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Merkur – Februar 2010

2. Februar 2010 von Heiner Wittmann

MERKURDas Februar-Heft des Merkur war meine Zuglektüre am
> Wochenende nach Bonn und zurück. Bisher habe ich nie einen Hehl daraus gemacht, gerne über den Merkur zu schreiben. Auch wenn er bei Klett-Cotta erscheint, ist es doch keine Rezension, die erscheinen woanders. Ein Werbetext folgt auch nicht, aber dieser Beitrag darf doch zeigen, ganz unabhängig vom Verlag, welches Lesevergnügen dieses Heft bereitet hat.

Karl Otto Hondrich (1937-2007), Professor für Soziologie an der Universität Frankfurt, berichtet in Charly, Tiger und ich über den Verlust von Tiger, der ihn sechzehn Jahre lange begleitet hat: “Jetzt Ist Der Tiger Nicht Mehr Da.” – James Bowman, Das ist doch nur Kino! erläuterte, wie die “Postmoderne dem Film die Realität ausgetrieben hat.” Mit so profunder Sachkenntnis. – Christian Caryl, Die Bilder sagen alles berichtet “über das Ingenium der Pixar Studios”. Toll, wie beide Artikel, seiner und der von Bowman sich einander ergänzen.

Und dann der Artikel von Thomas Frahm. Im Zug habe ich erst mal auf das Titelblatt des Heftes geguckt. Ja, ich hatte sehr wohl den Merkur in der Hand. Nescafé und Marlboro erzählt von seiner Begegnung mit Saschka in Sofia, und wie sie sich gegen seinen Willen für immer in sein Leben gedrängt hat. Sie trinkt ihren Nescafé in kleinen Schlücken, und er widersteht zunächst eher nur pro forma : ‘Bitte bleib noch ein bisschen so…’ flüsterte Saschka beinahe flehentlich.” (S. 140)

Thomas Küster hat in seiner Ökologiekolumne den Naturschutz und den damit verbundenen Begriff der Natur untersucht. Eine sehr nützliche Standortbestimmung. Jürgen Kocka macht in seiner Geschichtskolumne etwas Ähnliches in bezug auf die Historische Sozialwissenschaft und den Kapitalismus. Auch wenn er ein für seinen Beitrag ein bestimmtes, eng begrenztes Thema ausgesucht hat, fällt doch wieder auf, dass die Historiker die Literatur und ihre politische Wirkung kaum oder nie in den Blick nehmen.

Karl Heinz Bohrer rezensiert den Kreis ohne Meister. Stean Georges Nachleben, Müchen; Beck 2009: “Deutscher Geist” als Sekte und rückt einige seiner Ergebnisse zurecht. nach der Drucklegung von Raulffs Band erschien der Aufsatz des Romanisten Dirk Hoeges, Deutsche Sonderwege oder im Westen nichts Neues? Baudelaire in Deutschland: George-Rilke-Nietzsche und die Blockade der Moderne in Literatur und Geschichte,
in: Romanistische Zeitschrift für Literaturgeschichte, Heft 3/4, Heidelberg 2008 (299-341).

Jan-Werner Müller bespricht das Buch von Reinhard Mehring, Carl Schmitt, Aufstieg und Fall, München: Beck 2009: Enttäuschungsgeschichte. – Wolfgang Wieser untersucht den Darwinismus und formuliert aufgrund neuer wissenschaftlicher Ergebnisse : Das neue Drehbuch für den Darwinismus.- Eduard Kaiser, Hand anlegen! untersucht die Veränderungen der Arbeitswelt, nicht die Menschen, sondern auch die Arbeit selbst ist unterwegs, auf Reisen gegangen: “Von der immateriellen zur materiellen Ökonomie.” – Klaus Birnstiel berichtet über Neil Young. – Und schließlich schreibt Wolfgang Schröder über Goethes “Vorspiel auf den Theater”: Zur Geschichte der Spaßgesellschaft und Wolfgang Marx, schlägt, nicht von Bewusstsein, sondern vom Erleben zu sprechen.

Kann man mit dem Internet lernen?
Oder Bücher schreiben? vs Netzstille

1. Februar 2010 von Heiner Wittmann

In drei Tagen gehts zum > EduCamp nach Hamburg. Und es wird richtig spannend werden. > Lisa Rosa hat auf ihren Block > Shift schon mal ihre Gedanken zum Thema > Das Internet – ein Bildungsraum? vorgestellt. Ein lesenswerter Text, der die Bildungsdiskussion rund um das Internet mit der Vielfalt seiner Möglichkeiten prägnant zusammenfaßt. Mit dem Statement von Lisa Rosa zugunsten des Internets als ein heute unverzichtbarer Bildungsraum und dem Schreiben eines Buches am häuslichen Schreibtisch tun sich echt zwei ganz unterschiedliche Welten auf. Die Frage lautet also, ist die Nutzung des Internets notwendig, um heute ein gutes Buch schreiben zu können?

Wie hier bereits berichtet, schreibt Alex Rühle, Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung, über das Thema Das komplett vernetzte Leben ein Buch und Thomas Kraushaar bloggt beim Buchmarkt über das Projekt und berichtet darüber, wie die Verlagsarbeit sich gestaltet. Schwieriger als zu Zeiten von Web 2.0, weil Alex Rühle sich für 6 Monate aus allen Venetzungen, und aus dem Netz überhaupt zugunsten des guten alten Faxgerätes abgemeldet hat: Die Fage, die dabei mitschwingt, lautet also, braucht man heute das Internet zum Bücherschreiben? > Pause vom Internet: Netzstille oder Hilft das Internet beim Bücherschreiben?.

> Offline im Focus
> Kuscheliger Entzug
> Das erste Fax
> Aus dem Netz? Kein Netz? Ohne Netz!

Wenn ein Student heute eine Seminarbeit über Albert Camus schreiben will, kann ihm das Internet dabei eigentlich überhaupt nicht helfen. Doch, er findet im Internet eine ausführliche Bibliographie, die ihn trotzdem nicht davon abhalten sollte, den Klapp zu konsultieren. Aber sonst gewinnt er seine Inhalte nur aus seiner Lektüre. Natürlich könnte er den Eintrag über > Albert Camus Wikipedia benutzen, wo die kollektive Intelligenz ihm erzählt, dass das Leben nach Camus sinnlos sei. Und zur Vorbereitung seiner Seminararbeit sei hier noch bemerkt: Die Suche nach Inhalten im Internet mit einer bekannten Suchmaschine, die die Rangfolge der Ergebnisse nach einen Algorithmus und auch manchmal werbegestützt ausrechnet, hat mit einer Bibliotheksarbeit gar nichts zu tun.

Mit dem Internet ist es so wie mit dem Fernsehen. Es wurde geboren, und seitdem sucht man ständig neue Anwendungen für das Medium. Mittlerweile gibt es Twitter und Blogs, und man macht sich wie Lisa Rosa Gedanken, wie diese für den Bildungsprozess verwendet werden können. Sie behauptet: “Ich bin überzeugt davon, dass schon heute der gesellschaftlich relevante soziale Verkehr in erster Linie im Internet stattfindet und insofern das Internet insgesamt zum wichtigsten Sozialraum – und damit auch zum Lernraum – geworden ist.” Ich finde, das ist zu weit gegriffen, das richtige Leben spielt sich nicht im Internet ab: > soziale Netzwerke haben längst nicht das alles gehalten, was sie versprechen. Im Gegenteil, sie reduzieren das soziale Leben auf einige Aspekte der Beziehungen. Lisa Rosa erinnert auch daran, das Wissen nicht medienneutral sei, sondern “Form, Medium und Wissen” nicht getrennt voneinander zu haben sind. “Machiavelli schärft über zahlreiche poetische Formen sein literarisches Profil: Epigramm, Strambotto, Stanza, Madrigal, Sonett, Kanzone, Canto, Capitolo, Serenade,” lautet eine Satz aus einem Klappentext eines Buches über > Machiavelli. Tatsächlich kommt hier dem Formen und den Gattungen eine ganz besondere Rolle zu, die mit dem Internet gar nichts zu tun hat. Bildung wird heute durch das Internet unterstützt, es gibt viele nützliche Quellen, aber das Aneignen von Bildungsinhalten wird durch das Internet qualitativ nicht besser als in der Offline-Zeit. Deshalb ist Lisa Rosas These “Im Internet muss im Internet gelernt werden…” mit einem Fragezeichen zu versehen. Sie fügt aber selbst hinzu, “…denn hier wird nicht nur methodisch zeitgemäß gelernt, und es werden auch ganz andere Dinge gelernt werden, nämlich diejenigen, die in dieser Epoche gebraucht werden,” … die ins Internet passen, könnte man hinzufügen. Womit wir wieder bei einer Diskussion über den Bildungsbegriff angekommen sind, für den wir das Internet gar nicht brauchen.

Bester Krimi 2009: Kap der Finsternis

25. Januar 2010 von Heiner Wittmann

Kap der Finsternis> S-Bahn-ungeeignet lautete der Eindruck nach der Lektüre von
> Kap der Finsternis, aus dem Amerikanischen von Jürgen Bürger und Peter Torberg, ein Erstlingswerk von Roger Smith. Man fährt garantiert zu weit. Die beiden Erzählstränge im Buch kommen ab und zu einander näher, und es entsteht eine Spannung, die einen daran hindert, das Buch aus der Hand zu legen. Die Brutalität ist manchmal schockierend, aber es gibt Ansätze, ihr zu entkommen.

Jetzt ist > Kap der Finsternis von Roger Smith von der Jury der KrimiWelt zum Besten Krimi 2009 ausgewählt worden. Die KrimiWelt-Bestenliste wird von WELT, ARTE und Nordwestradio gewählt.

Ingeborg Sperl schrieb über Kap der Finsternis: »Das rabenschwarze Drama “Kap der Finsternis” ist nichts für zarte Gemüter. Roger Smith, bislang im Filmgeschäft tätig, zeigt in seinem ersten Krimi die dunklen Seiten seiner zweigeteilten Stadt. … das alles sind beinahe modellhafte Figuren und dennoch kreiert Smith daraus ein beängstigendes Opus, inklusive blutigem Show-Down und überraschender Wendung.«
(Der Standard, 03/2009)

Die > Liste aller 10 Preisträger des Krimipreises bei boersenblatt.net

> Leseprobe

Roger Smith,
> Kap der Finsternis. Roman
Aus dem Englischen von Jürgen Bürger und Peter Torberg
(Orig.: Mixed Blood)
Auflage: 1. Aufl. 2009
359 Seiten:
ISBN: 978-3-608-50202-2

Pause vom Internet: Netzstille oder
Hilft das Internet beim Bücherschreiben?

21. Januar 2010 von Heiner Wittmann

1986 bekam ich meinen ersten Computer als Leihgabe von einer Bonner Firma mit einer riesigen 20 MB-Festplatte und WORD für DOS auf drei 5 1/4 Zoll Disketten, das nie abstürzte und immer schneller als jedes spätere WINDOWS-WORD war. Dann kam das Internet mit den vielen bunten Seiten > www.romanistik-online.de, und vor rund drei Jahren begannen alle von Web 2.0 zu sprechen. Die Besucher der Websites sollten zu Mitmachern werden, und die Unternehmen begannen ihr individuelles Web 2.0 Menü zu konzipieren, das Besucher dazu verleiten soll, zu kommentieren, mitzumachen, zu bewerten und zu empfehlen. Wenn ich mir die Besucherzahlen meines Blogs – > www.france-blog.info – angucke, staune ich immer noch, wie viele Leser mit diesem Medium erreicht werden können. Schneller und aktueller, aber nicht unbedingt qualitativ echt besser als mit einem gedruckten Medium. Die bange Frage an jeder Hotelrezeption: Haben Sie W-Lan? und das Warten vor dem Laptop, bis er wieder irgendwo online ist, kennt jeder, der keine UMTS-Karte hat, die ihn nur dann aufblicken lässt, wenn die Verbindung weg ist.

Internet immer und überall, es unterstützt perfekt die Kommunikation nach allen Richtungen. Wenn es aber darum geht, ein Referat, einen Zeitungsartikel, einen Fachaufsatz oder gar ein Buch zu schreiben, merkt man schnell, dass bekannte Suchmaschinen es immer noch nicht gelernt haben und wohl auch nie lernen werden, Inhalte systematisch zu ordnen. Das können eben doch nur Bibliothekare, die dem Maschinenalgorithmus immer noch haushoch überlegen sind. Bei keiner meiner Sucharbeiten für jede meiner Seminararbeiten, Artikel oder Bücher bieten Suchmaschinen mit ihrer Systematik gegenüber der ordentlichen Bibliotheksarbeit auch nur den geringsten Vorteil. Das Handwerkszeug zum wissenschaftlichen Arbeiten kann nicht mit einer Suchmaschine erworben werden.

Vielleicht hat man die Kommunikations- oder Werbeansprüche im Internet vielleicht doch ein bisschen zu stark in Richtung Information oder Wissen verbogen. Möglicherweise ist da einiges durcheinandergeraten. Meine kummervollen Erfahrungen mit Wikipedia und der seiner kollektiven Intelligenz und den anonymen Korrektoren sind mir noch in schlechter Erinnerung. Beim Schreiben meines letzten Buches brauchte ich das Internet, um Verlagsnamen zu finden und um im Katalog der Landesbibliothek nachzugucken, Bücher zu bestellen. Klar, es gibt auch > www.gallica.fr, meine Lieblingswebsite, aber das ist doch alles nur um Zeit zu sparen, nicht in die Bibliothek fahren zu müssen und andere Anregungen dabei zu verpassen. Das Internet hilft beim Bücherschreiben, aber kein Buch wird dadurch wirklich besser. Manche Informationssuche wird schneller aber nicht unbedingt besser. Mit dem Schreiben ist das ganz genauso. Heute schwört jeder auf seine Tastatur und den Bildschirm, wobei jeder Text von vornherein viel besser wird, wenn er mit Füller bei voller Konzentration auf ein weißes Blatt Papier geschrieben wird, ohne die Sicherheit, ich kann ja doch gleich alles korrigieren. Man bringt einen Gedankenfluß, eine Argumentation zu Papier und hackt nicht hektisch auf die Buchstaben einer Tastatur immer in der Angst, gleich ist alles wieder weg.

Alex Rühle ist Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung und hat sich für ein halbes Jahr dazu entschieden, offline zu leben. Keine Mails, kein Internet, kein W-Lan, keine Websites, keine SMS, aus das Handy. Und Klett-Cotta wird sein Buch Das komplett vernetzte Leben herausbringen. Offliner sind heute schon fast Aussteiger, aber es gibt ja das gute alte Fax. Tom Kraushaar, einer der verlegerischen Geschäftsführer von Klett-Cotta, hat einen Stift gesucht und dem maillosen Autor einen Brief per Telekopie übermittelt: > target="_blank">Netzstille. Demnächst mehr.

P.S. Ach, meine gute alte > Schreibmaschine. Ich hatte eine Pappstreifen am Papierhalter angebracht, der die noch zur Verfügung stehenden Zeilen für die Fußnoten anzeigte… Mit der Schreibmaschine ist das so ähnlich wie mit dem weißen Blatt Papier. Man hält ordentlich seine Gedanken zusammen, und bei Fehlern gibt es ein neues Blatt. Ob die heutigen Studenten es glauben oder nicht, damals waren die Seminararbeiten eher fertig als heute.

John Haskell las aus seinem neuesten Werk “Out of my Skin”

19. Januar 2010 von Heiner Wittmann

Amerikanisches FegefeuerSchon mit der Namensgebung des Protagonisten beginnt der Autor Haskell das Verwirrspiel: Los Angeles: Der Journalist und Filmkritiker Haskell schreibt einen Artikel über Filmstar-Imitatoren. Nach einem Interview mit einem Steve Martin Look-Alike beginnt Haskells eigene Transformation. Schritt für Schritt verwandelt auch er sich in eine weitere Version von Steve Martin und beginnt sein Leben als Filmstar. – Existentialismus L.A.-Style!

John Haskell war bereits mit seinem ersten Roman “American Purgatorio” – als > Amerikanisches Fegefeuer auf deutsch im Tropen-Verlag erschienen – 2006 im DAZ und hat nun wird am 13. Januar 2010 sein verwirrendes Identitätenspiel “Out of my Skin” im im Deutsch-Amerikanisches Zentrum / James-F.-Byrnes-Institut e.V. vorgestellt.

> Tropen Verlag (IV): Quer durch Amerika

John Haskell
> Amerikanisches Fegefeuer
Roman, übersetzt von Volker Oldenburg
264 Seiten
ISBN:978-3-608-50089-9

Radio + Website + Blog = DRadio Wissen

18. Januar 2010 von Heiner Wittmann

Seit es das Internet gibt, hat mich die Verbindung von Websites und Radio immer mehr fasziniert. Jahrelang war es der Griff zur Schere, um aus dem Familien-Hör zu den Radioteil auszuschneiden, wenn nicht schon ein anderes Familienmitglied ihn bereits erobert hatte. Dann kam das Internet und die ersten Websites der Radiostationen tauchten auf. Etwas später konnte man auf diesen Heimseiten auch einzelne Sendungen hören, später sogar herunterladen, und dann erblickte der LifeStream die Welt. Dann kam bei einem Barcamp mein Vortrag über die Hochzeit von Blog und Websites. Und nun hat das dradio, das altbewährte Radio, eine nagelneue Website, einen Blog zusammen mit einer sorgfältig ausgewählten Portion Web 2.0 zu einem neuen Sender zusammengebunden: Neben DeutschlandRadio und DeutschlandRadio Kultur gibt es jetzt > DRadio Wissen. Diese Medienhochzeit zwischen einem Traditionsmedium mit einem neuen Medium hat auch ihren Preis: “DRadio Wissen ist ausschließlich digital über Kabel, Satellit, DAB, Web-Radios oder direkt im Internet zu empfangen,” heisst es auf der Seite > Empfangsmöglichkeiten. Dafür wird aber alles richtig gemacht: Man kann die einzelnen Beiträge kommentieren, und es gibt auch einen Blog der Redaktion: > Wir haben heute noch was vor.

Schauen Sie sich auf der Website von DRadio Wissen um: Live hören, Podcast, DRadio Recorder: Radio im Internet!: Zum Hören und Mitdiskutieren! Merceds Bunz hat ein > Internet-Manifest verfasst. Studenten finden hier nützliche Informationen zum Studium Hanns-Josef Ortheil wird auf der Website einen > Buchladen bekommen, den er mit seinen Lieblingsbüchern füllen wird. Und wo geht das ganze hin: Der Astrologe Jan Reimer fragt sich oder die Sterne: > Was hält die Zukunft für DRadio Wissen bereit?. Genaueres zum > Konzept von DRadio Wissen schraubt die Erwartungen noch höher.

DeutschlandRadio Kultur:
Sven Hillenkamp, Die Unendlichkeit der Liebe

7. Januar 2010 von Heiner Wittmann

Das Ende der LiebeIm DeutschlandRadio Kultur hat Ariadne von Schirach das Buch von Sven Hillenkamp, Die unendliche Freiheit und das Ende der Liebe besprochen: > Tyrannei der Freiheit lautet der Titel ihrer Rezension.

> Nachgefragt: Die unendliche Freiheit und das Ende der Liebe
Sven Hillenkamp
Das Ende der Liebe
Gefühle im Zeitalter unendlicher Freiheit
1. Aufl. 2009
311 Seiten, ISBN: 978-3-608-94608-6

Merkur – Januar 2010

5. Januar 2010 von Heiner Wittmann

MERKURDas Januar-Heft des > MERKUR ist erschienen. Bisher ist es Ihnen nicht verborgen geblieben, dass der MERKUR zu meiner monatlichen Lieblingslektüre gehört. Es ist der Querschnitt durch viele Interessengebiete, die seine Lektüre so faszinierend macht. So vielfältig, dass viele den Schnittpunkt ihrer Interessen leicht wiederfinden. Aber eben doch nicht ein beliebiger Schnittpunkt. Es ist die Auswahl der Themen und die Art und Weise, wie es den Herausgebern immer wieder gelingt, die Probleme auf den Punkt zu bringen, der die Qualität dieser Zeitschrift so auszeichnet.

Im Janaurheft bespricht John R. Searle das Buch von Paul A. Boghossian, Fear of Knowledge. Against Relativism and Constructivism. Oxford, Oxford University Press 2006: Die Angst vor Wissen und Wahrheit: Über Relativismus und Konstruktivismus. Abgesehen davon, dass Searles Beitrag ein wunderbares Lehrstück ist, wie man so eine Besprechung anfertigt, sei dieser Beitrag allen, die sich gerne mal über den wissenschaftlichen Anspruch ihres Faches Gedanken machen wollen und sollten, unbedingt empfohlen. Zu diesem Beitrag passt auch die Marginalie in diesem Heft von Peter Ulrich: Republikanischer Liberalismus. Zum Verhältnis von Wirtschaft und Gesellschaft. Zwischen beiden muss, so Ulrich, stärker unterschieden werden. Es gilt, jeweils die Rolle der Bürgergesellschaft und die der Marktwirtschaft genauer zu definieren, denn sonst können politikwissenschaftlich korrekte Aussagen weder über das eine noch das andere gemacht werden. Salopp ausgedrückt: Worüber reden wir eigentlich? Wahrheit, Realität, Wissensansprüche, Objektivität und Rationalität: Searle bringt Ordnung in diese Begriffe, untersucht die Argumente Boghassians, nuanciert und bewertet sie und legt auf diese Weise hochinteressante Anregungen für wissenschaftstheoretische Überlegungen vor.

Literaturwissenschaftler, Historiker, Politikwissenschaftlicher, medientinterssierte jeder Art, Journalisten, und die Aufzählung geht noch lange weiter sollten den bweitrag von Michael Esders lesen: Storytelling: Über die Enteignung des Erzählens, der auf das Buch von Christian Salmon: Storytelling, La machine á fabriquer des histories et à formulerr les eprits, Paris, Edition La Découverte 2007, hinweist. Hier geht es um die Veränderung des Erzählens unter dem Einfluß der neuen Medien und z. B. um das was die Unternehmen aus der “Produktivkraft des Narrativen” machen. Die vielfältigen Bezüge zur Literaturgeschichte und zu Themen aktueller Unternehmenskommunikation machen Esders Beitrag zu einem hochspannenden Beitrag. Remarquons en passant: Liest man Albert Camus’s L’homme révolté mit seiner Romantheorie wird man merken, welche Rolle Erzählungen und Romane hinsichtlich politischer Entwicklungen zukommt. Esders Beitrag ist am Schnittpunkt von Politik, Geschichte, Soziologie und Literatur angesiedelt. Wie in meinem Buch über > Sartre bin ich aber auch hier nicht mit François Lyotard einverstanden, der von Esders zitiert wird. Lyotard lobt das Erzählen in all seinen Feinheiten, meint aber die Sehnsucht danach sei verlorengegangen. Ob das stimmt? Wenn ich an die vielen Veranstaltungen im > Stuttgarter Literaturhaus denke, kann ich das gar nicht glauben.

Volker Gerhardt hat einige kritische Anmerkungen zum Motto eines Festspielsommers 2009 unter dem Titel Spiel der Mächtigen notiert.

Co2. Das Thema! Gunter Schäble hat sich ihm angenommen und es von allen Seiten kritisch untersucht: Co2-Zwerge oder Mensch im Klima: “Mensch und Dackel sind aus gleichem Haus. Beiden fehlt es an Faulheit, beide sind etwas zu regsam oder rastlos oder motorisch gestört und ein bisschen todessüchtig. Der Mensch geht regsam und ein bisschen todessüchtig mit dem Klima um, der Dackel ebenso mit dem Wild.” > Wollen Sie weiterlesen?. Sein Beitrag erinnert an den Kommentar der FAZ (Daumenschraube, 2.1.2010: Je sauberer der Diesel, je feiner der Staub, umso gefährlicher ist er. jeder präsentiert neue Zahlenspiele und heizt die Diskussion noch mehr an. Um was geht es? Um das CO2, das “Dreitausendsechshunderstel der Athmosphäre” (S. 42) ausmacht? Angesichts der menschlichen Aktivtäten, die Schäble aufzählt, strengen wir uns maßlos an, diesen Anteil zu erhöhen. Irgendeine Reduzierung ist in ferner Sicht.

In der Ästhetikkolumne berichtet Wolfgang Ulrich wie sich das Berufsbild des Künstlers wandelt und Karin Horn erklärt, wie man Nobelpreisträger im fach Ökonomie wird. Cord Riechman schreibt über Alexander von Humboldt: Ziemlich viel Raum. Wolfram Hogrebe reznesiert Johannes Stüttgen, Der ganze Riemen. Joseph beuys – der Auftritt als Lehrer in der Kunstakademie 1966-1972, Köln, Walther König 2008: Gral und Waschmaschine. Jacob Hessing beschreibt die Situation der Juden der Bundesrepublik: Zickzackgeschichte und Carlos Widmann zeigt die Zusammenhänge zwischen Ezra Pound und der Wiederbelbung des Sozialfaschismus in Italien: Der Club des toten Dichters. Thomas Frahm erjkärt, wieso dei Transoformation in Bulgarien so schwer ist: Die nächste Wende kommt bestimmt.. Christian Engelbrecht hat einen Angestellten in Leipzig-Grünau besucht: Kremer will zurück ins Leben.

Das Leseprogramm für das Frühjahr 2010

15. Dezember 2009 von Heiner Wittmann

Der erste Ausblick auf das Frühjahr. Die nächste Messe kommt bestimmt:

> Tropen bei Klett-Cotta Neuerscheinungen Frühjahr 2010

> Psychologie Neuerscheinungen Frühjahr 2010

Klett-Cotta: > Sachbücher Neuerscheinungen Frühjahr 2010

und > Frühjahr 2010 Literatur Neuerscheinungen

Zuerst kommt der Buch > Glückliche Ehe von Rafael Yglesias dran. Das Leseexemplar liegt hier schon. Das Buch erscheint am 15.2.2010: Der 21-jährige Enrique Sabas begegnet in Manhattan der drei Jahre älteren Margaret Cohen. Etr weiß sofort, dass sie die Liebe seines Lebens ist. Er, ein literarisches Wunderkind, ein eigenbrötlerischer Schulabbrecher, ganz im Leben der Boheme (Henri Murger) verfangen, sie aus bürgerlichen Haushalt – aber sie finden zusammen: 30 Jahre Ehe. Mitte Februar erscheint hier mein Bericht über dieses Leseerlebnis.

Merkur – Dezember 2009

15. Dezember 2009 von Heiner Wittmann

MERKURDas Dezember-Heft des MERKUR ist erschienen. Volker Gerhardt versucht, eine Bemerkung Platons zu verstehen: Die Politik ist eine wahre Tragödie. Auf diese Weise trägt er kurzgefasst aber nicht minder präzise eine politische Ideengeschichte vor, die auch für Schüler in der Oberstufe sehr lesenswert ist. Hier werden Zusammenhänge erläutert und auch Grundwissen vermittelt, das auch Schülern einen Ausblick auf die Bedeutung der Geschichte und der Politischen Wissenschaften vermitteln können. Platon wiederlesen, das macht man, wenn man diesen Artikel gelesen hat. – Peter Baldwin fragt Wie breit ist der Atlantik?, er vergleicht europäische und amerikanische Realitäten und vermittelt dabei wichtige Einsichten in politische und wirtschaftliche Grundbedingungen. – Heinz Theisen votiert für eine Koexistenz der Kulturen: Grenzen der Integration. Er spricht sich für einen “Paradigmenwechsel” aus: “von der Integration zur Koexistenz der Kulturen.” (S. 1124). – Thomas Speckmann analysiert Russlands und Chinas doppelte Strategie: Vom Krieg der Stellvertreter und erklärt, wieso heute viele Russen die NATO “als ein sehr feindlicheres Bündnis als in den neunziger Jahren” (S. 1143) beurteilen. Die Osterweiterung der NATO und die weltweiten Operationen der NATO bis zum Hindukusch haben dazubeigetragen. Solche Artikel erinnern mich immer wieder an Professor Hans-Adolf Jacobsen, der uns in Bonn die Grundlagen des Systemvergleichs zwischen Ost und West erläuterte und immer wieder auf die Bedrohungsperzeptionen des Gegenübers verwies.

Kathrin Passig schreibt in ihrer Internetkolumne über Standardsituationen der Technologiekritik und erklärt das Auf und Ab der Befürwortung und Ablehnung neuer technischer Entwicklungen. Gerade erst hat Frank Schirrmacher in > Payback Ähnliches versucht und die Korrekturen aus seiner Sicht vorgetragen. Twitter, SMS, Google, E-Books u. ä. werden immer wieder zitiert und in ihrer künftigen Bedeutung über- oder unterschätzt. Passig weist daraufhin, wie stark die Technologiekritik vom Lebensalter und weniger von ihrem Gegenstand abhängt. – Horst Dreier berichtet in seiner Rechtskolumne über Die drei gängisten Irrtümer der Weimarer Reichsverfassung, und Walter Grasnik rezensiert den band von Ino Augsberg, Die Lesbarkeit des Rechts Texttheoretische Lektionen für eine postmoderne juristische Methodologie, Weilerswist: Velbrück 2009. – Gary Saul Morson beschriebt, wie Jonathan Brent in Stalins Archive gelangt: Durchdringender Gestank.

Und dann folgen noch die Beiträge, die aus dem Essaywettbewerb Unter dreißig herovrgegangen sind: Thomas Zaugg, Die Banalität des Balls, Johann Gottfried Hoof, Mein Verein, David Ludwig, Fledermäuse und die missverstanden Biologie des Menschen. Michael Pietrucha, Wenn ich nur wüste, was eine Fledermaus ist, Mansur Seddiqzai, Auf dem Weg weiser und Kai Spanke, Aus dem Leben eines Taschentuchs.

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