Verlagsblog

Lesebericht: Paula Bleckmann, Medienmündig

Montag, 13. Februar 2012

Paula Bleckmann möchte in ihrem Buch > Medienmündig. Wie unsere Kinder selbstbestimmt mit dem Bildschirm umgehen lernen nicht wieder der schon immer viel beschworenen Medienkompetenz das Wort reden, sondern sie hat die Erziehung zur Freiheit und zur Autonomie im Blick. Sich und die Kinder nicht von den Medien vereinnahmen lassen, darum geht es in ihrem Buch, und dazu gehört mehr als nur Know-how für den Umgang mit den Medien. Ihre Botschaft ist eindeutig. „Zu früher Medienkonsum führt in die Abhängigkeit, nicht in die Mündigkeit.“ (Klappentext) – Fragen wir doch mal: Woran liegt es eigentlich, dass Schülerinnen und Schüler in erster Linie nur Konsumenten im Internet sind? Web 2.0 bedeutet für sie wie für alle anderen FBler sich nur auf ausgetretenen Pfaden zu bewegen ohne einen besonderen Erkenntnisgewinn. Also was läuft in der Medienpädagogik schief?

Eine moderne Medienerziehung darf keine „Maschinensklave[n]“ (S. 17) ausbilden. Ihr Buch ist eine Kritik an der aktuellen Medienpädagogik, die „die Anpassung des Menschen an die Medien“ (vgl. ebd.) vorsieht. Ihr Ansatz macht neugierig, denn sie legt ihr Buch genau zum richtigen Zeitpunkt vor, wenn auf der diesjährigen Didacta in Hannover die Digitalisierung des Unterrichts auf vielen Ständen gefordert und manchmal auch demonstriert wird. Man darf auch fragen, Medienkompetenz wofür? In einer Stadt kann man sich nur bewegen, wenn man ungefähr das Ziel kennt, zumindest aber neugierig, einen neuen Weg zu entdecken. Kinder, die im Internet etwas suchen sollen, sind heillos überfordert, und es wird für sie noch schwieriger, wenn sie mit den modernen Medien mehr machen sollen, als sich nur bunte Inhalte anzugucken.

Kinder brauchen Zeit, so wie der > Flaneur sich in seiner Bewegung vortastet und orientiert. Erst ein gewisses Orientierungswissen erlaubt dem Kind, mit den Medien etwas anfangen zu können. Man sieht nur, was man weiß, hat mir mal ein Architekt gesagt. Keine Lauflernhilfe, meint Bleckmann, und erwähnt die Auswüchse in den USA; die Neugeborenen so schnell wie möglich vor der ersten Flasche mit einem PC versorgen – mein Lieblingsgeschenk für Neuankömmlinge, war immer das achtseitige Stoffbuch.

Paula Bleckmann ist von Berufs wegen mit der Suchtprävention vertraut. Ihre Anmerkungen zu den Medien als Suchtauslöser sind ganz praktisch fundiert. Und sie meint, es gehe nicht um Abstinenz, sondern um den kontrollierten Konsum (S. 80). Ihr 4. Kapitel „Medienmündig – Schritt für Schritt“ enthält wichtige und sehr lesenswerte Abschnitte zu Rezeptions- und Produktionsfähigkeiten. Der PC soll ein Knecht werden und kein Meister, so darf man ihren Ansatz interpretieren. Systematisch entwickelt Bleckmann ihre Alternative zu einer unreflektierten Medienkompetenz. „Selektionsfähigkeit“ soll zu der Frage führen, „was macht der Mensch mit den Medien?“ (S. 105) statt die Medien den Menschen verbiegen zu lassen.

Bleckmann stützt ihre Ausführungen auf Umfragen, außerdem kennt sie die Basisarbeit und kann die Ergebnisse der von ihr zitierten Umfragen sachgemäß lesen und auswerten. Und sie nimmt auch das Problem der Kinder aus privilegierten Familien in den Blick und zeigt wie auch eine Medienpädagogik helfen kann „Bildungsklüfte“ zu erkennen und zu überwinden. Mir gefällt der gesunde Menschenverstand von P. Bleckmann: Abenteuer, Langeweile, Freud und Leid in der richtigen realen Welt lösen manches Medienproblem oder pädagogisch gesprochen, in der realen Welt erarbeitet man sich das nötige Orientierungswissen. Medien konsumieren kann jeder mehr oder weniger kompetent, aber etwas mit den Medien machen, sie sich Untertan machen, das ist eine Kunst. Von hundert Studenten, die ich danach fragte, wer schon mal in Wikipedia etwas geändert hat, wollte es nur einer gewesen sein. Schreiben die anderen nur ab? Oder konsumieren sie nur?

Im 2. Teil werden die Erwachsene aufgefordert zuzuhören. Hier können sie etwas lernen über die Wirkung von Medien in Kinderzimmern. Sie zitiert Nicholas Carrs Buch Die neue Seichtigkeit – was das Internet mit unserem Hirn macht – man kann sich denken, das das Internet dabei nicht gut wegkommt, wie z. B. Günther Anders in seinem Band Die Antiquiertheit des Menschen, Bd. 1. Über die Seele im Zeitalter der zweiten industriellen Revolution, München 1956, 7. Aufl. 1987 die „Verbiederung“ der Welt so einleuchtend und zutreffend beschrieben hat: S. 99-128: „Massenkonsum findet heute solistisch statt“ (S. 101) titelte er und setzte gleich hinzu, ohne das Internet zu kennen: „Jeder Konsument ist ein unbezahlter Heimarbeiter für die Herstellung des Massenmenschen“ (ebd.) und zeichnete so den Facebookteilnehmer von heute. Alles schon mal dagewesen: „Da die Geräte uns das Sprechen abnehmen, verwandeln sie uns in Unmündige und Hörige,“ (S. 107) lautet die nächste Überschrift, gefolgt von „Die Ereignisse kommen zu uns, nicht wir zu ihnen.“ (S. 110) Aber es gibt doch Web 2.0 wird man wir antworten – aber doch nicht im Rahmen der Medienpädagogik? Mag sein, dass es noch Nachholbedarf gibt, und dass daraus noch etwas werden kann: z. B. > Fremdsprachenunterricht 2.0. Die Gretchenfrage wird aber immer so lauten: Lernt der Schüler mit dem digitalen Medienverbund, der ihm angeboten wird mehr? Welche Lehr- und Lern-Szenarien gibt es, die ihn anleiten, einen Blog zu schreiben, eine Website zu entwerfen, den richtigen Mix zwischen Twitter, Facebook und seinem Blog zu begründen? Konsumiert er? Oder lernt er im Internet zu schreiben?

Im dritten Teil vermittelt Bleckmann Tipps und Tricks für den Alltag. Es geht um Familien, wo der Bildschirm-Babysitter nie kommt, und wenn der Kasten schon mal da ist, kann man Regeln finden: „frühes Nichtfernsehen führt zu weniger Fernsehen.“ (S. 179), aber das stumme TV-Gucken fördert die Konsumhaltung vor dem PC, so darf man Bleckmann verstehen. Und am Schluss gibt es drei pfiffige Tests, mit deren Bestehen, sich die Kinder von nacheinander von derCD zum TV und dann weiter zum PC hangeln dürfen.

Der Drang zur totalen Digitalisierung der Schule berücksichtigt nicht, dass die Kinder sich vorher am besten selber einen Eindruck davon verschaffen sollen, was sie digitalisieren sollen. Ansonsten werden sie nur kompetent im bloßen Knöpfendrückchen, aber sie lernen nicht oder erst spät, selber Inhalte über ihre Erlebnisse anderen mitzuteilen.

Paula Bleckmann,
> Medienmündig. Wie unsere Kinder selbstbestimmt mit dem Bildschirm umgehen lernen
1. Aufl. 2012, 251 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-94626-0

Lesebericht: Thymian Bussemer, Die erregte Republik

Montag, 14. November 2011

Wutbürger und die Macht der Medien steht als Banderole über dem Titel des Buches von Thymian Bussemer > Die erregte Republik. Es geht um das Verhältnis von Politik und Medien in Deutschland. Bussemer konstatiert eine Abnutzung der Idee der Demokratie, wozu auch die zurückgehende Akzeptanz der politischen Parteien passt. Er nennt das „Wissen um den Machtverlust der Politik“, das Bürger und Politik miteinander teilen. Gleichzeitig gibt es eine „tiefe Entfremdung zwischen Wählern und Gewählten“ zu beobachten, die Bussemer eine „Krise der Repräsentation nennt“. Der „ermattete demokratische Öffentlichkeit“ kann in der Fülle von Informationen keine Situationen mehr bewerten (vgl. S. 23) Der immer größere Einfluss, den die Medien sich gesichert haben, führt zu einer „scheinbar unüberbrückbaren Kluft zwischen Regierenden und Regierten“ und zur Frage nach der Zukunft der Demokratie und der Sorge, ob wir in Zukunft „Anwandlungen von links und rechts“ einfach so wegstecken können.

Am 27. November wird in Stuttgart abgestimmt:> Die Wutbürger und die Macht der Medien. Thymian Bussemer, Die erregte Republik auf dem Blog > www.stuttgart-fotos.de.

Bleibt dem Bürger nur noch der Aufstand mit Methoden der direkten Demokratie wie in Stuttgart, wo man am 27. November versucht, den Bahnhofsstreit mit einer landesweiten Volksabstimmung zu befrieden? Es geht um die Gestaltungskompetenz der Parteien, die in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zurückgeht. Statt Antworten zu formulieren, lässt die CDU sich treiben und der Katalog der Themen, die sie aus ihrem Wertegefüge gestrichen hat, wird lang und länger. Jetzt steht das dreigliedrige Schulsystem auf der Agenda, und die Basis reibt sich verwundert die Augen. Will die Partei im Zug der Zeit fahren? Kehrtwendungen werden als notwendigen Reaktionen auf die Zwänge der Zeit verkauft, in Wirklichkeit versucht die Partei, sich im Medienrummel, auf diesem „Jahrmarkt der Eitelkeiten“ zu platzieren, ein Vorgang, den Bussemer in seinen vielen Facetten auch in der Rückschau auf die Gründungsjahre der Republik und die 20 Jahre nach der deutschen Einheit eingehend analysiert. Sein Urteil: Die Medien haben der Politik das Heft aus der Hand genommen und dies mit dramatischen Folgen für die Gestaltbarkeit von Politik. Manchmal muss man in Büchern auch lesen, was nicht drin steht: Die Bundeskanzlerin kommt in dieser Analyse von Bussemer nur am Rande vor. Ihren beiden Vorgängern wird hinsichtlich seines Umgangs mit den Medien mehr Platz eingeräumt. Aber Angela Merkel ist in diesem Buch über die Politik und die Medien merkwürdig abwesend.

Schon François Mitterrand hat einmal laut darüber nachgedacht, den Medien die verfassungsmäßige Rolle einer vierten Gewalt im Staat zukommen zu lassen, um Regeln mit dem Umgang mit ihnen formulieren zu können. Anlass für diese Überlegungen war damals schon die gleiche Erkenntnis wie heute: Die Medien sind heute nicht mehr in der Lage, den „Transparenz- und Informationsanspruch“ einzulösen. Nicht-Relevantes überflutet den Bürger, der gar nicht in der Lage ist, die Informationsflut, die täglich über ihn hereinbricht auch nur in Ansätzen aufzunehmen, wobei der Inhalt von den Medien immer mehr zugunsten der Jagd nach Aufmerksamkeit verdrängt wird. Die Medien wollen oder haben schon einen Teil der Deutungsmacht übernommen, die früher noch Intellektuelle in diesem Land wahrgenommen haben. Ganz stimmt das nicht, aber es trifft wohl zu, das hier ein gewisses Defizit an Signalen aus Berlin zu erkennen ist.

Viele Reformansätze enden im Streit der Koalition oder mit der Opposition und werden wieder begraben, vertagt oder auf einen minimalen Konsens eingedampft, immer in der Sorge davor, die Medien könnten etwas Unpassendes schreiben. Bussemer meint, dass die Medien zu einem direkten politischen Machtfaktor geworden sind und uns alle in Richtung einer Mediendemokratie vorantreiben. (vgl. S. 93) Helmut Kohl, Gerhard Schröder als Medienkanzler und Joschka Fischer bekommen eigene Kapitel. Im Kapitel über den Wahlkampf 2005 wird Angela Merkel einmal als Symbol der „Stärke des Neubeginns“ (S. 109) zitiert.

Der Umzug von Bonn nach Berlin hat dem Gefüge Politik-Medien geschadet. Das Verhältnis der Medien zur Politik ist nach Bussemer in Berlin noch hermetischer als in Bonn. In Berlin war eine Medienszene schon etabliert, als die Bonner dort ankamen. „Vorabs“ prägen die Szene, eine rasante Beschleunigung der Ereignisse, die nach Lust und Laune der Medien nach vorne gebracht werden, und der Politik die Gestaltung aus der Hand nimmt, die etwas überspitzt formuliert nur noch auf SMS reagieren kann. Was würde Frau Merkel ohne ihr Handy machen?. In diesem Karneval der Themen gehen Relevanz, Sinn, Inhalte, Aufmerksamkeit, Verantwortung, eigentlich alles was man für die Gestaltung von Politik benötigt, die Spree hinunter.

Es kommt noch dicker: „Die schleichende Infantilisierung einstmals seriöser Medien schreitet so immer weiter voran,“ (S. 163). Was er meint kann man jeden Abend auch in den Fernsehnachrichten verfolgen, die wie in einem eigenen Drehbuch, Nachrichten gestalten, indem Politiker gerade noch die zur Meldung passenden Halbsätze sagen dürfen und vorher ins Bild laufen müssen, damit Lücken im Bildmaterial der Anmoderation gefüllt werden können. Referenzen mit denen die Wichtigkeit von Meldungen eingeordnet werden können, werden dem Zuschauer vorenthalten, die Wichtigkeit und die Relevanz bestimmen die Medien. Viele Medien präsentieren die gleichen Inhalte. Ist das eine Folge der Sparmaßnahmen in den Redaktionen?

Die Politik schafft es kaum noch, eigene Themen zu setzen, genausowenig, wie die Medien in der Lage sind, ein „konsistentes Bild des Politischen“ zu zeichnen. Eine Gemengelage, mit der Perspektive brisanter Folgen für die Demokratie. In dieser Situation gelang es Freiherr Karl-Theodor zu Guttenberg, sich in Rekordzeit zum beliebtesten Politiker zu machen, wobei die Medien ordentlich mitgeholfen haben. Eins seiner Erfolgs-Stücke hieß „Abschaffung der Wehrpflicht“, das die Kanzlerin ihm erlaubte, obwohl sie immer das Gegenteil versprochen hatte und ohne ihren Minister um ein Drehbuch für dieses Stück zu bitten. Guttenberg versuchte nicht nur unorthodoxe Entscheidungen zu treffen, er hatte zuerst den Beifall der Medien auf seiner Seite, weil seine Regelbrüche, überhaupt nicht in das Schema passten, das die Medien von der Politik gewohnt waren. Diese Beobachtung ist wichtig, denn das seltsame Schweigen der Politik gegenüber der Politik rührt daher, dass die Politik aus vielerlei Gründen die ungeschriebenen Regeln dieses Medienzirkus mitspielt, selber – so dar man hier Bussemer verstehen – keine Regeln setzen mag, kann oder will. Der kurzfristige Erfolg dieses einen Politikers, der auch aus einem neuen Umgang mit den Medien herrührte, hätte vielleicht länger dauern können, wenn er nicht so gravierende Fehler gemacht hätte.

Die Folgen des Rückzugs der Politik vor den Medien wird noch verstärkt durch eine ständig wachsende Politikunkenntnis (S. 210). Betrachtet man Online-Websites der Medien und versucht sich ein Bild vom prozentualen Verhältnis von Werbung, Links und allen anderen Elementen und Symbolen, die Aufmerksamkeit erheischen wollen zum tatsächlichen Inhalt einer Meldung zu machen, so braucht man sich nicht zu wundern, dass sich kaum jemand auf Inhalte konzentrieren kann. Inhalte wie die Politik verkommen im Web zur Nebensache. Der desaströse Zustand der Medien macht aber auch wieder Hoffnung. auf das was Bussemer die deliberative Demokratie nennt, in der die Medien wieder ihre Funktion als Diskursmoderatoren übernehmen: „Die Medien werden auch in Zukunft der wichtigste Kristallisationskern politischer Öffentlichkeit sein“. (S. 231) Bussemer ist sich sicher: das Politische ist noch da. Es muss nur mühsam wieder hervorgeholt werden. (S.237)

Thymian Bussemer
> Die erregte Republik
1. Aufl. 2011, 253 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94620-8

Douglas Coupland: Marshall McLuhan

Dienstag, 5. April 2011

»Das Medium ist die Botschaft« Das ist wohl eines der berühmtesten Zitate aus Understanding Media (1964) – und dann in The Medium is the Message: An Inventory of Effects (1967) – von > Marshall McLuhan (1911-1980). Im Frühjahr ist bei Klett-Cotta die Biographie von > Douglas Coupland über McLuhan erschienen. Wenn wir heute uns manchmal erstaunt zeigen, dass wir durch alle elektronischen Geräte, Tischcomputer, Laptops, Handhelds und Social networks jeder Art von Xing bis Facebook rund um die Uhr total vernetzt sind, so erinnern wir uns wohl nicht mehr an die Arbeiten McLuhan der uns dies nicht nur voraussagte sondern auch gleich die Folgen beschrieb, die manche Surfer und Networker auch heute noch nicht immer im Blick haben.

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Couplands Inhaltsverzeichnis ist mager und aus gutem Grund: return, command, shift, escape, control. Ein Hinweis auf das,was die Medien uns mit ihrer vorgespiegelten Vielfalt angetan haben. Dahinter steckt eine Erinnerung an McLuhan, der schon Anfang der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts darlegte, wie unsere visuelle Druckkultur durch die Abhängigkeit elektronischer Medien aller Arten ersetzt wird. Nichts anderes ist eingetreten. Wo früher eine feiner Briefbogen und mein geliebter Füller die Verbindung zu meinen Freunden sicherte, ist es heute ein flüchtiger Facebookeintrag, der mich daran erinnert, dass einer meiner 120 Freunde, bei denen ich manchmal nur einer von 489 bin, gerade mal wieder mehr an sich als an alle anderen gedacht hat. > Soziale Netzwerke sind im Begriff uns die Organisation unserer Freundschaften abzunehmen, sie rechnen elektronisch aus, wer oder was uns gefallen könnte. Es gibt keine zufälligen Bekanntschaften mehr, sondern der Facebookxingalgorithmus protokolliert, wer uns anspricht, wenn wir liebhaben und zeigt unsere Kontakte der ganzen Welt. Ist das das Globale Dorf, was manche ersehnen oder andere fürchten?

Es lohnt sich, bei McLuhan einmal nachzulesen, und wir werden viele Aussagen entdecken, mit denen wir heute einen neuen Blick auf das entwickeln können, was die vorgeblichen Segnungen des Netzes gerade mit uns anstellen. Coupland kommt gerade richtig, um uns diesen neuen Blick auf das Werk von McLuhan zu ermöglichen. Kaum etwas ist unpersönlicher, als ein schnelles Antwortmail mit Tippfehlern auf der Tastatur zu klimpern. Und wie schön ist es doch, wenn der Adressat nach 4 Minuten schon zurückschreibt und seine Freude über die schnelle Antwort verkündet und mich auch gleich noch geschwind übertrumpfen will. Nie enthält eine solche Lobhymne eine Bemerkung über den Inhalt meines Mails. Kein Widerspruch, kein Lob. Die Technik wird zum Inhalt der Botschaft.

Und dann noch der Begriff Wissensgesellschaft, der das Volk der heutigen Surfer bezeichnen soll. McLuhans Die Gutenberg-Galaxis (1962) war ihrer Zeit um viele Lichtjahre voraus, so wie heute in ganz umgekehrter Weise der hochgelobte Begriff der Wissensgesellschaft kaum mehr verrät, als dass ihre Protagonisten so technikverliebt sind, dass sie sich noch nie wirklich gefragt haben, ob nicht frühere Gesellschaften nicht vielleicht sogar in viel bessere Wissensgesellschaften als heute lebten? Mc Luhan legte schon in den sechziger Jahre den Finger in unsere heutige Wunde: Wir lassen heute die technische Welt die soziale Welt bestimmen und überantworten der Technik die Kontrolle über unser Gemeinwesen. Früher gab es > Feste, heute werden die Fellower unpersönlich zu Events geladen und sagen der Welt komme/komme nicht. Die automatische Steuerung des Terminkalenders durch die > kollektive Intelligenz ist nicht mehr weit.

McLuhans Satz „Das Medium ist die Botschaft“ zeigt die ganze Krux des Web 2.0. Twitter, Facebook, Yutobe, Blogs, und alle anderen 236 Socialmedia wollen jede für sich die ganze Aufmerksamkeit und versuchen alles, allen anderen die Besucher abzujagen. Je mehr Bytes an persönlichen Infos ein Netzwerk kriegt, umso wichtiger nimmt es sich, während die politisch wirklich relevanten Informatioonen über unsere Gesellschaft in Facebook gegen 0 tendieren.

> Leseprobe *.pdf

Douglas Coupland
> Marshall McLuhan
Aus dem Englischen von Nicolai von Schweder-Schreiner(Orig.: Marshall McLuhan)
1. Aufl. 2011, 222 Seiten,gebunden ohne Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-50306-7

Leander Wattig: Gute Noten für Klett-Cotta

Dienstag, 17. Februar 2009

Leander Wattig hat auf seinem Blog Über Trends in neuen und alten Medien die > Die Top 100 Buchverlags-Websites aus Sicht der Blogosphäre notiert und > Klett-Cotta auf den 9. Platz gestellt.

Wattigs Blog fällt unter der großen Menge an Medienblogs echt auf. Seine Themenfülle und Anregungen wie der Hinweis auf Walter Isaacson, Mort Zuckerman und Robert Thomson, die bei Charlie Rose über > die Zukunft der Zeitungen (28 min.) diskutieren oder wie er aktuelle Themen wie > Social Media Marketing der Verlage oder kanpp und klar > Buchverlage bei Twitter mit einigen Links darstellt, zeugen von Sachverstand und Neugier, der man beim Lesen seines Blogs gerne folgt. In diesem Sinn ist sein Blog ein schönes Beispiel dafür, dass (s)ein Blog mit seiner Aktualität, ja Unmittelbarkeit den Leser enger an den eigenen Spaß am Erforschen der Online-Medien teilhaben lassen kann, als dies ein Zeitungs-Artikel tun kann. Sein > Link-Tipps der letzten Zeit sind prima, und die Idee greife ich für meine beiden Blogs auf.

Blogsoziologie

Freitag, 12. Dezember 2008

Das Fach Blogsoziologie gibt es (noch) nicht, und es wäre nur ein Teilgebiet einer (so dringend benötigten) Medienkunde, die wiederum auch vielleicht nur ein, aber ein wichtiges Thema in einem modernen Politikunterricht wäre. Bei Blogs geht es natürlich in erster Linie um die Inhalte, die Aufmerksamkeit erzeugen wollen,so wie man in Frankreich den „Bruit“, (> Bruit médiatique par candidat sur le Web den Politiker
wärhend des französischen Wahlkampfs zur Präsidentschaft im Netz oder in der Blogsphäre angerichtet haben, zu messen versucht.

Bevor aber im wesentlichen über die Inhalte gesprochen, muss aber schon mal zumindest einen Blick auf die technischen Hintergründe, nicht auf PHP, die Servertechnik,CSS oder HMTL, sondern auf die Werkzeuge, die Bloggern und gar auch Mikrobloggern zur Verfügung stehen, werfen, um einen Eindruck davon zu erhaschen, welches Entwicklungspotential Web 2.0 nun wirklich bietet. Robert Basic hat dazu einen langen Beitrag verfasst, der die Hintergründe für > Gesprächssphären und Socializing im Netz erläutert. Ein interessanter Beitrag zu einer Soziologe des Web 2.0.

Literatur – Sachbuch – Blog – Klett-Cotta
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