Verlagsblog

Lesebericht: Douglas Coupland, Generation A

Samstag, 28. August 2010

Douglas CouplandDouglas Coupland hat mit > Generation A einen Roman verfasst, der ebenso auf das Fantasy- aber auch auf das Krimi-Regal gestellt werden könnte. Ein Ökokrimi? Ein Sachbuch über den medizinischen Wahnsinn? Bestimmt ein Buch, das sich nicht dazu eignet, hier detailreich resümiert zu werden, um Ihnen nicht die Lesefreude zu nehmen. Mein Tag war anders geplant, nur noch bis Seite 200. Und dann war das Buch plötzlich zu Ende.

Bei manchen Büchern braucht man eine längere Leseeingewöhnung. Manche legen einen Band schnell wieder aus der Hand, da komme ich nicht rein, sagen die dann. Mit diesem Buch ist das ganz anders. Fünf kurze Episoden erzählen von mehr oder weniger normalen Menschen, einer von ihnen in der Nähe von > Oskaloosa in Iowa, die in ganz unterschiedlichen Ländern bei ihren täglichen Beschäftigungen jeweils plötzlich von einer Biene gestochen werden.


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Man erfährt, warum Samantha ihr Weißbrot auf die Erde legt, fotografiert und daraus eine Kunstaktion, nämlich ein “Erdsandwich” macht: > Route 52 auf Neuseeland, 30 km von der Küste entfernt und > Ecke Calle Gutenberg und Calle Poeta Esteban de Villegas in Madrid. Das Internet und die digitale Welt sind ein selbstverständlicher Bestandteil der Handlung, liefern aber nicht wirklich einen lebensnotwendigen Beitrag, immerhin Zarka kann sich ein bisschen was dazuverdienen, weil Charles ihn per Webcamera beim Nacktfahren auf dem Mähdrescher beobachten darf. Julien hat gerade 114 Tage World of Warcraft hinter sich, und er ist kein echter Parkbankhocker. Aber er sitzt da nun einmal im Parc de Vincennes in Paris und wird auch gestochen.

.Der Internet Explorer 7 oder das IPaD mag das Buch zum Blättern nicht anzeigen? Dann gibt es hier die > Leseprobe. Alle fünf Personen werden nach den Bienenattacken überfallartig isoliert und abtransportiert. Nach dem Verschwinden der Bienen – warum eigentlich? Das verrate ich hier nicht -, erregen diese Stiche sofort die Aufmerksamkeit der Wissenschaft, die mit Unterstützung der Behörden dieser fünf Bienenopfer sogleich und ohne Zögern habhaft wird. Warum und wieso die Wissenschaft an ihnen ein so großes aufgeregtes Interesse hat, wird erst später verständlich. Die Isolationshaft müssen sie und der Leser hinnehmen, auch ihre Entlassung bringt keine besondere Aufklärung.

Die Bienenopfer und ihre häusliche Umgebung einschließlich der Nachbarschaft werden peinlich genau untersucht. Jeder Gegenstand wird fünf mal rumgedreht, vieles wird auseinandergenommen und eingepackt, die Bienenopfer werden an einem geheimen Ort voneinander isoliert untergebracht, untersucht und verhört.

Später werden sie freigelassen, sind als Bienenopfer die umfeierten Stars des Tages, bis ein Wissenschaftler sie zu weiteren Forschungen an einem anderen Ort wieder zusammenbringt. Sie sollen sich Geschichten (Stichwort “Decamerone”) erzählen und Coupland liefert hier gleich an mehreren Stellen eine kleine Poetik des Geschichtenerzählens mit. Die Menschen, so lässt er Serge erzählen, erinnern sich nicht mehr daran, wie man mit Geschichten die Welt neu ordnet. Erst später wird deutlich, dass er mit diesem Satz einen Anspruch auf die Deutung seiner eigenen Geschichte vorlegt. (Vgl. S: 196) Später spielt Serge mit einem Perspektivenwechsel: “Anstatt mir Geschichten auszudenken, werde ich mein Leben zu einer interessanten Geschichte machen.” (S. 204)

> Generation A ist für eine längere Zugfahrt bestens geeignet, eine den Leser vereinnahmende Lektüre, da man kein anderes Buch nebenher oder gleichzeitig lesen kann und die andern Fahrgäste vergisst oder überhört. Zu eigen sind Stil und Ausdrucksweise, mit der Coupland die fünf Personen dieses Romans vorstellt und mit denen er ihre Geschichte, ihre Wünsche, Befürchtungen und Absichten verfolgt.

Man neigt dazu, die ganze Geschichte für völlig überzogen zu halten – total konstruiert aber im positiven Sinne des Wortes, man könnte auch sagen, glänzend komponiert -, sie ist mit großem Sachverstand verfasst und trotz aller Phantasie irgendwie auch einleuchtend mit einer gewissen Ähnlichkeit zu unserer Welt, zumal wenn man an manchen technischen unsinnigen Fortschritt denkt, der manchmal keine Rücksicht auf die Folgen zu nehmen scheint.

> Douglas Coupland
> Generation A
Aus dem Englischen von Clara Drechsler und Harald Hellmann (Orig.: Generation A)
1. Aufl. 2010
333 Seiten
ISBN: 978-3-608-50110-0

Lesebericht: Manu Joseph, Ernste Männer

Sonntag, 22. August 2010

Meyer, RostBücherlesen ist wie eine Weltreise. Kommen Sie mit. Mit > Ernste Männer hat Manu Joseph einen Roman aus Indien vorgelegt, den Anke Caoline Burger übersetzt hat. Der Chef von Ayyan Mani hat sich da was in den Kopf gesetzt und versucht ohne die Duldung von Widersprüchen, seinen Mitarbeitern die Suche nach Außerirdischen per Ballon zu empfehlen. Mani nutzt das wissenschaftliche Vakuum seines Instituts, um den dort versammelten Professoren weiszumachen, dass sein Sohn mehr als sie auf dem Kasten hat. Und Mani gelingt es, sich und seine Familie auf diese Weise über das Armenviertel von Mumbai hinauszuheben.

Es geht um den Mikrokosmos des Forschungsinstituts, in dem sich die Kastengesellschaft widerspiegelt, wo Ayyan Mani als direkter Untergebener seines Chefs immer ein bisschen mehr auf dem Laufenden ist, als er eigentlich sein soll, und wie er mit diesem Wissen ständig mit seinem Fortkommen beschäftigt ist. Außerdem ist er mit der Beobachtung und auch der Organisation der sozialen Beziehungen, auf die er wiederum kaum Einfluss nehmen kann, so sehr beschäftigt, dass für andere oder seine eigentlichen Aufgaben kaum Zeit bleibt. Aber er beginnt einer Eingebung folgend, seinen Sohn Adi zu coachen, der zunächst in der Schule durch seine intelligenten Fragen auffällt. Zuerst drohen Strafen, weil er den Lehrbetrieb durcheinanderbringt, dann kommt der Vater auf immer neue Ideen, und es gelingt ihm bestens seinen Sohn zu vermarkten. Schließlich kommen die Professoren des Instituts an die Reihe, die wegen der von ihrem Chef vorgegebenen Richtung sowieso gerade etwas ratlos sind und sich auch gerne mal mit anderen Fragen beschäftigen

(Der Internet Explorer 7 mag > das Buch zum Blättern nicht anzeigen?)Und wie das halt so auch in einer streng geregelten Ordnung wie in diesem Institut passieren kann, verstoßen auch hier manche gegen die political correctness, es kommt zu immer neuen Verwicklungen und Beziehungen, die eigentlich nicht stattfinden wollten, die Manu Joseph aber spannend erzählt. Adi macht alles mit und lässt gar nicht so recht erkennen, was er von den Erwachsenen hält, die er reinlegt. Irgendwie merkt er das aber schon und hat wohl offenkundigen Spaß daran, den Erwachsenen Grenzen zu zeigen: “Er nahm sein Hörgerät raus und steckte einen Finger ins andere Ohr,” heißt es, immer wieder, wenn er vom Klamauk der Erwachsenen genug hat; “Ich bin elf, und elf ist eine Primzahl,” belehrt er die Erwachsenen und fragt seine Mathelehrerin, warum sie das numerische Zahlensystem und nicht die Binärzahlen lernen. Oder er will mitten im Unterricht wissen, worin die Schwerkraft besteht. Ganz der Vater, der das im Institut auch macht, allerdings eher mit under-cover Methoden,als mit der Erfüllung seiner normalen Aufgaben.

Eine wundervolle Urlaubslektüre, die den Reiz eines ganz anderen Landes bietet, und die mit den Handlungen weniger Personen viel über die indische Gesellschaft von heute erzählt. Manis Ideen sind ein Versuch, der Enge ihrer kleinen Wohnung in dem Wohnblock zu entkommen. So schwer ihm das trotz seiner kleinen Erfolge fällt, so eng sind auch die anderen, z. B. auch sein Chef Achayra in ihre jeweiligen Beziehungen eingebunden, die diese auch nur kurzfristig und oft mit erheblichen Folgen verlassen können.

> Manu Joseph
Ernste Männer
Aus dem Englischen von Anke Burger (Orig.: Serious Men)
1. Auflage 2010
357 Seiten
ISBN: 978-3-608-93892-0

Das Sommer-Leseprogramm 2010:
Phillip Meyer, Rost

Mittwoch, 7. Juli 2010

Kaum waren die Verlagsvorschauen von Klett-Cotta für das > Sachbuch, > Tropen, > die Literatur und die Hobbit-Presse wie für das Fachbuch angekommen, werden die Bücherstapel für das Leseprogramm 2010 immer größer. Eben ist > Rost von > Philip Meyer als Leseexemplar angekommen. Zwei junge Freunde wollen auf das Provinznest hinter sich lasse, ihnen missglückt der Start, denn Isaac handelt in Notwehr, ein Mann ist tot, aber Poe wird an seiner Stelle verhaftet. Der Debütroman des Jahres 2009 in den USA spielt in einer sterbenden Stahlregion und erzählt ein Drama aus Schuld und Sühne, das nach und nach das Leben aller verändert. Isaac macht sich auf seinen Weg, aber er kommt in immer größere Schwierigkeiten. Gut, dass es die lebensrettende Kraft der Freundschaft gibt.

Mein Lesebericht soll erst nach dem Erscheinungstermin erscheinen. Es nicht einfach, diese Vorgabe zu beherzigen, gleichzeitig aber mit der die Lektüre anzufangen. Wenn die ersten Seiten den Leser in den Roman reinziehen, dann wird es spannend. Der Leser taucht in Rost mitten in der Geschichte auf. Beschreibung und Handlung sind eng miteinander verwoben. Der Daily Telegraph schrieb: “Gibt es den großen amerikanischen Roman noch, der den Zeitgeist einfängt? Ja, es ist Philipp Meyers ›Rost‹, an der Seite von Cormac McCarthy, Salinger und Kerouac.” Beim lauten Lesen der ersten Seiten wird schon klar, dass Frank Heibert, der auch Don DeLillo, Richard Ford, Tobias Wolff und Tristan Egolf übersetzt hat, hier eine wunderbare Übertragung ins Deutsche gelungen ist. Mehr verrate ich aber nicht. Das Buch erscheint am 18.8. und kurz darauf treffen uns hier auf dem Blog zum Lesebericht wieder?

Es wird Lesungen mit Tom Schilling (»Elementarteilchen«) in Köln, Stuttgart, München, Berlin und Hamburg geben.


14.09. 2010 20:00 Uhr
Stuttgart
Lesung
Philipp Meyer liest aus seinem Debütroman Rost.
Deutscher Text: Tom Schilling.
> Literaturhaus Stuttgart, Breitscheidstraße 4, 70174 Stuttgart.


Puilipp Meyer
> Rost
Roman, aus dem Amerikanischen von Frank Heibert (Orig.: American Rust)
Auflage: 1. Aufl. 2010 – 460 Seiten – ISBN: 978-3-608-93893-7

Walter Veltroni, Die Entdeckung des Sonnenaufgangs

Montag, 22. Februar 2010

Der frühere Bürgermeister von Rom, Walter Veltroni, legt mit
> Die Entdeckung des Sonnenaufgangs uns seinen ersten Roman vor. Mein PC war am Freitagmorgen kaputt, und als der Techniker kam, hatte ich erst 14 Seiten gelesen. Soviel kann ich guten Gewissens verraten. Sie werden auch auf Seite 20, 30, 40 usw. merken, dass dieser Roman keine Unterbrechung duldet. Der Autor zieht Sie in das Geschehen hinein. Eine Lesepause ist nicht angesagt. Soviel zum Inhalt.
Veltroni kann nicht nur schön erzählen, er hat auch skurrile Einfälle. Nein, ich verrate nichts über den Hergang, Verlauf noch über das Ende der Geschichte. Aber man kann auf diesen 152 Seiten wunderbar herausfinden, wie Veltroni die Spannung aufbaut. Wie macht er das? Jedenfalls werden Sie merken, dieses Buch legen sie nicht gleich wieder aus der Hand. “Damals lebten die Menschen kürzer, und die Dinge währten länger,” heißt es einmal, und das ist ein Hinweis darauf, dass es hier um die Erinnerung geht. Auch bei Proust lösen Dinge die unwillkürliche Erinnerung aus.
“Und dann dieses Gefühlt unterdrückt und kontrolliert zu werden,” lässt mit wenigen Worten die Angst erscheinen. Der Satz “Doch an diesem Tag lernte ich die Zähigkeit der Zeit kennen,” ist ein weiterer Hinweis auf die Zeit, die hier in ihrem Ablauf unter verschiedenen Perspektiven untersucht wird. Und dann kommt so ein Satz: “Man hat uns jede Hoffnung genommen, die wir noch teilen könnten, und uns in einen glitzernden Supermarkt eingeschlossen, wo man alles kaufen kann, aus dem man aber nicht mehr herauskommt.” Soviel zum Konsum, der überall auf uns lauert.
Vielleicht verrate ich doch etwas. Dieses Buch ist ein Roman, aber es hält auch weitere literarische Genres, die durch die Zeit und ihre Darstellung fest miteinander verbunden sind. S. 47- 60 eignen sich vielleicht am besten für eine Lesestunde. Beim Vorlesen kommt man Veltroni am besten auf die Spur. Wie hat er das gemacht? Er verleiht seiner Geschichte eine gewisse Strenge und liefert die Emotionen gleich mit. Das Spiel mit der Zeit ist auch ein Spiel mit der Erinnerung und ihrem Gewicht. Was war früher, und welche kleinen Entscheidungen hätten manches anders verlaufen lassen? Lesen Sie auf keinen Fall den Klappentext, die erste Umschlagseite. Sie verrät ein kleines Detail, was ich hier auch für mich behalte. Lesen Sie das Buch, und dann meinetwegen den Klappentext. Hab ich Recht?
Es ist überhaupt nicht einfach, den Grund für die Lesebegeisterung für dieses Buch wiederzugeben, ohne noch mehr über den Inhalt zu erzählen. Werde ich auch nicht machen. Ein bisschen skurril ist der eine Leseabschnitt. Aber auch wieder so schön in den Verlauf der Geschichte eingebettet, so dass er sehr plausibel erscheint. Man kehrt an einen Ort zurück, wo man früher schon mal länger gewesen ist, um dann in der Vorstellung noch mehr darin zu versinken. Die Dinge, die man dort wiederfindet, geben der Erinnerung ihre Struktur. Aber die Bedeutung der Struktur oder der Dinge wird erst mit dem Andenken, mit dem Nachdenken über die Personen wieder lebendig, die damals mit ihnen umgegangen sind. Und dieses Verhältnis zwischen den Dingen und den Menschen hat Veltroni so meisterlich in Szene gesetzt. Der Titel hat eigentlich nur wenig mit der Geschichte zu tun. Und doch kommt der Morgendämmerung in diesem Roman ein besondere Bedeutung zu, wenn der Sohn des Hauses mit der Lektüre in der Hand auftaucht.

Walter Veltroni
> Die Entdeckung des Sonnenaufgangs
Wollen Sie schon mal probelesen? > Ja!
Roman
Aus dem Italienischen von Annette Kopetzki (La scoperta dell’alba)

Auflage: 1. Aufl. 2010
Ausstattung: gebunden mit Schutzumschlag
156 Seiten
ISBN: 978-3-608-93704-6

Alan Pauls, Die Vergangenheit

Samstag, 24. Oktober 2009

Pauls, Die VergangenheitVor der Buchmesse habe ich angefangen, den Roman > Die Vergangenheit von Alan Pauls zu lesen. Nach zwölf Jahren trennen sich Rímini und Sofía. Je mehr sie um ihn kämpft, um so mehr versucht er, sie zu vergessen. Seine erste Freundin nach der Trennung kommt bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Die Trennung war für Rímini keinesfalls die erhoffte Befreiung. Zuerst die ständigen Anrufe, die dann mit der Zeit abnehmen. Rímini stürzt sich in einen Drogenrausch und eine Arbeitswut. Auf einem Kongress verliebt er sich in seine Dolmetscherkollegin Carmen. Aus ihrer Beziehung stammt Lucio, der in einer dramatischen Geburt zu früh auf dieser Welt ankommt. “Ohne mich. Du bekommst ein Kind ohne mich”, sagt Sofía zu Rímini und schlägt zu… nicht kräftig, fügt hinzu “Du Dreckskerl”… und umarmt ihn. Sofía, lässt nicht locker, der von ihr spontan geplante Besuch in einem Hotel – für ein Stündchen – scheitert, weil der Buggy von Lucion sich in der Aufzugstür verklemmt. Sofía entführt für kurze Zeit den Kleinen: “Ich bin die Frau, die deinem Papa alles beigebracht hat, was er weiß.” Durch einen Anwalt lässt Carmen Rímini vom Bruch ihrer Beziehung unterrichten. Eine weitere Liebschaft und ein tragisches Ende warten auf ihn.

“El pasado”, “Die Vergangenheit” als Titel bezieht sich auf die zwölf Jahre, die Sofía und Rímini zusammengelebt haben. Keiner ihrer Freunde oder Anverwandten konnte ihren Trennungswunsch begreifen. Der Umzug? Das abgetriebene Kind? Mit Sicherheit war ihr Beziehungsgefüge ins Wanken geraten und wurde einvernehmlich durch Sofías farbige Markierungen im Immobilienteil der lokalen Zeitung beendet. Was folgt ist eine realistisch beeindruckende Erzählung vom Auf und Ab Ríminis Liebeslebens, das aber nur noch künstliche und keine dauerhaften Höhen mehr kennt. Sofía kämpft um ihn, läuft eigentlich nicht hinter ihm her. Fast 600 Seiten, die man aber auch am Stück lesen muss, denn lange Lesepausen bekommen der inneren Dramatik des Romans nicht. Manche Szenen, die das Entstehen der Liebe beschreiben, enden in diesem Roman schnell im Chaos, so Ríminis Versuch, Carmen seine Liebe zu erklären, und manchmal auch in zu viel Schilderungen von Sex. Alan Pauls (1959) hat schon mehrere Romane veröffentlicht, dies ist sein erster Roman in deutscher Übersetzung.

> Gespräch mit Michael Zöllner über Alan Pauls, Die Vergangenheit

Hier können Sie in > Die Vergangenheit blättern.

Alan Pauls
> Die Vergangenheit
Roman
Aus dem Spanischen von Christian Hansen (Orig.: El Pasado)
Auflage: 1. Aufl. 2009
Ausstattung: gebunden mit Schutzumschlag
559 Seiten
ISBN: 978-3-608-93705-3

Nachgefragt: Michael Wildenhain, Träumer des Absoluten

Sonntag, 19. Oktober 2008

Michael WildenhainAuf der Frankfurter Buchmesse habe ich Michael Wildenhain getroffen und konnte ihn nach seinem jüngst erschienenen Buch,
> Träumer des Absoluten fragen. Wir haben über die Hauptpersonen Tariq, Jochen und Judith gesprochen.Michael Wildenhain. Der Roman erzählt auch 35 Jahre bundesrepubli-
kanischer Geschichte aus der Perspektive derjenigen, die sich an Hausbesetzungen beteiligten. Judith ist zwischen Tariq und Jochen hin- und hergerissen, träumt von einer Liebe zu Dritt, wendet sich aber schließlich Jochen zu. Michael Wildenhain hat auch über die Aspekte der Erinnerung in diesem Band gesprochen:

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Und zum Herunterladen als Podcast: > Gespräch mit Michael Wildenhain MP3

> Michael Wildenhain
> Träumer des Absoluten
1. Aufl. 2008
335 Seiten
ISBN: 978-3-608-93757-2

Serge Joncour: Ultraviolett

Dienstag, 16. September 2008

Serge JoncourSie haben nur eine eher kürzere Bahnfahrt vor sich? Dann ist
> Ultraviolett von Serge Joncour in der Übersetzung von Nathalie Mälzer-Semlinger für Sie die genau das Richtige. Es wird für einige Tage ein Einblick in die Sommerferien einer Familie geboten, die den Juli in ihrem Haus auf einer Insel verbringt. Der Sohn der Familie, Philip ist auf Reisen, in den USA heißt es, seine Rückkehr wird spätestens am 14. Juli erwartet, wird er doch wie jedes Jahr das Feuerwerk pünktlich selber zünden wollen. An seiner statt taucht ein Unbekannter am Pool auf, der Julie und Vanessa gerad noch Zeit läßt, sich zu bedecken. Boris heißt der Ankömmling, der von einem Internat spricht und Vertrautheit mit Philip erkennen läßt.

Boris bleibt einfach mal da, bei den Eltern, den beiden Schwester und André-Pierre, der Schwager Philips und den Kindern. Die Mutter freut sich über den unverhofften Besuch, als Zeichen, dass ihr Sohn nun auch bald wiederkommen werde. Boris mischt die Familie so richtig auf und geht André-Pierre zunehmend auf den Geist. Die beiden Schwestern können dem Fremden nicht so recht widerstehen. Hinter der gediegenen Fassade tun sich manche Abgründe auf, von denen die verschiedenen Familienmitglieder mal mehr oder weniger wissen, aber von denen André-Pierre am meisten weiß. Das Internat und dessen Zucht und Ordnung führen bei den Zöglingen zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Einige Rückblenden, wie auf das Kennenlernen von Vanessa und André-Pierre präzisieren so manche Entwicklung und liefern zusätzliche Erklärungen.

Das Lesepensum für heute und die beiden nächsten Abende hat der Band so recht durcheinandergebracht oder besser gesagt abgekürzt, denn er ist so recht zum Durchlesen in einem Zug gemacht. Und das Ende habe ich gleich dreimal gelesen. War da etwas, was ich überlesen hatte? Serge Joncour hat hier die beschaulichen Ferien einer Familie erzählt, deren heile Welt nur Fassade ist, die Eltern wissen es nicht, der Vater ahnt es vielleicht; Philip ist immer noch nicht mit dem Studium fertig, weiß er zu berichten. Boris’ Präsenz bringt eigentlich nichts durcheinander, sondern deckt auf, ohne dass die Anwesenden so recht merken, wie ihnen geschieht. Er wirft sie einzeln aus der Bahn (die Schwestern), macht das Boot Riva wieder flott (mit dem Vater) sagt die Unwahrheit über seinen Boots-Führerschein, probiert das Boot zum Gejodel der Kinder und zur Sorge ihrer Mutter aus. Der Roman präsentiert die Geschichte wie einen Fernsehfilm, in dem die Szenenabfolge oft kürzer als bei richtigen Kinofilmen verläuft. Der Erzähler zieht seinen Leser in den Roman hinein, der einen Leseaufschub nicht so recht duldet.

Zum > Film von Gilles Paquet-Brenner

Serge Joncour,
> Ultraviolett
Roman
Aus dem Französischen von Nathalie Mälzer-Semlinger
1. Aufl. 2008
174 Seiten
ISBN: 978-3-608-93793-0

Der Vorkoster

Freitag, 5. September 2008

Zülü Livanelli, GlückseligkeitEiner meiner Kollegen sagte heute beim Mittagessen, ich sei sein Vorkoster. Dabei ging es aber nicht um seinen Fisch und seine Kartoffeln , sondern um dieses Blog. Und er bat mich, doch auch einen Beitrag über das Buch von Livanelli zu schreiben, damit er entscheiden könne, ob er es lesen werde. Versprochen. Das Buch liegt eh schon vor mir. Vorher kommt aber noch das Buch von Robert Spaemann über > Rousseau – Mensch oder Bürger dran, das gerade meine Wochenendlektüre ist. Und danach, am Anfang der Woche lese ich Zülfü Livanelli, > Glückseligkeit. Passt auch gut zu unserem > Türkei-Schwerpunkt. – Vielleicht dauert es ein bisschen länger, weil am Montag die Veranstaltungen im > Stuttgarter Literaturhaus wieder losgehen und eines meiner ältesten Webprojekte, > das > Fotoalbum des Literaturhauses weiter gepflegt werden muss. – Unter dem Buch von Livanelli liegt schon der neue Roman von Michael Wildenhain, > Träumer des Absoluten. Das ist also das Lese-Programm der nächsten Woche. Auf die Gefahr hin, dass ich mich jetzt wiederhole, sei hier nochmal angemerkt, dass hier die Blogbeiträge keine > Rezensionen sind, auch keinen bloßen Werbetexte, sondern diese Textsorte nennt sich “ich habe das Buch gelesen”, denn die Bücher des eigenen Verlages werde ich nicht rezensieren, für diese Aufgabe ist immer ein bestimmter Abstand notwendig, was nicht bedeutet, dass hier nicht auch mal Rezensionen von Büchern anderer Verlage stehen können. Wie auch immer, zunächst ist der Autor dieser Beiträge hier erstmal ein Vorkoster.

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