Lesebericht: Ursula Wawrzinek, Vom Umgang mit sturen Eseln und beleidigten Leberwürsten

Kennen Sie in Ihrer Umgebung privat oder im Beruf Menschen, die manchmal oder oft ganz stur sein können? Sogenannte sture Esel? Oder gar Typen, die so mir nichts, Dir nichts mehr oder weniger hörbar einschnappen und die nächsten drei Tage beleidigt und nachtragend herumlaufen? Beleidigte Leberwürste? Eigentlich haben Sie es ganz gut gmeint, aber eine Bemerkung oder eine Frage zum falschen Zeitpunkt im falschen Hals, und das Drama nimmt seinen Lauf. Erst ein Wortwechsel, dann wird die Stimme gehoben, der Konflikt ist ausgebrochen. Wer weicht zuerst? Der Volksmund behauptet, der Klügere gibt nach. Was ist aber wenn die beiden Streithähne sich sowieso für die Klügeren halten? Also noch eine Eskalationsstufe. Da werden selbst Kleinigkeiten zu lebensentscheidenden Situationen. Aber gucken wir genauer hin. Wie entstehen Konflikte, was sind überhaupt Konflikte? Manchmal werden sie schon durch eine unbedachte, im Grunde nett gemeinte Überlegung oder Betrachtung ausgelöst, die auch bekannte Empfindlichkeiten des Mitmenschen nicht berücksichtigt oder sich gar absichtlich an ihnen reibt. Etwas von unserem ganz ursprünglichen Fluchtverhalten ist noch da, wenn plötzlich das Erscheinen eines bestimmten Mitmenschen oder gar seine so unpassende Bemerkung einen erhöhten Adrenalinstoß bewirkt.

Konflikte können an jeder Ecke entstehen. Ursula Wawrzinek nennt sie in ihrem Buch > Vom Umgang mit sturen Eseln und beleidigten Leberwürsten Konfliktfallen. Also erstmal genau analysieren und verstehen, worüber wir sprechen. Damit meine ich den klaren Aufbauu dieses Buches. Wenn klar ist, worum es eigentlich geht, fällt das Verständnis der Gegen- oder Vorsichtsmaßnahmen ganz leicht: Unzutreffende Bewertungen, Unterstellungen, Den anderen nicht ernstnehmen, Moralisieren, Kränkung und Verteidigung verbergen solche Konfliktfallen, die man leicht umgehen kann: S. 35. Ist man aber erstmal in einer Konfliktfalle, dann hat der andere sowieso unrecht. Dann kommt man nur durch eine echte Kehrtwendung da wieder raus.

Ist der Konflikt ausgebrochen, ist es noch nicht zu spät. Man kann lernen, das eigene Verhaltensmuster zu verstehen, sozusagen sich selber die Konflikteskalation abzutrainieren. Konflikte sind natürlich nicht zu umgehen. Manchmal sind das natürliche und notwendige Auseinandersetzungen, die bei hartnäckigen Meinungsverschiedenheiten in einen offenen Konflikt abgleiten können. So wie im Bundestag wo jede heftigere Diskussion in den Medien gleich als Streit bezeichnet wird. Das Akzeptieren und Verstehen von Konflikten führt zu einer Konfliktfähigkeit, die das Selbstbewusstsein stärken, ohne dem anderen zu schaden.

Man merkt bei der Lektüre, über welch großen Erfahrungsschatz Ursula Wawrzinek verfügt. Den Anderen verstehen heißt noch lange nicht einverstanden zu sein. Zusammen kann die richtige Lösung gefunden werden. Aber die Kunst der Versöhnung ist im wahrsten Sinn des Wortes ein eigenes Kapitel (S. 125-138).

Ursula Wawrzinek macht Mut, und ihr gelingt es, ihre Leser auf fesselnde Weise kreative Konfliktlösungen zu vermitteln. Ihre Tipps kann man privat und im Beruf gleich mal ausprobieren. Dabei wird man merken, dass manche Mitmenschen auf einmal überrascht oder anders reagieren, wenn das ihr von ihnen zugeschriebene Konfliktmuster nicht mehr stimmt.

Besuchen Sie die Autorin auf ihrer Webseite: www.konfliktberaterin.de

Ursula Wawrzinek
> Vom Umgang mit sturen Eseln und beleidigten Leberwürsten Wie Sie Konflikte kreativ lösen
Mit Illustrationen von Michael Wirth.
1. Aufl. 2013, 188 Seiten, broschiert, mit 10 Abbildungen
ISBN: 978-3-608-86032-0