Lesebericht: Pascal Engman, Der Patriot. Thriller

Pascal Engman
> Der Patriot
Thriller
Aus dem Schwedischen von Nike Karen Müller
(Orig.: Patrioterna)
2. Druckaufl. 2019, 470 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-50365-4

Die Ermordung mehrerer Vertreter großen Presseorgane Schwedens erschüttern das Land. Während die dafür verantwortliche rechtsextreme Gruppierung in abgeschotteten Internetforen für ihrem Rachefeldzug gefeiert wird, verbreiten sie Angst und Unverständnis in der schwedischen Bevölkerung. Man kennt das ja, Drohungen und Schmähungen gegen die „Lügenpresse“ das ist schon fast Alltag, Aber ist alles anders: Ein rechtsextremer Serienkiller hat mit seinen Morden eine blutige Spur gelegt. Zu Beginn ihrer Operation ist den Schweden die Identität der Täter unbekannt. Doch eine Parallele fällt sofort auf: Alle Opfer berichten – zumindest aus Tätersicht – viel zu einwanderungsliberal.

> Nachgefragt: Pascal Engman, Der Patriot. Thriller – 5. September 2019

Der Patriot besteht aus zwei Handlungssträngen, die räumlich sehr weit voneinander entfernt liegen. August Novak, der nach einem Raubüberfall vor zehn Jahren seine schwedische Heimat verlassen hat, um sich einer Strafverfolgung zu entziehen, mischt als Leibwächter eines russischen Drogen- und Waffenhändlers in der chilenischen Szene mit. Durch seine frühere Tätigkeit in der Fremdenlegion ist er die perfekte Mischung aus Erfahrung, Taktik und Kampfmaschine. Allerdings gerät sein Leben zunehmend aus den Fugen und er sehnt sich nach seiner Heimat. Nachdem er mehrere schmerzvolle Verluste akzeptieren muss, fällt er die Entscheidung, zurück nach Schweden zu gehen. Ein Schweden, das sich Aufgrund der Journalistenmorden und einem islamistischen Terroranschlag im Ausnahmezustand befindet.

Spannungsfaktor: Nicht S-Bahn-geeignet. Sie waren immer zu weit.

Novak kennt solche Situationen und Ausnahmezustände zu Genüge. Für ihn beginnt vor allem eine Zeit der Erinnerung. Ein Aufblühen vergangener Tage mit Menschen, die er damals im Stich gelassen hat. Doch mit der Journalistin und alten Liebe Amanda zieht er sich ungewollt in die Tiefen der ganzen Katastrophe.

Das Vorgehen der Rechtsextremen unterscheidet sich nicht von dem Modus Operandi ihrer Widersacher, den islamistischen Terroristen. Die Gruppe selbst sieht das natürlich anders; ist ihr hehres Ziel doch das Wachrütteln der schwedischen Identität und das Schließen der viel zu einwanderungsfreundlichen Grenzen. Um diesem Ziel näher zu kommen, ermorden sie Journalisten, die viel zu sanft über die Einwanderungen nach Schweden und dem damit einhergehenden Import muslimischer Gewalt berichten. Pressevertreter, die in ihren Augen schuld am Untergang ihres Landes sind.

Unsere Redaktion verrät nicht zu viel, wenn wir sagen, dass ihr Fanatismus soweit geht, dass sie einen unschuldigen, unauffälligen und rechtschaffenden Migranten instrumentalisieren, um ihn medienwirksam als Islamist zu diffamieren. Alles, um ihrer These noch deutlichere Beweise zu liefern.

Der Autor Pascal Engman war selbst Journalist, und liefert mit seinem Plot ein erstaunlich realitätsnahes Szenario. Sein Thriller besticht durch seine besondere Authentizität, die es dem Leser unmöglich macht, die Geschehnisse in Zweifel zu ziehen. Engman schafft mit seinem Werk eine Reflexion zwischen Berichterstattung, Meinungsmache in Medien und der Verarbeitung dieser durch die Bevölkerung. Er führt uns vor Augen, was wir eigentlich wissen:
In einwanderungsintensiven Zeiten ist es der Journalismus, der mitbeteiligt ist an der Art und Weise, wie die breite Masse das Geschehen aufnimmt. Er hat die Aufgabe, sachlich zu informieren, und die Pflicht Meinungsmache zu verhindern oder zu relativieren. Er ist Organ zur Meinungsbildung, nicht zur Indoktrination.