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Lesebericht: MERKUR 799 – Dezember 2015

4. Dezember 2015 von Heiner Wittmann

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Der Frankreich-Schwerpunkt macht diese Ausgabe zu einer spannenden Lektüre.

Cord Riechelmann, 2013 veröffentlichte er Krähen, hat in Paris Philippe Descola – Lévi-Strauss-Schüler – zu seinen Werken und zu den von ihm entwickelten Begriffen befragt. Mit geschickten Fragen entlockt Richelmann Descola seine Werkgeschichte und eine Beschreibung seiner Untersuchungsmethoden, eine Art Werkbiographie, mit der der Leser einen Einblick in die ethnologische Forschung bekommt, die sich bei Descola u. a. auf die Erforschung der Achuar: „Und ich entdeckte die Jivaro, eine große Sprachgruppe von mehr als 100 000 Menschen in Ecuador und Peru, die in verschiedene Ethnien gegliedert ist, die verschiedene Dialekte sprechen. Eine dieser Ethnien war noch nie beschrieben worden: die Achuar.“ (S. 9) Descola vertritt eine präzise Trennung zwischen Ethnologie und Philosophie: „Ein Ethnologe ist jemand, der eine Gruppe von Menschen an einem Ort untersucht, indem er ihr Leben teilt, in einer spezifischen Umgebung zu einer spezifischen Zeit; der also zu beschreiben und zu verstehen versucht, was diese Menschen tun, was sie über sich und die Welt denken etc. Ethnologie ist deskriptiv, analytisch und induktiv.“ (S. 6) – „Anthropologie dagegen ist im weitesten Sinn die Theorie von Menschen und davon, wie sie in der Welt sind.“ (ib.) Wenn Sie dieses Interview gelesen haben, wollen Sie bestimmt mehr wissen:

> Philippe Descola – Collège de France

Helmut Mayer> Philippe Descola: Jenseits von Natur und Kultur Der Stil macht die Welt. „Natur ist nicht, was übrig bleibt, wenn man Kultur fortlässt: Philippe Descola hat ein großes Buch über eine alte Unterscheidung geschrieben.“ FAZ 23.11.2011.

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Anoine Lilti hat ein in der Forschung wenig gewürdigtes Thema gefunden und erklärt uns die Anfänge der Celebrity-Kultur im ausgehenden 18. Jahrhundert in Frankreich: „Berühmtheit und Ruhm ist nicht das Gleiche.“ (S. 21) Und das stimmt einiges nicht: „…die Medien, die für die Ausgestaltung der Deliberation zuständig sind, befeuern die Kultur der Berühmtheit.“ (S. 35)

Romain Bertrand kehrt den eurozentrischen Blick um. Es soll ein ein Triumph gewesen sein, die erste Überfahrt der Holländer nach Indonesien im Jahr 1596. Liest man die zeitgenössischen javanischen Quellen gibt es von den Holländern keine Spur, und eine triumphale Ankunft hat es schon gar nicht gegeben.

Danilo Scholz untersucht Michel Houellebecq von allen Seiten im politischen und kulturellen Kontext. Eine gute Gelegenheit an einen seiner Auftritte im Stuttgarter Literaturhaus zu erinnern: Dienstag 13.09.05 20.00 Uhr Die Möglichkeit einer Insel. Michel Houellebecq. Lesung und Gespräch, In französischer Sprache, mit deutscher Übersetzung Moderation: Uli Wittmann:

mh

Fotos: Heiner Wittmann

Ekkehard Knörer hat sich in Science-Fiction-Bücher vertieft und schaut mit Ihnen in die Zukunft und beobachtet, wie sich einst die Menschheit auf andere Planeten retten wird. Stefanie Diekmann rezensiert eine neue Roland-Barthes-Biografie: Tiphaine Samoyault, Roland Barthes, Berlin: Suhrkamp 2015. Barthes wäre dieses Jahr 100 Jahr alt geworden.

In den Marginalien Philip Manow schreibt über „Politisches Essen“, Dirk Baecker erklärt Unsicherheitsabsorption bedeutet. Hannes Böhringer hat einen Beitrag mit Grundsätzlichem zur Philosophie verfasst. Leander Steinkopf hat Berlin verlassen und wohnt jetzt in Schwabing: Ein Vergleich. Stephan Herczeg schreibt das letzte Mal für sein Journal.

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