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Digital und kostenlos? Open Access

2. Mai 2009 von Heiner Wittmann

Noch immer lese ich in Peter Kaedings Buch > Die Hand über der ganzen Welt. Johann Friedrich Cotta – Der Verleger der deutschen Klassik, wie Cotta mit seiner Tätigkeit als Verleger zwischen Lesern und Autoren vermittelt und ganz ohne Internet deren Werke bekannt macht. Man muss schon eine starke Überzeugung von den Wohltaten des Internets haben, um Cottas Wissen und Erfahrungen unterschätzen zu können. Und mitten in dieser Lektüre über den Verleger von Goethe und Schiller taucht der > Heidelberger Appell auf, in dem Roland Reuß die Beibehaltung der Publikationsfreiheit anmahnt. In diesem Zusammenhang wurde auch Open Access erwähnt. Ein Vortrag von Christian Hauschke > Open Access an der Fachhochschule Hannover vermittelt einige notwendige Erklärungen. Zitat: „Was ist Open Access? „Open Access meint, dass diese Literatur kostenfrei und öffentlich im Internet zugänglich sein sollte, so dass Interessierte die Volltexte lesen, herunterladen, kopieren, verteilen, drucken, in ihnen suchen, auf sie verweisen und sie auch sonst auf jede denkbare legale Weise benutzen können, ohne finanzielle, gesetzliche oder technische Barrieren jenseits von denen, die mit dem Internet-Zugang selbst verbunden sind.“ Der Autor spricht von „dieser Literatur“, die in der Kürze der hier zitierten Vortragsfolien nicht genauer umschrieben wird – möglicherweise sind nur bestimmte Schriften gemeint? Ich vermute mal, der Autor meint Schriften, deren Abfassung nicht von ihren Autoren selbst finanziert, sondern von z. B. einer Wissenschaftsorganisation (teil-)finanziert worden ist. Wie auch immer, man gewinnt den Eindruck, es geht um die Aufgabe des Urheberrechts und vielleicht auch um mehr, das von diesem Verfahren suggeriert wird. Nehmen wir an, ich würde eine finanzielle Unterstützung von einer Wissenschaftsorganisation für den Zeitraum erhalten, in dem ich > mein letztes Buch erstellt habe. Müsste ich dann dieses Buch der Wissenschaftsorganisation kostenlos mit allen Rechten übereignen? Ein Buch, das aufgrund eines Vorwissens und vieler anderer Fähigkeiten, Vorträge und Erfahrungen entstanden ist, die mit der Unterstützung einer Wissenschaftsorganisation – die ich im übrigen gar nicht habe – nichts zu tun hätte? Auch wenn ich eine Förderung für die Übersetzung erhalten hätte, wäre das noch lange kein Grund, die Urheberrechte für dieses Buch einfach freizugeben.

Vielleicht wird die digitale Kopierbarkeit und das Internet hinsichtlich der bessereren wissenschaftlichen Verbreitung von Forschungsergebnissen überschätzt? Solange Suchmaschinen sich anmaßen, durch Algorithmen die Qualität von Texten ausrechnen zu können, muß doch den Autoren vieler digital im Internet veröffentlichter Texte klar sein, das sie gegenüber der Technik noch ziemlich machtlos sind. Die allergrößte Gefahr ergibt sich durch die kollektive Intelligenz bei Webprojekten, wo jeder anonym hineinschrieben kann und wo Argumente, die sich an mehrheitlich vereinbarten Richtlinien orientieren, wissenschaftliche Argumente ersetzen.

Open Access wird eingerichtet, weil die Technik es erlaubt und nahelegt, obwohl die Autoren wissen, dass in ihren Werken viel mehr drinsteckt, als eine Wissenschaftsorganisation temporär finanzieren kann. Es wird auch das „Lizenzmodell „Creative Commons“ • Namensnennung • Keine Bearbeitung • Nicht kommerziell • Weitergabe unter gleichen Bedingungen“ ( > Christian Hauschke) gewählt. Aber auch hier fürchte ich, dass eines Tages eine Kontrolle der Texte, vielleicht erst eine Anpassung an die Orthographie und dann vielleicht noch andere Änderungen vorgenommen werden. Das ist ganz unmöglich wird man mir sagen. Meine Wikipedia-Erfahrungen lehren mich etwas anderes. Anonyme Kritiker haben dort meinen Beitrag zerpflückt, diskutiert und schließlich hat ihn ein anonymer Benutzer gelöscht. Wer in Wikipedia reinschreibt, kennt Kaeding: Johann Friedrich Cottadieses Problem, obwohl Freunde von mir total erstaunt waren, dass andere es sich anmaßen, in ihre Artikel einfach reinzuschreiben.

Genug. Ich lese jetzt Peter Kaedings Buch über > Johann Friedrich Cotta – Der Verleger der deutschen Klassik weiter. Eine ganz andere Zeit als heute. Gerade hat Kurfürst Friedrich die Nummer 286 der Allgemeinen Zeitung verbieten lassen. Zensur nannte man das – bei Wikipedia heißt das nur „gelöscht“ -, und der Verleger sorgt dafür, dass die Zeitung weitererscheint – im Ausland, nämlich in Ulm.

Zu Open Access:

Christoph Drösser > Das Denken ist frei, DIE ZEIT, 9. April 2009

Uwe Jochum, „Open Access“ gepusht. Rösser und Reiter.

Rudolf Walther > Mythos digitale Bibliothek. Open Enteignung“ durch GoogleBooks „Wissen zum Nulltarif, Demokratisierung durch Google? Das Schlagwort ‚Open access‘ klingt gut, doch auf dem Spiel steht die Bewahrung des Wissens unserer Gesellschaft“, www.taz.de, 20.3.2009 mit bis heute 58 Kommentaren.

P.S. Nachdem dieser Beitrag als „besonders dümmlich“ bezeichnet wurde, möchte ich nochmal auf die bibliographischen Angaben zu diesem Beitrag hier hinweisen, und an die > Kommentare zum ersten Beitrag dieses Themas erinnern. Die Website der > Informationsplattform Open Access ist mir gut bekannt. Wer mir also nachsagt, mich nur bei C. Hauschke zu informieren, der im übrigen ziemlich viel zu diesem Thema schreibt, hat hier nicht genau gelesen oder sucht sich etwas, um meine Beiträge zu kritisieren. Die Sache verdient aber bessere Argumente.


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11 Kommentare zu “Digital und kostenlos? Open Access”

  1. 3. Mai 2009 19:13

    S. g. Herr Wittmann,
    bei „open access“ geht es nie um die Übertragung exklusiver oder gar aller Rechte. Gegenstand sind immer einfache Nutzungsrechte. Selbst wer nur OA publizieren will, behält alle Rechte an seinem Werk und kann dieses Werk. ggf. auch an jeder anderen Stelle seiner eigenen Wahl in jeder Form veröffentlichen. Auch einer Erst- oder Zweitveröffentlichung als Print-Publikation stehen die einem OA-Repositorium übertragenen einfachen Nutzungsrechte nicht entgegen. Urheberrechte können selbst nicht „freigegeben“ werden, sondern daraus resultierende Rechte zur Nutzung usw. können übertragen werden.
    Die Kontrolle über einen Text, der nur in einer Druckversion vorliegt, ist auch so immer beschränkt. Sineentstellende Zitate und Auszüge aus dem eigenen Werk, lektorierende „gutgemeinte“ Eingriffe („Verschlimmbesserungen“) oder reguläre formale Anpassung an eine reformierte Rechtschreibung passieren nun einmal und lassen sich nicht immer mit der ganzen „Souveränität des Urhebers“ verhindern. Umberto Eco bspw. hat immer wieder über das Verhältnis von Autor zum Text zum Leser geschrieben und darauf hingewiesen, jeder Lesende einen Text für sich selbst erobert und daß die Rezeption eines Textes vom Autor nicht beeinflußt werden kann. Ein publizierter Text ist das Kind, das aus dem Elternhaus auszieht und in die Welt geht.
    „Open access“ ist – so meine ich – auch ein Tribut an die Allgemeinheit und unsere soziale Verantwortung und erfolgt auch aus dem Bewußtsein, daß weder ich noch meine Texte mir ganz alleine gehören und ganz alleine meiner eigenen Kraft entsprungen sind. Darum stelle ich das, was ich denke und schreibe auch der Allgemeinheit als Allgemeingut aus meiner Hand zur Verfügung. Wie der Bürger eines Staates sich für das Gemeinwohl einsetzen muß, so jedenfalls die antike Auffassung von Bürgerrecht und Bürgerpflicht, habe auch ich als Wissenschaftler, „Denker“ und Autor Urheberrechte und Urheberpflichten. Mit einer Erst- oder Zweitveröffentlichung „open access“ meine ich, diesen nachzukommen. JL

  2. 3. Mai 2009 21:05

    Vielen Dank für Ihren Kommentar. Erlauben Sie mir, gleich etwas dazu zu schreiben.

    „Umberto Eco bspw. hat immer wieder über das Verhältnis von Autor zum Text zum Leser geschrieben und darauf hingewiesen, jeder Lesende einen Text für sich selbst erobert und daß die Rezeption eines Textes vom Autor nicht beeinflußt werden kann.“ Bei Sartre heißt es, ein Werk des Geistes „cet objet concret et imaginaire“ entsteht aufgrund der Zusammenarbeit von Autor und Leser: „l’effort conjugué de l’auteur et du lecteur“. Vgl. Qu’est-ce que la littérature ? Paris 1948, S. 55. Die Rezeption eines wird wohl tatsächlich vom Autor nicht beeinflusst, aber die Entstehung des Textes ist aber nicht in erster Linie der Allgemeinheit geschuldet. der Text entwickelt sich nicht aufgrund meiner Schulbildung, für die ich der Gesellschaft etwas zurückgeben müßte… sondern ich habe den Text selbst verfasst. Jetzt ist mir klar, wo wir genau in dieser Diskussion unterschiedliche Auffassungen haben. Es ist genau diese Tendenz von Open Access noch nicht faktisch aber zumindest im Denken oder im Ansatz das alleinige Verfügungsrecht eines Autors über seinen Text infragestellen zu wollen. Ich habe genau verstanden, dass das eigentlich (noch) nicht durch OA gemeint ist, aber diese Tendenz gilt es doch zu beobachten.

  3. Sven Jüngerkes
    3. Mai 2009 21:47

    Sehr geehrter Herr Wittmann,

    Ihre Ängste und ihre literarische Bildung in Ehren — aber genau diese „Sache“, nämlich Open-Access, hat doch bessere Argumente verdient als nur vage Vermutungen, Geraune, Tendenzen, Befürchtungen. Als Wissenschaftler verwundert mich immer wieder, dass gerade die OA-Gegner, nicht immer alle, mit Gefühlen, Ressentiments, Verlustängsten usf. argumentieren und dabei auf die durchaus rationalen Argumente der Befürworter gar nicht erst eingehen (oder wie Herr Jochum, den ich außerordentlich schätze, etwas kryptisch eher unseriöse Vergleiche machend). Sie tun das im übrigen ja genauso und gehen auf die Hinweise vorn Herrn Losehand gar nicht erst ein. Sie retten sich, wenn ich das so sagen darf, in ein zugegebenermaßen durchaus elegantes Salongeschwätz. Schade. Und, nebenbei gesagt, OA, wenn auch unterschwellig, so en passant mit Zensur zu verbinden ist schon fast gehässig! Aber trotzdem falsch.

    Darf ich eine Vermutung äußern? Ihre „Argumentation“ beschränkt sich deshalb vor allem auf vage Gefühle, weil es den allermeisten Gegnern von OA um die Wahrung ihrer Geschäftsinteressen als Verleger, Lohnschreiber etc. geht. Von so etwas läßt sich natürlich dann gut ablenken, wenn man als furchtloser Streiter für das „Wahre, Gute, Schöne“ auftreten kann, der die Welt bei einem guten Burgunder mit Erdbeere darin schwimmend vor der Verdummung retten möchte. Es ist durchaus legitim, gegen OA zu sein, weil es den eigenen Geschäftsinteressen schadet. Aber man sollte auch Manns genug sein, das zuzugeben.

    Ich jedenfalls gestehe: Ich bin um jeden Aufsatz froh, den ich in KOPS und anderen OA-Repositories finde und für den ich meinen Schreibtisch nicht verlassen muss und für den ich nicht horrende (für Professoren mit Lehrstuhl sind das natürlich Peanuts, für mich als Doktorand ist das prohibitiv) Gebühren zahlen muss.

  4. 3. Mai 2009 22:54

    „Auch einer Erst- oder Zweitveröffentlichung als Print-Publikation stehen die einem OA-Repositorium übertragenen einfachen Nutzungsrechte nicht entgegen. Urheberrechte können selbst nicht “freigegeben” werden, sondern daraus resultierende Rechte zur Nutzung usw. können übertragen werden.“ J. Losehand – Ich habe seinen Kommentar sehr wohl genau gelesen und auch verstanden, dass es bei OA um die Übertragung von Nutzungsrechten geht, um die kostenlose Übertragung ovn Nutznugsrechten geht. Sicher, als Verlagsangestellter aber auch genauso viel als Wissenschaftler, vielleicht so gar noch mehr – weil ich weiß, mit welchem Aufwand meine Bücher entstanden sind – irritiert mich die Absicht, Autoren dazubewegen zu wollen, ihre Nutzungsrechte aufzugeben. Natürlich sind Geschäftsinteressen – das ist bei oder für jedes Unternehmen völlig legitim – davon betroffen, das wird auch jeder unserer Autorinnen und Autoren zugeben, die für ihre Arbeit hnoriert werden.
    Im übrigen gehe ich auf die zentrale Bemerkung im Komentar von Joachim Losehand: „“Open access” ist – so meine ich – auch ein Tribut an die Allgemeinheit und unsere soziale Verantwortung und erfolgt auch aus dem Bewußtsein, daß weder ich noch meine Texte mir ganz alleine gehören und ganz alleine meiner eigenen Kraft entsprungen sind,“ sehr wohl ein. Neben dem oben genannten Zitat von Sartre sei hier noch Emile Hennequin, La critique scientifique, Paris 1890 (hrsg. v. D. Hoeges, Siegen 1982) hinzuzufügen: „…un livre, par exemple, est d’abord ce qu’il est; mais il est ensuite l’oeuvre d’un homme et la lecture de plusieurs … “ (S. 64) Als Begründer der Rezeptionsästhetik sieht Hennequin sehr wohl die Bedeutung der Leser, aber er unterschlägt nicht die Anstrengung des Autors. Nun ich befürchte eben auch, dass Open Access in bestimmten Situationen Autoren überzeugen will, Nutzungsrechte einfach abzugeben, weil ihnen Vorteile in Aussicht gestellt werden: „Gründe für Open Access sind u.a. der schnelle Zugriff auf relevante wissenschaftliche Informationen und deren vereinfachte Nutzung für die weitere Forschung. Die Kriterien strenger Qualitätskontrolle durch Peer Review werden in der Regel auch bei Open-Access-Publikationen eingehalten, zusätzlich erlaubt der freie Zugang auf elektronische Publikationen die Entwicklung neuer Qualitätskriterien.“ (hier: > http://open-access.net/de/allgemeines/was_bedeutet_open_access/) – Im übrigen halte ich es für selbstverständlich jederzeit zu wissen, wo meine Texte publiziert werden, sie irgendwo, möglicherweise auch in Umgebungen wiederzufinden, die ich nicht wünsche, würde mir nicht behagen.

  5. AndreasPraefcke
    4. Mai 2009 08:13

    Der starke Vorwurf der Zensur gegenüber der Wikipedia ist ohne Angabe des Artikels, um den es da ging, leider nicht nachzuvollziehen. Ich würde sehr gerne einmel nachprüfen, um was es da wirklich geht.

  6. 4. Mai 2009 08:25

    Wenn das Wort Zensur alleine mit Wikipedia genannt wird und nicht im Zusammenhang mit meinem Satz, dann klingt Zensur stärker als gemeint, dennoch wundere ich mich immer noch, dass Personen in Wikipedia sich als Löscher vom Dienst verstehen. Ganz ohne Zweifel ist das manchmal echt notwendig, aber es gibt andere Fälle, wo man doch aus nachvollziehbaren Gründen geknickt sein darf, dass der Artikel von Personen gelöscht wurde, die mit dem betreffenden Fachgebiet in keinerlei Beziehung stehen.

  7. 4. Mai 2009 08:35

    S.g. Herr Wittmann,
    die Beziehung des Autors zu seinem Kind kann man, je langdauernder und intensiver sie in der Entstehung war, natürlich nicht marginalisieren. Aber „aus Kindern werden Leute“, beim Text selbst wird man gegenüber dem Lektor um jeden Beistrich kämpfen, wenn der Text die Buchbinderei verläßt, kann der Autor jedoch nur mit einem – sauberen – Taschentuch winken und ihm „Alles Gute!“ in der Welt da draußen wünschen …
    Als Post-Doc habe ich natürlich nur eingeschränkte Erfahrungen; trotzdem laufen alle meine Erlebnisse als wiss. Autor mit einem wiss. Fachverlag darauf hinaus, daß dieser nur dann bereit ist, einen Beitrag oder eine Monographie zu drucken, wenn ich alle Nutzungsrechte exklusiv abtrete, inkl. „neue Nutzungsarten“ und dem Recht auf Übersetzung usw. Bei Beiträgen zu Sammelwerken ist diese exklusive automatische und stillschweigende Übertragung sogar in UrhG § 38 geregelt (allerdings natürlich mit einer Schranke).
    Derzeit bewegen mich als Autor die wiss. Fachverlage vertraglich und routiniert also dazu, meine Nutzungsrechte aufzugeben. Meine Position als „kleines Licht“, als Ephebe in der Wissenschaft läßt mir nur die Wahl, entweder also nicht zu publizieren oder zu Verlagsbedingungen zu publizieren.
    OA läßt mir immer die Wahl, auch später noch einen Beitrag an anderer Stelle zu publizieren, in Übersetzungen usw.; wie man ja auch einen Vortragstext zu verschiedenen Gelegenheiten wiederverwenden kann. Vor allem: die Rechte zur Weiterpublikation liegen immer bei mir, d.h. nicht das OA-Journal (der Verlag) entscheidet über die Vergabe von Nutzungsrechten, sondern immer und ausschließlich ich als Autor. Indem das System der Vergabe von exklusiven Nutzungsrechten durch OA-Publikation de facto abgeschafft wird, kein Autor mehr zur Vergabe von exkl. Rechten gezwungen werden kann, wird die Position des Autors allgemein gestärkt. Denn ich alleine vergebe die Lizenz dafür, was mit meinem Werk geschehen soll und binde mich nicht an eine Entscheidung und an einen Vermarkter.
    Die Vergabe von CC-Lizenzen („creative commons“) ist gestaffelt und in Einzelregelungen möglich; man kann als Autor genau bestimmen, was im Sinne der Lizenzen möglich und legal ist und was nicht.
    NB: In der Wissenschaftspublizistik wird inzwischen ein Großteil des Aufwandes – bis hin zum Satz und zur Erstellung eines druckfähigen PDF-Dokuments auf den Autor abgewälzt, Lektorat findet kaum statt, Bildrechte muß der Autor ebenso selbst einholen. Bei manchen Verlagen beschränkt sich die Dienstleistung auf die Vermittlung an den Drucker und Buchbinder, die Umschlag“gestaltung“ ist über eine Maske standardisiert, die „Werbung“ besteht i.d.Hs. darin, Newsletter zu versenden und ansonsten die Abonnenten (Bibliotheken) automatisch mit den neuesten Reihenwerken zu bestücken. Natürlich geht das auch anders – ich habe selbst in einem solchen Kleinstverlag gearbeitet – aber das ist inzwischen nicht mehr die Regel.

  8. Sven Jüngerkes
    4. Mai 2009 09:01

    Sehr geehrter Herr Wittmann,

    sicherlich versteht jeder Ihre Bedenken, ich zumindest kann sie gut nachvollziehen — allerdings verstehe ich bspw. immer noch nicht, warum Sie diese vor allem in Bezug auf OA äußern.

    „Nun ich befürchte eben auch, dass Open Access in bestimmten Situationen Autoren überzeugen will, Nutzungsrechte einfach abzugeben, weil ihnen Vorteile in Aussicht gestellt werden.“

    „Im übrigen halte ich es für selbstverständlich jederzeit zu wissen, wo meine Texte publiziert werden, sie irgendwo, möglicherweise auch in Umgebungen wiederzufinden, die ich nicht wünsche, würde mir nicht behagen.“

    Ersetzen Sie „OA“ durch „Verlag“ und Sie haben die klassische aktuelle Situation: Sie übertragen Nutzungsrechte an einen Verlag, der sorgt dafür, dass Ihr Werk gedruckt, verteilt, geschützt, bezahlt usf. wird. Warum ist bei Verlagen gut, was bei OA schlimm ist? (Gut, die Bezahlung ist so eine Sache, aber wir sprechen ja v.a. von wiss. Aufsätzen.) Sie werden ja nicht bestreiten können, dass, je nach Verlag und Vertrag natürlich, Sie für diesen Service auch teilweise sehr umfassend Ihre Nutzungsrechte an den Verlag übertragen. So konnte und kann es passieren, dass arglose Autoren plötzlich feststellen, dass ihr Werk auszugsweise bei Google-Book-Search oder Amazons Search-Inside zu finden ist — und alles ging, nach anfänglichen Geschrei, doch mit rechten Dingen zu! Sie werden auch nicht verhindern können, dass Ihr Werk kopiert oder eingescannt wird und als PDF auf einem privaten Computer landet oder als Kopie an Studenten verteilt wird. Dass es zitiert, rezensiert oder, im schlimmsten Fall, plagiiert wird. Oder dass es in einer verdreckten Privatbibliothek verschimmelt. Sie verhindern das weder mit einem herkömmlichen, noch mit einem OA-Modell. Aber Sie können es in beiden Fällen ahnden, wenn es mißbräuchlich geschieht.

    Open Access, ich glaube hier liegt das Mißverständnis, bedeutet doch in keinem Fall, seine Rechte aufzugeben. Es bedeutet auch nicht, seine Werke in ein dubioses Peer-to-Peer-Netzwerk einzustellen. Es gibt ja durchaus verschiedene Lizenzmodelle, es ist durchaus sichergestellt, dass ihr Werk in einem Repository bleibt, das Sie zuvor ausgewählt haben. Und es gibt, bezogen auf PDF, technische Verfahren (Prüfsummen, GPG usf.), die sicherstellen, dass Ihr Werk signiert und unversehrt bleibt bzw. Manipulationen sofort sichtbar sind. Das geht, nebenbei gesagt, bei normalen Druckwerken nicht.

    Zur Information einfach ein Auszug aus den Seiten der Open-Access-Initiative, Sie geht auf alle Ihre Probleme ein:

    „Open Access meint, dass diese [= die wissenschaftliche, Anm. d. Red.] Literatur kostenfrei und öffentlich im Internet zugänglich sein sollte, so dass Interessierte die Volltexte lesen, herunterladen, kopieren, verteilen, drucken, in ihnen suchen, auf sie verweisen und sie auch sonst auf jede denkbare legale Weise benutzen können, ohne finanzielle, gesetzliche oder technische Barrieren jenseits von denen, die mit dem Internet-Zugang selbst verbunden sind. In allen Fragen des Wiederabdrucks und der Verteilung und in allen Fragen des Copyright überhaupt sollte die einzige Einschränkung darin bestehen, den jeweiligen Autorinnen und Autoren Kontrolle über ihre Arbeit zu belassen und deren Recht zu sichern, dass ihre Arbeit angemessen anerkannt und zitiert wird.“ (Budapester Open Access Initiative)

    http://open-access.net/de/allgemeines/was_bedeutet_open_access/

  9. 4. Mai 2009 09:06

    Zwei, drei Anmerkungen:

    Meine Vortragsfolien, die Sie in Ihrem Posting verlinken, sind eben dies: eine Präsentation im Rahmen einer mehrstündigen Veranstaltung, bei der sehr viel erklärt und diskutiert wurde. Zudem wurde sie vor Fachpublikum gehalten, das sich mit dem Thema Open Access schon (teils seit über 10 Jahren) praktisch und theoretisch beschäftigt.

    So gerne ich die Rezeption meiner (übrigens auch mit Creative-Commons-Lizenz versehenen) Folien sehe: An dieser Stelle sind eher Basis-Informationen gefragt. Zum Beispiel die Erklärung der Budapest Open Access Initiative, aus der die Open-Access-Definition entnommen ist.

    Ansonsten kann ich jedem am Thema interessierten wärmstens einen Blick auf die Seiten von Open-Access.net empfehlen. besonders die Gründe für und gegen OA sind sehr hilfreich für ein tieferes Verständnis der Debatte.

    Eine zwei spezielle Anmerkung:
    Wenn Sie die Creative-Commonons-Option „Keine Bearbeitung“ wählen, ist es natürlich dennoch möglich, dass Ihre Texte orthographisch korrigiert und vielleicht sinnentstellt wiedergegeben werden. Es wäre jedoch genauso illegal wie bei einem „konventionell“ publizierten Werk. Vor Plagiaten kann man sich ohnehin nicht schützen. Wenn viele Werke allerdings online stehen, ist die Chance größer, Plagiatoren zu finden und aufzudecken.

    Zu den Nutzungsrechten:
    Das Urheberrecht kann man in Deutschland gar nicht aufgeben. Und die Übertragung eines nicht-exklusiven Nutzungsrechtes an den Betreiber eines Dokumentenservers hat gar nichts damit zu tun. Von den OA-Befürwortern wird (in der Regel) nichts anderes verlangt, als eine einfache nicht-exklusive Nutzungsberechtigung für die Veröffentlichung öffentlich geförderter wissenschaftlicher Publikationen auf einem Open-Access-Dokumentenserver.

    Unanhängig davon kann der Autor mit dem Werk machen, was er will. An einen Verlag geben, ein Musical draus machen, die Wände damit tapezieren: egal. Das geforderte Recht ist, ich wiederhole: nicht-exklusiv.

    Also das Gegenteil von dem, was sich viele Wissenschaftsverlage anmaßen.

  10. 18. August 2009 12:56

    […] – 22. Juli 2009 > Johann Friedrich Cotta und die Rechte der Autoren – 3. Mai 2009 > Digital und kostenlos? Open Access – 2. Mai 2009 > 26. April 2009: Tag des geistigen Eigentums – 27. April 2009 > […]

  11. 19. März 2010 13:06

    […] Raum). Ind diesen Zusammenhang gehört auch seine Kritik an den Auswüchsen von Open Access: > Open Acess Digital und kostenlos?. Es geht um die Publikationsfreiheit überhaupt und auch die von Wissenschaftlern. Reuß fordert, […]

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