Lesebericht: Manu Joseph, Ernste Männer

Meyer, RostBücherlesen ist wie eine Weltreise. Kommen Sie mit. Mit > Ernste Männer hat Manu Joseph einen Roman aus Indien vorgelegt, den Anke Caoline Burger übersetzt hat. Der Chef von Ayyan Mani hat sich da was in den Kopf gesetzt und versucht ohne die Duldung von Widersprüchen, seinen Mitarbeitern die Suche nach Außerirdischen per Ballon zu empfehlen. Mani nutzt das wissenschaftliche Vakuum seines Instituts, um den dort versammelten Professoren weiszumachen, dass sein Sohn mehr als sie auf dem Kasten hat. Und Mani gelingt es, sich und seine Familie auf diese Weise über das Armenviertel von Mumbai hinauszuheben.

Es geht um den Mikrokosmos des Forschungsinstituts, in dem sich die Kastengesellschaft widerspiegelt, wo Ayyan Mani als direkter Untergebener seines Chefs immer ein bisschen mehr auf dem Laufenden ist, als er eigentlich sein soll, und wie er mit diesem Wissen ständig mit seinem Fortkommen beschäftigt ist. Außerdem ist er mit der Beobachtung und auch der Organisation der sozialen Beziehungen, auf die er wiederum kaum Einfluss nehmen kann, so sehr beschäftigt, dass für andere oder seine eigentlichen Aufgaben kaum Zeit bleibt. Aber er beginnt einer Eingebung folgend, seinen Sohn Adi zu coachen, der zunächst in der Schule durch seine intelligenten Fragen auffällt. Zuerst drohen Strafen, weil er den Lehrbetrieb durcheinanderbringt, dann kommt der Vater auf immer neue Ideen, und es gelingt ihm bestens seinen Sohn zu vermarkten. Schließlich kommen die Professoren des Instituts an die Reihe, die wegen der von ihrem Chef vorgegebenen Richtung sowieso gerade etwas ratlos sind und sich auch gerne mal mit anderen Fragen beschäftigen

(Der Internet Explorer 7 mag > das Buch zum Blättern nicht anzeigen?)Und wie das halt so auch in einer streng geregelten Ordnung wie in diesem Institut passieren kann, verstoßen auch hier manche gegen die political correctness, es kommt zu immer neuen Verwicklungen und Beziehungen, die eigentlich nicht stattfinden wollten, die Manu Joseph aber spannend erzählt. Adi macht alles mit und lässt gar nicht so recht erkennen, was er von den Erwachsenen hält, die er reinlegt. Irgendwie merkt er das aber schon und hat wohl offenkundigen Spaß daran, den Erwachsenen Grenzen zu zeigen: „Er nahm sein Hörgerät raus und steckte einen Finger ins andere Ohr,“ heißt es, immer wieder, wenn er vom Klamauk der Erwachsenen genug hat; „Ich bin elf, und elf ist eine Primzahl,“ belehrt er die Erwachsenen und fragt seine Mathelehrerin, warum sie das numerische Zahlensystem und nicht die Binärzahlen lernen. Oder er will mitten im Unterricht wissen, worin die Schwerkraft besteht. Ganz der Vater, der das im Institut auch macht, allerdings eher mit under-cover Methoden,als mit der Erfüllung seiner normalen Aufgaben.

Eine wundervolle Urlaubslektüre, die den Reiz eines ganz anderen Landes bietet, und die mit den Handlungen weniger Personen viel über die indische Gesellschaft von heute erzählt. Manis Ideen sind ein Versuch, der Enge ihrer kleinen Wohnung in dem Wohnblock zu entkommen. So schwer ihm das trotz seiner kleinen Erfolge fällt, so eng sind auch die anderen, z. B. auch sein Chef Achayra in ihre jeweiligen Beziehungen eingebunden, die diese auch nur kurzfristig und oft mit erheblichen Folgen verlassen können.

> Manu Joseph
Ernste Männer
Aus dem Englischen von Anke Burger (Orig.: Serious Men)
1. Auflage 2010
357 Seiten
ISBN: 978-3-608-93892-0