Verlagsblog

Lesebericht: Christoph Eichhorn, Die Klassenregeln. Guter Unterricht mit Classroom-Management

Mittwoch, 10. September 2014

Gehen Ihre Schülerinnen und Schüler manchmal über Tisch und Bänke? Jede Stunde der gleiche Lärm, bis die mal zur Ruhe kommen! Kaum drehen Sie sich zur Tafel, geht das schon wieder los? Thomas kommt immer zu spät? Stuhlkreis und andere Sitzordnungen sind Fremdwörter für Ihre Zöglinge? Heute was erklärt, morgen wieder vergessen? Hat der Klassenkaspar schon wieder die Lacher auf seiner Seite? Sind das immer dieselben Störer, die einen vernünftigen Unterricht sabotieren? Ist Ihre Klasse etwas schwierig? Stillarbeit- oder Gruppenarbeit wird immer wieder gestört. Das Klassenklima ist nicht gerade vorbildlich. Früher standen die Schüler auf, wenn ich reinkam, heute nehmen sie mich manchmal gar nicht wahr. Beim ersten Mal wirkt eine Aufforderung bei denen wie ein Art Ankündigung, bei der zweiten Aufforderungen fangen sie an zu reagieren, beim dritten Mal fangen sie an zuzuhören.

Treffen einige Aussagen auf Ihre Klasse zu? Hm… Wir hätten da was für Sie:

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Nach seinen beiden Erfolgsbänden über das Classroom-Management hat Christoph Eichhorn nun > Die Klassenregeln für guten Unterricht mit Classroom-Management vorgelegt. Ein Thema mit hoher praktischer Relevanz im Unterricht, wie die internationale Forschung belegt. Denn präventiv angelegter Unterricht und gute Lehrer-Schüler-Beziehung legen die Basis auf der guter Unterricht aufbaut. Das Verfahren ist einleuchtend, bevor der Unterricht losgeht, vereinbaren Sie mit Ihrer Klasse eine Art Geschäftsgrundlage, an die sich alle zu halten haben. Sie werden dieses Buch an einem Abend durchlesen und dann für den Schulalltag bestens gerüstet sein. Kommen Sie aber nicht auf die Idee das Wort > Klassenregeln vor ihren Schülern zu benutzen. (vgl. S. 48) Die Summe aller Vorschläge, die dieses Buch enthält, deutet daraufhin, dass Schüler ernst genommen werden wollen. Sie bekommen nicht in erster Linie nur Anweisungen, sondern werden in ein Gemeinschaftsprojekt eingebunden.

Eine unruhige Klasse, schwierige Schüler, schlechte Leistungen, Konzentrationsmangel kommen oft nicht von ungefähr. Regeln in der Klasse bauen auf Regeln in der Schule auf. Vgl. S. 34 f. Konsequenz und Vorbildfunktion der Lehrer dürfen nicht unterschätzt werden. Viele Hinweise und Anweisungen ergeben sich aus dem Verhalten der Lehrer, den die Schüler genau beobachten. Wie gut kennen die Lehrer ihre einzelnen Schüler? S. 36 f.

Sie bekommen eine neue Klasse? Ihr Vorgänger wird Ihnen sicherlich drei Sätze über die Klasse sagen können. Zahide neigt zu oppositionellem Verhalten, sie wird von Ihnen angesprochen… in der nächsten Stunde erklärt Zahide die Klassenregeln (N. B. nie diesen Ausdruck verwenden!), S. 42. Je eher Sie ein Gespür für die Sozialstruktur ihrer Klasse entwickeln, umso schneller wissen, vgl. S. 42-46, mit welchen Vereinbarungen Sie Erfolg haben werden.

Schülerinnen und Schüler sind unfassbar neugierig. Vereinbarungen können dazu beitragen, das Interesse der Schüler auf das Unterrichtsziel zu lenken. In allen Fächern gibt es Gelegenheiten, solche Vereinbarungen mit Unterrichtsthemen zu verbinden, und ihre Schüler werden schnell lernen, dass sie durch Regeln nicht drangsaliert werden sollen, sondern dass ihnen neue Freiräume eröffnet werden.

Klassenregeln. Das klingt auf dem Papier einfach – ist in der Praxis aber eine hohe Kunst. Und belegt wie anspruchsvoll Ihr Beruf ist. Das Thema Klassenregeln ist viel komplexer als die vielen Laien, die alles besser wissen aber noch nie vor einer lauten Klasse standen, erahnen. Die Schülerinnen und Schüler, die Regeln am nötigsten hätten, erahnen deren Sinn am wenigsten. Sie fühlen sich, vor allem wenn sie etwas älter sind, durch das Wort Klassenregeln bevormundet und gegängelt, sie schalten innerlich ab, sowei das Gespräch darauf kommt. Eine Herausforderung, die es in sich hat. Viel Fingerspitzengefühl ist notwendig, diese Schülerinnen und Schüler vom Nutzen, vom Sinn und von den Vorteilen von Klassenregeln zu überzeugen. Es ist eine Frage der richtigen Strategie, um mit den Schülerinnen und Schülern, die durch besonders „schwieriges“ Verhalten auffallen überhaupt in ein zieldienliches Gespräch zu kommen.

Aber führen denn dann ein oder mehrere solcher Gespräche wenigstens auch zu einer stabilen Einstellungs- und Verhaltensänderung? Schön wär`s. Aber die Realität sieht leider anders aus, wie wir doch alle wissen. Es geht also nicht nur darum, mit den Schülern ins Gespräch zu kommen und möglichst sinnvolle Klassenregeln aufzustellen – sondern darum, deren Einhaltung konsequent, höflich und langfristig einzufordern. Jeden Monat, jede Woche, jeden Tag, jede Unterrichtsstunde, jede Minute. Eine Herkulesaufgabe. Das verlangt hohe Präsenz, Aufmerksamkeit, Geschick und Kontrolle der eigenen Emotionen. Wie Sie im Detail vorgehen können, dazu gibt Ihnen das Buch von Christoph Eichhorn gleich eine ganze Fülle praxisnaher Tipps und Anregungen.


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Noch was: Schon die kleinen Störungen – Reinrufen, Quatschen oder Herumrascheln – sind es, die einem Lehrer das Leben schwer machen. Lernen Sie mit der Applikation > „Beziehungen aufbauen“ aus der Reihe > „Classroom Management“, wie Sie als Pädagoge dagegen ankommen. Mit einem neuen, international bewährten Konzept von Christoph Eichhorn wird Ihnen anschaulich und modern vermittelt, wie Sie in Ihrer Klasse für Ruhe sorgen und auch mit schwierigen Schülern zurechtkommen. An konkreten Beispielsituationen werden Möglichkeiten für Lehrer aufgezeigt mit Ihren Schülern Probleme zu lösen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und eine positive Beziehung zu ihnen herzustellen.
Guter Unterricht baut auf kooperativen Lehrerinnen-Schüler-Beziehungen auf. Studien zeigen, dass Lehrer mit guten Beziehungen 30% weniger Disziplinprobleme haben. Wenn Schüler und Lehrperson gut miteinander auskommen, kooperieren die Schülerinnen und Schüler besser. Die Entwicklung von guten Beziehungen ist zu vielen Schülerinnen und Schülern zum Glück kein großes Problem. Aber in fast allen Klassen gibt es auch solche, zu denen der Beziehungsaufbau eine besondere Herausforderung darstellt. Und gerade zu diesen ist er besonders wichtig – und gleichzeitig ist das Risiko von Spannungen zwischen Schülern und Lehrperson besonders hoch, denn die Lehrperson muss häufig ermahnen und zurechtweisen. Viele Schülerinnen und Schüler mit „herausforderndem“ Verhalten können zwar gut austeilen, sind aber nach einer Ermahnung schnell gekränkt. Den richtigen Weg zu finden ist eine der besonderen Herausforderungen Ihres Berufs. Die Applikation „Beziehungen aufbauen“ aus der Reihe Classroom-Management will Sie auf diesem Weg unterstützen. Sie zeigt Ihnen an konkreten Beispielen wie Sie auch zu den als schwierigen beurteilten Schülerinnen und Schülern Schritt für Schritt zu einer professionellen Kooperationsbeziehung gelangen. Das kostet Zeit, Energie und verlangt, einen ganz kühlen Kopf zu bewahren. Wenn ein solcher Schüler schliesslich mit Ihnen kooperiert statt Sie täglich herauszufordern und mit Ihnen zu kämpfen – dann profitieren Sie als Lehrperson und als Mensch davon und sparen Nerven, Zeit und Energie.


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Christoph Eichhorn
> Die Klassenregeln
Guter Unterricht mit Classroom-Management
1. Aufl. 2014, 93 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-608-98040-0

> Eichhorn, Christoph
> Classroom-Management – Wie Lehrer, Eltern und Schüler guten Unterricht gestalten
7. Aufl. 2014, 223 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-94498-3

“Classroom-Management heißt gelingender Unterricht, stellt die Leistung engagierter Lehrer heraus, bedeutet zufriedenere Eltern und ermöglicht Schülern, ihre wirklichen Fähigkeiten lernend zu entfalten,” heißt es im Ankündigungstext des Verlages. Dahinter steckt aber viel mehr. “Classroom-Management” hat auch etwas mit Disziplin und Regeln zu tun, das ist auch ein gemeinsames Einverständnis, das der Lehrer durch Führung mit seinen Schülern hinsichtlich bestimmter Abläufe erreichen muss.“ hieß es in unserem > Lesebericht

Christoph Eichhorn, Antje von Suchodoletz
Chaos im Klassenzimmer. Classroom-Management: Damit guter Unterricht noch besser wird
2. Aufl. 2013, 201 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-608-94497-6
223 Seiten, ISBN: 978-3-608-94534-8


„Christoph Eichhorns wichtigste These: > Bei schlechten Noten helfen gute Eltern. Er stützt sich auf die Langzeitstudie, mit der Martin Neuenschwander den besonderen Einfluss der Eltern auf die Schulleistungen ihres Kindes nachgewiesen hat. Die Leistung der Kinder werden wohl zur Hälfte von den Erwartungen der Eltern bestimmt. Daraus leitet Eichhorn ein ganz Bündel von Strategien und Lösungsansätzen ab, um Eltern auf alle möglichen Situationen vorzubereiten: Schlechte Noten, keine Lust zu Hausaufgaben, Schulfrust, alles was uns immer noch wohlvertaut ist,“ hieß es in unserem Lesebericht:
Christoph Eichhorn
> Bei schlechten Noten helfen gute Eltern.
187 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-608-94603-1


Lesebericht: Gerhard Roth, Bildung braucht Persönlichkeit

Montag, 21. Februar 2011

Gerade ist der Band > Bildung braucht Persönlichkeit von Gerhard Roth erschienen.

> Wie Lernen gelingt: Gerhard Roth auf der didacta 2011 in Stuttgart:
Die Veranstaltung mit Gerhard Roth findet am 22. Februar 2011 von 16 bis 17 Uhr auf der Messe Stuttgart, Kongress-Centrum, Raum C6.2.2 statt.

Der Titel dieses Buches verrät Roths Hauptthese: „Lehren und Lernen“ finden „stets im Rahmen der Persönlichkeit des Lehrenden und des Lernenden, also der höchst individuellen Art des Wahrnehmens, Denkens, Fühlens, Wollens, Handelns sowie der Bindungs- und Kommunikationsfähigkeit eines Menschen“ (S. 35) statt. Mit dieser Definition der Persönlichkeit schlägt Roth eine Brücke von seinem neurobiologischen Ansatz zu den gängigen Verfahren der Psychologie und der Pädagogik, allerdings mit dem Zusatz: soweit sie nicht mit den Forschungsergebnissen der Hirnforschung besonders hinsichtlich der „Verankerung der Persönlichkeit im Gehirn“ abgestimmt werden.

Der Untertitel seines Buches „Wie Lernen gelingt“ verrät, dass der Autor aus seinen Überlegungen Vorschläge zur Verbesserung des Lernbedingungen ableiten möchte. In der Tat, der Autor ist überzeugt, dass überfällige Verbesserungen nur realisiert werden können, wenn grundlegende Funktionsweisen des Gehirns berücksichtigt werden. Dabei verlässt Roth – und das unterscheidet ihn von anderen Neurobiologen – sich aber nicht ausschließlich auf seine neurobiologische Sichtweise, um mit ihr der Pädagogik und der Didaktik neue Richtungen zuzuweisen, sondern er möchte Schuldidaktiker und Pädagogen dazu bewegen, in ihren Arbeiten auch die Ergebnisse neurobiologischer Forschung zu berücksichtigen. (Vgl. S. 277) In diesem Sinne nimmt Roth eine vermittelnde Stellung ein, aber er sagt auch sehr deutlich, dass Forschungsergebnisse, die neurobiologische Einsichten nicht aufnehmen, irrelevant sind. (ib.)

Unter ähnlichen Vorzeichen beschreibt Roth in seiner Einleitung die aktuelle Ausbildungssituation der Lehrer. Die drei Institutionen, die das Bildungswesen bestimmen, – die Vertreter der staatlichen Bildungsbehörden, die Hochschullehrer der Pädagogik und Didaktik sowie die Lehrenden, die mit ihrer Unterrichtspraxis, die weitgehend auf „Versuch und Irrtum“ beruht, weitgehend allein gelassen werden. (S. 14 f.) – stimmen sich nach Roths Einschätzung untereinander nur unwillig ab. Das ist ein weiterer wichtiger Kritikpunkt, der bereits in der Einleitung genannt wird. Folgt man den Konsequenzen dieser Auffassung, waren bisher viele Schulreformen zum Scheitern verurteilt. Nebenbei bemerkt Roth, „dass die akademische pädagogische Ausbildung für die spätere Praxis der Schul- und Weiterbildung weitgehend zwecklos ist.“ (S. 14) In meiner Erinnerung war sie es nicht, aber man darf für Ergänzungen und neue Themen aus der Sicht Roths neugierig sein.

Die unwillkürliche Erinnerung ruft sogleich die Vorlesungen, die Seminare des Begleitstudiums sowie die zwei Jahre des Vorbereitungsdienstes ins Gedächtnis zurück. Natürlich hätte ich damals gerne dieses Buch schon in der Hand gehabt, besonders wenn Fachleiter nach Unterrichtsbesuchen mit Noten ihren Eindruck vom Unterricht bewerteten, bei dem für sie der Lehrende naturgemäß oft allein im Zentrum der Beurteilung stand. Zugegeben, auch ohne neurobiologische Reflexionen gab es auch damals eine Analyse der Unterrichtssituation, mit der der Referendar die Ausgangssituation und die Unterrichtsbedingungen schildern konnte und seine Entscheidungen mit ihren Alternativen zu begründen hatte. Man konnte sich aber damals des Eindrucks nicht erwehren, dass eher individuelle Unterrichtsrezepte der jeweiligen Fachleiter den Ton angaben als wissenschaftlich fundierte Lerntheorien. Diesen Unterschied will Roth mit seinem Buch aufzeigen – Roth sagt ausdrücklich, dass er den „‚pädagogischen Agnostizismus'“ (S. 16) als Befund nicht teilt – und er möchte Lehrern Perspektiven anbieten, über eine begründetet Veränderung von Lehr- und Lernformen in der Schule nachzudenken. Erst wenn man mehr über die Art und Weise weiß, wie das Gehirn Informationen verarbeitet und wie das Gedächtnis Informationen speichert, anders gesagt, wie der Mensch sich seine Welt zusammenbaut, kann man seine eigene Unterrichtspraxis überprüfen und neu bewerten.

Sein 1. Kapitel ist eine Art Anamnese. Wie steht es um die Schule? Ist die Persönlichkeit der Schüler nicht im Blick des Lehrers, wird der Bildungserfolg gefährdet. Kapitel 2 erklärt die psychologischen und neurobiologischen Grundlagen der Persönlichkeit in so einleuchtender Weise, dass man sich fragen möchte, wie eine Lehrerausbildung ohne diese Themen gelingen kann? Lehrer, die ihre Schüler ernst nehmen, sie schon immer als Persönlichkeit akzeptiert haben und sie mit in ihrer Selbständigkeit fördern möchten, haben bisher auch beachtliche Erfolge erzielt. Ihnen dürften Roths Ausführungen eine Unterstützung bei der Ausbildung und Anleitung jüngerer Kollegen sein. Kapitel 3 erklärt die Funktion von Emotionen und Motiven. Im Kapitel 4 geht es um Lernen und Gedächtnisbildung. Geschickt zeigt Roth den Stand der prädagogischen Forschung zu diesem Thema und ergänzt ihn mit den „Neuobiologische(n) Grundlagen des Gedächtnisses“ (S. 109 ff). Kapitel 5 behandelt „Aufmerksamkeit, Bewußtsein und Arbeitsgedächtnis“: Die notwendige Unterteilung des Unterrichts in Phasen mit verschiedenen Aufmerksamkeitsphasen haben wir nach meiner Erinnerung im Ausbildungsseminar intensiv untersucht und geübt. Allerdings können Roths Ausführungen zur Funktion des Arbeitsgedächtnisses hier wertvolle Einsichten vermitteln. Im Kapitel 6 vertritt Roth die Auffassung, dass Begabung eine Voraussetzung für das Lernen und ein Ergebnis des Lernens ist. (vgl. S. 152). Kapitel 7 geht auf die Vertrauensbildung ein. Intelligenz ist nur ein Faktor für den Erfolg. Kapitel 8 zeigt u. a. die Bedeutung der familiären Unterstützung. Kapitel 9 (Sprache) und Kapitel 10 (Bedeutung und Verstehen) systematisieren die bisherigen Ergebnisse Roths und erweitern den Blick auf die Werkzeuge um Wissenserwerb und die Ausdrucksfähigkeit. Aktuelle didaktische Konzepte (Kap. 11) haben es bei Roth nicht leicht. Er fragt gerne und mit Recht, warum die lerntheoretische Didaktik des „Berliner Modells“ gescheitert ist und bemängelt die offenkundigen Defizite behavioristischer Lehrprogramme, die wir auch schon im Vorbereitungsdienst ad acta gelegt hatten. Als Neurobiologe will Roth Hilfestellungen anbieten, ein Ersatz der Pädagogik und Didaktik, wie M. Spitzer (2003), ihn im Sinn hat, (Vg. S. 274) vertritt Roth nicht, denn er weiß, dass die Neurobiologie auch die Ergebnisse er Psychologie und der Neuropsychologie berücksichtigen sollte. Das 12. Kapitel „Bessere Schule, bessere Bildung“ nimmt die ausbordende Stofffülle, den 45-Minuten Takt, die enggezogenen Fächergrenzen und die wenig praktizierte Wiederholung ins Visier – mit guten Gründen, die Roth als Neurobiologie fundiert erklären kann. Keine der Maßnahmen sei wirklich neu, sie wurden nicht von Neurobiologen erfunden, erklärt Roth (vg. S. 307) aber aus der Sicht der Neurobiologie kann man diese Maßnahmen besser beurteilen.

Wie war das früher und heute? Mathe, Deutsch, Physik, Religion und 2 Stunden Französisch und vielleicht noch eine 7. Stunde. Jeder Fachlehrer kommt mit seinen Erwartungen. Und die Schüler erleben einen bunten oft unzusammenhängenden Reigen vieler interessanter Themen, der sich in der Erinnerung oft auf kaum mehr als das flackernde Fernsehbild reduziert aber aufgemischt durch kleine und große Stresstests wie Vokabelarbeiten und punktuellen Wiederholungen in Form von Klassenarbeiten, die die Unterrichtsreihen beenden, vergessen lassen, aber versetzungsrelevant sind. Und wie müsste es sein? Wie könnte der normale – stofflich zu entrümpelnde – Fachunterricht einschließlich notwendigen Frontalunterricht oder besser der unterricht, der sich für eine bestimmte Zeit an alle in der Klasse wendet – ergänzt werden? Die Klasse teilt sich nach Neigungen in Gruppen auf und bereitet – unter der Anleitung ihrer Fachlehrer – mit Hilfe der Schulbibliothek, des Internets, mitgebrachter Zeitungsausschnitte und einer Diskussionsrunde die Unterrichtsreihe „Deutsch-französischen Beziehungen von 1945 bis 1963“ alleine vor. Der Französischlehrer, der Geschichtslehrer und der Deutschlehrer haben dabei drei, vier Zeitstunden oder länger Zeit, ihre Schüler zu beobachten. Beobachte Deinen Schüler, das versuchte auch Jean-Jacques Rousseau dem Leser von Émile ou de l’Éducation einzubläuen. Dabei lernen die Lehrer soviel und gar mehr als ihre Zöglinge. Lehren heißt, Perspektiven eröffnen. Als wir im Bonner Friedrich-Ebert-Gymnasium uns die Verfassung der V. Republik ansahen, meinte eine Schülerin, die ist der Verfassung von Weimar ähnlich, die haben wir heute in Geschichte besprochen und fing an, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten beider Verfassungen aufzuzeigen.

Unterricht ändert sich schon, wenn Schüler als Persönlichkeit ernstgenommen werden. Roths Buch macht Lust auf Veränderung. Man lernt in diesem Buch einiges über die Funktion des Gehirns, gerade soviel, um wichtige pädagogische Entscheidungen fundierter begründen zu können. Zuweilen geht Roth aber doch über das Basiswissen hinaus und gibt seine Passion als Neurobiologe zu erkennen. Dann muss man sich echt konzentrieren, um seinen Fachausdrücken zu folgen. Sie gehören aber nun mal zu dem Fundament, von dem die Pädagogik profitieren kann.

Schade, Blogartikel sollen gar nicht so lang sein. Aber dieses Buch reizt zum Erzählen. Manches kann mit nach der Lektüre dieses Buches besser erklären und manches möchte man gerne künftig anders machen, weil man jetzt die Begründungen in der Hand hält.

Gerhard Roth
> Bildung braucht Persönlichkeit. Wie Lernen gelingt
1. Aufl. 2011, 360 Seiten
ISBN: 978-3-608-94655-0

Christoph Eichhorn – Classroom-Management

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Christoph EichhornChristoph Eichhorn, Diplom-Psychologe, Supervisor und approbierter Psychologischer Psychotherapeut, hat den Band >
Classroom-Management – Wie Lehrer, Eltern und Schüler guten Unterricht gestalten verfaßt, der gerade erschienen ist.

„Classroom-Management“ trifft das, was die Lehrer heute, bzw. schon immer beherrschen mußten. Beim Durchblättern des > Inhaltsverzeichnisses fallen mir die eigene Referendarzeit und viele verschiedene Stunden ein, in denen die Bändigung von 30, manchmal gar 35 Schülern gar nicht so einfach war. Wirklich gute Rezepte wurden uns selten vermittelt. Immerhin, das wichtigste Rezept war das Ernstnehmen der Schüler. Unterricht ist immer etwas, was man mit Ihnen zusammen veranstaltet: „Peter, Deine Bemerkung in der vorletzten Stunde zu… war prima.“ Oder die Schüler einfach ausreden lassen. Oder nach einer Frage auch mal 2 Minuten Stille zu ertragen, aufmunternd in die Runde gucken, bis zuerst ein Schüler spricht. Schüler mit Schwierigkeiten und schlechten Noten werden oft 5er-Kandidaten genannt, anstatt kurzfristig gezielt gefördert zu werden. Die Schülerzeitung, wo ich von Klasse 9-13 im Schiller-Gymnasium in Köln mitmachte, war der erste echte Hort meiner Selbstständigkeit.

Christoph Eichhorn beschreibt die Rahmenbedingungen und beginnt mit einer Definition: Was ist Classroom-Management ?
Teil 2: Ein guter Start 2.1 Die Vorbereitung des ersten Schultags
Teil 3: Beziehung 3.1 Wie Sie eine Beziehung zu Ihren Schülern aufbauen
Teil 4: Motivationssysteme
Teil 5: Den Unterricht leiten
Teil 6: Regeln und Konsequenzen

„Classroom-Management heißt gelingender Unterricht, stellt die Leistung engagierter Lehrer heraus, bedeutet zufriedenere Eltern und ermöglicht Schülern, ihre wirklichen Fähigkeiten lernend zu entfalten,“ heißt es im Ankündigungstext des Verlages. Dahinter steckt aber viel mehr. „Classroom-Management“ hat auch etwas mit Disziplin und Regeln zu tun, das ist auch ein gemeinsames Einverständnis, das der Lehrer durch Führung mit seinen Schülern hinsichtlich bestimmter Abläufe erreichen muss. Dazu gehören Werte wie Vertrauen und Zuverlässigkeit wie auch Respekt, die beide Seiten ausüben, wie auch für sich in Anspruch nehmen sollten. Führung hat auch etwas mit Verantwortung zu tun. In diesem Sinne ist dieser Band nicht nur ein Ratgeber sondern auch eine Aufforderung zum Dialog im Lehrer-Kollegium, der im täglichen oft selbstgemachten Streß immer zu kurz kommt.

„Classroom-Management“ korrespondiert mit dem Wunsch aller Lehrerinnen und Lehrer, gut en Unterricht zu machen. Das geht aber nur, wenn es im Klassenzimmer rund läuft. Denn andernfalls muss der Lehrer dauernd ermahnen und zurechtweisen – und das untergräbt unsere Beziehung zu unseren Schülern.

Auch die internationale Forschung belegt klar die hervorgehobene Stellung von Classroom-Management. Sie geht davon aus, dass guter Unterricht aus folgenden Merkmalen besteht:
– Einer präventiv ausgerichteten Unterrichtsorganisation
– Guten Lehrer-Schüler-Beziehungen und gutem Klassenklima
– Kognitiver Aktivierung

Die ersten beiden Merkmale sind die Schwerpunkte des Classroom-Managements. Das nicht irgendein Unterrichts-Tool, oder irgendeine der vielen Reformen, sondern es legt die Basis dafür, damit es in Ihrem Klassenzimmer rund läuft. Und erleichtert Lehrern ihre verantwortungsvolle, wertvolle und herausfordernde Aufgabe.

Classroom-Management bietet eine ganze Reihe an Vorteilen, wie zum Beispiel:
– Bessere Beziehungen zu Ihren Schülerinnen und Schülern
– Die Schülerinnen und Schüler fühlen sich im Klassenzimmer wohler und kooperieren besser mit Ihnen
– Der Unterricht wird für die Schülerinnen und Schüler vorhersehbarer, was ihnen Sicherheit vermittelt und für Sie das Unterrichten erleichtert
– Sie fühlen sich wohler, was auf Ihre Schülerinnen und Schüler positiv ausstrahlt und es Ihnen erleichtert, einfühlsamer und professioneller auf Ihre Schülerinnen und Schüler einzugehen
– Ein geordnetes Klassenzimmer reduziert die Gefahr von Mobbing und Gewalthandlungen an der Schule
– Ihr Ansehen bei den Eltern Ihrer Schülerinnen und Schüler steigt, weil der Unterricht geordnet verläuft; das erleichtert die Zusammenarbeit mit den Eltern.

Kein anderer Aspekt der Klassenführung ist für störungsfreien Unterricht so wirksam wie Präsenz, eines der wichtigsten Classroom-Management-Tools. Ihre Effektstärke beträgt in der Hattie-Studie den Topwert von d=1.42 und unterstreicht damit die besondere Bedeutung von Classroom-Management. Studien zum Thema Präsenz geben wichtige Anregungen für den Unterricht. Sie zeigen,
– dass Schülerinnen und Schüler meist schauen , ob sie ihre Lehrperson im Blick hat, bevor stören
– dass Schülerinnen und Schüler eher stören, wenn sie ihre Lehrperson nicht „spüren“ – also wenn sie nicht präsent ist
– dass Präsenz umso wichtiger ist, je „schwieriger“ die Klasse ist.

Und wie wird Präsenz hergestellt? Classroom-Management gibt dazu zahlreiche Hinweise, u. a.:
– im Klassenraum so stehen, dass man alles gut überblicken kann, also immer wieder eine zentrale Positionen im Klassenzimmer einnehmen
– management-by-walking-around, also sich nicht nur vorne am Lehrerpult oder im vorderen Drittel des Klassenzimmers aufhalten – sondern im gesamten Klassenzimmer präsent sein. Eine gute Möglichkeit, dies zu erreichen, ist ein Lehrer-Material-Tisch hinten im Klassenzimmer. Das «zwingt» einen dazu, sich durch das ganze Klassenzimmer zu bewegen, um dort hin und wieder etwas zu holen. Damit erhöhen Sie beträchtlich Ihre Präsenz und Sie werden merken, dass Ihre Schülerinnen und Schüler darauf reagieren.

Das Buch „Classroom-Management – Wie Lehrer, Eltern und Schüler guten Unterricht gestalten“ bietet eine ganze Reihe praxisnaher und meist einfach anzuwendender Hinweise. Christoph Eichhorns Ziel ist es, die Arbeit der Lehrer zu erleichtern.

> Eichhorn, Christoph
> Classroom-Management – Wie Lehrer, Eltern und Schüler guten Unterricht gestalten
223 Seiten, ISBN: 978-3-608-94534-8

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