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Lesebericht: Sven Felix Kellerhoff. Ein ganz normales Pogrom. November 1938 in einem deutschen Dorf

Bei einer Bildrecherche aus Anlass des 70. Jahrestages der Novemberpogrome 1938 stieß Sven Felix Kellerhoff auf drei Fotos, die einen Demütigungsmarsch zeigen, zu dem Juden am 10. November 1928 von ihrem Mitbewohnern in Guntersblum, ein Dorf zwischen Mainz und Worms, gezwungen worden waren; schließlich waren es sieben Fotos. Damit begannen die Recherchen im Landesarchiv, mit deren Ergebnissen Kellerhoff am 8. November 2008 in der WELT einen ganzseitigen Artikel über das Novemberpogrom in Guntersblum veröffentlichen konnte: > Öffentlich gedemütigt.

Das war aber nur der Anfang. Es begann eine lange Suche nach Dokumenten, mühsame aber auch spannende Archivarbeit, bei der der Historiker immer mehr Informationen fand und diese für den jetzt erschienenen Band > November 1938 in einem deutschen Dorf zusammensetzen konnte.

> Die erschreckende Normalität des Judenhasses – ttt-24.6.2018

Gemäß unseres Blogprinzips folgt dem Lesebericht hier schon am nächsten Montag der Beitrag Nachgefragt und unsere Redaktion wird morgen in Berlin den Autor fragen, wieso man sagen darf, dass es sich um ein ganz „normales“ Pogrom in Guntersblum gehandelt hat. Es war ein Pogrom wie überall an diesem Tag in Deutschland, aber gerade dies hier ließ „in nuce erkennen, wie das mit menschlichen Maßstäben an sich nicht fassbare Verbrechen Holocaust möglich war und welche Wendungen die Auseinandersetzungen damit sei 1945 nahm.“ (S. 201) Es geht auch um die provinzielle Normalität eines kleinen Dorfes, das mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus allmählich die jüdischen Mitbewohner, die in das Dorfleben völlig integriert waren, als ihre Feinde sich anschickten, sie zu demütigen, ihrer Existenz zu berauben und zu vertreiben. Durch die Archive kann man feststellen, wer sich an den Missetaten gegenüber den Juden besonders hervortat und Kellerhoff verfolgt das Schicksal der Haupttäter bis weit in die Nachkriegszeit und stößt auf die bekannte Milde der jungen bundesdeutschen Justiz.

„Ein ganz normales Pogrom“, heißt es auf Seite 21. Das ereignete sich in Guntersblum und am 9./10.  November 1938 in so vielen anderen Dörfern und Städten in Deutschland.  Am helllichten Tag spielten sich die Ereignisse ab und die Täter ließen ihre Wut an ihren jüdischen Mitbürger/innen aus. Dieser kollektive Ausbruch von Gefahr ist schwer zu erklären. Die Hasspropaganda der Nazis, der Antisemitismus, der Rassismus, Angst vor dem eigenen sozialen Abstieg, Angst vor wirtschaftlichen Problemen, deren Ursachen den Juden angelastet wurden, sind ein Teil der Deutungen, warum es zu diesen Verbrechen kommen konnte.

Guntersblum ist Ende der 20er Jahre ein ganz normales Dorf. 2618 Einwohner leben dort 1925, die Hälfte von ihnen lebt von der Landwirtschaft, jeder fünfte männliche Einwohner ist in der Industrie oder als Handwerker tätig. Ende 1931 sind 111 Personen arbeitslos. Es gibt verschiedene Ortsvereine, das soziale Lokalleben unterscheidet sich in nichts vom ganz normalen Provinzleben anderer Dörfer in Deutschland. Um 1555 werden sechs jüdische Familien  in Guentersblum gezählt, 1834 hat die jüdische Gemeinde 169 Mitglieder. 1931 sind es noch 58 von 2618 Guntersblumer, die auch in das  Vereinsleben des Dorfes integriert waren. Der Mediziner Huhn heiratete 1936 eine jüdische Mitbewohnerin, das war doch schon ungewöhnlich  und Emil Rüb berichtete über die schon fühlbare Isolation der jüdischen Familien. Später wundern sich ihre Mitbürger rückblickend, wie Carl Rösch, „warum Hitlers Partei die Juden so schlecht machte.“ (S. 38) Hätte man seiner Verwunderung doch nur eher und beizeiten Ausdruck verliehen. Aber es gab doch schon früher Anzeichen für die kommenden Ereignisse.

Sven Felix Kellerhoff, > Nachgefragt: Sven Felix Kellerhoff. Die NSDAP. Eine Partei und ihre Mitglieder
2017, 441 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, Tafelteil
ISBN: 978-3-608-98103-2

Der Judenhass entwickelte sich in Guntersblum durch Steuerung von außen über die Propaganda der NSDAP, die Kellerhoff gestützt auf sein Buch > Die NSDAP präzise nachzeichnet, die von einigen wenigen Bewohners in dem Dorf aufgegriffen wird. 42 Zuhörer waren bei der Gründung der Ortsgruppe 1925 anwesend: Ihr dürftiges Parteiprogramm war die Judenhetze. 1928 wurde die Ortsgruppe wieder aufgelöst, fast schien es so, als sei der fiese Spuk vorbei. Doch die Guntersblumer Nazis wussten, wem sie ihre Niederlage zuzuschreiben hatten: „Juden, Demokraten und Marxisten“ und sie klagten über den „Boykott der Juden“. Man kennt das, es müssen nur unhaltbare, unwahre Dummheiten vorgetragen und eine einfache Lösung angeboten werden. Bei der Landtagswahl in Hessen verdoppelt sich der Stimmenanteil für die NSDAP in Guntersblum auf 52,5 Prozent. Bei der Wahl zum Reichspräsidenten bekommt Hitler nur 527 Stimmen und bei den folgenden Wahlen geht die Wahlbeteiligung deutlich zurück.

So wie der Jude Otto Silbermann im Roman > Der Reisende von Ulrich Alexander Boschwitz aus dem Leben gedrängt wird, so erging des auch den Guntersblumer Juden, wie Sven Felix Kellerhoff im Kapitel „Ausgrenzung“ (S. 69-88) zeigt, besonders nach der Machtergreifung vom 30. Januar 1933.

Sven Felix Kellerhoff
> »Mein Kampf« – Die Karriere eines deutschen Buches
2. Aufl. 2015, 367 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94895-0

Ähnlich wie der Roman von Boschwitz eignet sich auch die Darstellung von Kellerhoff, um alle Aktionen zu erkennen und aufzuzählen, mit denen die Nazis die Menschenrechte und das Lebensrecht der Juden  abschaffen wollten. Schutzhaft war erst der Anfang der Aktionen, wobei der Mitbegründer der NSDAP in Guntersblum Karl Oswald sich besonders hervortat.

Vielleicht waren die antisemitischen Ausbrüche der Nazis und ihre Nürnberger Gesetze so erfolgreich, weil die Juden eine so kleine Minderheit bildeten, deren Schutz von den Nazis ebenfalls verfolgt wurde. Als Herschel Grynspan im Palais Beauharnais in Paris, dem Sitz der deutschen Botschaft, den dritten Legationssekretär Ernst von Rath mit Schüssen am 7.11. schwer verletzte, wurde dieser Anlass nach seinem Tod zwei Tage später am sogleich als Begründung für Schikanen gegenüber den Juden und eine Verschärfung der antijüdischen Gesetze genutzt. Der oben erwähnte Schandmarsch mit seinen Anführern ist durch die Archivarbeit in allen Einzelheiten mit den folgenden Plünderungen gut bekannt. Auch wenn der Chef der Gestapo Reinhard Heydrich nur die Zerstörung von Judeneigentum gestattete, aber Plünderungen ablehnte, so wurden in diesem Punkt seine Anweisungen nicht befolgt.

Nach den Deportationen war von der jüdischen Gemeinde in Guntersblum nur Erika Huhn dank ihrer Ehe mit dem Arzt Huhn übriggeblieben. Auch sie musste sich verstecken, als am 13. Januar das Reichssicherheitshauptamt die Deportierung der in „Mischehe“ lebenden Juden verfügt.

Kriegsende und Entnazifizierung bilden in diesem Band das Nachspiel, das erläutert, wie diese Verbrechen in so vielen Fällen nicht gesühnt wurden genauso, wie die Opfer und ihre Angehörigen erst 1956 ein Bundesgesetz bekamen, das ihnen die Beantragung von Entschädigungen ermöglichte.

Vielen großen und umfangreichen Darstellungen über die Naziverbrechen ist Kellerhofs Bericht überlegen, weil er hier mit der Geschichte eines Dorfes zeigt, wie die jüdische Minderheit ohne zwingende Gründe in die Fänge der durch die NSDAP  und deren Propaganda, Hass und Rassismus  verblendeten Mitbürger  gerieten. Das konkrete Miterleben, wie die Mitglieder der jüdischen Gemeinde zunehmend bedrängt, entrechtet und dann deportiert werden, bietet keine einfachen Erklärungen für diese Verbrechen. Diese Verbrechen werden auch hier nicht verständlicher, weil die Opfer und Täter identifiziert werden, die erfolgreiche Perfidie der Letzteren kann sich nur durchsetzen, weil eine Minderheit ohne Schutz ihnen ausgeliefert ist. Der Autor berichtet, er habe 10 Jahre an diesem Buch gearbeitet. Archivarbeit verlangt Geduld und Ausdauer. Aber sie lohnt sich, wie Kellerhoffs Buch dies eindrucksvoll bestätigt. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kann man ähnliche Untersuchungen für sehr viele andre Dörfer und Städte im Deutschland im November 1928 verfassen. In der Weimarer Republik fehlte die Kraft, dem braunen Sumpf entschieden entgegenzutreten. Das Unglück begann nicht erst im Januar 1933. Die Agitation der NSDAP bereitete dafür schon lange vorher den Boden. 73 Jahre nach Kriegsende beweist dieses Buch, dass die Aufarbeitung der Naziverbrechen noch lange nicht abgeschlossen ist und er erinnert zugleich auch wieder an das so tödliche Gift des Rassismus, der Ausgrenzung von Minderheiten und die Notwendigkeit, ständig laut und deutlich über die Menschenrechte zu sprechen.

 

Sven Felix Kellerhoff
> November 1938 in einem deutschen Dorf
1. Aufl. 2018, 244 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, s/w-Abbildungen, Karten im Innenteil
ISBN: 978-3-608-98104-9

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