Verlagsblog

Lesebericht: John Gottman, Die Vermessung der Liebe

Freitag, 27. Juni 2014

Vorbeugen ist besser als Heilen. Dieses Buch wendet sich an alle, denen eine gute Beziehung wichtig ist: an Therapeuten, an Betroffene, Paare die miteinander wirklich ernste Probleme haben, aber auch an Paare, die wie so viele andere irgendwann doch einmal in einer Alltagsroutine ankommen, in der der ursprüngliche Respekt gegenüber dem geliebten Partner Schaden nimmt. Die neuesten Erkenntnisse aus dem berühmten Love Lab von John Gottman liegen jetzt bei Klett-Cotta in der Übersetzung von Cathrine Hornung in dem Band Die Vermessung der Liebe. Vertrauen und Betrug in Partnerbeziehungen vor. Es geht um Kommunikation, Vertrauen, Abstimmung, Sex, um alles was eine Paardynamik, deren Grundlagen Gottman hier vorstellen will, ausmacht.

Das Kernproblem ist immer wieder mangelnde Kommunikation, ja unzureichender Respekt voreinander, was manche Situationen so eskalieren lässt. Ist das Vertrauen angekratzt, ist der Stress in der Beziehung vorprogrammiert. Hinzu kommen die neuen Kommunikationsformen, die in sich alle Chancen missglückter Kommunikation bergen: „Mit unseren E-Mails, Smartphones und den zahlreichen Verpflichtungen, denen wir nachkommen und müssen, leben wir permanent am Rande einer katastrophalen Stressreaktion.“ (S 15 f) Man kann mit 140 Zeichen einen Streit nie beilegen, aber ihn gefährlich anheizen.

In seinem Forschungslabor hat er Paare beobachtet und kann seine Überlegungen auf die Biographie von 3000 untersuchten Paaren stützen. As schleichendes Gift bezeichnet er die Untreue jeder Art. Nicht der Seitensprung sondern jede Art von Treulosigkeit versteht Gottman als „heimliche“ Beziehungskiller. (S. 14) Untreue in jeder Form setzt Gottman das Vertrauen entgegen, das dessen Niveau die Partner selber bestimmen können (Kapitel 1). Das 2. Kapitel stellt die Situationen vor, die eine gute Paarbeziehung beeinträchtigen. Es gibt eine Mausefalle auch für Liebende (S. 54), eine Art feindliche Zone, die Gottman mit der Summe aller körperlichen Reaktionen definiert, die bei Stress mit dem Partner entstehen: Flooding nennt er diese Form des Streits. Empathie, so Gotman, ist der völlig falsche Rat in dieser Situation, weil bereits eine Art Mauern eingesetzt hat, die jeden Versuch einer Reparaturmaßnahme zum Scheitern verurteilt. Aufgrund seiner Beobachtungen beschreibt Gottman eine Abfolge von mehreren Schritten, die zu dieser Mausefalle führen, (S. 58-66) deren Kennzeichen Kritik, Verachtung, Rechtfertigung und Mauern sind = die vier apokalyptischen Reiter. (S. 66-69)

Außer Ehebruch nennt Gottmann „Zehn weitere Arten, den Partner zu brtrügen“ (S. 103 ff): U.a. Mangelndes Commitment, nichtsexuelle Affären, Lügen wie auch den Entzug von sexuellem Interesse. Ihnen stellt er in den folgenden Kapiteln Strategien entgegen, wie Partner Vertrauen und Abstimmung neu aufbauen können. Dabei verbirgt er nicht sein Erstauen darüber, wie wenig Partner oft nicht in der Lage sind; Emotionen oder Gefühle mitzuteilen: S. 138-156 sind eine Hilfe, diese Hürden der fehlenden Worte zu überwinden. S. 157-197: Das Gottmann-Rapoport-Modell soll für eine konstruktive Konfliktlösung dienen, bei der die richtige Dosierung von Sprechen und Zuhören im Mittelpunkt steht. Extra anberaumte Gespräche zur Lage der Nation sollten dem Paar die Möglichkeit geben, Kränkungen und verletzte Gefühle zu reparieren. Dafür stellt Gottman einen Werkzeugkasten – S. 198-205 – bereit. Keine Frage, das Buch richtet sich auch an Paare, deren Beziehung ok ist.

Wenn im ersten Teil dieses Buches das Vertrauen oder die Strategien zu seiner Wiederherstellung im Vordergrund stehen, ist der zweite Teil eindeutig dem Sex, Liebe und Leidenschaft in der Beziehung gewidmet. Wieder bietet Gottman einen Test an (S. 260 ff.), der dem Paar als Gesprächsanregung über dieses Themen dienen soll: S. 266-281. Siehe auch Anhang I: Formulierungsvorschläge für das intime Gespräch.

Die Vielfalt der Strategien, die Gottman beschriebt, wie Paare verlorenes Vertrauen wiederzurückgewinnen können ist beeindruckend. Man erkennt dabei leicht seine Überzeugung, dass viele bis in ihren Kern beschädigte Beziehungen neu belebt werden können. Ein „Verfallsdatum“ für Beziehungen (S. 284) hält er für paradox. Allerdings gibt es Situationen, in denen eine Beziehung keine Zukunft mehr hat: Kapitel 12. In solchen Situationen versucht Gottman die Partner an ihre Liebesgeschichte, -biographie zu erinnern. Die Art und Weise, wie die Paare sich diesen Erinnerungsinterviews stellen, vermittelt dem Therapeuten Aufschlüsse darüber, was zu retten ist.

Auch der Titel deutet an, dass Gottman Beziehungsprobleme mit Messwerten analysiert. Man muss aber ein „zunächst“ hinzufügen. Die Analysen Love Lab sind keine Grundlage für die Steuerung einer therapeutischen Behandlung, sondern sie dienen erst einmal dazu, die Probleme zu identifizieren und dann die richtigen Fragen zu stellen. Das Interview zu Sex und Liebe (S, 260 ff) folgt diesem Muster. Es ist in erster Linie ein Inventar aller Themen, über die as Paar miteinander sprechen sollten. Das Ergebnis des Tests ist ihnen ohnehin schon vor dem Ausfüllen bekannt und bewusst.

John Gottman, Nan Silver
Die Vermessung der Liebe
2. Aufl. 2014, 381 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, aus dem Amerikanischen von Cathrine Hornung (Orig.: What Makes Love Last; How to Build Trust and Avoid Betrayal)
ISBN: 978-3-608-94810-3

Lesebericht: Manfred Hassebrauck, Der kleine Liebesberater

Freitag, 7. September 2012

> Solal hätte dieses Büchlein auch gut gebrauchen können, dann wäre er vielleicht nicht in eine so desaströse Geschichte hineingeschlittert. – Bei Klett-Cotta gibt es ein ganzes Regal mit Büchern für alle Liebes- und Partnerfragen > Liebe und Sex: Das Rüstzeug für alle Fälle. Jedes von ihnen behandelt einen bestimmten Aspekt etwas mehr und origineller als die anderen. Manche sind zuweilen sogar ratlos: > Frisch verliebt. Und was jetzt?, wenn ihnen das wieder einmal zustößt. Das Interview mit David Schnarch gehört zu den meist aufgerufenen TV-Interviews meines Fernsehkanals: > Nachgefragt: David Schnarch, Intimität und Verlangen. Sexuelle Leidenschaft wieder wecken..

Und jetzt noch ein Buch über das ewige Thema der Liebe? Kann man da noch viel Neues raten? Entdecken? Professor Manfred Hassebrauck – so stehts auf dem Buchrücken – ist ein führender Experte auf dem Gebiet Partnerwahl und Liebesleben und lehrt Sozialpsychologie an der Universität Wuppertal. Diesmal war nicht die Maulprobe, das Vorlesen der ersten 12 Seiten als Test, ob die Geschichte gut rollt, der Test, sondern einfach das Hinlegen auf meinen Schreibtisch der Versuch herauszufinden, ob Thema, Aufmachung, Cover und Inhalt potentielle Leser anmachen. Nach vier Tagen muss ich jetzt den Lesebericht schreiben, da jede/r der hier hineinkam, in dem Büchlein blätterte, wollte es gerne mitnehmen. Der Test war also ganz einfach, und sein Ergebnis reicht als Empfehlung für dieses Buch.

100 Fragen und Antworten hat Hassebrauck in 30 Jahren gesammelt hat. Und die Antworten werden im Anhang von Studien belegt, auf die der Autor sich bezieht.

Eine Auswahl: „Was ist eigentlich Liebe?“ – Haben Sie diese Frage auf 2 1/2 Seiten schon einmal beantwortet? Nein, erschöpfend will der Autor gar nicht sein, aber präzise und klar verständlich. Und so liest sich das auch. „Kann Liebe ein Leben lang halten?“ „Natürlich…“ + Veränderung der Beziehung. „Wie wichtig ist das Aussehen beim Kennenlernen?“ – Welches Kleid trugen Sie, als Sie Ihren neuen Freund kennenlernten? Wissen Sie das noch? „Was zeichnet Schönheit aus?“ 5 Seiten. Jetzt wird es richtig ernst: „Kann man vom Aussehen auf den Charakter schließen?“ Des Autors Skepsis ist völlig berechtigt. „Wie stelle ich es am besten an, jemanden kennenzulernen?“ Auch Schüchterne (S. 62) erfahren hier Nützliches. „Zappeln lassen?“ „Kann ich den passenden Partner im Internet finden?“ Das Kapitel Strategien und Taktiken (S. 59-91) ist richtig gut. Jede/r hat genug Erlebnisse, um diese Seiten mit einen/ihren Erlebnissen zu vergleichen und zu bewerten. Was habe ich falsch gemacht – hätte man/frau was anders gemacht, wenn sie dieses Kapitel vorher gekannt hätte? Partnerwahl, Eine gute Beziehung, Geschlechtsunterschiede, Let’s talk about sex, „Sex ist eine der vier tragenden Säulen einer guten und glücklichen Beziehung“, S. 170. Sex mit dem Ex: Kann man alte Liebe aufwärmen?“ (S. 176-178) „Wie wichtig ist denn der Sex in der Beziehung?“ Schattenseiten sind die nächsten Kapitelüberschriften. „Wir streiten uns oft. Nimmt die Beziehung dadurch nicht großen Schaden?“ „Nein…“!

Für wen ist das Buch? Für Anfänger, für die, die sich gerade gefunden haben, für die, die gerade im verflixten siebten Jahr (S. 193-196) sind, für die, die schon ganz lange zusammen sind und mal nachlesen sollten, was sie alles verpasst haben, für alle Beziehungsunzufriedenen, die mal selber nachlesen sollten, was sie alles falsch machen, oder die ihrem Partner dieses Buch mitbringen sollten, wenn ihr Zusammensein mal so richtig frischen Wind braucht.

Das Buch von Sven Hillenkamp > Die unendliche Freiheit und das Ende der Liebe fällt mir noch ein und der Band von Dirk Revenstorf > Die geheimen Mechanismen der Liebe. Sieben Regeln für eine glückliche Beziehung. Damit haben Sie jetzt genügend > Rüstzeug, um Ihre Liebesleben erfolgreich wieder auf eine neue Grundlage zu stellen.

Neue Workshops mit David Schnarch: Intimität und Verlangen

Donnerstag, 15. März 2012

Zur Erinnerung auf diesem Blog: Der Lesebericht über > Intimität und Verlangen über das Buch von David Schnarch > Intimität und Verlangen. Sexuelle Leidenschaft wieder wecken, das Klett-Cotta erschienen ist

Im April 2011 antwortete David Schnarch, Klinischer Psychologe und Sexualtherapeut. Diekto des Crucible Institute, Marriage ans Family Center in Colorado, USA, auf unserer Fragen im transportablen TV-Studio, blogmäßig improvisiert, aber mit interessanten Aspekten zu seinem Buch. Schnarch zeigte sich überzeugt, das alle normalen Menschen früher oder später Probleme mit ihren sexuellen Verhalten bekommen. Ist ganz normal und gehört zum Lauf der Dinge. Schnarch meint, das müsse so nicht bleiben:

Im Mai 2012 wird Dr. Schnarch die folgenden Programme durchführen:

Ein-Tages-Workshops für die breite Öffentlichkeit und Therapeuten in Ulm (6. Mai) und Hamburg (17. Mai).
Vier-Tage-Trainings-Workshops für Therapeuten in Ulm (6.-9. Mai) und Hamburg (17.-20. Mai).
Öffentlicher Vortrag am Abend (11. Mai), gefolgt von einer eintägigen Paare Workshop (12. Mai) am Stuttgarter Hospitalhof.
Vom 25.-28.Oktober 2012 wird Dr. Schnarch nach Berlin zurückkehren, um einen > eintägigen Workshop für die Öffentlichkeit und Therapeuten, und eine > 3-tägige klinische Ausbildung durchzuführen.

Intimität und Verlangen. Sexuelle Leidenschaft wieder wecken
Aus dem amerikanischen Englisch von Theo Kierdorf und Hildegard Höhr
(Orig.: Intimacy and Desire. Awaken the Passion in your Relationship)
1. Aufl. 2011, 487 Seiten,gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94662-8

> Frisch verliebt. Und was jetzt?
> Die unendliche Freiheit und das Ende der Liebe
> Sex im Buchladen

Lesebericht: David Schnarch, Intimität und Verlangen

Dienstag, 8. März 2011

Der Untertitel resümiert das Anliegens Schnarchs: „Sexuelle Leidenschaft wieder wecken“. Das Buch richtet sich an alle. Schnarch ist überzeugt, das alle normalen Menschen früher oder später Probleme mit ihren sexuellen Verhalten bekommen. Für ihn steht die gemeinsame Lösungsfindung mit betroffenen Paaren an erster Stelle. Lustlosigkeit? Schnarch erklärt, wie das Gehirn neu programmiert werden kann. Er berichtet von vielen Paaren, und wie er ihnen geholfen hat. Es geht zunächst um die Sichtweise. Wenn beide verstehen, dass es in einer Beziehung immer einen Partner mit schwachem und einen mit einem starken Verlangen gibt, ist schon einiges gewonnen, besonders wenn man versteht, dass der Partner mit dem schwächeren Verlangen immer den Sex kontrolliert. Keine Beziehung unterliegt statischen Gesetzen, und daraus entwickelt Schnarch seinen Ansatz, der den Psychologen befähigt in diese Entwicklung behutsam einzugreifen.

Die Paare, deren Probleme Schnarch vorstellt, scheinen mit ihren Problemen wie für diese Kapitel gemacht, genausogut könnte man sagen, dass er mit ausgewählten Fällen seiner Klienten die Konzeption seines Buches geplant hat. Typische Fälle für seine Kapitel gibt es sowieso nicht. Die Leser werden sich bei allen Paaren in irgendeiner Form wiederfinden. Bei Robert und Sally geht es um das Problem der Funktionsübertragung (S. 69 ff.) oder auch geborgte psychische Funktionsfähigkeit mit alle ihren Folgen (S. 69-92) gehört zu den Schlüsselpassagen dieses Buches. Hier geht es um die Wirkung auf den anderen Partner und um das Selbstempfinden. Robert und Sally treten auf diesen Seiten ganz in den Hintergrund. Hier spricht der Psychologe und vermittelt interessante Einblicke in die Psyche.

Wie oben angedeutet empfiehlt Schnarch die gemeinsame Lösung von sexuellen Problemen. Das ist natürlich nicht neu. Schnarch begnügt sich nicht mit Beobachtungen und Ratschlägen. Er will Begründungen anbieten und erklärt wie die Differenzierung sich in Bindung und Selbstregulation ausdrücken kann. (S. 118 ff.) Er besteht, darauf, dass diese Prozesse immer unter dem Aspekt der Entwicklung und der Veränderung verstanden werden müssen. Auch wenn man mit allen Fragen der Intimität sich vertraut glaubt, so entwickelt Schnarch doch dazu einige Einsichten (S. 134-161), die bedenkenswert sind neue Sichtweisen eröffnen können. Schnarch empfiehlt zu Beginn, die Partner sollten dieses Buch jeder für sich lesen. Diese Seiten sind dazu am besten geeignet, weil sie und er sicherlich jeweils auf verschiedene Weise diese Seiten interpretieren werden.

Schnarchs These: „Das Verlangen erblasst, wenn Sie aufhören, sich zu entwickeln“ ist eine logische Schlussfolgerung aus den ersten beiden Teilen seines Buches. Kann man Verlangen entwickeln? Schnarch ist überzeugt davon, dass das geht und widmet dieser Frage den 3. Teil seines Buches. Normaler ehelicher Sadismus, emotionale Patts und Entscheidungsdilemmatas sind das Thema des 9. Kapitels, in dem Ken und Barbie mit einer ziemlich zerrütteten Beziehung im Mittelpunkt stehen. Schnarchs Schlussfolgerung: „Menschen sind oft sadistisch, wenn sie versuchen, sich einem Entscheidungsdilemma zu entziehen.“ Beide müssen den Punkt finden, an dem sie die Veränderung einleiten können (S. 288 f.) Schnarch spricht offen an, warum Paartherapien scheitern und was er dagegen empfiehlt. Sein viertes Kapitel ist etwas salopp mit der Neuprogrammierung des Gehirns überschrieben. Die auch ganz praktischen Anregungen Schnarchs -die ich aber hier auf dem Blog nicht vorstellen werde – in diesem Teil könnten jedem seiner in diesem Buch vorgestellten Paare helfen.

Schnarchs Buch unterscheidet sich von vergleichbaren Therapieberatern durch die Ausführlichkeit seiner theoretischen Erklärungen, die nicht von den Partnergeschichten illustriert werden, sondern er findet einen interessanten Dreh, um die Berichte seiner Klienten als Ausgangspunkt für präzise Erklärungen zu nutzen.

Auf diesem Blog > Liebe und Sex: Das Rüstzeug für alle Fälle

> David Schnarch
> Intimität und verrlangen. Sexuelle Leidenschaften wieder wecken

> Im Buch blättern

Aus dem amerikanischen Englisch von Theo Kierdorf und Hildegard Höhr
(Orig.: Intimacy and Desire. Awaken the Passion in your Relationship)
1. Aufl. 2011, 487 Seiten,gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94662-8

Liebe und Sex: Das Rüstzeug für alle Fälle

Montag, 3. Januar 2011

Jetzt gibt es auch einen richtig guten Trailer für das Buch von Daid Schnarch. Grund genug, diesen Artikel zum Jahresbeginn nochmal nach oben zu stellen:


Immer weniger sexuelles Interesse kommt immer wieder in einer Langzeitbeziehung vor und ist (leider) völlig normal. In seinem neuen Buch > Intimität und Verlangen. Sexuelle Leidenschaft wieder wecken – Erscheint im Frühjahr 2011 – hat sich
David Schnarch eine neue Erklärung ausgedacht, wie Erotik und Sexualität wiederkehren vorausgetzt beide Partner wachsen in ihrer Beziehung.

Müssen sich Paare, die eine langjährige Beziehung führen, mit der Langeweile im Bett und dem schwindenden Verlangen nach dem Partner abfinden? Kann es sein, dass das der Preis für eine verlässliche und monogame Bindung ist? David Schnarch verneint diese Frage mit Nachdruck. In seinem Buch erläutert er seine in zahllosen Paartherapien beobachteten neuen Erkenntnisse: Sexuelles Verlangen entsteht im Kopf und hängt mit allen Verhaltensmustern in einer Beziehung zusammen. Man muss einfach mehr über Sexualität wissen, sie besser verstehen, ja sie richtig gehend lernen, dann wird man die Dinge ändern können: So lautet das Résumé seines Buches: Mehr Nähe, tieferes Empfinden und eine erfüllende Sexualität sind möglich.

»Schnarch will im Leser Potentiale wecken, damit dieser ein Leben lang leidenschaftlich lieben kann.« Emotion

»Einer der richtungweisenden Sexualtherapeuten der Gegenwart« Ulrich Clement

Beim Blättern im Katalog von Klett-Cotta fällt auf, dass der Verlag eine ganze Reihe von praktischen Lebenshilfen anbietet. Für Anfänger und Fortgeschrittene, eigentlich für alle passt dieses Buch: > Frisch verliebt. Und was jetzt? hieß der der Lesebericht auf diesem Blog der den Band Erste Hilfe von Michael Eichhammer vorstellt. Ist die Liebe bei Fortgeschrittenen zur Gewohnheit und zum Alltag geworden, hilft bestimmt der Band von David Schnarch, einem der führenden Sexualtherapeuten in den USA: > Die Psychologie sexueller Leidenschaft. Er hat Pionierarbeit in der Behandlung von Problemen der menschlichen Sexualität geleistet und will langjährige Paare zu neuem erotischen Wachstum ermuntern. Was die Partner kaum mehr zu hoffen wagen, tritt ein: Sie finden zu neuer körperlicher und emotionaler Intimität zurück. Schnarch will weniger sexuellen Dysfunktionen untersuchen, sondern es geht ihm um die emotionale Erfüllung in jeder Partnerschaft. Alles vom Kuß bis zu gewagten sexuellen Stellungen ist ein Ausdruck, wie wir unseren Partner wahrnehmen und empfinden. > Jürg Willi schriebt in seinem Vorwort zu diesem Buch: „Durch David Schnarch kommt es nun zu einer Wiederbelebung der Sexualtherapie. Er geht von einer grundlegend anderen Haltung aus. Sein Schwerpunkt liegt nicht in der Wiederherstellung der sexuellen Funktionsfähigkeit, sondern darin, sexuelle Intimität und Erotik zu ermöglichen – ein Gesichtspunkt, der bisher vernachlässigt wurde. Sexuelle Intimität setzt nach seiner Meinung die Fähigkeit voraus, sich dem Partner so zu zeigen (und sich dem Partner so zuzumuten), wie man wirklich ist. Es braucht Mut und Reife, sich dem Partner mit all seinen Gefühlen und Ausdrucksmöglichkeiten anzuvertrauen und sich dabei mit sich selbst zu konfrontieren. Wenn man sich dem Partner offenbart, geht man das Risiko ein, daß er darauf nicht mit Entzücken und Empathie reagiert. Aber man hat keine andere Wahl, man muß das ertragen.“ Das erinnert mich an den Beitrag > Sex im Buchladen auf diesem Blog.

Eine richtig gute Beziehung ist echte Arbeit: > “Die Liebe ist kein Ruhekisssen” Die geheimen Mechanismen der Liebe. Dirk Revenstorf legt hier eine Anleitung vor, wie man den tieferen Sinn hinter den wiederkehrenden Konflikten erkennt. einen ganz anderen Ansatz verfolgt Sven Hillenkamp: Ihm geht es um die Einsicht in die Unmöglichkeit einer grenzenlosen Liebe und um die Angst, die aus allen Versuchungen der Freiheit resultieren: > Nachgefragt: Die unendliche Freiheit und das Ende der Liebe. Polemisch, radikal und nachhaltig gehen Rainer Sachse und Claudia Sachse vor: > Wie ruiniere ich meine Beziehung – aber endgültig. Hanne Seemann, hat wohltuend an die Männer und ihre Rollen erinnert. > Artenschutz für Männer. Manchmal kommt es aber doch zu unlösbaren Konflikten, und dann kann man Roland Weber um Rat fragen: Gehen oder bleiben? Der Untertitel lautet Entscheidungshilfe für Paare.
Noch eins von vielen Fachbüchern bei Klett-Cotta: Ulrich Clement: > Systemische Sexualtherapie.

Französisch lernt am besten in Frankreich selber. Und damit man nicht sprachlos bleibt und über je t’aime hinauskommt, haben sich unsere Kollegen von > PONS ein kleines Wörterbuch mit den > 1000 wichtigsten Wörter für Französisch Lust und Liebe ausgedacht, in dem man schnell noch, bevor man rot wird, was nachschlagen kann und nie um eine Antwort verlegen sein wird. Gibt es auch für Italienisch: > PONS Die 1000 wichtigsten Wörter Italienisch Lust und Liebe.

Michael Eichhammer > www.hilfe-verliebt.de
> Erste Hilfe für Frischverliebte
1. Aufl. 2010 – 233 Seiten – ISBN: 978-3-608-94563-8

Sven Hillenkamp
> Das Ende der Liebe Gefühle im Zeitalter unendlicher Freiheit
1. Aufl. 2009 – 311 Seiten – ISBN: 978-3-608-94608-6

David Schnarch
> Die Psychologie sexueller Leidenschaft
Mit einem Vorwort von Jürg Willi
Aus dem Amerik. von Maja Ueberle-Pfaff und Christoph Trunk
(Orig.: Passionate Marriage. Love, Sex, and Intimacy in Emotionally Committed Relationships. Henry Holt and Company, New York)
6. Aufl. 2008 – 511 Seiten – ISBN: 978-3-608-94161-6

David Schnarch
> Intimität und Verlangen. Sexuelle Leidenschaft wieder wecken
Erscheint im Frühjahr 2011

Hanne Seemann
> Artenschutz für Männer. Die Wiederentdeckung des Männlichen.
230 Seiten – ISBN: 978-3-608-94554-6

Roland Weber
> Gehen oder bleiben? Entscheidungshilfe für Paare
1. Aufl. 2010 – ISBN: 978-3-608-86026-9

Rainer Sachse / Claudia Sachse
> Wie ruiniere ich meine Beziehung – aber endgültig
4. Aufl. 2009 – 191 Seiten – ISBN: 978-3-608-94405-1

Ulrich Clement
> Systemische Sexualtherapie
4. Aufl. 2008 – 240 Seiten – ISBN: 978-3-608-94398-6

Submarino

Donnerstag, 10. September 2009

Jonas T. Bengtsson, SumarinoEtwas ergänzt, Do., 10.9.09, w.
> Submarino ist die ungeschminkt realistische Erzählung aus dem Leben zweier Brüder, die sich ständig in einem Wirbel von Drogen, Sex, Gewalt, Verbrechen und Tod befinden. Der Klappentext hat den Leser gewarnt: „Wer dieses Buch liest, wird ein anderer Mensch,“ das stimmt nicht ganz, die Lektüre von Submarino verändert den Leser nicht, sie beeindruckt ihn aber doch nachhaltig.
Beide Brüder haben schon durch ihre Kindheit einen vorgezeichneten Lebensweg, dem sie kaum und tatsächlich nicht entrinnen können. Die kurzen Sätze mit wenigen Adjektiven, einigen Adverbien ohne jede Ausschmückung wirken wir protokollartige Notizen. Nicht mal zaghafte Versuche gibt es, der Spirale von Drogen und Betäubung zu entkommen. Nicks Frau wurde von einem Auto überfahren. Sein Sohn Martin geht in den Kindergarten und scheint der einzige Halt seines Vaters zu sein, der zu Hause peinlich darauf achtet, alle Spuren seines Drogenkonsums vor Martin zu verbergen. Aber er dealt, um seinem Sohn Spielzeug kaufen zu können.

Die vielen Rückblenden und das Nachdenken in manchen Situationen verraten das Unwohlsein der beiden Brüder. Ein Anstoß zur Veränderung gar zum Ausstieg aus der Droge ergibt sich dadurch aber nicht. Der Leser wird Zeuge einer zwangsläufigen Entwicklung. Nick schlägt das Erbe der Mutter aus und Martins Vater geht voll ins Risiko, kauft Stoff bezahlt mit den vielen Scheinen aus seiner Sportasche, fixt immer regelmäßiger und stopft sich beim Dealen und Dealen lassen die Taschen mit den Scheinen voll.

Von außen betrachtet sind die Missgeschicke, Unglücke und auch die Gewalttaten wirklich selbst verschuldet, aus der Sicht der beiden Brüder muss das Bild wohl ähnlich sein, aber es kommt zu tragischen Todesfällen Der Unfalltod von Martins Mutter, das Alkoholproblem der Großmutter und ihr langsames Sterben in einem Krankenhaus lassen aus ihrer Sicht zusammen mit ihren Erinnerungen an die eher unglückliche Kindheit ihre Existenz so ziemlich perspektivlos erscheinen. Hinzu kommt noch der Tod ihres kleinen Bruders, der allerdings für die Vernachlässigung durch die beiden Großen unschuldig büssen musste.

Die Anordnung der Geschichten, die beiden Teile die jeweils aus der Ich-Perspektive eines der beiden Brüder erzählen, enthält einen der wichtigen Schlüssel zum Verständnis dieses Buches. Unvermittelt wird der Leser in eine frühere Epoche zurückgeführt, eine Art unwillkürliche Erinnerung ausgelöst durch einen Gedanken oder einen Vorgang. Manchmal fehlt auch der Zusammenhang, manchmal wird er erst im nächsten oder übernächsten Kapitel erkennbar. Wenn die Personen aus der Vergangenheit nochmal auftauchen. So sind beide Brüder doch auf der Suche nach ihrer Vergangenheit, der Martins Bruder ohne über den Tag hinauszudenken nur durch Fixen entkommen will. Die Vergangenheit ist für ihn keine besondere Kategorie, wird aber doch auch als eine Art Entschuldigung oder Erklärung angeführt, vielleicht auch zum Vergleich mit den Möglichkeiten von Martin, der so scheint sich sein Vater es wohl doch zu wünschen von alledem nichts mitbekommen darf und soll.

Das Vorlesen der ersten Seiten, – auch wenn man manchmal stockt, weil so deutlich und drastisch berichtet wird, man kann ja hier nun wirklich nicht alles laut lesen – bringt es an den Tag. Es ist der Stil, dessen so flüssige Handhabung manchmal gar nicht so recht zum dumpfen Immerwiederfixen passen will. Fast so als wenn Martins Vater durch seinen Bericht sich selber intellektuell überlegen wäre. So gelingt es ihm aus seiner Sackgasse heraus ein zunächst erfolgreiches Geschäftsmodell zu entwickeln, in dem die Angst vor der Polizei und den Spitzeln miteingebaut ist. Kapitel 13 im zweiten Teil „Martin“ illustriert die Beobachtungsgabe des Autors, die er ganz und gar auf den Vater überträgt. Martin sitzt vor zwei Psychologen und soll sein Zuhause malen. Wenn er bloß nicht den roten oder den schwarzen Stift nimmt, dann verliere ich ihn, denkt sich sein Vater. Martin nimmt den blauen Stift…, der Vater kann sich wieder beruhigen.

Wieder ein Buch, auf das nach der erwähnten lauten Leseprobe erstmal wieder zu Unrecht die neuen Bücher gelegt wurden. Beim zweiten zweiten Anlauf war das Buch am zweiten oder dritten Abend durchgelesen. Da komme ich nicht rein, sagen die einen, da bin ich steckengeblieben, sagen die anderen. Hier waren es etwa 10-12 Seiten, dann ging es so richtig los. Lesen als Aufwärmen. Man macht sich mit dem Personal und dem Start der Handlung bekannt, man lässt den Stil auf sich wirken, man muss aber auch neugierig sein, mal etwas anderes zu lesen, was nicht gleich in das bekannte Raster passt.

Der Roman wird derzeit von Thomas Vinterberg (»Das Fest«) verfilmt.

> Gespräch mit Tom Kraushaar über Submarino

Jonas T. Bengtsson
> Submarino
Roman
Aus dem Dänischen von Günther Frauenlob (Orig.: Submarino)
380 Seiten
ISBN: 978-3-608-50105-6

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