Nachgefragt: Kolja Reichert, Kann ich das auch? 50 Fragen an die Kunst

Wann waren Sie das letzte Mal in einem Museum und haben sich auf eine Bank vor ein Gemälde gesetzt? Und das Kunstwerk einfach mal so auf Sie wirken lassen? Sie leihen sich doch auch hoffentlich immer einen Audio-Guide? Das rät Ihnen Kolja Reichert: Kann ich das auch? 50 Fragen an die Kunst. Aber wenn das Gerät mit seinen Erklärungen fertig ist, dann fangen Sie mit Ihren Fragen an und entdecken das Werk vor Ihnen noch einmal ganz neu. Dabei können Sie ruhig Zwiesprache mit dem Audioguide halten, widerspechen Sie ihm, kommen Sie auf eine ganz andere Interpretation des Werkes. Mit Ihrer Gegenrede kommen sie der Kunst auf die Spur,“ so begann auf diesem Blog der > Lesebericht: Kolja Reichert, Kann ich das auch? 50 Fragen an die Kunst

Heute besuchte Kolja Reichert unsere Blog-Redaktion und beantwortete unsere Fragen zu seinem Buch:

Wieso raten Sie eigentlich Ihrem Leser, so er einmal ins Museum geht, unbedingt einen Audio-Guide zu benutzen?

Also der Museumsbesucher soll mit dem Werk, das er betrachtet, dabei einen Audio-Guide nutzen…. dann aber einen Dialog mit dem Werk beginnen, Reichert sagt, er soll Gegenrede führen. Mut zu einer ganz anderen Interpretation als das, was der Audio-Guide ihm erzählt hat? Also, man muss gar nicht viel über Kunst wissen. Aber es lohnt sich genauer hinzuschauen und die eigene Kunsterfahrung wie eine Kunstschule zu nutzen. Reicherts Buch ist auch eine Anleitung, Kunst auf sich wirken zu lassen, sich von ihr inspirieren lassen und sich wie angedeutet eine eigene Meinung zu bilden.

Enthält die Kunst immer ein Veränderungspotential und das in jeder Hinsicht, sie formt den Künstler, sie formt den Zuschauer? – Wie kann ein Flaschenständer Kunst sein? Reicht es, dass der Künstler sagt, habe ich gemacht, das ist Kunst?

Kolja Reichert hat eine Anleitung zum Gang ins nächste Museum verfasst. Dazu hat er alle Aspekte des Kunstbetriebs durchleuchtet und zeigt den Museumsbesucher, dass Kunst keinesfalls das ist, was da an der Wand hängt, sondern er unterstreicht den Appellcharakter des Kunstwerkes. Man kann sich nach einer et-was längeren Betrachtung, sich dem Kunstwerk gar nicht so einfach entziehen. Es entsteht, wenn wir uns ihm zuwenden und es betrachten. Wir haben Kolja Reichert gefragt, das so in seinem Sinne sei?

Besonders gut gefällt uns auch der Satz, „In uns wird etwas umprogrammiert.“ (S. 66)

Auf unserem Blog steht: „Jetzt kommt ein Gedanke, der an das Innere der Definition der Kunst pocht, zwar geht es hier um Sätze in der Kunst, aber dennoch, „Sätze in der Kunst funktionieren umso besser, je mehr sie dem Betrachter überlassen, was er aus ihnen macht.“ (S. 83) Kann man damit den Wirkungsgehalt der Kunst definieren, um Aussagen über die Qualität des Werkes machen. Je mehr ich für mich und meine Zukunft gewinne, umso besser ist das Kunstwerk?

Kolja Reichert schrieb für alle maßgeblichen deutschen Zeitungen und Kunstmagazine und war auch Kunstredakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und deren Sonntagszeitung. 2012 erhielt er den Preis für Kunstkritik der deutschen Kunstvereine und der Art Cologne, 2018 den Will-Grohmann-Preis der Akademie der Künste Berlin. Seit 2021 ist er Programmkurator für Diskurs an der Bundeskunsthalle in Bonn.

Kolja Reichert
Kann ich das auch? 50 Fragen an die Kunst
Stuttgart: Klett-Cotta
1. Auflage 2022, 272 Seiten, Gebunden
ISBN: 978-3-608-98496-5