Verlagsblog

Leipziger Buchmesse 2017: 23.-26. März 2017

21. März 2017 von

> Klett-Cotta und Tropen auf der Leipziger Buchmesse März 2017 Halle 4, C105

Zum Download > Autoren von Klett-Cotta und Tropen am Stand

Auf nach Leipzig. Fahrkarten gebucht, > www.france-blog.info kommt mit.

> Brigitte Kronauer mit > »Der Scheik von Aachen« auf der Shortlist des Buchpreises der Leipziger Buchmesse: Klett-Cotta freut sich, bekannt geben zu können, dass Brigitte Kronauers außergewöhnlicher Liebesroman »Der Scheik von Aachen« für die Shortlist der Kategorie »Belletristik« nominiert wurde! Am Nachmittag des 23. März wird im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung bekannt gegeben, welche Bücher mit dem Buchpreis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet werden. >> Informationen zum Leipziger Buchpreis

> Volker Weiß wurde mit »Die autoritäre Revolte« für den Buchpreis der Leipziger Buchmesse nominiert

Zum Ausdrucken. Diese Bücher stehen im Mittelpunkt der > Veranstaltungen von Klett-Cotta auf der Leipziger Buchmesse *.pdf

Wenn Sie Arno Frank
> So, und jetzt kommst du
Roman
zur Hand nehmen, sollten Sie keine unmittelbaren Termine vor sich haben und das Umsteigen nicht vergessen.
1. Aufl. 2017, 352 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-50369-2


Volker Weiß
> Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes
1. Aufl. 2017, 304 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94907-0

Volker Weiß analysiert die brisante Entwicklung der rechtspopulistischen Bewegungen mit ihren Strategien und Methoden.


Daniel-Pascal Zorn
> Logik für Demokraten. Eine Anleitung
1. Aufl. 2017, 314 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-96096-9

Zorn erklärt scharfsinnig die argumentativen Auseinandersetzungen, vor die sich ein Demokrat immer wieder gestellt sieht. Wie kann man die Demokratie wirkungsvoll gegen ihre Feinde zu verteidigen?


Kristina Pfister,
> Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten
1. Aufl. 2017, 253 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-50159-9
„Es ist nicht einfach, sich einen so guten Schreibtstil anzueignen, wörtliche Rede und kurze Beschreibungen wechseln miteinander ab, und die Handlung zieht den Leser zum Miterleben in die Geschichte mit hinein. Kristina Pfitzer hat ihren Roman geschrieben, um den Leser miterleben und an der Geschichte teilhaben zu lassen.“ > Bitte weiterlesen


Stefan Lehnberg
> Durch Nacht und Wind
Die criminalistischen Werke des Johann Wolfgang von Goethe. Aufgezeichnet von seinem Freunde Friedrich Schiller. Herausgegeben von Stefan Lehnberg
1. Aufl. 2017, 237 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-50376-0

Der Großherzog von N. bekommt eine Mitteilung, dass ein Smaragdring, der sich in seinem Besitz befindet, mit einem alten Fluch beladen sey. Dieser soll unfehlbar den Tod seines Besitzers herbeiführen. Goethe und Schiller werden zur Hülfe gerufen …


Tom Malmquist
> In jedem Augenblick unseres Lebens
Roman
Aus dem Schwedischen von Gisela Kosubek (Orig.: I varje ögonblick är vi fortfarande vid liv)
1. Aufl. 2017, 301 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-98312-8

> Klett-Cotta und Tropen auf der Leipziger Buchmesse März 2017

Karl Heinz Bohrer: »Jetzt. Geschichte meines Abenteuers mit der Phantasie« – Lesung

18. März 2017 von

> Leipziger Buchmesse 2017: 23.-26. März 2017


Karl Heinz Bohrer, Jan Bürger, Stephan Schlak

Mo, 20.03.2017 19:30 Uhr bis Mo, 20.03.2017 21:00 Uhr
> Deutsches Literaturarchiv Marbach
Schillerhöhe 8 – 10, 71672 Marbach am Neckar

„Er gilt als einer der streitbarsten deutschen Intellektuellen: Wann immer Karl Heinz Bohrer in den letzten Jahrzehnten das Wort ergriff, meist in direkter Konfrontation mit dem Mainstream – die höchste Aufmerksamkeit, häufig auch Erregung seiner Zeitgenossen war ihm sicher. Anlässlich seines gerade erschienenen Buchs »Jetzt. Geschichte meines Abenteuers mit der Phantasie« (Suhrkamp Verlag) ist der herausragende Denker und Autor am 20. März im Deutschen Literaturarchiv Marbach zu Gast. Stephan Schlak und Jan Bürger befragen Karl Heinz Bohrer zu seiner Lebensgeschichte und intellektuellen Abenteuern, zu Weggefährten, Freunden und mitunter – erbitterten – Gegnern.“ Bitte weiterlesen

Lesebericht: Volker Weiß, Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes

17. März 2017 von

> Leipziger Buchmesse 2017: 23.-26. März 2017


Das Buch des Historikers Volker Weiß> Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes ist nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2017.

> Alle Termine zu diesem Buch

Zwar steht im Untertitel die „Neue Rechte“ aber nicht im Sinn von jetzt neu aufgestellt als Antwort auf dringende Probleme, sondern eher im Sinn von „alter Wein in neuen Schläuchen“, also Personen und Gruppen, die politische Entwicklungen oft auf fragwürdige Weise interpretieren und ausnutzen, um sich als „neu“ zu profilieren. Die wieder neu auftauchende „‚Abendländer‘ und Islamisten“ sind „in ihrem Kampf gegen Selbstbestimmung Waffenbrüder“, so resümiert der Klappentext eine der Thesen von Volker Weiß.

Fundamentalopposition gegen Europa, Kritik an der Flüchtlingspolitik, pauschale Warnungen vor dem Islam, und eine Partei, wie die AfD, die auf ihrer Website sich als (> AfD :) „Alternative für Deutschland. Demokratische Partei und Bürgerbewegung gegen die undemokratische und rechtswidrige Willkür der etablierten Altparteien“ anbietet. Es genügt ihr, die anderen Parteien als „undemokratisch“ zu bezeichnen und deren „Rechtswidrigkeit“ zu behaupten, um Zulauf zu bekommen. Zum Mechanismus der „dogmatischen Setzung“ hat sich gerade Daniel-Pascal Zorn in seinem Buch geäußert: > Lesebericht: Daniel-Pascal Zorn, Logik für Demokraten. Eine Anleitung.

Wir fragen uns, wie kommt der Erfolg auch mit Blick auf den FN in Frankreich der Rechtspopulisten zustande? Wie schafften die Anhänger der AfD es, aus ihrer ganz rechten Schmuddelecke heraus, in Landtage zu gelangen? Das Phänomen beschränkt sich keineswegs auf Deutschland: „die Rückkehr von Autorität und Religion von Politik vollzieht sich überall mit enormer Geschwindigkeit.“ (S.11) Die Neuen Rechten machen sich Ängste und Befürchtungen u. a. im Zusammenhang mit der Euro-Krise zunutze, um „durch die künstliche Schöpfung einer neuen rechten Tradition unter der Flagge einer ‚Konservativen Revolution‘ die sich nach 1945 vom Nationalsozialismus abgegrenzt wissen wollte…“, (S. 12) unter Zuhilfenahme nationalstaatlicher Gedanken, die vom „Verfallsprozess bürgerlich-konservativer Politik“ (ebd.) zu profitieren und darauf hoffen, dass Anhänger aus dem rechten bürgerlichen Lager ihren Sirenenrufen (blind) folgen.

„Archäologische Arbeiten“ nennt Weiß sein Vorgehen, die Entwicklung der neuen Rechten aufzudecken. Jede seiner Seiten ist spannender als jeder landläufige Artikel über die AfD. Die Mitglieder der AfD tun so, als ob die Ankunft der Flüchtlinge im letzten Spätsommer den Niedergang unserer Republik auslösen würden, stattdessen nutzen ältere rechte bis extremrechte Seilschaften Stimmungen aus, um sich selber in einem neuen Licht darzustellen. Weiß hat gründlich recherchiert und die Genealogie der lauten Populisten aufgeschrieben, die gut daran täten, sich nach der Lektüre dieses Buches, zurückzuhalten, zumal auch ihre Gegner mit Weiß‘ Analyse wissen, wie es um die Aufrichtigkeit und die Ziele der Neuen alten Rechten bestellt ist.

Auf dem Berliner „zwischentag“ am 6.10.2012 im Logenhaus in Berlin-Wilmersdorf war schon ein rechtes Sammelbecken mit Götz Kubitschek mit dem „Institut für Staatspolitik“ (IfS), dessen Hauszeitschrift Sezession, Kubitscheks Verlag Antaios, der nationalkonservativen Wochenzeitung Junge Freiheit, der Chemnitzer Schülerzeitung Blaue Narzisse und dem Internet Politically Incorrect (vgl. S. 16) „Ist der Islam unser Feind?“ wurde beim „zwischentag“ in der Diskussion von Karlheinz Weißmann, der als Historiker argumentierte, und Michael Stürzenberger gefragt, der auf die Angst setze und den Koran mit Hitlers Mein Kampf (vgl. S. 17) In der Diskussion des „zwischentags“ kamen auch die Begriffe „Volksaustausch“ und „Identität“ zur Sprache (S. 21) Ein Zwischenruf von Lichtmesz erinnerte an Arthur Moeller von den Bruck (1876-1925) und seine Formel „An Liberalismus gehen die Völker zugrunde.“ (vgl. S. 21) Der Diskussionsverlauf beim „zwischentag“ zeigt aber, dass nicht alleine der Islam als Bedrohung identifiziert wird, sondern „die globale Moderne mit all ihren Konsequenzen“. (S. 22) Der thüringische AfD-Vorsitzende Björn Höcke verkündet 2013 in Erfurt: „Der Islam ist nicht mein Feind, unser größter Feind ist die Dekadenz.“ (S. 25) Sich tolerant geben, aber Kritik üben, die Zuhörer applaudieren, das kann man sich so richtig vorstellen, aber ob sie wohl auch wissen warum? Weiß: „Die politische Agenda der Neuen Rechten ist seit Jahrzehnten ausformuliert.“ (S. 27) Haben wir da etwas übersehen?

Es folgt eine historische Analyse, faktenreich aber vor allem kenntnisreich, auf der Basis einer präzisen und geduldigen Recherche: „Das theoretische Gerüst der neurechten Bewegung ruht auf einem ausgeprägten Antirationalismus und die aristokratische Haltung ist nichts anderes als Pose,“ stellt Weiß fest. Schon Anfang der 70er Jahre stand die Neue Rechte „in einer faschistischen Bündnistradition“, (S. 31) so lautet sein Ergebnis.

Ein langes Kapitel ist dem Ideengeber für die Neue Rechte Armin Mohler (1920-2003) und seiner 1949 erschienen Dissertation Die Konservative Revolution in Deutschland 1918-1932 gewidmet, dessen Doktorvater Karl Jaspers in dem Irrtum die Arbeit annahm, damit würden die in ihr genannten Autor entnazifiziert werden. (vgl. 39-64, bes. 47). Die Schlussfolgerung, altes Gedankengut wird neu verpackt und mittels gewagter und oft falscher Interpretationen als einzigen Ausweg vor dem Chaos den Sympathisanten angeboten. Die Hetze gegen die Flüchtlinge darf die rechten Parteien der Koalition nicht verleiten, ebenfalls in trüben Gewässern zu fischen.

Der Weg zur AfD – die Sammlung der Kräfte.(S. 64 ff) Die neue Rechte war aber auch nicht nur eine Neuformierung, sondern ihre Anhänger hingen in den achtziger Jahren enger mit der bürgerlichen Rechten zusammen als heute, berichtet Weiß und analysiert die Entwicklung der „Jungen Freiheit“. 2000 entstand das oben genannte Institut für Staatspolitik (IfS) mit dem sich Karlheinz Weißmann und Götz Kubitschek für die Theoriearbeit einsetzten. 2003 wurde die AfD gegründet, deren innerparteilicher Streit zwischen Nationalkonservativen und Völkisch-Nationalen (S. 83-92, bes. S. 91) immer weiter schwelt. Die Identitäre Bewegung (IB) nimmt hauptsächlich die Flüchtlingsfrage als Gefahr für Europa in den Blick (S. 93-117) und kann ihre „Traditionsbestände“ (S. 118) nicht verbergen. Zur rechten Ecke gehört auch „Pegida“ und „HogeSa“ 2014 in Köln.

Das „Abendland“ wird einem eigenen Kapitel von Weiß als Begriff untersucht: S. 155-168 und als willkürlicher „Kampfbegriff“ im Sinne einer „Verbrämung eines neu angelegten ‚Rassenkampfes'“ (S. 186) eingeordnet. Dahinter erscheint auch der Traum eines „eurasischen‘ Kontinentalbündnis[ses] Moskau-Berlin(-Paris)“ (S. 202)

Was lernen wir aus Weiß‘ Buch? Die Kenntnisse der Ursprünge der sich jüngst neu zusammengefundenen populistischen politischen Gruppierungen verrät ganz erstaunliche Einsichten. Die jüngsten Debatten um die „faked News“ oder neuamerikanisch „postfaktische“ Behauptungen müssen ernstgenommen werden, bevor manche sie als Wahrheiten verkaufen. Bleiben wir hellwach, wenn uns Feststellungen genannt werden, um daraus sogleich politische Programme abzuleiten.

Volker Weiß
> Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes
1. Aufl. 2017, 304 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94907-0

Nachgefragt: Daniel-Pascal Zorn, Logik für Demokraten

15. März 2017 von

> Leipziger Buchmesse 2017: 23.-26. März 2017


Gestern hat der Philosoph Daniel-Pascal Zorn in der Stiftung Geißstrasse 7 in Stuttgart sein jüngst erschienenes Buch > Logik für Demokraten. Eine Anleitung vorgestellt. Das war eine beeindruckende Veranstaltung.(1) Zorn hat eine gut Stunde lang seinen Ansatz und die Argumente in seinem Buch in einem präzisen Vortrag sehr überzeugend erläutert. Ohne Moderator! SO wie 2007 Günter Grass

> Alle Termine zu diesem Buch

seinen Band Beim Häuten der Zwiebel vorgestellt hat. Wir nennen ihn hier als Beispiel, weil so gelungene Veranstaltungen ohne die Moderatoren oder Gesprächspartner leider so selten sind.

Am besten ist es, wenn die Autoren alleine ihr Buch vorstellen und sich hinterher den Fragen des Publikums stellen. In diese Reihe mit diesem wunderbaren „Format“ gehört also jetzt auch Oliver-Pascal Zorn. Getreu unserer Bloggewohnheiten, erst der > Lesebericht dann der Artikel Nachgefragt konnten wir auch bei diesem Anlass dem Autor einige Fragen stellen:

Unsere Fragen:

Angesichts des Erstarkens der Rechtspopulisten wie die AfD, möchten Sie die Demokraten stärken bei uns für den Dialog vonn neuem fit machen. > Logik für Demokraten lautet der Titel Ihres jüngst bei Klett-Cotta erschienenen Buches. Sie verstehen es als eine Anleitung – wozu?
Wie lautet Ihre Diagnose, wenn sie die Qualität des demokratischen Diskurses in der Bundesrepublik betrachten?
Auf dem Klappentext Ihres Buches steht: „Demokratie verpflichtet. Uns alle. Offen sein, zuhören, argumentieren!“ Reicht das?
Sie beklagen die deutschen Debattenkultur: „Die langersehnte Repolitisierung der Gesellschaft verkommt zum geistigen Schubladenkampf“, heißt es auf S. 10 f. Soweit die Diagnose. Welche Hilfsmittel möchten Sie Demokraten bei uns an die Hand geben?
Warum sollte man ein wenig in der griechischen Geschichte bewandert sein?
Welche Vorteile bekommt der Leser, wenn ein Philosoph wie sie und kein Politikwissenschaftler über unsere Debattenkultur sich äußert?
Sie schreiben viel über populistisches Denken. Reichen Ihre Handwerkzeuge, um es zu entlarven?

1. Michael M. Seehoff hat auf seinem Blog über die Buchvorstellung Logik für Demokraten berichtet, > Die Wucht der Worte – 15.03.2017

Daniel-Pascal Zorn
> Logik für Demokraten. Eine Anleitung
1. Aufl. 2017, 314 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-96096-9

Lesebericht: Daniel-Pascal Zorn, Logik für Demokraten. Eine Anleitung

13. März 2017 von

> Leipziger Buchmesse 2017: 23.-26. März 2017

Buchvorstellung mit Daniel-Pascal Zorn
Hatespeech, demagogische und populistische Sprache: Logik für Demokraten. Eine Anleitung

Di, 14.3.2017, 19:00 · Stiftung Geißstrasse 7 · Stuttgart


> Nachgefragt: Daniel-Pascal Zorn, Logik für Demokraten – 15. März 2017 von Heiner Wittmann

Dem Aufschwung der AfD und dem Erstarken des Front national in Frankreich haben die etablierten Parteien in der letzten Zeit nicht viel entgegenzusetzen gehabt. Erst kürzlich beklagten am 28. Februar 2017 Alexandre Lemarié, Raphaëlle Besse Desmoulières, Bastien Bonnefous, Cédric Pietralunga et Matthieu Goar in LE MONDE „Le renoncement des candidats face au FN“. Und dabei fehlt es wahrlich nicht an Argumenten gegenüber den menschenrechtsfeindlichen Positionen der Rechtspopulisten. Viele ihrer Argumente beginnen mit Behauptungen, die sehr oft schlicht falsch sind. Im > Grundsatzprogramm der AfD (kurz)

> Alle Termine zu diesem Buch

steht: „Die aktuelle Verengung der deutschen Erinnerungskultur auf die Zeit des Nationalsozialismus ist zugunsten einer erweiterten Geschichtsbetrachtung aufzubrechen, die auch die positiven, identitätsstiftenden Aspekte deutscher Geschichte mit umfasst.“ Es genügt ein Blick in die Verlagsprogramme mit ihren > zahllosen historischen Titeln wie auch bei Klett-Cotta, so wird erkennbar, dass das hier nur ein Beispiel dafür ist, wie eine Behauptung in die Welt gesetzt wird, die als Sachlage für ein politisches Programm herhalten muss. Mit der Ablehnung der EU verhält sich ganz ähnlich. Es wird ein Zerrbild der EU aufgebaut, wiederum das zitierte Grundsatzprogramm der AfD: „Wir stehen für die Freiheit der europäischen Nationen von fremder Bevormundung,“ ganz so als ob die Bürger der Mitgliedsstaaten in EU unfrei wären. Daraus entsteht dann eine Fundamentalopposition gegenüber der EU. Die EU als bemerkenswertes und erfolgreiches Friedensmodell seit ihrer Gründung ist natürlich kein Thema bei der AfD. Donald Trump hat es auch mit „postfaktischen“ Behauptungen geschafft, Präsident zu werden. Im Fall der AfD, auch beim FN geht es um simple Betrachtungsweisen mit meist falschen Schlüssen und ein eingängiges Rezept, dem vermeintlichen Mangel abzuhelfen. Im > Leitantrag zum Wahlprogramm 2017 steht „Ein bundesweites Vollprogramm (Fernsehen / Hörfunk) ist ausreichend, um den Auftrag eines unabhängigen öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu erfüllen.“ (S. 43) Ein solcher Vorschlag zielt auf die Zerschlagung der kulturellen Vielfalt und auf die Gleichschaltung der Landesrundfunkanstalten.

Zorn ermuntert uns, Demokratie immer wieder zu üben. Dabei richtet er unsere Aufmerksamkeit auf den demokratischen Diskurs als Grundlage politische Auseinandersetzung. Wird er monopolisiert, beansprucht eine politische Fraktion die Wahrheit für sich, in dem sie falsche Behauptungen aufstellt oder die Wirklichkeit verzerrt darstellt, sind alle Bürger aufgefordert, am politischen Diskurs teilzunehmen: „Demokratie verpflichtet. Uns alle. Offen sein, zuhören, argumentieren!“ steht auf dem Klappentext von Zorns Buch.

Es geht weniger um konkrete politische Vorgänge der letzten Zeit, hier geht es um Grundsätzliches. Der Titel dieses Buches > Logik für Demokraten. Eine Anleitung verlangt nach einer Erläuterung, die der Autor in der Einleitung prägnant darlegt. Er nennt die politischen Auseinandersetzungen in den sozialen Netzwerken und auf den Demonstrationen, wo behauptet wird „Wir sind das Volk!“ und die „Lagerbildung“ (S. 10) in der deutschen Debattenkultur: „Die langersehnte Repolitisierung der Gesellschaft verkommt zum geistigen Schubladenkampf“, heißt es auf S. 10 f. Zorn möchte „herausfinden, wie ein Weg von den verhärtenden Fronten zurück zu einem vernünftigen Diskurs aussehen könnte.“ (S. 11) Folglich analysiert er nicht tagespolitischen Diskussionen sondern legt ein kurzgefasstes philosophisches Lehrbuch über die Bedeutung der Logik in der Gesprächskultur vor: S. 15-27. Diese Seiten machen Lust auf die Lektüre des ganzen Buches. Wir haben die dogmatische Setzung hier eingangs schon einmal anklingen lassen. Dann nennt Zorn „Das Prinzip vom ausgeschlossenen Widerspruch“ (S. 21 f. ), das was oft mit dem Anspruch nicht widerspruchsduldend daherkommt, woraus die Agitatoren des Populismus dann ihr Programm ableiten. Zorns Einleitung enthält auch eine Aufforderung zum Mitmachen und Ausprobieren (S. 26).

Dogmatik rückt Politik in die Nähe des totalitären Denkens, das Zorn im 2. Teil seines Buchs unter die Lupe nimmt.

Im ersten Teil geht es um das Phänomen Populismus und seine Analyse. Gerüchte, Vorgänge, Ereignisse, wie entstehen politische Einstellungen, ab wann werden Urteile als wahr und als Grundlage für politische Programmatik herangezogen: cf. S. 38 f. Die Begriffe Pappkamerad, Selbst-Viktimisierung, Selbstheroisierung, die verschiedenen Formen der Fehlschlüsse vermitteln das Handwerkszeug, mit dem die Reden und die Programme der AfD und anderer Parteien dieses Spektrums geprüft werden können. Und dann kommt auch noch die Behauptung der Rechtspopulisten für das „ganze Volk“ sprechen zu wollen: „Es geht um uns“ und „Wir sprechen für sie“ > Afd – aufgerufen am 12.3.2017. S. Glossar: > Argument des Schweigens. Das Kapitel „Die Taktiken des Fallenstellers“ (S. 62-71) präzisiert die Taktik der Rechtspopulisten. Demagogen gab es unter einer anderen Bedeutung des Wortes auch schon im Zeitalter Perikles im 5. Jh. v. Chr in Griechenland (> Lesebericht: Josiah Ober, Das antike Griechenland. Eine neue Geschichte) (s. S. 72-91) Der Ausflug in die griechische Geschichte, S. 72-91) bietet wichtiges Grundlagenwissen für demokratische Prozesse, damit führt Zorn seine Argumentation weiter und erklärt, wie Populisten sich an das „Körnchen Wahrheit“ (S. 94) klammern.

Wie ist aber um die Populisten bestellt, die sich an das „Körnchen Wahrheit“ klammern und sich anmaßen an das ganze Volk, ja für das Volk zu sprechen: „Es geht um uns.“ oder „Wir sprechen für Sie,“ steht auf der Homepage der > AfD – aufgerufen am 12.3.2017. Zwar kommt das Wort Bürger auch im Programm der AfD vor, aber dort wo „Bürger“ (mit der ganzen Vielfalt ihrer Meinungen) stehen könnte, steht „das Volk“. (cf. auch S. 215, 222) Noch ein klares Wort zum Populismus: „Er sammelt die Unzufriedenen und Nicht-Repräsentierten aller Sozialen Schichten ein und verbindet sie über ihre Ablehnung miteinander.“ (S. 97) „Populäres Denken drängt stets zum Totalitären,“ ist das Stichwort für Teil 2 „Totalitäres Denken“ (S.99-165), das sich seien eigene Freiheit nimmt, losgelöst von Schwierigkeiten aller Art (cf. S. 109), ständig Unerwünschtes ablehnt (cf. S. 110).

„Demokratisches Denken“ im 3. Teil beginnt mit einer Erinnerung an >Jean-Paul Sartre und seien Beschreibung der Entdeckung des Anderen. Es ist spannend zu verfolgen, wie Zorn, philosophische Analysen, hier inspiriert durch Sartre, heranzieht, um seine Argumentation zu erläutern und noch einmal einen Ausflug in die griechische Geschichte zu machen.

Der Wunsch nach direkter Demokratie ist u.a. von dem Wunsch nach dem einen Volk inspiriert. „Wir wollen dem Volk das Recht geben, über vom Parlament beschlossene Gesetze abzustimmen,“ schreibt die AfD in ihrem Grundsatzprogramm (lang), S. 9. Dazu und der radikalen Demokratie, Zorn: 213-220, bes. S. 220).

Kein Geheimnis. Demokratie ist anstrengend. Wehrhaft gegen Anfeindungen kann sie nur sein, wenn man sich engagiert und nicht der Versuchung nachgibt des „subjektiven Dogmatismus“ (cf. S. 199) nachgibt.

Tatsächlich gelingt es dem Autor, streitbaren Demokraten an bewährte Hilfsmittel zu erinnern, mit denen die Verlautbarungen der Rechtspopulisten noch einmal nachzulesen sind. Ihre politischen Gegner müssen sich allerdings auch fragen lassen, ob man im demokratischen Dialog in den letzten Jahren in unserem Land etwas versäumt hat, was die Wähler heute in die Arme der AfD treibt? Wurde von der Bundeskanzlerin die Entscheidung, Flüchtlinge in so großer Zahl im August/September hereinzulassen, den Bürgerinnen und Bürgern hinreichend erläutert? Warum heißt es so zu Beginn der Gesetzgebungsverfahren oft die Fraktionen hätten sich (meist nachts) „geeinigt“ – und was macht der Bundestag, wo die Sitzungen oft nach Drehbuch ablaufen?

Im Anhang, S. 287 ff. steht ein sehr beachtenswertes Glossar, in dem die philosophischen Grundbegriffe der Logik nocheinmal erläutert werden.

Jetzt hat der Philosoph Daniel-Pascal Zorn eine Anleitung für Demokraten verfasst, mit dessen Titel er seinen Ansatz prägnant zusammenfasst: > Logik für Demokraten. Es geht ihm darum, die Prozesse und Verfahren zu nennen, mit denen die Populisten Erfolge verbuchen, wie sie die freie Gesellschaft in Gefahr bringen, und dabei die vom Autor vorgeschlagene > Logik für Demokraten beachten, so müssen alle im Bundestag vertretenen Parteien sich auch fragen, ob die von ihnen inspirierte Debattenkultur im Hohen Hause wirklich auf dem Stand der „wehrhaften Demokratie“ sich befindet, geht es doch mehr als je wieder darum, sie gegen ihre Feinde zu verteidigen.

Daniel-Pascal Zorn
> Logik für Demokraten. Eine Anleitung
1. Aufl. 2017, 314 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-96096-9

Buchvorstellung in Stuttgart: Daniel-Pascal Zorn, Logik für Demokraten. Eine Anleitung

12. März 2017 von

> Leipziger Buchmesse 2017: 23.-26. März 2017


Hatespeech, demagogische und populistische Sprache: Logik für Demokraten. Eine Anleitung

Di, 14.3.2017, 19:00 · Stiftung Geißstrasse 7 · Stuttgart, Baden-Württemberg

„“Stell’ dir vor, du sollst mit Frauke Petry, Norbert Hofer, Donald Trump und Christoph Blocher diskutieren…“ Demokratisches Handeln und Denken hat nur Bedeutung, wenn es immer wieder eingeübt wird. Es gibt dem Leser die Denkwerkzeuge an die Hand, um sich den Gegnern und Feinden demokratischen Denkens entgegenzustellen.

Autorenlesung mit Daniel-Pascal Zorn. Eine Veranstaltung im Kooperationsprojekt „Wucht der Worte“ (Stiftung Geißstraße, Verlag Klett-Cotta u. Stuttgarter Schriftstellerhaus).“ (Ankündigung des Veranstalters)

Daniel-Pascal Zorn
> Logik für Demokraten. Eine Anleitung
1. Aufl. 2017, 314 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-96096-9

und:

Logik für Demokraten. Eine Anleitung zum Umgang mit populistischen Argumentationen
DO 01.06.17, 19:00 – 21:00 Uhr
Hospitalhof Stuttgart, Büchsenstr. 33, 70174 Stuttgart

Referent: Dr. Daniel-Pascal Zorn, Studium der Philosophie, Geschichte und Komparatistik. Forschungsschwerpunkte: Argumentationstheorie und Philosophiedidaktik. Kolumnist und Sachbuchautor.

Weitere Informationen: > https://www.torial.com/daniel-pascal.zorn

Kostenbeitrag: 7,00 € / 5,00 €
Kontakt: info@hospitalhof.de, Tel. 0711 / 20 68 -150

Lesebericht: Arno Frank, So, und jetzt kommst du

11. März 2017 von

> Leipziger Buchmesse 2017: 23.-26. März 2017


Wir haben in unserem letzten Beitrag mit den Ankündigungen zur > Leipziger Buchmesse 2017: 23.-26. März 2017 festgestellt: Wenn Sie den Roman von Arno Frank, > So, und jetzt kommst du zur Hand nehmen, sollten Sie keine unmittelbaren Termine vor sich haben und möglichst eine Zugverbindung ohne Umsteigen gebucht haben.

> Alle Termine zu diesem Buch

Jürgen, Jutta mit ihren Kindern, der Erzähler, Jeany unter ihnen noch im Kinderwagen, Fabian zügelt nach, sind die Hauptpersonen in diesem, nein, ein Erziehungsroman ist das nicht gerade, auch wenn er den Kindern vorspielt, wie das Leben sich anfühlt, wenn jemand auf die schiefe Bahn gerät und seinen Familienclan unbarmherzig, kompromisslos immer mit dem Versprechen auf eine bessere Zukunft mit sich führt.

Es fängt alles allmählich an. Briefe mit offiziellem Erscheinungsbild kommen an und wandern in die große Papierablage. Was macht Vater? Er handelt mit allem möglichen Krimkrams, der sich im Haus zu stapeln beginnt. Dann bekommt Vater Jürgen wirklich einen Job und verkauft Gebrauchtwagen, ganz korrekt geht es nicht zu. Wer uns einen Wagen bringt, bezahlt die Reparatur, der Käufer bezahlt sie auch, wir reinigen bloß, erklärt er seinem Sohn: „So, und jetzt bist du dran.“

Und Vater arbeitet an dem ganz großen Deal, das Business soll richtig abheben: „ready, willing and able“, muss der Käufer sein. Der Sproß wundert sich, dass die Provision so lange auf sich warten lässt. Schnauz wird überfahren, und dann kommt auch noch die Polizei, um an der Haustür zu klopfen. Warum mussten auch die Briefe „mit dem zauseligen Löwen“ im Altpapier landen? erinnert sich der Erzähler. Die Polizei wartet vor der verschlossenen Haustür und dreht dann wieder bei. Nachts hat es auf einmal wohl geklappt, Papa ist reich und alle werden in den Familien-BMW gepackt und Papa braust mit ihnen davon.

Sein Sohn findet sich in einer französischen Schule an der Côte d’Azur wieder. Ein schicker Bungalow ist jetzt ihr Zuhause. Im großen Stil wird gelebt, das Geld fließt: „Das Geheimnis ist das alle bescheißen. Alle.“ Jürgens Lebensweisheiten sind etwas dürftig und sein Sohn mag ihm nicht so recht trauen.

Wir müssen hier weg, wäre auch ein guter Titel gewesen. Natürlich ist auch viel Geld einmal aufgebraucht und die Familie ist wieder unterwegs, es geht nach Portugal, wo Papa ein kleines Doppelzimmer in einem Hotel findet. Wie er das gemacht hat, erklärt er seinem Filius, der immer noch zwischen ein bisschen Bewunderung und aufkeimenden Entsetzen schwankt. Nicht das nicht vorhandene Geld, sondern die Geduld des Wirts ist nach einigen Monaten vorbei. Wir müssen hier weg.

Arno Frank hat – so der Klappentext – eine wahren Geschichte aufgeschrieben. Soviel Kaltblütigkeit auf einmal gibt es doch gar nicht, sagt sich der Leser, wenn er die Familie auf ihrer Hatz durch Europa begleitet und mit den Kindern mitleidet. Ob der Vater glaubt, dass sich alle gegen ihn verschworen haben? Sein Kampf gegen alle? Tragisch und komisch zugleich. Frank stellt die gelungene Mischung her, die den Leser in die Geschichte so hineinzieht, dass er erst auf der letzten Seite bedrückt und mitgerissen aufhören kann.

Arno Frank
> So, und jetzt kommst du
1. Aufl. 2017, 352 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-50369-2

Tom Malmquist, Lesebericht: In jedem Augenblick unseres Lebens

11. März 2017 von

> Leipziger Buchmesse 2017: 23.-26. März 2017


Unser Gastblogger Oliver W. Steinhäuser > www.buchundmedienblog.com hat das Buch von Tom Malmquist für den Klett-Cotta-Blog gelesen:

Die Geburt eines Kindes ist der wohl aufregendste und glücklichste Moment eines sich liebenden Paares. Ein Anlass, mit dem man das Überqueren der Türschwelle eines Krankenhauses nicht mit Krankheit und Verlust, sondern mit der Entstehung neuen Lebens verbindet. Leider geht das nicht immer so einfach, und Tom muss dabei eine traurige Erfahrung machen. Das Schicksal hat für ihn keine traditionelle

> Alle Termine zu diesem Buch

„Vater-Mutter-Kind-Familie“ vorgesehen, denn bei seiner Partnerin Karin wird im Verlauf der Schwangerschaft Leukämie diagnostiziert. Dank eines ungeplanten und dann auch noch frühen Kaiserschnitts öffnet sich für seine Tochter Livia das Tor zur Welt, während die nicht heilbare Krankheit ihm innerhalb kürzester Zeit seine Freundin Karin nimmt.

Mit Luftnot liefert Tom Karin im Krankenhaus ein. Die Diagnose lautet Leukämie in einem bereits weit vorangeschrittenen Stadium. Bevor jedoch die Therapie begonnen werden kann, muss ihr Kind per Kaiserschnitt entbunden werden. Karins letzte Entscheidung, bevor Medikamente und fortschreitender Zerfall sie von ihrem Bewusstsein trennen lautet: Livia. Der Name eines Kindes, das sie selbst nur aufgrund pränataler Kindsbewegungen in ihrem Körper kennt.

Der Leser ist nach nur wenigen Seiten in einer traurigen und belastenden Geschichte gefangen. Er lernt den Vater Tom in einer auch ihm unbekannten Umgebung kennen. Er hetzt durch die Gebäude und Gänge des Krankenhauses, zwischen der Frühgeborenen-Station und der Thorax-Intensivstation. Das Krankenhaus verlässt Tom nur mit seiner Tochter.

Zur Verarbeitung des Geschehenen und zur Erinnerung an eine erfüllte Vergangenheit mit seiner Freundin, schreibt Tom Malmquist im Namen seines Protagonisten Tom Malmquist einen Roman. Gegenwart und Erinnerung bekommen einen gleichrangigen Stellenwert. Erinnerungen an das Verliebtsein, an die Freuden und die Zweifel. „In jedem Augenblick unseres Lebens“ führt uns die Macht des Schicksals vor Augen und offenbart, dass wir trotz widriger Umstände jeden Moment unserer Existenz zu leben haben.

Das konsequente Auslassen von Anführungszeichen der wörtlichen Rede verstärkt die Machtlosigkeit während der tragischen Ereignisse. Worte und Situationen gehen ineinander über, drohen dem Leser zu entgleiten. Zeilen verschwimmen im Kummer, in Ohnmacht, und sind für Tom nicht in Worte zu fassen. Malmquist schreibt ein Buch, in dem das Überspringen einzelner Zeilen unverzichtbar scheint. Denn nur wer im kontinuierlichen Fluss der Dialoge gelegentlich den Überblick verliert, hat eine Ahnung über die Überforderung des Protagonisten und Vaters.

Zwischen all den Hürden und Anstrengungen, denen Tom ausgesetzt ist, erfährt der Leser eine Menge über Säuglinge Informationen, über die nur Eltern verfügen: Beispielsweise die korrekte Menge an Vitamin D, den Moro-Reflex oder Kindspech. Oder den besten Zeitpunkt zur Vaterschaftsanerkennung und der Einwilligung der Mutter zum geteilten Sorgerecht in seinem Fall leider zu spät, denn die Kindsmutter ist tot. „Was mich bei diesem Zirkus am meisten verletzt, ist die Tatsache, dass eine simple Heiratsurkunde, die man schon unterschreiben kann, wenn man sich nur eine Viertelstunde aus der Kneipe kennt, mehr zählt, als dass man zehn Jahre zusammen gelebt hat, ist eine Heiratsurkunde denn wichtiger als die Geschichte einer Familie?“ (S. 167)
Eine Bürokratie, die kaum auszuhalten ist!

Falsch liegt, wer hinter „In jeden Augenblick unseres Lebens“ einen tränentreibenden Trauerroman vermutet, denn dem Leser bleibt ebenso wenig Zeit zur Trauer, wie dem Protagonisten Tom. Wir sind zusammen mit ihm und der Bewältigung seiner Probleme so beschäftigt, dass wir dem Überlebenstrieb mehr folgen als uns in Larmoyanz zu ergeben.

Tom Malmquist
> In jedem Augenblick unseres Lebens
Roman
Aus dem Schwedischen von Gisela Kosubek (Orig.: I varje ögonblick är vi fortfarande vid liv)
1. Aufl. 2017, 301 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-98312-8

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