wilson seine Leseschätze erklärt und beschreibt, auf seinen Essay aufmerksam gemacht. Schon das Nachlesen der Quellen, die Wilson angibt, machen seinen Band zu einer kleinen und spannenden Literaturgeschichte.

85 % der Amerikaner sagen, sie seien glücklich – unter „Vernachlässigung der Traurigkeit“, wie Wilson findet. Das alleinige Streben nach Glück führt zu „unrealistischen Abstraktionen“ (S. 13) und zu einem Realitätsverlust. Und er klagt die amerikanische Kultur an, die die Melancholie als eine „Regelverletzung“ (S. 15) behandelt. Und Wilson vermutet: „Der American Dream ist womöglich ein Alptraum.“ (S. 16) Benjamin Franklin, > The Way to Wealth (*.pdf) versuchte, seinen Landsleuten einen ertragreichen Gebrauch ihrer Zeit einzutrichtern: „Eine solche Kontrolle über die Uhr sollte jedes Tick und Tack in Besitz verwandeln.“ (S. 21) Und Wilson klagt, dass der amerikanische Blick den Wald nur als Ressourcenlager, nicht aber in seiner Schönheit wahrnehmen kann. Aber die alleinige Suche nach Glück und Besitz macht blind. Und > Ralph Waldo Emerson ist einer von vielen Autoren, mit deren Werken Wilson die Wiederentdeckung der Melancholie propagiert. Emersons Essay > Exprience in: > Essays: Second Series, 1844, zeigt „ein Gespür für das vitale Zusammenspiel der Gegensätze“ (S. 34).

Selbstzufriedenheit, Glücksempfinden, der Verlust der Traurigkeit können auch politische Folgen haben. An einer Stelle fragt Wilson, ob diese „ihre krasse, erbärmliche Zufriedenheit mit sich un der Welt“ zu einem vor wenigen Jahren begonnenen Krieg geführt hat, der niemals hätte stattfinden dürfen?

Und Wilson nennt auch John Keats mit seiner > Ode on Melancholy, 1819:

„No, no, go not to Lethe, neither twist
Wolf’s-bane, tight-rooted, for its poisonous wine;
Nor suffer thy pale forehead to be kissed
By nightshade, ruby grape of Proserpine;
Make not your rosary of yew-berries,
Nor let the beetle nor the death-moth be
Your mournful Psyche, nor the downy owl
A partner in your sorrow’s mysteries;
For shade to shade will come too drowsily,
And drown the wakeful anguish of the soul.
(…)“

Ohne Wilson hätte ich > John Keats nie entdeckt.

„Melancholie versetzt uns in die Lage, Schönheit zu erfahren,“ heißt es bei Wilson, und damit leitet er ein langes Kapitel über Künstler und ihre Krankheiten ein. Nun, Krankheiten hat jeder, nur wird denen von Künstlern mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Natürlich lauerte ich bei der Lektüre dauernd darauf, ob auch die persönlichen Missgeschicke der Künstler genannt werden, die diese zur Inspirationsquelle für ihre Werke gegen jeden Trend gemacht haben, wie > Sartre dies in vielen Porträtstudien gezeigt hat. Aber auch Sartres „mauvaise foi“, die Unaufrichtigkeit, mit der die Menschen gerne die Realität meist zugunsten des eigenen Wohls umgehen, kommt hier nicht vor. Aber man soll ja auch nicht immer nur danach suchen, was hinreichend bekannt ist. Das Nachlesen von Wilsons Quellen führt den Leser auf ganz neue Pfade. Wilson hat kein Ratgeberbüchlein, sondern einen intelligenten Essay verfasst, in dem er das Glücksstreben umkreist und prüft und seine Defizite und Gefahren offenlegt, um mit Hilfe der Literatur die Melancholie als notwendige Ergänzung des Glücks zu empfehlen.

Eric G. Wilson
> Unglücklich glücklich
Von europäischer Melancholie und American Happiness
Aus dem Amerik. von Susanne Held (Orig.: Against Happiness. In Praise of Melancholy)
Auflage: 1. Aufl. 2009
198 Seiten
ISBN: 978-3-608-94113-5

Das Herbstprogramm von Klett-Cotta (I)

Donnerstag, 2. Juli 2009

Heute haben die beiden verlegerischen Geschäftsführer von Klett-Cotta und ein großer Bücherstapel mich zu einem ersten Gespräch über die > Neuerscheinungen des Herbstes 2009 empfangen. Fangen wir erstmal mit den literarischen Titeln an, in den nächsten Beiträgen steht dann etwas über die Neuerscheinungen bei Tropen, dann die Sachbücher und die Titel aus dem Fantasy-Regal.

M. Zoellner - T. Kraushaar

Es ist eine beeindruckende Vielfalt, dei auf den > Vorkoster wartet. Und im ersten Anlauf haben wir noch gar nicht über > Cotta – „Das gelobte Land der Dichter“. Briefe an die Verleger gesprochen, ein Band der auch Ende August erscheinen. Mit den beiden Herausgebern, Stephan Askani und Frank Wegner, wird aber bald ein Gespräch stattfinden, die Fahnen habe ich schon halb durch.

Pauls, Die Vergangenheit Zuerst kam der neue Roman > Die Vergangenheit von Alan Pauls dran, über den Michael Zöllner berichtete. Er spielt in den achtziger Jahren in Buenos Aires. Es geht um Rímini und Sofía. Ihre Liebe zerbricht nach acht Jahren, um aber um so heftiger wiederaufzutauchen.

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Alan Pauls,
> Die Vergangenheit. Roman
Aus dem Spanischen von Christian Hansen (Orig.: El Pasado)
Auflage: 1. Aufl. 2009
640 Seiten
ISBN: 978-3-608-93705-3
ET: 30.8.2009

Kronauer, Zwei schwarze JägerNach dem Erfolg von > Teufelsbrück erscheint in diesem Herbst wieder ein Roman von Brigitte Kronauer, > Zwei schwarze Jäger. Es geht um Erinnerungen und Geschichten, die auf erstaunliche Weise miteinander verwoben sind. Augenscheinlich pragmatische Lebensabläufe werden von Glücksmomenten die durch die Natur, Liebe und Kunst bestimmt werden, durchdrungen. Michael Zöllner hat in unserem Gespräch den Aufbau des Romans erläutert, und wir haben auch miteinander über die wunderbaren Beschreibungen in diesem Roman gesprochen.

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Brigitte Kronauer
> Zwei schwarze Jäger
290 Seiten
ISBN: 978-3-608-93885-2
ET: 31.8.2009

Li Er, KoloraturDer Roman eines der wichtigsten chinesischen Gegenwartsautoren, Li Er, > Koloratur erzählt die Geschichte eines Volkshelden aus drei Perspektiven. Und dabei wird deutlich wie kompliziert die Suche nach der Wahrheit ist, die es in Kriegszeiten eben einfach nicht gibt. Wieder hat Michael Zöllner die Bedeutung dieses Romans auch für das Herbstprogramm von Klett-Cotta erläutert:

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Li Er
> Koloratur. Roman
Aus dem Chinesischen von Thekla Chabbi (Orig.: Hufqiang)
380 Seiten
ISBN: 978-3-608-93794-7
ET: 31.8.2009

James Hamilton-PatersonGerald Samper zeiht sich in die Toskana zurück und beschäftigt sich mit einem Opern-Libretto und pflegt seine Leidenschaft für den Lady-Diana Kult. Erinnern sich sich an> Kochen mit Fernet Branca? Jetzt gibt es mit Heilige der Trümmer wieder eine rabenschwarze Komödie, launische Künstler und fragwürdiges Essen obendrein. Und das ganze ist ein total schräger Roman mit skurrilem Humor und kulinarischen Anregungen.

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James Hamilton-Paterson
> Heilige der Trümmer. Roman
290 Seiten
ISBN: 978-3-608-93702-2

Lesebericht: Johann Friedrich Cotta, Ein Leben für die Literatur

Montag, 11. Mai 2009

Andere Stimmen > J. F. Cotta: Der Napoleon des deutschen Buchhandels auf > www.leipzigerlerche.com


Johann Friedrich Cotta. Der Verleger der deutschen Klassik: Die Hand über der ganzen Welt.. Das Buch hat mich in den letzten zwei Wochen dauernd begleitet. Folgt man dem Einsatz des Verlegers für seine Autoren, zu denen unter vielen anderen auch Schiller und Goethe gehörten, seinem Geschick mit den Behörden umzugehen, seiner immer größeren Erfahrung die Buchproduktion seines schnell wachsenden Verlages zu steuern, seinem wunderbaren Gespür neue Autoren aufzuspüren, seinen finanziellen Rechnungen, dann wird deutlich, dass es eine Gratiskultur auch im Buchhandel kaum geben kann.

Kaeding: Johann Friedrich CottaDie Autoren verlangen zur Recht ihr Honorar und kennen sehr wohl den Wert ihrer Werke, die Lieferanten wollen Geld sehen, die Buchhändler sind an ihren Rabatten interessiert und der Verleger wiederum kämpft für alle zusammen gegen die Raubdrucke und den Druckfehlerteufel: Hier die korrigierte Fassung mit neuen Druckfehlern schrieb er einmal. Kein Glied der ganzen Produktionskette, mit der das Wissen verbreitet wird, arbeitet kostenlos. Und die Arbeit des Verlegers wird grob fahrlässig unterschätzt, wenn man glaubt, man bräuchte ihn nicht. Im modernen PC-Zeitalter sind die Fallstricke auf dem Weg zur Veröffentlichung vielleicht nur noch größer, man unterschätzt sie, da man ja immer digital so schön korrigieren kann und man alles mit allem verlinken, verknüpfen und verühren kann.

Betrachtet man sich aber alle Zeitungen und Zeitschriften, die unter immer neuen Namen im Cotta’schen Verlag erschienen, manchmal den Wünschen und Grillen der Autoren Rechnung trugen, manchmal auch nur zugunsten einer geschickten Umgehung der Zensur umgenannt werden, dann kann man über diese Vielfalt nur staunen, an der im Internet-Zeitalter selbst die zahlreichen Literatur-Blogs kaum kratzen können. Woran das liegt? Sie ahnen es, dass ich jetzt schon wieder zur Gratiskultur komme. > Digital ist eben nicht kostenlos. Da wird man gleich einwenden, das ist ja ein kommerzieller Verlagsblog, der Blog von Klett-Cotta. Weit gefehlt, die Bürozeit ist vorbei, und von Felix Salmon > Zehn Thesen, warum deutsche Blogs nicht funktionieren stimmt nur die 5., dass Blogger, wie eben Salmon, auch mal irren. Ich meinte die Vielfalt und gleich auch den schon berühmten Spruch von der Demokratisierung des Wissens, der heute gerade im Vergleich zu all dem, was Peter Kaeding der umfangreichen Korrespondenz, entnehmen kann nur in sehr begrenztem Umfang und eigentlich gar nicht dazu geeignet ist, das Zirkulieren der Ideen so recht im Schwung zu bringen.

Cotta war unserer Zeit voraus. Nein, ich verdrehe nichts. Es ist unglaublich, wie er als Verleger in das Paris der französischen Revolution reist, wo Köpfe rollen und er mit Ministern verhandelt. Später mischt er an entscheidender Position im Streit um Verfassungsfragen mit, Ende der zwanziger Jahre macht er mit an vorderster Front, wenn es um die Zollunion geht, wie Herr Genscher ständig unterwegs von Hof zu Hof. Er habe nur hinter den Büchern gehockt? Weit gefehlt! In die Dampfschifffahrt hat er investiert. Er war also für alles Neue aufgeschlossen, ist mitgefahren, hat sich begeistern lassen und nebenbei seinen Verlag durch an allen Klippen der Zensur vorbei manövriert. Und dauernd gerechnet. natürlich um Gewinn zu machen. Aber auch, um sich und der Kultur das ganze Unternehmen überhaupt erlauben zu können. Napoleon I. war eine Episode in seinem Leben, das vom Ancien Régime ihn in die Neuzeit katapultierte. Selten habe ich eine Biographie gelesen, die zwei Erzählstränge hat, einmal die Zeitgeschichte, die immer wieder mal auf Cottas literarische und kulturellen Erfolge zu sprechen kommt, und dann Cotta selbst, der sich von seiner Zeit nie treiben lässt, sondern die Ereignisse zugunsten seines Verlages und seiner Autoren zu nutzen versteht. Wenn der Blick auf die schwindende Seitenzahl immer betrüblicher wird, dann ist das Buch richtig gut. Auf dem > Fucamp in Furtwangen vom 22.-24. Mai 2009 werde ich einen Beitrag zum Thema > Wie mache ich ein Buch im Internet bekannt? anbieten. Wie ? > Ganz einfach. Ich habe das Buch gelesen. Und dies hier mit mehrfachen Vergnügen, die Zeitgeschichte zum einen und dann der historische Kontext zum anderen, der so wunderbar zu der Diskussion um e-books, Open-Access, Gratiskultur und dem Abgesang auf das Buch passt, denn hier wird gezeigt, was für eine wichtige Rolle der Verleger als Mittler der Literatur einnimmt, besonders dann, wenn er sich so wie Cotta für seine Autoren und einsetzt und sich gleichzeitig in seiner Zeit so engagiert.

Peter Kaeding
Die Hand über der ganzen Welt
Johann Friedrich Cotta – Der Verleger der deutschen Klassik
1. Aufl. 2009
Ausstattung: Leinen mit eingelassenem Titelschild, Fadenheftung, Lesebändchen
496 Seiten
ISBN: 978-3-7681-9712-0

Roger Smith, Kap der Finsternis

Montag, 27. April 2009

Kap der Finsternis> Kap der Finsternis, aus dem Amerikanischen von Jürgen Bürger und Peter Torberg, ein Erstlingswerk von Roger Smith. Ein dummer Zufall, ein brutales Verbrechen, ein korrupter Polizist sollen ein ungeschöntes Panorama des heutigen Südafrika vorführen, soviel wußte ich, als dieser Band mir jetzt wieder in die Hände fiel. Auf der > Krimi-Bestenliste von WELT, ARTE und Nordwestradio steht der Band in diesem Monat auf Platz 1. Ein Polizist, der trotz seiner Korruptheit und unsauberen Methoden noch ein bisschen von seinem guten Riecher bewahrt hat und 1+2 fast richtig zusammenzählt, aber wegen seiner moralischen Verdorbenheit nichts Gescheites draus macht. Und da ist noch ein anderer Polizist, der auch 1+2 zusammenzählt, aber auf seine Weise. Zwei Erzählstränge führen zur Lösung, und das ist Roger Smith meisterhaft gelungen. Außerdem werden viele andere Personen, die mehr oder weniger freiwillig in den Falle oder in die Fälle hier verwickelt werden, charakterisiert. Die kurzen Szenen versetzen Sie beim Lesen dieses Bandes in ein Kino. Es gibt wenig Beschreibungen, umso mehr Handlung. Einige Szenen sind wirklich brutal, aber der Autor konnte und wollte auch nichts beschönigen. Unschuldige geraten zwischen die Räder, sind aus Zufall zum falschen Zeitpunkt am falschen Platz. Und irgendwie läßt Smith doch durchblicken, dass die Verderbtheit seiner Protagonisten anderen sehr aber auch ihnen selbst noch mehr schadet. Völlig S-Bahn ungeeignet, und wenn Sie von Stuttgart nach Bonn fahren, werden sie vor Bonn den immer freundlichen Hinweis „Wir danken für die Fahrt mit der Deutschen Bahn, Tschüß und Auf Wiedersehen“ nicht wahrnehmen. Soweit meine Rolle als > Vorkoster: Kein Werbetext. Ich habe das Buch gelesen, heißt diese Berichtform. Das Anlesen reichte zum Fertiglesenmüssen. Und jetzt geht’s weiter mit Peter Kädings Band über > Johann Friedrich Cotta. Und wenn ich an Cottas Anstrenungen, Bücher, also geistige Werke an die Leser zu bringen, denke, an seine so erfolgreiche Art zwischen Autoren und Lesern zu vermitteln, die Verbreitung von Literatur zu befördern, ohne deren inhärente Kraft, sich ihre Leser zu schaffen, zu beeinträchtigen, dann werde ich nach dem Speichern dieses Beitrags gleich wieder in > die heutige digitale Welt unsanft zurückbefördert.

> Leseprobe

Roger Smith,
> Kap der Finsternis. Roman
Aus dem Englischen von Jürgen Bürger und Peter Torberg
(Orig.: Mixed Blood)
Auflage: 1. Aufl. 2009
359 Seiten:
ISBN: 978-3-608-50202-2

Literatur – Sachbuch – Blog – Klett-Cotta
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