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Lesebericht: Anders Winroth, Die Wikinger. Das Zeitalter des Nordens

12. Juli 2016 von

winroth-wkingerDie Wikinger. Das Zeitalter des Nordens von Anders Winroth erzählt eine ganze Epoche vom Anfang des 9. bis zum Ende des 11. Jahrhunderts. Genauso überraschend wie erfolgreich > die Isländer bei der EM 2016 auftauchten, so erschienen die Nordmänner am 24. Juni 843 vor Nantes, um die Stadt zu überfallen. Das Kloster Indre kam auch gleich dran und wurde so gründlich verwüstet, dass der Wiederaufbau nicht mehr stattfand. Wie an vielen anderen Orten später tauchten die Wikinger schnell und unvorhergesehen auf und verbreiteten Angst und Schrecken. Aber oft war nur ihre Ankunft kriegerischer Natur. Schon auf Kriegszügen trieben sie auch Handel, so wie viele von ihnen sich gar nur in friedlicher Absicht bewegten.

Winroth erklärt auch sehr anschaulich die Quellenlage und gibt so zu verstehen, wie historische Erkenntnisse entstehen. Er erklärt den Ursprung der von ihm genutzten Quellen, ordnet sie ein und bewertet sie. Gerade auch weil er einen so langen Zeitraum, mehr als drei Jahrhunderte des Hochmittelalters beschreibt, werden auch Studenten auch Studenten seine Darstellung mit Gewinn lesen können.

„Gewalt in einer gewalttätigen Zeit“ lautet eine der Kapitelüberschriften, in dem die Waffen und ihr Einsatz vorgestellt werden. Prudentius (* in Spanien – † 6. April 861) (*778, Kaiser 813-840) in Aachen erwähnt die Plünderung von Nantes, so als ein Ereignis unter vielen anderen, während Erzbischof Hinkmar (*800/10 – † 882) schreibt auch als Chronist und berichtet über die Nordmänner die „Verwüsteten, pLünderten und metzelten“ (vgl. S. 33) Waffenteile und Bilder als Informationen über Schlachten lassen wie Puzzlesteine zu einem Bild zusammenfügen, über das der Historiker berichten kann.

Nicht immer zogen die Wikinger nur in den Krieg, im Kapitel 3 berichtet Winroth über die Familie Rörik, die einen blieben zu Hause, die anderen ziehen im 9. Jahrhundert in die Fremde und kehren nicht wieder zurück, einer von ihnen wurde im Gebiet des heutigen Hollands König als Vasall fränkischer Kaiser und Könige, der andere Rörik ging in den Osten und gründete dort die Dynastie der Rurikiden, die die nächsten 600 Jahre als Großfürsten Russland beherrschte. Vgl. S. 66 Spannende Schicksale, die die Macht der Wikinger unterstreichen.

Kapitel 4 ist der Schifffahrt gewidmet, deren Schiffe auch als Sarg für die Fahrt ins Jenseits wieder entdeckt wurden. Im Museum in Oslo kann man eines der besterhaltenen Wikingerschiffe besichtigen. Winroth verrät auch viel sehr Wissenswertes über die erstaunliche Seemannskunst der Wikinger.

Wie bereits gesagt, die Wikinger führten Kriege, grausame Kriege, aber sie trieben auch sehr erfolgreichen Handel, dessen riesige Reichweite mit den zahlreichen Münzfunden rekonstruiert werden kann.

Wie will man europäische Geschichte verstehen ohne den Anteil der Nordmänner an ihr zu würdigen? Macht wurde gewonnen und schnell wieder verloren. Die skandinavische Geschichte de Mittelalters kennen ziemlich gut durch Chroniken und die Dichtkunst, deren Ergebnisse Winroth geschickt zu einer spannenden Erzählung über politische und Machtrituale zusammenfügt.

winroth-wkingerIn weiteren Kapitel berichtet Winroth über soziale Beziehungen und die Landwirtschaft. Das Kapitel 8 enthält eine Darstellung der „Religionen des Nordens, in die allmählich das Christentum eindringt. Das Kapitel 9 über Kunst und Literatur gehört zu den spannendsten dieses Buches, es ist gut platziert, man kann die Tragweite und die Bedeutung der der hier vorgestellten Schreibkunst noch besser verstehen, wenn man sich vorher über den wirtschaftlichen und politischen Werdegang der Wikinger informiert hat.

Das Ende dieses Zeitalters kommt jäh. Die letzte Schlacht am 25. September 1066 nahe des englischen York bringt den Engländern den Sieg und den Wikingern eine verheerende Niederlage. Ab dann haben es sich die Nordmänner genauer überlegt, ob sie wieder in einen Krieg ziehen.

Anders Winroth hat in konziser Form eine spannende Gesamtdarstellung der Epoche der Wikinger vorgelegt. Keinesfalls nur Krieger, hatten sie eine erheblichen Einfluss auf den Handel in Europa. Die kulturelle, literarischen und dichterischen Zeugnisse ergänzen Winroths Berichte über politische Rituale, und geben der Verbindung von Kultur und Politik in dieser Darstellung einen breiten Raum..

Anders Winroth
Die Wikinger.
Das Zeitalter des Nordens

Aus dem Amerikanischen von Susanne Held (Orig.: The Age of the Vikings)
1. Aufl. 2016, 368 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, farbiger Tafelteil, Karten und sw Abbildungen
ISBN: 978-3-608-94927-8

Lesebericht: Psyche 7 – Juli 2016

7. Juli 2016 von

Dieser Lesebericht dokumentiert das Interesse seines Vf. beim Lesen dieses Heftes:

Gerade ist das Juli Heft der > Psyche schienen. Ihr Untertitel lautet „Zeitschrift für Psychoanalyse und ihre Anwendungen“. Drei Artikel stehen im Mittelpunkt dieses Heftes, einer von Andreas P. Herrmann über Behandlungsfehler in der psychoanalytischen Praxis, ein Aufsatz von Burkhard Liebsch über Angst und der Bericht von Martin Klüners über psychoanalytische Kategorien in der Geschichtswissenschaft.

Andreas P. Herrmann untersucht „Behandlungsfehler und Fehlerkultur in der psychoanalytischen Praxis“. Auch die Psychoanalyse hat früh Behandlungsfehler erkannt, sie aber (leider) in der Praxis wenig hinterfragt, so lautet Herrmanns These. Er berichtet zunächst über die Art der Fehler, die vorkommen und untersucht dann die Folgen fehlerhafter Behandlungen. Seine beeindruckende Bibliographie (S. 587 ff) belegt, dass das Thema keinesfalls neu ist, eher in seinen Konsequenzen immer noch vernachlässigt wird. Dabei verdienen sie möglicherweise mehr Aufmerksamkeit als ethische Grenzverletzungen.Arhiv: PsycheEs ist nicht einfach, zwischen Gelingen und Scheitern zu unterscheiden, aber neuere psychoanalytische Konzepte, scheinen diese Unterscheidung zugunsten eines neuen Zugangs zu Behandlungsfehlern zu stützen. In diesem Sinne plädiert Herrmann für eine psychoanalytische Fehlerkultur (S. 602 ff), die bereit ist aufgrund dieser Erkenntnisse ihre Praxis konstruktiv weiterzuentwickeln. Dazu gehören Kriterien, mit denen zwischen Fehlern, Irrtümern und Täuschungen unterscheiden werden kann, (S. 610 ff) soll den Zugang zu einer produktiven Diskussion über dieses Thema erleichtern.

Burkhard Liebsch begibt sich auf „Auf Hobbes’, Nietzsches und Freuds Spuren:“ „Zum politischen Potenzial gegenwärtiger Furcht“. Thomas Hobbes (1588-1679) dachte über Angst und Furcht nach und fand diese Unterscheidung auch bei Aristoteles (384-322 v. Chr.):

> Aristotle’s Treatise on Rhetoric: Literally Translated; with Hobbes‘ Analysis, Examination Questions and an Appendix Containing the Greek Definitions. Also, The Poetic of Aristotle, Literally Translated, with a Selection of Notes, an Analysis, and Questions, Bell & Daldy, 1872, S. 113.

Wie ist es nun, fragt Liebsch, mit der nicht „defensiven“ Angst, sondern mit einer politisch „produktiven“ Furcht, die antizipiert und ab wann muss man sich vor unbegründeter Angst in Acht nehmen?

1. Aus Angst Frucht – Furcht vor Angst, S. 618 ff: stellt erstmal eine Bestandsaufnahme vor: Was löst Angst und Frucht aus? Man darf dabei auch an Sartre denken, der in L’être et le néant (1943) die Angst vor der grenzenlosen Freiheit anführt.

Aber die Unterscheidung zwischen Furcht und Angst ist kompliziert, für Hobbes war die Furcht eine generelle Angst:

> The Gallery of Portraits: With Memoirs, Band 6 Society for the Diffusion of Useful Knowledge, Knight, 1836, S. 25.

hobbes-policy<<< Thomas Hobbes, Hobb's Tripos: In 3 discourses. The 1.: Humane nature, or the fundamental elements of policy ... The 2.: De corpore politico, or the elements of law, moral and politick ... The 3. Of liberty and necessity ... Gilliflower, 1684 – 317 Seiten. Wie oft das Wort > „fear“ hier vorkommt! Hobbes war der Ansicht, so berichtet Liebsch, die Erziehung der Kinder müsse, „unvermeidlich den im Prinzip jederzeit drohenden … Naturzustand, der ein zustand des Krieges ist, antizipieren, in dem die Furcht voreinander unbeschränkt herrscht.“ S. 623

Lesen wir wir Google Books Hilfe nach: <<< Thomas Hobbes, Hobb’s Tripos: In 3 discourses. The 1.: Humane nature, or the fundamental elements of policy… op. cit., S. 187:

„Furcht hat und macht Geschichte“ lautet Liebschs Überschrift über seinem 2. Kapitel. Hier wird sein Aufsatz zu einem auch politisch anregenden Traktat. Furcht bewältigen – durch Bejahung? fragt die 3. Überschrift. „Frucht vor dem Unbestimmten und Politik aus und mit Furcht“ S. 628 ff.

Unsere Politiker geben sich eigentlich immer furchtlos, obwohl sich doch ständig genug Anlässe bieten, Furcht zu empfinden. Friedrich Nietzsche und Carl Schmitt werden hier als Gewährlsleute für Liebschs Überlegungen angeführt. Gute Gründe, in den Werken beider Autoren nachzulesen. In Anlehnung an Schmitt resümiert Liebsch: „Solange der Feind lebt, sei es auch durch unserer Fiktionen und Phantasien, gibt es uns noch.“ S. 631 Furcht vor Furcht (politisch) lautet die 5. Zwischenüberschrift, des Kapitels das uns endgültig überzeugt, diesen Aufsatz nachhaltig zur Lektüre zu empfehlen. Liebsch nennt viele Autoren, die auch z. B. Geschichtsstudenten oder Studenten der Politischen Wissenschaften kenne sollten, wenn sie Triebkräfte der Geschichte durch die Jahrhunderte hindurch verstehen wollen. Kritik? Eigentlich schade, dass dieser interessante Beitrag etwas versteckt in > Psyche 7/2016 erscheint, andererseits aber auch wieder eine Auszeichnung, weil so die Vielfalt der psychoanalytischen Ansätze und ihre Tragweite unterstrichen wird.

Martin Klüners ergänzt den Aufsatz von Burkhard Liebsch mit seinem Beitrag „Das Unbewusste in Individuum und Gesellschaft. Zur Anwendbarkeit psychoanalytischer Kategorien in der Geschichtswissenschaft“, der damit über den 1971 erschienenen Aufsatz von Hans-Ulrich Wehler „Verhältnis von Geschichtswissenschaft und Psychoanalyse“ weil mittlerweile überholt (vgl. S. 645), hinausgehen will. Wehler hatte damals die Grenzziehungen zwischen der Geschichtswissenschaft und den Methoden der Psychoanalyse bestätigt, „zementiert“, schriebt Klüners, S. 644., was ja auch für das angespannte Verhältnis der Geschichtswissenschaft zur Literaturwissenschaft gilt. Klüners stellt neue Forschungsperspektiven vor, so erscheint Wehlers Annahme einer „Dichotomie von Individuum und Gesellschaft, die Wehlers Kritik an der Psychonalyse letzlich zugrundeliegt“ immer fragwürdiger. S. 651. Im Kapitel 4. „Ansätze zu einer Soziologie des Unbewußten“ erinenrt Köners an Droysen, der die Problematik von Individuum und Gesellschaft vermehrt in den Blick denommen hat. Nebenbei bemerkt, das „Universel singulier“, „das einzelne Allgemeine“ – Vgl. H. Wittmann, > Sartre und die Kunst. Die Porträtstudien von Tinotrettto bis Flaubert, Tübingen: Narr 1996, S. 117-119 – gehört zum Kern des Ansatzes, mit dem Sartre das Verhältnis von Autor und Werk in „L’Idiot de la famille. La vie de Gustave Flaubert 1821-1857“ untersucht. Es tut seinem Ansatz keinen Abbruch, wenn der Freud-Biograph Sartre (> Le Scénario Freud, Paris: Gallimard 2004) das Unbewusste ablehnt, weil er nur ein Bewußtsein von etwas kennt. „Überindividuelles Unbewusstes in der Gruppenanalyse“ lautet die Überschrift des 5. Kapitels von Klüners, in dem er vorsichtig die Hoffnung äußert, „das traditionelle geschichtsphilosophische Kernproblem nicht beabsichtigter Handlungsfolgen erforsch-, durch eine Aktualisierung und Reformulierung des Konzepts „Geschichtsphilosophie“ zu machen, falls es „zukünftig gelingt, das Problem des gesellschaftlichen bzw. kulturellen Unbewussten mit belastbaren Mitteln zu analysieren.“ Bibliographie S. 670-673!

Es folgen noch Buchbesprechungen: Leuzinger-Bohleber, Marianne; Böker, Heinz; Fischmann, Tamara; Northoff, Georg; Solms, Mark, Psychoanalyse und Neurowissenschaften. Chancen – Grenzen – Kontroversen. (Psychoanalyse im 21. Jahrhundert. Klinische Erfahrung, Theorie, Forschung, Anwendungen.) (Nora Hettich), Härtel, Insa, unter Mitarbeit von Sonja Witte, Kinder der Erregung. »Übergriffe« und »Objekte« in kulturellen Konstellationen kindlich-jugendlicher Sexualität (John Borneman) und über Goldstein, Kurt, Der Aufbau des Organismus, Paderborn: Fink 2014 (Maria Becker)..

> Psyche 7/2016

Freitag, 1. Juli in Klagenfurt: Jan Snela liest um 11 Uhr

30. Juni 2016 von

> 40. Tage der deutschsprachigen Literatur in KLagenfurt

> bachmannpreis.orf.at/

Jan Snela liest am Freitag um 11 Uhr. Ihr könnt die Lesung live auf > 3sat verfolgen. Und vergesst nicht, am Samstag ab 15 Uhr für den Publikumspreis abzustimmen: > ‪#‎tddl16‬.

Publikumspreis: Stimmabgabe nur am Samstag, 2. Juli, 15.00 bis 20.00 Uhr über das Internet.

Wahlmöglichkeit: Über die Webseiten von 3sat, BKS, Stadt Klagenfurt und Musilmuseum.
Anforderungen: E-Mail-Adresse und Begründung. Jede E-Mail-Adresse kann nur eine Stimme abgeben. Diese Stimme ist nur mit einer Begründung (max. 400 Zeichen) gültig. E-Mails an den Veranstalter werden nicht in die Wertung aufgenommen.

> Abstimmungsformular 3sat

> Nachgefragt: Jan Snela, Milchgesicht

Lesebericht. Merkur 806 – Juli 2016

30. Juni 2016 von

merkur-806„Die Lobby der Tiere“ lautet die Überschrift des Aufsatzes von Reinhard Brandt, der Philosophie an der Universität in Marburg lehrt. Er erklärt Grundsätzliches zum Empfinden der Tiere und räumt mit alterhergebrachten Irrtümern auf, indem er erstmal die Begriffe klärt: „Es gibt, so zeigte sich, eine psychische Domäne der Tiere zwischen bloßen Sachen, einem Dachziegel etwa, und einer denkfähigen Person.“ (S. 16).

Barbara Wittmann, hat sich die Salonmalerei genauer angesehen: „Die Viktorianer – unserer Zeitgenossen“ und berichtet über ihren erstaunlichen Wiederaufschwung. Die „peinture académique“ ist auch eng mit dem Salon de peinture et de sculpture (1791-1881) verbunden, der vor allem auch im Zweiten Kaiserreich dokumentierte, wie die Künstler mit ihren Werken dem Regime eine internationale Bühne geboten haben: H. Wittmann, Napoleon III. Kunst und Macht, hrsg. v. D. Hoeges, Frankfurt/M. 1013, S. 62 ff, 124 ff. In diesem Zusammenhang hat B. Wittmann das Musée d’Orsay und dessen Raumeinteilung genauer angesehen. Sie lädt uns ein, wieder dorthin zu gehen und die Salonkunst neu zu entdecken.

Thomas Thiemayer hat die Etnhnologische und genealogische Erinnerungsultur unter die Lupe genommen: „Deutschland postkolonial“, und berichtet über die heftigen Diskussionen zum Thema Berliner Humboldt-Froum., S. 39 ff.

Christoph Menke erinnenrt im Zusammenhang mit de Flüchtling an Hannah Arendt. Gerade hat der > Défenseur des droits, Jacques Toubon,auf unsere Fragen zu den Flüchtlingen geantwortet. Er will das Wort „Krise“ in diesem Zusammenhang vermeiden, eine Krise habe einen Anfang und ein Ende, aber die Migrationsbewegungen werden uns noch auf lange Zeit beschäftigen

>> Dieses Merkur-Heft digital (PDF, epub, mobi)

>> Das Heft gibt es jetzt günstig im MERKUR-Probeabo.
Andreas Eckert porträtiert Achille Mbembe : „Der Ausgang aus der großen Nacht“: „Der postkoloniale Star“. Jan Wilm erzählt über den US-Comedian Louis C.K. Jan von Brevern fragt „Ist Kunst widerständig“. Er war im Museum in Los Angeles: The Broad: „Es ist, wie gesagt, ein wunderbares Museum.“ S. 77.

Kommen noch die Marginalien: Erika Thomalla denkt über die Präsenzpflicht in deutschen Hochschulen nach. Markus Knell hat sich die automatischen Regeln in der Wirtschaftspolitik angesehen. Hannes Böhringer DesKnaben Wunderhorn aufgeschlagen und liest das Gedicht mit „3 Gänsen“: Die „Komik der langen Stange“. Harry Walter betrachtet ein Foto mit zwei Frauen und einem Pudel.

> Merkur 806 Juli 2016


Ganz aktuell:

Ermittlungsprotokoll: „Ich habe ihn getötet“ von Keigo Higashiono

22. Juni 2016 von

higashino-getoetet

Was soll man dazu sagen: Ein bekannter Drehbuchautor wird am Tag seiner Hochzeit vergiftet und bricht auf dem Weg zum Traualtar in der Kirche zusammen und stirbt. Als Täter kommen drei Menschen aus seinem Umfeld in Frage. Jeder von ihnen hatte offensichtlich die Gelegenheit dazu, sein Schnupfenmedikament durch eine Giftkapsel zu tauschen. Und jeder dieser Tatverdächtigen hat ein Motiv!

Wir erfahren aus den Ich-Perspektiven der Darsteller, was sich zugetragen hat. Jeder einzelne von ihnen kommt zu Wort, schildert seine Eindrücke und lässt uns an der Geschichte teilhaben. Doch passen Sie auf: Keiner der Beteiligten verbreitet falsche Informationen in den erzählenden Teilen seiner Ich-Perspektive. Das gilt jedoch nicht mehr für die direkte Rede, in der jeder sich nur zu seines Gunsten äußert.
higashino-getoetetEin wunderbar erzähltes Buch liegt auf meinem Schoß. Zugeklappt, nachdem ich den geschlossenen Druckbogen mit der sehnsüchtig erwarteten Anleitung zur Lösung dieses verworrenen Kriminalfalls mit einem scharfen Messer aufgetrennt habe. Wer ist denn der Mörder, wer ist schuld am Gifttod des Bräutigams Makoto Hodaka?

Ich drehe und wende das Buch – und komme einfach nicht drauf. Bewunderung schlägt in Frust um, und ich bin froh darüber, dass es bereits später Abend ist und lege mich enttäuscht schlafen.

Es klingelt. 7:03 Uhr zeigt der Wecker an. Kein Mensch steht sonntags um diese Zeit auf, aber ich muss es wissen. Ich schlage ganz willkürlich eine Seite auf und da steht erwas, was ich beim ersten Lesen tatsächlich übersehen habe. Die Stelle, in der unser Täter die Möglichkeit hatte, … das verrate ich hier nicht.

Bemerkung des > Buch und Medienblogs zur „Anleitung zur Lösung“: Erstmals wünschte ich mir, einen Kriminalroman als e-book zu besitzen, war ich mir doch so sicher, auf einer heißen Spur zu sein. Doch wo ist die Passage, mit des Rätsels Lösung? Richtig, indem ich durch die Eingabe von Schlagworten den Text durchsuchen würde. Doch ich habe nun einmal die Printausgabe…

> Leseprobe auf der Verlagsseite von Klett-Cotta

Keigo Higashino
> Ich habe ihn getötet. Inspektor Kaga ermittelt
Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe (Orig.: Watashi go kare)
1. Aufl. 2016, 352 Seiten, Klappenbroschur, mit geschlossenem Lösungsbogen
ISBN: 978-3-608-98306-7

Fußball

22. Juni 2016 von

Nachdem unser Kollege auf dem Frankreich-Blog dauernd aus gegebenem Anlass über Fußball und über die die EM schreibt, lehnen wir uns in den Spielpausen zurück, nutzen die Muße, um auszuspannen und zu lesen:

schroder-ich-pfeife Christoph Schröder pfeift seit fast 30 Jahren Fußballspiele. Aus dem reichen Schatz seiner Erfahrung wirft er ganz authentisch, mit viel Ironie einen Blick auf unseren wichtigsten Volkssport: skurrile, faszinierende und rührende Geschichten von merkwürdigen Ritualen, absurden Regeln, Sportplätzen mit Schieflage und natürlich von der Schönheit des wahren Fußballspiels. Warum steht er Wochenende für Wochenende auf zugigen Dorfsportplätzen und lässt sich beschimpfen? Aber erhält duch: Was muss man für ein Mensch sein, um sich das Hobby des Fußballschiedsrichters auszusuchen und dann auch noch, über Jahre und Jahrzehnte hinweg, dabeizubleiben?

Christoph Schröder
> ICH PFEIFE!
Aus dem Leben eines Amateurschiedsrichters
4. Aufl. 2015, 224 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-50332-6


kerr-wintertransferPhilip Kerr erzählt in > Der Wintertransfer eine erbarmungslose Jagd. Ein Grab mitten im Stadion, ein toter Trainer sind schon genug, um die Spannung anzutreiben. Für Scott Manson, Co-Trainer und Ermittler wider Willen, steht alles auf dem Spiel, nachdem aus der schönsten Nebensache der Welt blutiger Ernst geworden. Scott Manson Job als Co-Trainer ist es, die Mannschaft vom Erstligisten London City durch die Feiertage zu navigieren, und keiner macht ihn besser. Als sein Boss, die portugiesische Trainerlegende Zarco, ermordet wird, will Scott den Täter stellen und gerät er immer tiefer in den Strudel von Hinterzimmerdeals und Bestechungen der Liga. Dann kommt auch noch die Russenmafia ins Spiel.

> [Lesebericht] Philipp Kerr: Der Wintertransfer

Philip Kerr
> Der Wintertransfer
Thriller, aus dem Englischen von Axel Merz (Original: January Window)
5. Aufl. 2015, 425 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-50138-4


kerr-hand-gottesPhilip Kerr
rechnet in > Die Hand Gottes mit allem. Scott Manson, Cheftrainer, ist wieder im Karaiskakis Stadion mit dem Team vom skandalträchtigen Erstligisten London City. Sie wollen nur das Champions League Spiel gewinnen und nichts wie zurück ins kühle England. Als Scotts Topstürmer vor laufenden Kameras tot zusammenbricht, stellt die griechische Polizei stellt die gesamte Mannschaft unter Verdacht, und der ukrainische Clubchef und Ex Mafiaboss Sokolnikow verlangt schnelle Aufklärung.

Philip Kerr
> Die Hand Gottes
Thriller aus dem Englischen von Hannes Meyer (Orig.: Hand of God)
1. Aufl. 2016, 397 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-50139-1


horeni-boatengMichael Horeni geboren 1965, hat in Frankfurt Politologie studiert. Seit 1989 ist er in der Sportredaktion der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«, seit 2008 als Sport-Korrespondent in Berlin. Er kennt alles in den Kulissen der Fußballwelt. Drei deutsche Karrieren > Die Brüder Boateng, zwei Mütter, ein Vater, ein Ziel: Fußballprofi zu werden. George, der älteste, hat es nicht geschafft und züchtet Hunde und macht Musik. Kevin hat bei der WM 2010 für Ghana gespielt und trumpft nun bei AC Mailand auf. Bei Jérôme, so scheint es, lief alles nach Plan. Er verteidigt für den FC Bayern und die deutsche Nationalmannschaft.

Michael Horeni
> Die Brüder Boateng
Drei deutsche Karrieren
1. Aufl. 2012, 272 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-50308-1


koester-ballgefuehlPhilipp Köster, geboren 1972, gründete 2000 das Magazin für Fußball-Kultur »11 Freunde«. Als bekennender Arminia-Bielefeld-Fan schreibt er eine Kolumne in der Tageszeitung »Neue Westfälische« und der Lippischen Landes-Zeitung«, die an jedem Spieltag von Arminia Bielefeld erscheint. In > Ballgefühl und Rassehasen steht deutsche Fußballgeschichte: Günter Hetzer und seine trinkfesten Kollegen Delle, Waldi und Trollinger. Langbeinige Rassehasen, Schampus satt und auf der Doppelnull ein flinkes Zungenkompott mit den Ladies aus dem Alcazar – Onkel Günter und die Clique lassen nichts anbrennen. Denn die Jungs sind immer mit dabei: auf der legendären Weihnachtsfeier des FC Bayern, zu Besuch bei Nasenbär Christoph Daum in Florida, wenn im Weserstadion eine Kabelmuffe durchbrennt und wenn »Horny Mike« Skibbe beim Länderspiel in Rumänien steil geht.

Philipp Köster
> Ballgefühl und Rassehasen
Die Günter-Hetzer-Kolumnen

3. Aufl. 2010, 165 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-608-50073-8


koester-viererketteNoch mehr Geschichten von Philipp Köster. Im Mannschaftshotel der Nationalelf oder auf der Weihnachtsfeier beim FC Bayern, die Clique um Günter Hetzer steht wieder am Tresen und lässt den Zapfhahn glühen. > Viererkette auf der Doppelnull erzählt vom Frauenversteher Delle und dem bayerischen Urviech Waldi. Neu – allerdings ohne Chance auf Vollmitgliedschaft – ist »Horny Mike« als Junior. Gemeinsam erlebt die Clique spannende Abenteuer: »Wer sich erinnert, war nicht dabei!«

Philipp Köster
> Viererkette auf der Doppelnull
Die Günter-Hetzer-Kolumne
Mit einem Vorwort von Waldemar Hartmann
1. Aufl. 2010, 175 Seiten, broschiert mit 4 farbigen Abbildungen
ISBN: 978-3-608-50301-2

Anmerkungen zum Lesebericht: Boris Johnson, Der Churchill-Faktor vom 18. Januar 2016

21. Juni 2016 von

boris-johnson-churchill

„Hm, ein bisschen lang, aber der Autor dieses Beitrags hat sich nur auf die auf die allerwesentlichsten Leseergebnisse aus diesem Buch beschränkt; aber die Anregungen durch Johnsons Buch, Quellen nachzulesen, konnte der Autor sich nicht verkneifen und schließlich beantwortet er als Zusammenfassung dieses langen Artikels die Frage, warum Boris Johnson dieses Buch verfasst hat.“ So fing unser > Lesebericht zu Boris Johnson, Der Churchill-Faktor (Sir Winston Leonard Spencer-Churchill, 1874-1965) am 18. Januar 2016 an.


Wie gerne hätten wir Boris Johnson interviewt: Nachgefragt… Aber sein Eintreten für den Brexit hat uns enttäuscht. Reines Machtkalkül, um vielleicht eines Tages die Nachfolge von PM Cameron anzutreten?. Und dabei hat er alle Seiten von Churchills Europapolitik so gründlich untersucht und dargestellt. Die Gegner von der Mitgliedschaft Englands in der EU finden bei Churchill viele Argumente, aber nur solange sie selektiv lesen. Lesen Sie alles, was er zur Europa sagt, dann verstehen sie, dass der Einfluss Englands, die lange demokratische Erfahrung in der EU als Stimme nicht fehlen darf, darauf sollten die Briten stolz sein. Die Brexit-Gegner, die Johnsons Buch lesen, müssten, wenn sie das Buch richtig verstehen, mit Remain stimmen.


In unserem Lesebricht hieß es auch: „So jetzt kommen wir zu der Frage, warum hat Boris Johnson dieses Buch geschrieben?“ … „Europa lautet das Stichwort. Gerade hadert England mal wieder mit der EU, und es steht sogar ein Volksentscheid an. Da kommt es wie gelegen, dass Johnson mit dem Kapitel 20 „Churchill, der Europäer“, an das „sperrige Thema der britischen Beziehungen zu ‚Europa’“ (S. 334) erinnert. Der Reihe nach: Die Befürworter und die Gegner Europas finden viele Argumente bei Churchill.“ … „Die Gegner Europas haben es leicht, bei Churchill ihre Argumente zu finden, solange sie auswählen und nicht alles lesen: 1930 steht in einem Zeitungsartikel von Churchill etwas über die drei Rollen Großbritanniens: Europäische Nation, Mittelpunkt des British Empires und Partnerland der englischsprachigen Welt – alles gleichzeitig. (vgl. S. 347)… Wäre Churchill 1948 Premierminister geworden, dann hätte er Europa seinen Churchill-Faktor aufgedrückt, dann wäre ein EU-Modell entstanden, angelsächsischer orientiert und demokratischer. (vgl. S. 348) Also, aus diesem Buch können Europakritiker in England lernen, wieso die EU und der Gedanke der Vereinigten Staaten von Europa wichtig ist, und die Befürworter können lernen, wie sie ihre Position noch besser vertreten können.“

boris-johnson-churchill

Boris Johnson,
> Der Churchill-Faktor
Aus dem Englischen von Norbert Juraschitz und
Werner Roller (Original: The Churchill Factor. How One Man Made History)
2. Druckaufl. 2015, 472 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, mit zahlreichen s/w Abb. und 3×8 Seiten Tafelteil
ISBN: 978-3-608-94898-1

Lesebericht Merkur 805 Juni 2016 (I)

16. Juni 2016 von

merkur-6-2016Die Ausgabe vom > MERKUR 805, Juni 2016 beginnt mit einem Essay von Bernhard Schlink über die „Praktische Gerechtigkeit“. Ist Gerechtigkeit wirklich immer schon eine Art Ungleichbehandlung gewesen? Damit würde das Wort „Gerecht“ auf eine andere Ebene gehoben und wir wären einen Teil der Diskussion los? Er hat einen Essay – nach der > Art von Montaigne verfasst, der seinen Gegenstand von verschiedenen Seiten beleuchtet, um ihn herumgeht, ohne unbedingt eine fertige Lösung zu präsentieren. Martin Burckhardt hat sich die „Modernität der Populismen“ angesehen. Passen die beiden Substantive überhaupt zusammen? Der Einfluss der Medien, neue Kommunikationstechniken in jeder Hinsicht, ein neues Koordinatensystem der Politik führen zu ganz neuen Aspekten der Identitätspolitik und Fundamentalismen jeder Art. (vgl. S. 20 f.) Thomas Etzenmüller berichtet aus dem „Maschinenraum einer untoten Disziplin“: „Was können wir von der Rassenanthropologie lernen?“ Sollte man nicht gleich „Rassenwahn“ in den Titel setzen? Fabian Steinhauer rezensiert den Band von Christoph Möllers Die Möglichkeit der Normen. Übrer ein Praxis jenseits von Moralitärecht, Berlin: Suhrkamp 2016 und gibt sich nicht überzeugt davon. In Matthias Dells Medienkolumne steht Ai Weiwei und die Fußball-EM im Vordergrund. Ekkehard Knörer hat neue und neuaufgelegte Krimis gelsen. Marcus Twellmann berichtet über über Juli Zehs Gesellschaftsroman „Unterleuten“. In den Marginalien schreibt Hannelore Schlaffer über ihre Erinnerungen an Hans Robert Jauß, der in Konstanz lehrte: „Kleine Apologie“. Seine NS-Vergangenheit war spät, zu spät bekanntgeworden. „Österreich, wie es ist“ weiß Peter Stachel. Leander Steinkopf erinnert an die „Fetten Zeiten“. Harry Walter betrachtet wieder ein gefundenes Foto.

> MERKUR 805, Juni 2016

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