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Nachgefragt: Hallgrímur Helgason, Eine Frau bei 1000°

5. Oktober 2011 von Heiner Wittmann

Fast durchgelesen. Der Band von Hallgrímur Helgason, > Eine Frau bei 1000°, ist jetzt bei Tropen in der Übersetzung von Karl Ludwig Wetzig erschienen. Nach der Lesung gestern abend im Literaturhaus Stuttgart (Fotos folgen) haben wir uns für heute vormittag zu einem Gespräch verabredet. Wie immer ganz spontan. Videokamera mitbringen, Stativ aufbauen, keine Klappe, und es geht gleich los. Eigentlich auf deutsch… Und beim Angucken denkt man denn, hm, so aber auch anders. In diesem Film wird aber die Begeisterung von Helgason für sein Land und für seine Sprache deutlich. Und diese Passion bringt er für sein Gastland zur > Frankfurter Buchmesse mit. Wir sehen uns dort!

Komisch, bei YouTube gibt es keine Kategorie Literatur.

Hallgrímur Helgason stammt aus Reykjavík. Er hat Kunst und Kunstgewerbe in Reykjavík, in München, und in New York studiert. Er ist Comic-Zeichner und bildender Künstler. Bislang hat Sie sechs Romane, zwei Bühnenstücke und einen Gedichtband veröffentlicht.

Fünf von seinen Büchern sind auch auf Deutsch erschienen. Sein erster Roman erschien 1990.
• 101 Reykjavík (101 Reykjavík, 1996), Klett-Cotta, Stuttgart 2002.
• Vom zweifelhaften Vergnügen, tot zu sein (Höfundur Íslands, 2001), Klett-Cotta, Stuttgart 2005.
Rokland (Rokland, 2005), Klett-Cotta, Stuttgart 2006.
Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen (10 ráð til að hætta að drepa fólk og byrja að vaska upp, 2008), Tropen Verlag, Stuttgart 2010. Eine Dramatisierung dieses Romans wird im Oktober 2011 in Salzburg uraufgeführt.

    Hallgrímur Helgason im Stuttgarter Literaturhaus am 4.3.2011

In > Eine Frau bei 1000° den Karl-Ludwig Wetzig übersetzt hat, geht es um die 80-jährige Herbjörg Maria Björnsson (1929 in Mánagata in Isafjördur geboren), die in ihrer Garage durchs Internet surft, ihre vielen Facebook-profile bedient (Haben Sie auch mehrer Profile?) , und begleicht letzte Rechnungen begleicht, während der Ofen für ihre Einäscherung heißläuft. So viele präzise Informationen: »Ich lebe hier allein in einer Garage, zusammen mit einem Laptop und einer alten Handgranate. Es ist wahnsinnig gemütlich.« Hat diese Oma ein reales Vorbild, hab eich den Autor gefragt. Auf dem Klappentext steht „Hallgrímur Helgasons neuer Roman ist ein Parforceritt durch die Geschichte des 20.Jahrhunderts: anrührend und voll isländischer Skurrilität.“ Ist das richtig?

Island ist dieses Jahr Gastland auf der Buchmesse in Frankfurt. Ihr Buch erscheint gerade zum richtigen Zeitpunkt.
Kapitel 22. Die isländische Tradition des Schweigens. Aber 600.000 Wörter und mehr als 5 Mio. Wortformen. Sie haben sich sehr wohl etwas zu erzählen. Es geht auch um das Verhältnis von Männer und Frauen in Island oder nicht nur in Island. Simone de Beauvoir oder Sartre waren aber wohl offensichtlich kein Vorbild! „Männer sind so unglaublich einfach gestrickt.“ (S. 50) – Helgason lässt die Oma ihr Land und ihre Mitbewohner in einem Absatz so wundervoll charakterisieren „Am allermeisten vermisste ich aber mein allerliebstes Volk, diese Sammlung von verrückte am äußersten Rand des Weltmeers. Ich sehnte mich nach der Grobheit, dem Fehlen von Förmlichkeiten im Umgang, dem energiegeladenen Draufgängertum der Isländer nach all dieser Jugendlichkeit, die man in diesem unerzogenem Land lebt, das sich nicht besser zu benehmen weiß als seine Bewohner.“ (S. 319)

Hallgrímur Helgason
Eine Frau bei 1000°
Aus dem Isländischen von Karl-Ludwig Wetzig (Orig.: Konan við 1000°C)
1. Aufl. 2011, 400 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-50112-4

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