Verlagsblog

Tagung in Siggen: Konzepte wissenschaftlichen Publizierens im digitalen Zeitalter

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Aus Anlass der Tagung > „Konzepte wissenschaftlichen Publizierens im digitalen Zeitalter“ vom 10.-16. Oktober 2016 der Redaktion Merkur

erinnern wir an unsere Beiträge zum Publizieren im digitalen Zeitalter:


> Muss man das Urheberrecht beschränken? 30. August 2016

> Man darf nicht mit dem Urheberrecht spielen – 7. Juni 2016

> Wir brauchen ein europäisches Urheberrecht, auf das wir uns verlassen können – 10. Juni 2015

> Wissen und Nicht-Wissen im digitalen Zeitalter und das Ende der Zeitung – 5. Februar 2016

> Schwerpunkt: « Die Gegenwart des Digitalen » Merkur 788 – Januar 2015 im neuen Gewand – 13. Januar 2015

> DEBATTEN: Die Zukunft des Verlagswesens im Zeitalter der Digitalisierung. Europäische Erfahrungen im Vergleich – 17. Oktober 2014

> Digital ist nicht gleich kostenlos Verleger dringen auf das Urheberrecht auch im Internet – 8. Juni 2009

> Digital und kostenlos? Open Access 2. Mai 2009

> Urheberrecht: Digital heißt nicht rechtlos – 26. April 2009

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Und auf > www.france-blog.info:

> Gare à la gratuité scientique ! – 9. März 2016

> Essai. Lernen und Studieren mit dem Internet – 30. September 2016

Digital ist nicht gleich kostenlos
Verleger dringen auf das Urheberrecht auch im Internet

Montag, 8. Juni 2009

Die Bauer-Verlag, der Ganske-Verlag, Gruner + Jahr, dem Spiegel-, dem Springer- und dem „Zeit“-Verlag haben in einer Resolution auf die Notwendigkeit, auch im Internet das Urheberrrecht zu schützen hingewiesen. Ihrer Meinung nach ist zur Zeit die wirtschaftliche Basis für den Journalismus in digitalen Vertriebskanälen nicht gesichert. Die Verlage erinnern daran, dass der freie Zugang zu Internet-Seiten auch nicht zwingend kostenlos sein müsse. Sie betonen, der freie Zugang solle erhalten bleiben, sie wollen sich aber keinem Zwang zum Verschenken ihres geistigen Eigentums beugen. Sie begrüßen die Anstrengungen, der Politik die Rechte von Urhebern an die Bedingungen des Internets anzupassen. Und schließlich unterstreichen sie die Bedeutung des freien Journalismus. Der letzte Satz der Resolution: „Kein Wissen entsteht ohne faire Beteiligung an seinem wirtschaftlichen Ertrag,“ erinnert an die Debatte auf diesem Blog > Digital und kostenlos? Open Access.

> Verleger fordern Schutz im Internet, FAZ. 8. Juni 2009
mit dem Wortlaut der Resolution

26. April 2009: Tag des geis­ti­gen Ei­gen­tums

Montag, 27. April 2009

Ein Beispiel unter vielen anderen Kritikern des Heidelberger Appells: Gestern hat der Journalist Fritz Effenberger eine > Grundsatzerklärung zum Tag des Geistigen Eigentums veröffentlicht, um auf den > Heidelberger Appell von Roland Reuß zu antworten.

Effenberger schreibt u. a.: „Die Bundesregierung, so fordern Reuß und bisher 1400 Unterzeichner (darunter Teile der nationalen Schriftsteller-Elite) müsse sicherstellen, dass keinerlei private oder suchmaschinen-automatisierte Verbreitung von geistigen Inhalten stattfinden könne, also letztlich ein Verbot von GoogleBooks, YouTube und anderen Internetplattformen dieser Art.“ Mit dieser Zusammenfassung wird der Inhalt des Heidelberger Appells entstellt und folglich stimmt die Schlussfolgerung von Effenberger auch nicht:

Im Heidelberger Appell steht: „Die Unterzeichner appellieren nachdrücklich an die Bundesregierung und die Regierungen der Länder, das bestehende Urheberrecht, die Publikationsfreiheit und die Freiheit von Forschung und Lehre entschlossen und mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu verteidigen.“ (Hervorhebung: W.)

Mit keinem Wort wendet sich Reuß im Heidelberger Appell gegen eine Verbreitung von geistigen Inhalten via allen möglichen Internet-Diensten. Er wendet sich auch nicht gegen eine automatisierte Verbreitung. Er will lediglich, dass der Urheber selbst bestimmen kann, wo sein Werk erscheint. Von dieser Forderung ist kein Werk betroffen, dessen Autor der Einstellung in eines dieser Internet-Angebote zustimmt. Gestern habe ich das Beispiel > meines eigenen Buches genannt, dessen Inhalte Google seit längerer Zeit zum Durchsuchen anbietet, ohne dass ich je auch nur einen Cent dafür bekommen hätte. Ich veröffentliche auch Videos auf > Youtube, aber immer mit dem ausdrücklichen Einverständnis der Rechteinhaber > Michel Sicard und > Gilles Floret. Ich habe schon begriffen, dass man gegen den Sammelwahn von Google kaum etwas ausrichten kann, aber meine > Fotos aus Stuttgart unterliegen dennoch dem Urheberrecht, und Google würde nie für deren Anzeige irgendwas zahlen. Google profitiert von meinen Inhalten und meinem Eigentum. Das gilt auch für die > Fotos, die ich auf der Website des > Stuttgarter Literaturhauses veröffentlicht habe. Google zeigt die > Fotos an, holt sie also aus der Website raus, hat nie gefragt, gibt aber wenigstens den Hinweis: „Das Bild ist möglicherweise urheberrechtlich geschützt.“ Möglicherweise… !: das heißt für Google gilt das möglicherweise oder ganz offenbar nicht. Meine > Rezensionen habe ich auf meiner eigenen Seite veröffentlicht, das heißt noch lange nicht, dass sie einfach kopiert werden dürfen und in jedweder anderer Form auf Papier oder elektronisch von anderen verbreitet werden dürfen.

Effenberger schreibt auch: „Heute ist die Lagerung oder Speicherung von geistigen Inhalten (Bücher, Filme, Musik-Alnben etc.) durch Computertechnik innerhalb weniger Jahrzehnte nahezu kostenlos geworden.“ Effenberger weiß aber auch und schreibt: „Wie Urheber in einem ubiquitären, egalitären Distributionsmodell bezahlt werden, muss erst noch definiert werden.“ Kein Autor kann heute ernsthaft glauben, dass die Lagerung von geistigen Inhalten „nahezu kostenlos“ geworden ist, auch Speicherplatz und die Verwaltung kosten Geld, ganz zu schweigen von der Herstellung geistiger Inhalte, deren Kosten auch durch ein „ubiquitäres, egalitäres Distributionsmodell“ nicht verschwinden werden.

Aber Effenberger schreibt noch mehr: „Digitale Speichermedien schrumpfen von Jahr zu Jahr in der Grösse und im Preis und gewinnen an Kapazität. Beides macht die Weitergabe geistiger Inhalte so problemlos wie noch nie zuvor in der menschlichen Geschichte. Dass Teile dieser kostenlosen Distribution im Moment als illegal gelten, geht am Problem vorbei: Es ist technisch nicht möglich, diese Verbreitung zu verhindern, aber der Urheber erhält keinen Gegenwert für seine geistige Leistung.“ Ob Effenberger auch zustimmen würde, wenn Kunden Bücher im Buchladen einfach einpacken und ohne den Umweg über die Kasse den Laden verlassen würden? Vielleicht kann man sich damit abfinden, beim Veröffentlichen von Fotos zu wissen, das sie nach ein paar Minuten von allen möglichen Diensten kopiert werden, in einem gewissen Sinn hilft Google mir auch, die damit verbundenen Inhalte bekannt zu machen, und ich weiß ja schon vor der Veröffentlichung, welches digitale Schicksal meine Werke erwartet. Dennoch ist die Tatsache, dass „die Weitergabe geistiger Inhalte so problemlos wie noch nie zuvor in der menschlichen Geschichte“ geworden ist – betrachtet man die Hürden jedweder Webprogrammierung so stimmt das gar nicht -, überhaupt kein Grund, das Urheberrecht abzuschaffen. Die Kosten für > mein nächstes Buch können nun mal durch eine illegale Verbreitung nicht gedeckt werden. Eine > Erklärung, wie die von Fritz Effenberger ist ein Anschlag auf die Freiheit der Wissenschaft und auch auf die der Literatur, denn ohne Tantiemen können Autoren nicht arbeiten, oder sollen sie sich mit Adwords herumquälen und mit Cent-Beiträgen ihre Arbeit finanzieren?

Ergänzungen:

Richard Sietmann, > Heidelberger Halali. Streit um Open Access und Urheberrechte ct 10/’09

Hannes Jähnert, > Urheberrecht vs. Open Access

Urheberrecht: Digital heißt nicht rechtlos

Sonntag, 26. April 2009

Wenn ich mir vorstelle, dass eine bekannte Suchmaschine es sich herausnimmt, mein Werk, in dem so viel Arbeit und auch finanzielle Mittel investiert worden sind, auf seinem Bücherregal digital der Welt in einer unbeschränkten Auflage zugänglich machen könnte, ohne sich um meine Meinung dazu zu kümmern, mein Werk als Verbesserung des eigenen Angebots gerne nutzen würde, es durch seine Angewohnheit, Suchergebnisse in Form von Listen auszugeben, deren Kriterien nicht offengelegt werden, mehr oder weniger gut bekanntmachen würde und ohne mir für die > angezeigten Seiten (Hier allerdings mit Genehmigung durch den Gunter Narr Verlag.) Tantiemen zu zahlen, würde ich schon etwas erstaunt gucken.

Je mächtiger sich diese bekannte Suchmaschine gibt, je mehr Medien aller Art sie unter ihre Kontrolle bringen will, um so größer darf das Erstaunen über > die mangelnde Qualität ihrer Suchergebnisse sein. Viele Nutzer wissen, dass diese Suchergebnisse keinen wissenschaftlichen Ansprüchen gerecht werden kann, aber alle erwischen sich immer selbst wieder dabei, nur die ersten 5-6 Suchergebnisse anzusehen, so als ob man sich mit dem Vorraum einer Bibliothek zufriedengibt. Damit geht auch eine kulturelle Verarmung einher. Wieviele Studenten wohl zuerst oder überhaupt nur mit Hilfe dieser Suchmaschine sich ihre Proseminarbeit zusammengoogeln? Und dabei ist diese Suchmaschine keineswegs traditioneller guter Bibiotheksrecherche überlegen. Das digitale Suchergebnis, das die Suchmaschine anbietet ist, ist so kostenlos wie meist nutzlos. Die Internettechnik zwingt die Autoren der Inhalte dazu, möchten sie bekannt werden, nicht nur ihre Inhalte kostenlos zur Verfügung zu stellen, sondern deren Gestaltung auch noch den Regeln der Suchmaschine zu unterwerfen, möchten sie ihre Inhalte auf den ersten Plätzen wiedersehen. Es ist richtig, dass in den letzten Jahren Google viele Hilfestellungen für Autoren zur Verfügung gestellt hat, einerseits ist das dankenswert, andererseits übernehmen Autoren werden Autoren auf diese Weise nolens volens immer mehr ehrenamtlich für Google tätig – das mit ihrer Arbeit immer mehr verdient. Und genau dieser Sachverhalt unterstützt die Kostenlos-Mentalität im Internet. Eine Auswahl meiner Rezensionen steht auch kostenlos im Internet, aber aufgrund meiner eigenen Entscheidung.

Auswüchse der Kostenlos-Mentalität lassen rechtliche Schlupfwinkel zu, die man in der Unibibliothek in Darmstadt ohne Skrupel nutzt: Matthias Ulmer > Die Landesbibliothek als Copyshop. Wie das Geschäft der Verlage unter Berufung auf den Auftrag des Gesetzgebers ruiniert wird.

Eigentlich kommt es zu dieser Kostenlos-Mentalität, weil am Anfang des Internets Bezahlsysteme kompliziert und unüblich waren. Tauschbörsen zum Besuch vieler Seiten verführten und die Entlohnung der Produzenten umgingen. Open Access ist eine Umschreibung für „Ich mach Dein Werk bekannt, wenn Du es kostenlos mit allen Rechten hiergibst.“ Kostenlos sind auch Inhalte, die unter Umgehung redaktioneller Arbeit wie dies z. B. bei Wikipedia üblich ist, von Autoren publiziert werden, die mit dem Klick auf den Veröffentlichungsbutton ihre Arbeit ganz bewusst der Öffentlichkeit schenken, ja sogar alle Rechte am eigenen Werk sogleich kostenlos veräußern und anderen sogar das Recht zugestehen müssen, das Werk sogleich zu ändern oder gar zu vernichten, wozu sich manche anonyme Wikipedianer das Recht herausnehmen, das ihnen vom genauso anonymen Kollektiv gestattet wird. Befürworter dieses Systems sprechen von den Wohltaten der > kollektiven Intelligenz, die man aber auch als Vorbote der Zerstörung und Mißachtung der kulturellen Leistung des Einzelnen verstehen könnte. Die Wikipedianer-Autoren geben freiwillig und ohne Zwang das Urheberrecht für ihre Werke auf und unterstützen so mehr oder weniger bewußt die Ansicht, im Internet seien kulturelle Inhalte kostenlos zu haben.

Die digitale Bibliothek Europeana, die > World Digital Library (WDL) (Vgl. Sebastian Höing, > Digitale Weltbibliothek. Eine intellektuelle Kathedrale, ZEIT ONLINE 22.4.2009)oder > Gallica, die Online-Bibliothek der französischen Nationalbibliothek sind segensreiche Einrichtungen für die Forschung, die aber keine Verletzung von Urheberrechten fördern. Das Urheberrecht sieht in Deutschland vor, dass Werke 70 Jahre nach dem Tod ihres Autors, Komponisten oder Künstler gemeinfrei werden. In diesem Zeitrahmen sind seine Werke vor jedem auch digitalen Zugriff geschützt.

„Es geht nicht um unflexibles Festhalten an Traditionen, um die Abwehr digitaler Techniken oder um das Urteil über spezifische Publikationsformen. Worum es geht, ist der Respekt vor der unverwechselbaren Arbeit des Einzelnen, die durch geltendes Recht geschützt wird. Auf diesem Respekt vor selbstbestimmter kreativer Leistung beruht die Vielfalt des kulturellen Lebens,“ schreibt Roland Reuß unter dem Titel > Unsere Kultur ist in Gefahr (FAZ, 25.4.2009). R. Reuß ist auch der Initiator des > Heidelberger Appels, den bisher 1500 Autoren unterzeichnet haben: „Die Unterzeichner appellieren nachdrücklich an die Bundesregierung und die Regierungen der Länder, das bestehende Urheberrecht, die Publikationsfreiheit und die Freiheit von Forschung und Lehre entschlossen und mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu verteidigen.“ Reuß weist daraufhin, dass das kulturelle Leben massiv bedroht wird, wenn andere als der Urheber eines Werkes, sich das Recht herausnehmen, über dessen Publikationsorte verfügen zu wollen.

Ergänzt:

Roland Reuß antwortete auf die > Gemeinsame Erklärung der Wissenschaftsorganisationen vom 25. März 2009, in der diese sich gegen die Unterstellung wenden, „die Freiheit zur Veröffentlichung in grundgesetzwidriger Weise beschneiden zu wollen….“ : „Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen fordert eine für den Leser entgeltfreie Publikation (Open Access) ausschließlich von Forschungsergebnissen, die durch den Einsatz öffentlicher Mittel und damit zum Nutzen der Forschung und Gesellschaft insgesamt erarbeitet wurden.“ Die Wissenschaftsorganisationen drücken folgende Erwartung aus :“Wir erwarten jedoch, dass die Autoren der Gesellschaft, die ihre Forschung durch Steuermittel möglich macht, einen einfachen Zugang zu ihren Publikationen eröffnen, der zudem die öffentliche Hand möglichst wenig finanziell belastet.“ Was für ein Begriff von Wissenschaft und freier Forschung versteckt sich dahinter? Das sieht nach bezahlter Auftragsarbeit aus mit nicht kalkulierbaren Konseqenzen.

Noch eine Ergänzung:
Gerade hat Matthias Schwenk auf seinem Blog > bwl zwei null auf die von ihm verfaßte > Rezension des Buches von Gisela Schmalz, No Economy (Eichborn-Verlag) hingewiesen: „Um es deutlich zu sagen: Die Autorin hat offensichtlich ein Problem mit dem Medienwandel, den das Internet ausgelöst hat. Denn Blogs oder die Wikipedia sind kein Beleg für einen zerstörerischen ‚Gratiswahn‘, sondern im Gegenteil Teil einer Strömung, die Wissen demokratisiert. Das kann nur gut sein.“ Dazu ist zu bemerken, Demokratie bezeichnet eine Herrschaftsform, und ist als Bezeichnung für die Organisation von Wissen nicht geeignet. So wie Schwenk seinen Satz formuliert, soll Wikipedia etwas Positives werden, es klingt fast so, als solle es zum Maß aller Dinge werden, einschließlich eines Mehrheitsprinzips in der Wissenschaft unter Förderung der Anonymität.

Noch eine Ergänzung:

Bundesministerium der Justiz: Pressemitteilung zum Tag des geistigen Eigentums
> Tag des geis­ti­gen Ei­gen­tums: In­no­va­ti­on schüt­zen – Be­wusst­sein schaf­fen

> Neues Ur­he­ber­recht tritt zum 1. Ja­nu­ar 2008 in Kraft
Bundesminsterium der Justiz, 1. No­vem­ber 2007

> Zweites Gesetz zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft
Vom 26. Oktober 2007

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