Verlagsblog

Im (Bibliotheks-)Bus: D. Whitehouse, Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek

Dienstag, 10. März 2015

Montag, 9. März 2015, 20 Uhr
Stuttgart | Lesung – Moderation: Thomas Klingenmaier
Lesung im roten Doppeldeckerbus – Buchhandlung Wittwer, Königstr. 30 – 70173 Stuttgart

David Whitehouse, > Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek

Val, Rosa und Bobby kommen zusammen mit Joe auf die Idee, mit dem Bücherbus quer durch England zu fahren. Kommen Sie mit? Mit dem Lesebericht können Sie schon mal ein bisschen mitfahren.

Beim Einsteigen inden roten Londoner Doppeldecker, der mitten auf der Kronprinzenstraße parkte, versprach uns Herr Zöllner, der Bus werde nicht losfahren – also nicht geklaut werden. Aber als wir drin waren, beobachtete ich immer wieder den Busfahrer, der manchmal um den Bus herumging, wenn er wieder zurückkam, war ich immer schon auf das Startgeräusch des Motors gefasst, der doch plötzlich losfahren würden. Ich muss am Piccadillyy aussteigen, rief jemand von oben. David Whitehouse las aus seinem Buch und Thomas Klingenmaier las aus der deutschen Übersetzung. Von unten und oben wurden Fragen gestellt. Das wärs, jede Woche eine Lesung im Tropen-Bücherbus. Ein echtes Highlight für die kulturmäßig so zurückgebliebene Kronprinzenstraße.

Und wie sehr das Ambiente eine Lesung prägen kann! Erst hier wurde der abrupte, laute und heftige Start des Bücherbusses, den Rose zu allem entschlossen in Bewegung setzt deutlich. Hier ging die Geschichte des Buches ins richtige Leben über. Schade, in dem Moment hätte der Buch wirklich abfahren können. Macht nichts, auch so ist Whitehauses Geschichte spannend. Literatur und das wahre Leben gehen ineinander über, und genau dazu werden wir ihn in Leipzig befragen, wie funktioniert das? Die Geschichten im Buch gehen in das Leben über, so wie Sunny ein Maschinenmensch werden will. Was man liest, ereignet sich irgendwann, früher oder später, aber ganz bestimmt auch mal im richtigen Leben, darauf hat auch > Oliver Steinhäuser hingewiesen.

So sah es gestern um und im Doppeldeckerlesebuch aus:

David Whitehouse,
> Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek
Roman, Aus dem Englischen von Dorothee Merkel (Orig.: Mobile Library)
1. Aufl. 2015, 315 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-50148-3

Wie kann man mit dem Morden aufhören?
ZehnTipps von Halligrímur Helgason

Montag, 15. Februar 2010

Auch die Routine macht einen Beruf nie so richtig langweilig. Oder es haben sich schlechte Gewohnheiten eingeschlichen, und man möchte sie überwinden, nochmal ganz neu anfangen – ohne alte Rechnungen. Das will dann nicht so recht klappen, man fällt doch wieder in den alten Schlendrian zurück. Das muss nicht immer so sein. Nur bei einem Serienkiller kommt die Gewohnheit immer wieder durch. Tomislav alias Toxic geht es nicht anders. Seine Nummer 67 war auch nicht geplant. Sie kam ihm dummerweise in die Quere: Ausknipsen, nennt das Toxic. Er hätte aber vorher genauer hingucken sollen, denn sein letztes Opfer ist offenkundig ein Priester, der nun sein Gewand als Fluchthilfe ausleihen muss. Und wir sind erst auf Seite 18. Auf den nächsten Seiten wird dann erzählt, wie ein durch die Kleider geläuterter Serienmörder nach Island fliegt um dort als Referend Friendly anzukommen und gleich auch die Rolle seines Opfers zu spielen: > Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen. Und jetzt folgt eine peinliche Situation nach der anderen, aber der Serienkiller mit den vielen Namen kann sich erstaunlich gut und schnell immer wieder anpassen. Ist ihm die Polizei auf den Fersen, gilt es, schnell das Quartier zu wechseln. Er hätte sich sicher nie vorgestellt, sich einmal auf Island vor der Polizei verstecken zu müssen. Aber er findet ein Versteck. Leider ist ihm der Stoff ausgegangen, in sieben Tagen hat er lediglich einen Hund ausgeknipst. Da kriegt man fast Mitleid: Entzugserscheinungen nennt man so was. Soweit die Rahmenhandlung. Genug erzählt. Serienmörder sind auf ihre Weise empfindlich und werden gar nicht immer gleich beruflich tätig, ob sie empfindsam sind, kann man nicht immer gleich beurteilen, Toxic ist es jedenfalls. Übt er seinen Beruf aus Leidenschaft, Gelderwerb oder wegen einer bestimmten triebhaften Veranlagung aus? Will er eigentlich davon loskommen? Oder hat er ein Berufsethos, ein verwerfliches, das ihn so handeln lässt und nicht anders? Jedenfalls gibt es ein Auf und Ab in der Geschichte, kriegt er die Kurve oder nicht? Und dann holt ihn nicht seine Vergangenheit, sondern die Umstände ein, die zu ihm passen. Ich wollte abends nur den Anfang lesen und auf der letzten Seite fing es schon an zu tagen. Kategorie: S-Bahn-Ungeeignet. Am besten ICE Stuttgart Hamburg und zurück.

Hallgrímur Helgason
Möchten sie im Buch blättern? > > Ja!
> Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen
Roman
Aus dem Isländischen von Kristof Magnusson

Auflage: 1. Aufl. 2010
Ausstattung: gebunden mit Schutzumschlag
271 Seiten
ISBN: 978-3-608-50108-7

Roger Smith, Kap der Finsternis

Montag, 27. April 2009

Kap der Finsternis> Kap der Finsternis, aus dem Amerikanischen von Jürgen Bürger und Peter Torberg, ein Erstlingswerk von Roger Smith. Ein dummer Zufall, ein brutales Verbrechen, ein korrupter Polizist sollen ein ungeschöntes Panorama des heutigen Südafrika vorführen, soviel wußte ich, als dieser Band mir jetzt wieder in die Hände fiel. Auf der > Krimi-Bestenliste von WELT, ARTE und Nordwestradio steht der Band in diesem Monat auf Platz 1. Ein Polizist, der trotz seiner Korruptheit und unsauberen Methoden noch ein bisschen von seinem guten Riecher bewahrt hat und 1+2 fast richtig zusammenzählt, aber wegen seiner moralischen Verdorbenheit nichts Gescheites draus macht. Und da ist noch ein anderer Polizist, der auch 1+2 zusammenzählt, aber auf seine Weise. Zwei Erzählstränge führen zur Lösung, und das ist Roger Smith meisterhaft gelungen. Außerdem werden viele andere Personen, die mehr oder weniger freiwillig in den Falle oder in die Fälle hier verwickelt werden, charakterisiert. Die kurzen Szenen versetzen Sie beim Lesen dieses Bandes in ein Kino. Es gibt wenig Beschreibungen, umso mehr Handlung. Einige Szenen sind wirklich brutal, aber der Autor konnte und wollte auch nichts beschönigen. Unschuldige geraten zwischen die Räder, sind aus Zufall zum falschen Zeitpunkt am falschen Platz. Und irgendwie läßt Smith doch durchblicken, dass die Verderbtheit seiner Protagonisten anderen sehr aber auch ihnen selbst noch mehr schadet. Völlig S-Bahn ungeeignet, und wenn Sie von Stuttgart nach Bonn fahren, werden sie vor Bonn den immer freundlichen Hinweis „Wir danken für die Fahrt mit der Deutschen Bahn, Tschüß und Auf Wiedersehen“ nicht wahrnehmen. Soweit meine Rolle als > Vorkoster: Kein Werbetext. Ich habe das Buch gelesen, heißt diese Berichtform. Das Anlesen reichte zum Fertiglesenmüssen. Und jetzt geht’s weiter mit Peter Kädings Band über > Johann Friedrich Cotta. Und wenn ich an Cottas Anstrenungen, Bücher, also geistige Werke an die Leser zu bringen, denke, an seine so erfolgreiche Art zwischen Autoren und Lesern zu vermitteln, die Verbreitung von Literatur zu befördern, ohne deren inhärente Kraft, sich ihre Leser zu schaffen, zu beeinträchtigen, dann werde ich nach dem Speichern dieses Beitrags gleich wieder in > die heutige digitale Welt unsanft zurückbefördert.

> Leseprobe

Roger Smith,
> Kap der Finsternis. Roman
Aus dem Englischen von Jürgen Bürger und Peter Torberg
(Orig.: Mixed Blood)
Auflage: 1. Aufl. 2009
359 Seiten:
ISBN: 978-3-608-50202-2

Nachgefragt: Michal Hvorecky, Eskorta

Sonntag, 15. März 2009

Michal HvoreckyMichal Kirchner ist der Spross einer Zweckehe homosexueller Eltern und erlebt schon als Kind die Verhörungspraktiken des tschechoslowakischen Geheimdienstes. Nach der Flucht in den Westen kehrt er in seine Heimatstadt Bratislava zurück. Er wird von einer Agentur, Eskorta, angeheuert und begleitet fortan reiche Managergattinen aus dem Westen. Ein Roman, ironisch, bisweilen exzessiv und auch grotesk, da musste ich doch mal nachfragen. Auf dem Stand der Leipziger Buchmesse gab es am Freitag eine Gelegenheit, mit Michal Hvorecky über sein neues Buch > Eskorta sprechen:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

ca. 11 Min.

Michal HvrocekyVor unserem Gespräch hatte > Michal Hvorecky bei 3Sat über sein Buch berichtet.

Michal Hvroecky
> Eskorta. Roman
Aus dem Slowakischen von Mirko Kraetsch (Orig.: Eskorta)
Auflage: 1. Aufl. 2009,
Ausstattung: gebunden mit Schutzumschlag
250 Seiten, ISBN: 978-3-608-50102-5

Eine Mordserie in Istanbul : Die Prophetenmorde

Dienstag, 10. März 2009

Die PropetenmordeJetzt kommt also ein Krimi aus Istanbul an die Reihe. Untertitel: Ein Hop-Çiki-Yaha-Thriller. Dazu die Erklärung des Autors auf der Seite vor dem ersten Kapitel. „Hop-Çiki-Yahawar ein türkischer Sänger in den frühen Sechzigern. In Comedy-Shows wurde er bald zum Synonym für feminine Schwule…“ Wenn jemand der ein bisschen „tuntig“ daherkam, sagte man so Murat-Domer „Oh, er ist wirklich Hop-Çiki-Yaha!“ Das passt zu zu den Schauplätzen dieses Romans und zu seinem Tunsenclub. Es geht um Serienmorde im Istanbuler Rotlichtmilieu. Und die Aufklärung übernehmen Clubbesitzer und Clubbesitzerin in einer Person. Nahezu perfekte Internet-Kenntnisse, eine Unerschrockenheit die Informanten mit den richtigen Verfahren anzusprechen, beste Kenntnisse des Milieus und seiner Mitbewohner, eine passende Kleiderordnung gemäß den Anlässen, eine rigide Hausordnung im Club sind die Basis des Privat-Ermittlers. Dieses Kenntnisse und diese Fähigkeiten nutzt er/sie aus, kombiniert sie und macht sich dran, die Spur des Mörders aufzunehmen. Die Schilderung des Milieus und der Vorlieben der Transvestiten ist meist ziemlich drastisch, zeigt aber auch, dass jemand der die Regeln nicht achtet, vom Milieu selber schnell gefunden und dingfest gemacht wird. Auch wenn in letzter Minute alles wieder auf der Kippe steht. Am Ende hat die Polizei dann doch noch ihren Auftritt. Zugriff!
Wegen des frühen Einstiegspunktes ist dieser Roman wenig S-Bahn geeignet, eher für eine Zugfahrt ohne Umsteigen. Nach den ersten drei Seiten führt der Clubbesitzer mit seinen Prinzipien und seinen immer mal wieder fälligen Lustanwandlungen den Leser durch die Handlung. Er erklärt kurz, was er vorhat und reagiert souverän auf neu eintretende Ereignisse und führt ein Istanbul vor, das ich wahrlich noch nicht kannte.

Mehmet Murat Somer
> Die Propheten-Morde
Ein Hop-Çiki-Yaya-Thriller
Aus dem Türkischen von Gerhard Meier (Orig.: Peygamber Cinayetleri)
Auflage: 1. Aufl. 2009 -239 Seiten
ISBN: 978-3-608-50201-5

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